Essay

Berufsfußball – ein relevanter Faktor am europäischen Arbeitsmarkt

Helmut Digel

Berufsfußball – ein relevanter Faktor am europäischen Arbeitsmarkt

*Die Recherchen zu diesem Beitrag wurden mit verschiedenen KI-Programmen durchgeführt

Einleitung

Der Berufsfußball beziehungsweise der Beruf des Fußballspielers hat mittlerweile schon eine sehr lange Tradition. Der Beruf des Fußballspielers – im Sinne eines Profisportlers, der für das Spielen bezahlt wird und damit seinen Lebensunterhalt bestreitet entstand in den späten 1870er-Jahren in Großbritannien und wurde dort im Jahr 1885 offiziell legalisiert.

Zuvor war Fußball ein reiner Amateursport der Oberschicht. Die Entwicklung zum anerkannten Beruf verlief in mehreren historischen Etappen:

Der erste Profi der Welt (1878)

Als welterster professioneller Fußballspieler gilt der Schotte  Fergus Suter. Der Steinmetz wechselte 1878 vom schottischen Partick FC zum englischen Club Darwen FC und kurz darauf zu den Blackburn Rovers. Da der englische Fußballverband (FA) Zahlungen an Spieler damals noch streng verbot, wurde Suter unter dem Deckmantel einer Scheinanstellung in einer Textilfabrik bezahlt. Er wurde geholt, weil er das damals revolutionäre schottische Kombinations- und Passspiel beherrschte.

Die offizielle Legalisierung in England (1885)

Da immer mehr Arbeitervereine aus dem Norden Englands ihren besten Spielern heimlich Geld zahlten (sogenannter „Scheinamateurismus“), drohte eine Spaltung des Verbandes. Die englische Football Association gab dem Druck schließlich nach und legalisierte den Berufsfußball im Juli 1885. Nur drei Jahre später, 1888, wurde mit der Football League die erste Profiliga der Welt gegründet.

Kontinentaleuropa und Österreich (1924)

Auf dem europäischen Festland dauerte es deutlich länger. Als Vorreiter gilt Österreich: In der Saison 1924/25 wurde dort die erste offizielle Profimeisterschaft außerhalb Großbritanniens ausgetragen. Clubs wie die Wiener Hakoah oder Rapid Wien beschäftigten fortan echte Berufsfußballer.

Der späte Übergang in Deutschland (1932 / 1963)

In Deutschland hielt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) extrem lange und dogmatisch am „Amateurideal“ fest; Bezahlung für Sport galt lange Zeit als verpönt und unsportlich.

  • 1932 beschloss der DFB zwar die Einführung eines „Berufsspielers“, die politische Entwicklung durch die Nationalsozialisten ab 1933 stoppte diese Pläne jedoch umgehend.
  • Nach 1945 wurde das System des „Vertragsspielers“ eingeführt. Spieler durften „nebenbei“ Geld verdienen, mussten aber zwingend einen bürgerlichen Hauptberuf nachweisen und durften nur ein begrenztes „Taschengeld“ vom Verein erhalten.
  • Erst mit der Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 wurde der Beruf des Fußballprofis in Deutschland endgültig Realität. Doch selbst damals war das Gehalt noch staatlich gedeckelt (auf maximal 1.200 D-Mark im Monat). Vollständig freie, professionelle Arbeitsbedingungen nach modernem Vorbild gibt es in Deutschland erst seit den 1970er- und 1980er-Jahren.

In der Zeit vor der Gründung der Bundesliga spielten in den besten deutschen Fußballvereinen in der Regel nicht mehr als 18 Vertragsfußballer. Sie übten diesen Beruf durchschnittlich zehn Jahre aus. Im Alter von 28 Jahren wechselte man in dieser Zeit meist in die „AH“- Mannschaft („Alte Herren“) seines Vereins. Im Vergleich zu Werktätigen in einem Handwerksbetrieb oder in einem Industrieunternehmen war das Gehalt eines Vertragsspielers durchaus gut. Jedoch war die Differenz sehr viel geringer, als sie heute im Jahr 2026 im Berufsfeld des Profifußballs im Verhältnis zu normalen Berufstätigen anzutreffen ist. Neben den bezahlten Spielern wurde damals lediglich noch ein Trainer pro Mannschaft bezahlt. Alles weitere Personal war ehrenamtlich für den Verein tätig.

Knapp 70 Jahre später hat er Berufsfußball eine ganz neue Quantität und Qualität erreicht. Die großen Fußballklubs sind mittlerweile überall in der Welt zu mittelständischen Unternehmen angewachsen und haben hochdifferenzierte Arbeitsstrukturen geschaffen, über die selbst die meisten Fußballfans nicht Bescheid wissen, die jedoch äußerst relevant für den sportlichen und ökomischen Erfolg eines modernen Fußballklubs geworden sind.

