Welche Wirkung hat das Sportfernsehen?

Sport im Fernsehen, das ist Unterhaltung für viele, kostengünstige Schleichwerbung für wenige, wichtige Informationsquelle über Ergebnisse und Tabellenplätze für Sportexperten¹, reizvolles Zahlenspielen für Glücksritter und langweiliges Ritual für Desinteressierte. Gewinn oder Verlust, Überleben oder Zukunft, so lauten darüber hinaus die Fragen, die sich für Sportorganisationen, Veranstalter von Sportereignissen, für Athleten, aber auch für die Medien selbst mit dem Sport im Fernsehen stellen können.

Sport im Fernsehen, das kann auch Diktat der Wettkampfzeiten bei Olympischen Spielen durch amerikanische Sendeanstalten, Änderung der Sportregeln zu Gunsten der Fernsehdramaturgie, aber auch weltweite Popularität der Sportstars, Transformation des Sports in eine universelle Kultur über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg bedeuten. Der Sport im Fernsehen hat auf diese Weise eine kaum zu unterschätzende Breitenwirkung. Die umfassende Präsentation des Sports im Fernsehen wertet die so ins Bild gesetzten Personen, Ereignisse und Institutionen ganz wesentlich auf, gibt ihnen Macht und Einfluss. Immer offensichtlicher wird dabei, dass das Fernsehen und die Realität des Sports nicht nur in Ausschnitten vermittelt, sondern dass es diese auch selbst gestaltet, verändert und manipuliert, im positiven wie im negativen Sinne. Weiterlesen

Olympische Sportstätten, oder: zur „Nachhaltigkeit“ eines Vorurteils

Die öffentliche Meinung von den modernen Olympischen Spielen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weist von Nation zu Nation große Unterschiede auf. Die empirischen Befunde und Fakten, die Bewertungen und Urteile aber auch die Vorurteile über die Spiele und den Olympismus, die die Menschen in diesen Nationen erhalten, kennen und teilen oder ablehnen, hängen dabei in erster Linie von der massenmedialen Berichterstattung ab, der die Menschen in ihren Ländern ausgesetzt sind. Das Bild, das von den Massenmedien von den Olympischen Spielen und vom Olympismus gezeichnet wird, ist dabei meist von Topoi geprägt, die von Journalisten¹ in ihrer Berichterstattung oft weltweit redundant wiederholt werden, so dass die Topoi sich mittlerweile zu Stereotypen entwickelt haben, die meist unhinterfragt Jahr für Jahr wiederholt und tradiert werden. Folgt man dieser an Stereotypen orientierten Berichterstattung, so sind olympische Funktionäre korrupt, das IOC in seiner organisatorischen Verfasstheit undemokratisch, die Spiele selbst zu teuer und die Athleten werden bei diesen Spielen ausgebeutet. Weiterlesen

Beijing 2022 – Eine fragwürdige deutsche Kommunikationsbilanz

Es war wie immer, und doch war es ganz anders.
Wie immer wurde wenige Wochen vor den Olympischen Spielen – wie von unsichtbarer Hand gesteuert – ein journalistisches Theaterstück inszeniert, das bis zur Eröffnungsfeier der Spiele in mehreren Akten auf der Bühne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der führenden deutschen Tageszeitungen aufgeführt wurde. Wie vor den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi und den Winterspielen in Pjöngjang wurde auch vor den Winterspielen 2022 ein „Feldzug“ gegen den Gastgeber der Spiele, gegen das IOC und gegen den Olympismus im weitesten Sinne aufgeführt. Sämtliche mittlerweile hinreichend bekannte Szenen dieses Theaterstücks kamen dabei erneut wieder zur Aufführung: an erster Stelle stand dabei die Kritik der Menschenrechtsverletzungen durch die jeweiligen Gastgeber. 2008 war es die buddhistische Bevölkerung Tibets, die von der kommunistischen Regierung Chinas verfolgt wird, 2014 war es die Diskriminierung der LBTG Community durch Russlands Regierung, 2022 waren es die muslimischen Uiguren in der Provinz Xinjiang, die angeblich oder tatsächlich von der kommunistischen Regierung Chinas in Erziehungslagern gefangen gehalten werden. Jedem der Gastgeber wurden große ökologische „Verbrechen“ vorgeworfen, die Sinnhaftigkeit von Winterspielen in den jeweiligen Ländern wurde infrage gestellt, Winterspiele wurden zu einem europäischen Vermächtnis stilisiert, dem IOC wurde und wird der Ausverkauf der olympischen Werte und Ideale vorgehalten. Weiterlesen

Doping durch Hautkontakt: Von der Panikmache wegen angeblicher Doping-Anschläge über die Umkehr der Beweislast zur Legalisierung von Doping?

Gastbeitrag von Gerd Machalett & Henner Misersky

Der „Dopingspezialist“ Hajo Seppelt ist auf dem besten Wege zum ehemals gefeierten Claas Relotius des abgabenfinanzierten Staatsfernsehens aufzusteigen. Sein Hang zum fiktionalen Journalismus und zur billigen Stimmungsmache ist nicht zu übersehen. Wieder einmal ist es ihm mit einer sogenannten Dokumentation gelungen, aus einer(altbekannten)“Pflaume“ einen ganzen „Eimer“ Mus zu produzieren.

In der Sportschau am 16.7.2021-wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokyo- verbreitete Hajo Seppelt in einer Doku in altbekannter Manier eine allgemeine Doping-Panik. Diesmal wurde die Gefährdung der Sportler durch „Doping-Anschläge“ in den Mittelpunkt gerückt. Aus den Ergebnissen eines Doping-Experiments mit 12 Testpersonen im Rechtsmedizinischen Institut der Universität zu Köln, durchgeführt im Oktober 2020, schlussfolgerte Seppelt mit der für ihn typischen „Entschlossenheit“, dass es jederzeit möglich sei, „ungewollt gedopt“ zu werden. Dazu würde eine flüchtige Berührung, ein Handschlag, ein Schulterklopfen, eine Umarmung durchaus ausreichen. Seine erste kühne Schlussfolgerung: Nun müsste die „Umkehr der Beweislast“ im Sport „neu justiert werden“. Nicht der dopingverdächtige Leistungssportler hat seine Unschuld zu beweisen, die NADA bzw. die WADA haben gefälligst die Beweise zu erbringen. Gewiss hat jeder Mensch ein Recht auf freie Äußerung seiner Meinung. Aber hat er auch ein Recht auf eigene Fakten? Weiterlesen

Menschenversuche im Freizeitsport der DDR

Stellungnahme eines Zeitzeugen zur ARD-Dokumentation vom 25. Februar 2021
Von Helmar Gröbel

Am 25. Februar dieses Jahres wurde in der ARD eine 40-minütige Dokumentation von H. Seppelt über „Menschenversuche im Bereich des Freizeitsports der DDR“ gesendet. Ort der Handlungen war die DHfK in Leipzig Mitte der 1970er Jahre. Nach einigen Minuten des Zuschauens dieser „Dokumentation“ war ich mittendrin in den Erinnerungen an meine Studentenzeit, welche ich von 1972 bis 1976 an der DHfK in Leipzig absolvierte. Mein Herz schlug höher und in meinen Beinen spürte ich ein Gefühl als käme die Jugend zurück. Weiterlesen