Der Profifußball ist auch längst nicht mehr nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftssektor. In Deutschland, England, Spanien, Frankreich und Italien entstehen Arbeitsplätze nicht nur bei Vereinen und Ligen, sondern – gewissermaßen im „Schlepptau“ – ebenso in den Medien, beim Stadionbetrieb und in den Bereichen Sicherheit, Gastronomie, Verkehr, Tourismus, Werbung und Sportartikelwirtschaft.

Der Arbeitsmarkt im europäischen Profifußball hat sich über die letzten Jahrzehnte zu einem hochentwickelten, globalisierten und ökonomisch hochgradig ausdifferenzierten „Sonderarbeitsmarkt“ gewandelt. Im Zentrum steht der Mechanismus, dass „menschliches Kapital“ (die sportliche sowie kommerzielle Leistungsfähigkeit von Spielern[1], Trainern und weiteren  Spezialisten), gesichert über befristete Dienstverträge und ein spezifisches System von Ausbildungsentschädigungen und Ablösesummen, auf dem Markt „gehandelt“ wird. Dieser Markt beschränkt sich längst nicht mehr auf die Akteure auf dem Platz, sondern umfasst ein riesiges Ökosystem aus administrativen, medizinischen, technischen und kommerziellen Arbeitsplätzen. Am Beispiel der fünf großen europäischen Fußballligen soll dies im Folgenden verdeutlicht werden.

Der Arbeitsmarkt Profifußball in den europäischen Top-Fünf-Ligen

England (Premier League)

Die Premier League ist der Primus der Kommerzialisierung des Fußballes. Sie bildet den finanz- und personalstärksten Arbeitsmarkt im Weltfußball.

  • Arbeitsmarkt- & Beschäftigungszahlen: Im gesamten Sportsektor des Vereinigten Königreichs sind rund 1,25 Millionen Menschen beschäftigt. Allein der professionelle Fußball (Premier League und English Football League) sichert – direkt und indirekt (inkl. Spieltag-Service, Medien, Fan-Performance und Logistik) – geschätzt über 100.000 Arbeitsplätze.
  • Arbeitsmarktstruktur: Der englische Markt zeichnet sich durch eine enorme „Importquote“ internationaler Top-Talente aus. Strengere Arbeitsvisum-Regelungen nach dem Brexit (Governing Body Endorsement / GBE-Kriterien) steuern die Zuwanderung ausländischer Profis.
  • Gehalts- und Ablösedynamik: Die Clubs agieren oft als absolute „Preissetzer“. Dies führt zu einer ausgeprägten Polarisierung innerhalb des Kaders der meisten Teams(Spitzenverdiener vs. Ergänzungsspieler) und einer extrem hohen Fluktuation im Trainerbereich.

Deutschland (Bundesliga)

Die Bundesliga hebt sich durch verhältnismäßig stabile Finanzstrukturen und das strikte Regularium der 50+1-Regel ab.

  • Arbeitsmarkt- & Beschäftigungszahlen: Nach offiziellen Erhebungen der DFL (Deutsche Fußball Liga) verfügt der deutsche Lizenzfußball (1. und 2. Bundesliga) direkt und indirekt über 61.700 Beschäftigte. Rechnet man den gesamten Fußballbereich inklusive des Amateursports und der Verbandsstrukturen hinzu, hängen laut Branchenanalysen über 147.000 Vollzeit-Arbeitsplätze an der Sportart.
  • Arbeitsmarktstruktur: Ein starker Fokus liegt auf der internen Talentförderung über Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Der Markt agiert hochgradig ausbildungs- und weiterverkaufsorientiert (Entwicklungsort für internationale Talente).
  • Gehalts- und Ablösedynamik: Moderates Gehalt-zu-Umsatz-Verhältnis im Liga-Durchschnitt. Das Lohngefüge ist außerhalb der absoluten Spitze deutlich homogener strukturiert als in England.

Spanien (La Liga)

Der spanische Arbeitsmarkt ist geprägt von der historischen Dominanz von Real Madrid und FC Barcelona sowie strengen liga-internen Gehaltsobergrenzen (Límite Salarial).

  • Arbeitsmarkt- & Beschäftigungszahlen: Der Sportsektor in Spanien macht rund 1,17 % der Gesamtbeschäftigung des Landes aus. Der Profifußball (La Liga EA Sports & La Liga Hypermotion) generiert direkt und indirekt schätzungsweise 190000 Arbeitsplätze, verteilt auf Vereinsangestellte, Stadioninfrastruktur, Medien und Sicherheit.
  • Arbeitsmarktstruktur: Hochklassige Ausbildungssysteme (Canteras) treffen auf eine zweigeteilte Arbeitsmarktrealität. Wichtig ist auch der Einfluss der Nicht-EU-Spieler-Regelung.
  • Gehalts- und Ablösedynamik: La Liga setzt durch das finanzielle Fairplay der Liga eine strikte Gehaltsobergrenze durch, die sich direkt am Umsatz des jeweiligen Vereins orientiert. Dies schränkt die Handlungsfähigkeit finanziell angeschlagener Clubs stark ein.

Frankreich (Ligue 1)

Frankreichs Arbeitsmarkt gilt als eine der produktivsten Kaderschmieden im Weltfußball.

  • Arbeitsmarkt- & Beschäftigungszahlen: Der französische Profifußball (Ligue 1 & Ligue 2) beschäftigt direkt rund 40.000 Menschen (darunter Profispieler, Trainerteams, medizinischer Staff sowie Verwaltungs- und Stadionpersonal). Der Dachverband Fédération Française de Football (FFF) führt global etwa 2.000 direkte Verbandsangestellte.
  • Arbeitsmarktstruktur: Erstklassige Nachwuchsakademien bringen fortlaufend Top-Talente hervor. Aufgrund der finanziellen Asymmetrie zur Premier League agiert die Ligue 1 überwiegend als Exporteuer von Humanressourcen.
  • Gehalts- und Ablösedynamik: Es herrscht eine extreme Bipolarität zwischen dem finanziellen Branchenprimus Paris Saint-Germain und den restlichen Ligaclubs, die stark auf Transfereinnahmen zur Konsolidierung ihrer Etats angewiesen sind.

Italien (Serie A):

Die Serie A befindet sich in einer Transformationsphase zwischen traditionsreicher Vergangenheit und modernen Managementansätzen.

  • Arbeitsmarkt- & Beschäftigungszahlen: Im gesamten italienischen Sportsektor arbeiten über 405.000 Menschen. Der Profifußball nimmt hierbei die Schlüsselrolle ein und sichert über direkte Vereinsanstellungen und den Spieltagsbetrieb schätzungsweise 140.000 Arbeitsplätze.
  • Arbeitsmarktstruktur: Der italienische Markt war lange Zeit für ein vergleichsweise hohes Durchschnittsalter der Kader bekannt, öffnet sich jedoch zunehmend verjüngten Rekrutierungsstrategien.
  • Gehalts- und Ablösedynamik: In den vergangenen Jahren prägten steuerliche Rahmenbedingungen (wie das inzwischen reformierte Decreto Crescita) die Gehälter internationaler Zugänge.

Spanien weist damit den höchsten der genannten Vergleichswerte auf, während Frankreich deutlich niedriger liegt. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der spanische Profifußball produktiver oder der französische strukturell schwächer ist. Entscheidend sind die jeweilige Methodik der Arbeitsmarktdaten-Erhebung, die Größe des betrachteten Marktes und die Frage, ob nur direkte Arbeitsplätze oder auch indirekte und induzierte Wirkungen einbezogen werden.

Für Deutschland errechnete McKinsey für die Saison 2018/19 rund 185.000 Beschäftigungsverhältnisse, die etwa 127.000 Vollzeitäquivalenten entsprachen. Nur ungefähr 21.000 dieser Vollzeitstellen lagen unmittelbar bei den Klubs der 1. und 2. Bundesliga oder bei der DFL. Der weitaus größere Teil entstand bei Lieferanten, Medien, Dienstleistungsunternehmen und weiteren wirtschaftlich begünstigten Branchen. Neuere DFL-Zahlen weisen für die Saison 2024/25 rund 64.122 direkt oder unmittelbar zugeordnete Beschäftigte aus. Diese Zahl ist enger definiert als die umfassende McKinsey-Berechnung und erfasst daher nicht alle Arbeitsplätze, die durch Spieltage, Medienrechte, Tourismus oder Konsumausgaben im Umfeld des Profifußballs getragen werden.

Deutschland verdeutlicht damit besonders stark den Unterschied zwischen dem Profifußball als Arbeitgeber und dem Profifußball als Wirtschaftsfaktor. Die Vereine selbst beschäftigen vergleichsweise wenige Menschen; ihre wirtschaftliche Nachfrage erzeugt jedoch zahlreiche zusätzliche Tätigkeiten außerhalb des Spielfelds.

Der englische Profifußball besitzt mit der Premier League die international stärkste kommerzielle „Marke“. Eine aktuelle Berechnung kommt auf mehr als 100.000 Vollzeitstellen. Dabei werden neben den direkten Klubarbeitsplätzen auch wirtschaftliche Wirkungen in Medien, Tourismus, Gastronomie, Verkehr, Sicherheit und Zulieferbranchen berücksichtigt.

Die englische Beschäftigungswirkung beruht stark auf der internationalen Vermarktung. Weltweite Fernsehrechte, globale Sponsoren, internationale Fans und der Besuch ausländischer Zuschauer erzeugen Nachfrage weit über die Spielorte hinaus.

Allerdings bezieht die Zahl nicht automatisch sämtliche Arbeitsplätze der gesamten englischen Fußballpyramide ein. Untere Profiligen, Frauenfußball und semiprofessionelle Wettbewerbe werden teilweise in gesonderten Untersuchungen betrachtet. Eine einheitliche Gesamtzahl für alle Ebenen liegt deshalb nicht vor.

In Spanien wurden für die Saison 2021/22 rund 194.381 Vollzeitarbeitsplätze im professionellen Fußball ermittelt. Davon entfielen etwa 66.541 Stellen auf direkte Beschäftigung, während rund 128.000 Arbeitsplätze indirekt oder induziert entstanden. Die hohe Zahl erklärt sich durch die starke wirtschaftliche Bedeutung von „La Liga“, die große internationale Reichweite der spanischen Spitzenklubs und die intensive Verflechtung mit Tourismus, Medien und Werbung. Fußballspiele erzeugen in Spanien nicht nur Einnahmen für Klubs und Liga, sondern auch für Hotels, Restaurants, Reiseveranstalter und lokale Dienstleister.

Die spanische Zahl ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, dass Beschäftigungsstatistiken häufig eher die wirtschaftliche Wirkung eines Sports als die Zahl seiner tatsächlichen Klubangestellten messen. Sie umfasst daher nicht nur Spieler, Trainer und Vereinsmitarbeiter, sondern auch Arbeitsplätze, die durch die Nachfrage des Fußballs entstehen.

Der französische Profifußball verfügte in der Saison 2022/23 nach einer Untersuchung von Foot Unis und Accuracy über rund 38.900 Vollzeitstellen. Davon entfielen etwa 7.745 Vollzeitäquivalente direkt auf die Profiklubs; der größere Teil entstand indirekt und induziert in verbundenen Wirtschaftszweigen. Frankreich liegt damit deutlich unter den Vergleichswerten Deutschlands, Englands, Spaniens und Italiens. Das ist teilweise auf die unterschiedliche Abgrenzung zurückzuführen. Die französische Studie konzentriert sich stärker auf den professionellen Fußballsektor und weist nicht dieselbe breite Gesamtwirkung aus wie die spanische oder die italienische Untersuchung. Trotz der geringeren Zahl bleibt der Profifußball ein relevanter Arbeitsmarkt. Die Studie ermittelte außerdem eine Wertschöpfung von rund 5,3 Milliarden Euro sowie erhebliche Beiträge zu Steuern und Sozialabgaben.

Für Italien ermittelte der „ReportCalcio“ der FIGC[2] knapp 130.000 Arbeitsplätze. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf das gesamte italienische Fußballökosystem und nicht ausschließlich auf den professionellen Männerfußball der Serie A, Serie B und Serie C. Einbezogen werden neben dem Profibetrieb auch Verbandsstrukturen, Medien, Jugend- und Amateurfußball sowie indirekte und induzierte Beschäftigung. Eine isolierte, methodisch vergleichbare Zahl für die Arbeitsplätze allein in Serie A, B und C wird öffentlich nicht ausgewiesen.

In allen fünf Ländern liegt die Zahl der direkten Arbeitsplätze deutlich unter der breiten Beschäftigungswirkung. Zu den direkten Stellen zählen vor allem:

– Spielerinnen und Spieler;

– Trainer, Ärztinnen und Ärzte sowie Sportwissenschaftler;

– Geschäftsführung und Verwaltung;

– Nachwuchsleistungszentren;

– Medien-, Marketing- und Kommunikationsabteilungen;

– Stadion- und Spielorganisation.

Indirekte Arbeitsplätze entstehen dagegen bei Unternehmen, die den Fußball beliefern oder von seinem Betrieb profitieren. Dazu gehören Sicherheitsdienste, Catering, Hotellerie, Verkehr, Bau, IT, Werbung, Medienproduktion und Sportartikelherstellung.

Hinzu kommen induzierte Effekte. Beschäftigte und Unternehmen geben ihre Einkommen wieder aus und schaffen dadurch zusätzliche Nachfrage in anderen Branchen. Diese dritte Kategorie ist volkswirtschaftlich sinnvoll, führt aber dazu, dass manche der ermittelten Zahlen nicht mit einer einfachen Beschäftigtenstatistik verwechselt werden darf.

Der Profifußball als regionaler Arbeitgeber

Die wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs zeigt sich nicht nur auf nationaler Ebene. Profiklubs sind häufig wichtige Arbeitgeber und Auftraggeber in einzelnen Städten und Regionen. Sie sichern Arbeitsplätze bei Stadionbetreibern, Sicherheitsunternehmen, kommunalen Verkehrsbetrieben, Hotels, Restaurants und lokalen Dienstleistern.

Besonders an Spieltagen entstehen kurzfristige und teilweise saisonale Beschäftigungen. Dazu gehören Ordner, Reinigungskräfte, Gastronomiepersonal, Ticketkontrolleure und Verkehrsdienste. Solche Tätigkeiten werden in manchen Studien als Vollzeitäquivalente berechnet, obwohl die einzelnen Personen möglicherweise nur stundenweise oder nur an wenigen Spieltagen arbeiten.

Der Arbeitsmarkt des Profifußballs besteht daher aus einer Mischung aus hochqualifizierten Dauerarbeitsplätzen und vielen flexiblen, teilzeitigen oder saisonalen Tätigkeiten.

Frauenfußball und untere Ligen

Die vorliegenden Studien erfassen den Frauenfußball und die unteren Männerligen nicht einheitlich. In Deutschland bezieht sich die enge DFL-Zahl primär auf die 1.  und 2. Bundesliga der Männer; die 3. Liga wird nicht von der DFL organisiert und die Regionalligen gehören überwiegend zum semiprofessionellen Bereich.

Auch in England, Spanien, Frankreich und Italien werden Frauenfußball, Jugendfußball und untere Spielklassen teilweise gesondert oder nur indirekt berücksichtigt und manchmal auch gar nicht. Eine umfassende europäische Statistik, die alle Arbeitsplätze von der ersten Liga bis zu semiprofessionellen Wettbewerben nach derselben Methode erfasst, existiert nicht.

Dadurch besteht die Gefahr, dass der Arbeitsmarkt des Frauenfußballs und der unteren Ligen unterschätzt wird. Zugleich wäre es methodisch falsch, ihre Beschäftigtenzahlen einfach zu den bereits berechneten volkswirtschaftlichen Effekten der Männerligen hinzuzurechnen, weil Überschneidungen möglich sind.

Aussagekraft des Vergleichs

Die Zahlen lassen sich nur als Größenordnungen interpretieren. Die wichtigsten Unterschiede liegen in vier Bereichen:

– Unterschiedliche Spielklassen: Manche Studien erfassen nur die obersten Ligen,

   andere das gesamte Profifußballsystem.

– Unterschiedliche Beschäftigungsbegriffe: Gezählt werden teils Personen, teils

   Beschäftigungsverhältnisse, teils Vollzeitäquivalente.

– Unterschiedliche indirekte Effekte: Nicht jede Studie berücksichtigt Tourismus,

   Medien, Gastronomie und Konsumausgaben im selben Umfang.

– Unterschiedliche Berichtsjahre: Die Ergebnisse stammen aus verschiedenen Jahren

   der Erhebung und sind daher nicht vollständig synchron.

Am belastbarsten ist deshalb die Feststellung, dass der Profifußball in allen fünf Ländern eine erhebliche Beschäftigungswirkung über den eigentlichen Klub hinaus entfaltet. Der Profifußball ist in Deutschland, England, Spanien, Frankreich und Italien ein eigenständiger Wirtschafts- und Arbeitsmarkt. Seine direkte Beschäftigung bei Vereinen und Ligen ist zwar relativ begrenzt, doch durch Medienrechte, Sponsoring, Stadionbetrieb, Tourismus, Gastronomie, Verkehr und Zulieferer entsteht ein großer Multiplikatoreffekt.

Spanien weist mit rund 194.000 Vollzeitarbeitsplätzen die höchste veröffentlichte breite Beschäftigungswirkung auf, gefolgt von Deutschland mit etwa 147.000 Vollzeitstellen und Italien mit knapp 130.000 jährlichen Arbeitseinheiten. England liegt mit mehr als 100.000 Vollzeitstellen im Umfeld der Premier League ebenfalls sehr hoch, während Frankreich mit rund 39.000 Vollzeitstellen eine deutlich enger gefasste, aber dennoch bedeutende Beschäftigungswirkung ausweist.

Der entscheidende wirtschaftspolitische Befund lautet somit: Der Profifußball schafft nicht nur Arbeitsplätze innerhalb seiner Klubs, sondern stabilisiert ein weit verzweigtes Dienstleistungs- und Medienökosystem. Seine Bedeutung für die Arbeitsmärkte der fünf Länder hängt deshalb weniger von der Zahl der angestellten Profispieler ab als von seiner Fähigkeit, Einkommen, Nachfrage, Investitionen und regionale Wertschöpfung in zahlreichen anderen Branchen hervorzurufen.

Ausgewählte Vereine, die seit vielen Jahren erfolgreich an der „UEFA- Champions League“ teilnehmen, als relevante Arbeitsmarktfaktoren

Um eine Antwort auf die hier behandelte Fragestellung noch zu vertiefen, bietet es sich an, die Strukturdaten von ausgewählten Clubs der UEFA-Champions League etwas genauer zu beleuchten. Aus den wichtigsten Fußball Nationen, England, Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien sollen deshalb die Vereine FC Bayern München, Paris Saint-Germain, Manchester United, Real Madrid und AC Mailand ausgesucht werden, um sie über ihre Strukturdaten vergleichend zu betrachten.

Es gibt auch hierzu keine einheitliche tagesaktuelle Datenbank, über die die genaue Anzahl der Mitarbeiter in allen einzelnen Arbeitsbereichen dieser Clubs zeitgleich erfasst werden könnten, doch aus den Jahres- und Geschäftsberichten dieser Vereine lassen sich die Mitarbeiterzahlen aggregieren, wobei zu berücksichtigen ist, dass es sehr viele Teilzeitkräfte gibt und auch noch das

Event-Personal zu berücksichtigen ist, das an den Spieltagen die Durchführung der Wettkämpfe erst möglich macht.

Die folgende Übersicht versucht dennoch ein realistisches Bild zu zeigen, wie die Beschäftigungsstruktur in den ausgewählten Fußballmannschaften aussieht.

 

Quantität und Qualität der Arbeitsstrukturen

Real Madrid

  • Quantität: Real Madrid weist laut aktuellen Finanz- und Geschäftsberichten eine feste Stammbelegschaft von rund 1.070 bis 1.160 festangestellten Mitarbeitern auf. Diese Zahl unterteilt sich in das sportliche Personal (Fußball- und Basketballkader sowie Trainerstäbe), die Nachwuchsakademie  (La Fábrica) und die breite kaufmännische Verwaltung. Bei Heimspielen im Santiago-Bernabéu-Stadion kommen durch Logistik, Gastronomie, Eventmanagement und Sicherheit Tausende temporäre Arbeitsplätze hinzu.
  • Sportlicher Bereich: 400–500 (Spieler, Trainer, Betreuer, Nachwuchsakademie für Fußball & Basketball)
  • Verwaltung & Kommerzielles: 500–600 (Marketing, Finanzen, IT, Stadionbetrieb, Medien
  • Qualität: Das Trainingszentrum Ciudad Real Madrid in Valdebebas gilt weltweit als eine der modernsten Arbeitsstätten im Profisport. Der Verein zeichnet sich durch extrem hohe betriebswirtschaftliche Effizienz aus (Personalkostenquote weit unter der kritischen 70%-Marke) und kombiniert herausragende sportwissenschaftliche Betreuung mit weltweiter kommerzieller Skalierbarkeit.

 

FC Bayern München

  • Quantität: Der FC Bayern beschäftigt an seinen Standorten (Säbener Straße, FC Bayern Campus, Office-Standorte global) über 1.000 festangestellte Mitarbeiter in der FC Bayern München AG und dem e.V. Hinzu kommen Spieltags- und Aushilfskräfte in der Allianz Arena.
  • Qualität: Ausgezeichnete Arbeitsbedingungen mit kurzen Entscheidungswegen in der FC Bayern München AG: ca. 700–800 Angestellte in der Profifußball-Organisation (Sport, Marketing, Internationalisierung, Allianz Arena Stadion GmbH)
  • Vereinsbasis (e.V.): ca. 100–200 Mitarbeiter für Breitensport und Nachwuchs mit einer festen Hierarchie. Der Club kombiniert finanzielle Disziplin mit verlässlichen Sozial- und Arbeitsstandards. Die medizinische Betreuung und die sportwissenschaftliche Diagnostik gehören zur internationalen Spitze.

Manchester United

  • Quantität: Mit global rund 4.500 bis 5.000 Mitarbeitern (inklusive Teilzeit- und Spieltagspersonal sowie internationalen Marketingbüros) gilt Manchester United als eines der umfangreichsten Unternehmen im Weltfußball. Der administrative und kommerzielle Sektor macht dabei den Großteil der Angestellten aus.
  • Sport & Akademie: 300–400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Kommerz, Verwaltung & Medien: 600–700 (United betreibt extrem große hauseigene Marketing- und Medienabteilungen)
  • Qualität: Die Qualitätsstrukturen befanden sich in der Vergangenheit durch infrastrukturellen Rückstand (Trainingsgelände Carrington) und unklare Hierarchien im Wandel. Unter der sportlichen Führung von Ineos wird derzeit eine fundamentale Restrukturierung vollzogen, um Bürokratie abzubauen, Stellen zu konsolidieren, Datenanalytik zu stärken und die Professionalität der Arbeitsabläufe neu auszurichten.

Paris Saint-Germain (PSG)

  • Quantität: PSG beschäftigt direkt und indirekt schätzungsweise 1.700 bis 1.800 Mitarbeiter. Ein großer Teil des Personals entfällt auf die Bereiche globale Markenentwicklung, Lifestyle, Merchandising und die Betreuung des „Star-Kaders“.
  • Qualität: Mit der Eröffnung des neuen, hochmodernen Trainingskomplexes in Poissy verfügt PSG über eine der fortschrittlichsten Sport-Infrastrukturen weltweit. Nach Jahren einer kunden- und starfokussierten Kultur richtet PSG seine Arbeitsstrukturen zunehmend auf disziplinierte Nachwuchsförderung und sportwissenschaftliche Exzellenz aus

AC Mailand (AC Milan)

  • Quantität: Der AC Mailand kommt auf schätzungsweise 1.000 bis 1.600 Beschäftigte (inklusive des erweiterten Spieltags- und Medienpersonals). Unter der Eignerschaft von „RedBird Capital Partners“ wird die Kernbelegschaft bewusst schlank gehalten.
  • Qualität: Die Arbeitsqualität zeichnet sich durch die Integration von Sport Analytics, Biomechanik und datengestützter Rekrutierung (Moneyball-Prinzipien[3]) aus. Die traditionsreiche Trainingsstätte Milanello wurde modernisiert, während der Club effizient strukturierte Prozesse zur Steigerung der Kaderwertschöpfung nutzt.

Typische Arbeitsbereiche in einem Champions-League-Club

Wenn man die Belegschaft eines modernen Elite-Clubs aufteilt, arbeiten die Angestellten im Wesentlichen in fünf Kernbereichen:

  1. Sportlicher Sektor: Lizenzspieler (Männer/Frauen), Trainerteam, Scouting-Abteilung, Videoanalysten, Jugendakademie (Trainer und Pädagogen).
  2. Medizin & Fitness: Mannschaftsärzte, Physiotherapeuten, Fitnesstrainer, Ernährungsberater, Sportpsychologen.
  3. Kommerz & Marketing: Sponsoring-Betreuung, Global Sales, Merchandise- und Shop-Mitarbeiter, Ticketing, International Offices (z.B. in New York und Shanghai).
  4. Medien & Kommunikation: Social-Media-Manager, Club-TV-Redakteure, PR-Manager, Pressestelle.
  5. Stadion, Infrastruktur & Verwaltung: Greenkeeper (Rasenpflege), Facility Management, IT-Sicherheit, Finanzbuchhaltung, Personalabteilung (HR) und juristischer Dienst (Legal).

(Die Reinigungskräfte, das Catering-Personal sowie die Ordner am Spieltag werden von fast allen Top-Clubs über externe Dienstleister gebucht und tauchen daher meist nicht in den offiziellen Mitarbeiterzahlen der Vereine auf).

Analyse der Gehaltsstrukturen & Umsatzbesonderheiten

 FC Bayern München

Der FC Bayern gleicht die TV-Geld-Nachteile der Bundesliga im Vergleich zur englischen Premier League durch eine branchenweit überragende Sponsoring- und Marketingabteilung aus. Der FC Bayern leistet sich punktuell absolute Top-Verdiener (wie Harry Kane), hält das Gesamtgefüge aber streng unter Kontrolle. Die Personalkostenquote überschreitet selten die kritische UEFA-Benchmark von 60 %[4], was den Club zum finanziell gesündesten „Fußball-Schwergewicht“ Europas macht.

Real Madrid

 Real hat als erster Club die Umsatzmarke von 1,2 Milliarden Euro „geknackt“. Der finale Gamechanger ist das modernisierte Stadion Bernabéu, das durch ein einfahrbares Spielfeld 365 Tage im Jahr für Konzerte und Events (NFL etc.) genutzt wird und enorme „Non-Matchday-Umsätze“ generiert.  Real beweist, dass „galaktische Gehälter“ und Budgetdisziplin kein Widerspruch sein müssen. Die Gehaltshierarchie ist extrem flach und diszipliniert gestaltet: An der Spitze steht eine definierte Kategorie (z.B. Kylian Mbappé, Jude Bellingham, Vinícius Jr.), gefolgt von einer strikt abgestuften „Mittelschicht“.

Paris Saint-Germain

PSG ist extrem abhängig von seinen kommerziellen Partnern aus dem arabischen Raum sowie globalen Modemarken (wie Jordan). Das Ticketing leidet unter dem –  im Vergleich mit den anderen Vereinen – zu kleinen Stadion. Nach dem Abschied von Großverdienern wie Messi, Neymar und Mbappé hat PSG seine Gehaltsstruktur radikal umgebaut. Die Personalkostenquote, die in Spitzenzeiten weit über 70 % lag, wird im Zuge der neuen UEFA-Financial-Sustainability-Regeln schrittweise gesundgeschrumpft.

Manchester United

Kommerziell ist Manchester United ein Phänomen – die weltweite Fanbasis garantiert gigantische Sponsoringverträge, selbst in sportlich „mageren“ Jahren. Das Stadion (Old Trafford) wirft enorme Spieltageinnahmen ab, ist jedoch sanierungsbedürftig. Der Club litt jahrelang unter einer „überteuerten“ Gehaltsstruktur für mäßigen sportlichen Erfolg. Unter dem neuen sportlichen Leiter INEOS (Sir Jim Ratcliffe) wird ein harter Sparkurs gefahren, der sowohl betriebliche Mitarbeiter (Stellenabbau) als auch die Reduzierung von astronomischen Grundgehältern bei Spielerverlängerungen umfasst.

AC Mailand

Mailand hat unter RedBird Capital die 490-Millionen-Euro-Umsatzmarke durchbrochen. Da die TV-Gelder in Italien stagnieren und das geteilte San Siro-Stadion die Ticketing-Einnahmen im Vergleich zu Bayern oder Real deckelt, liegt der Fokus voll auf der Kommerzialisierung des „Milano“-Lifestyles im Ausland (insbesondere in den USA).

  • Der AC Milano ist das genaue Gegenteil von PSG. Der Club zahlt im Vergleich zu den anderen vier „Giganten“ nur rund ein Drittel an Gesamtgehältern. Es gibt eine strikte, interne Gehaltsobergrenze für Topstars (wie Rafael Leão, Christian Pulisic oder Mike Maignan). Durch diesen Sparansatz schafft es der Club, trotz deutlich geringerer finanzieller Mittel sportlich in der Champions League konkurrenzfähig zu bleiben und das dritte Jahr in Folge grüne Zahlen (Gewinn) zu schreiben.

Wirtschaftliche Kennzahlen der fünf Vereine

Real Madrid ist beim Umsatz der deutlich führende Klub des Vergleichs. 2023/24 überschritt der Verein erstmals die Marke von einer Milliarde Euro; rund 482 Mio. Euro stammten aus kommerziellen Einnahmen, rund 316 Mio. Euro aus Übertragungsrechten und rund 248 Mio. Euro aus Spieltagseinnahmen.

Die außergewöhnlich hohen Spieltagseinnahmen hängen wesentlich mit dem umgebauten Santiago Bernabéu zusammen. Das Stadion ist nicht nur Spielstätte, sondern zunehmend auch Veranstaltungs-, Hospitality- und Vermarktungsplattform. Real Madrid erzielt daher sowohl durch Tickets als auch durch Premiumangebote und Stadionaktivitäten hohe Einnahmen.

Im Sponsoring ist Real Madrid global besonders stark positioniert. Die Marke, die internationale Fangemeinde, die sportlichen Erfolge und die globale Reichweite ermöglichen hohe Einnahmen aus Trikotwerbung, Partnerschaften, Merchandising und Lizenzen.

Manchester United erzielte in der Deloitte-Auswertung 2023/24 rund 770,6 Mio. Euro. Im Geschäftsjahr 2024/25 meldete der Klub einen Umsatz von 666,5 Mio. britischen Pfund (≈ 783,937 Mio. €), darunter 333,3 Mio. Pfund (≈ 392,027 Mio. €) kommerzielle Einnahmen, 173,0 Mio. Pfund (≈ 203,482 Mio. €) aus Übertragungsrechten und 160,3 Mio. Pfund (≈ 188,544 Mio. €) aus Spieltagen.

Manchester United ist besonders stark bei Sponsoring, Merchandising und globaler Markenvermarktung. Die kommerziellen Einnahmen machten 2024/25 die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.

Die TV-Einnahmen hängen stärker von der sportlichen Qualifikation ab. Das Verpassen der Champions League führte 2024/25 zu einem deutlichen Rückgang der Broadcasting-Einnahmen. Gleichzeitig blieb Manchester United wegen der hohen Nachfrage nach Eintrittskarten, Hospitality und kommerziellen Produkten wirtschaftlich sehr leistungsfähig.

Paris Saint-Germain kam 2023/24 auf rund 805,9 Mio. Euro und lag damit vor Manchester United und Bayern München. Der Klub verfügt über eine außergewöhnlich starke kommerzielle Finanzierung, die durch die globale Marke PSG, internationale Sponsoren, Merchandising und die Eigentümerstruktur gestützt wird.

Die Einnahmen am Spieltag sind für PSG trotz des kleineren „Parc des Princes“ sehr hoch. Für 2024/25 meldete der Klub rund 175 Mio. Euro Spieltagseinnahmen; das Stadion war in dieser Saison bei 170 aufeinanderfolgenden Spielen ausverkauft.

Mit „Qatar Sports Investments“ besitzt PSG einen finanzstarken Eigentümer, der seit 2011 die Entwicklung des Klubs prägt. Dadurch ist PSG weniger ausschließlich auf französische Fernsehgelder angewiesen als viele der nationalen Konkurrenten. Der kommerzielle Bereich ist daher besonders wichtig; sportliche Erfolge in der Champions League steigern zusätzlich TV-, Prämien-, Sponsoring- und Merchandising-Einnahmen.

Bayern München erzielte in der Deloitte-Auswertung 2023/24 rund 765,4 Mio. Euro. Nach dem eigenen Geschäftsbericht für 2024/25 erreichte der Klub später sogar einen Gesamtumsatz von 978,3 Mio. Euro; darin enthalten waren unter anderem 260,7 Mio. Euro aus dem Spielbetrieb, 240,4 Mio. Euro aus Sponsoring und Marketing sowie 105,3 Mio. Euro aus Medienvermarktung. Der FC Bayern verfügt über eine sehr stabile kommerzielle Basis. Die Partnerschaften mit Adidas, Audi, Allianz, Deutsche Telekom und weiteren Unternehmen sichern hohe Sponsoreneinnahmen. Hinzu kommen Merchandising, internationale Vermarktung und regelmäßige Champions-League-Einnahmen. Die Ticket- und Spieltagseinnahmen sind hoch, aber im Verhältnis zum Gesamtumsatz geringer als bei Real Madrid oder AC Mailand. Das hängt mit der großen Kapazität der Allianz Arena, dem vergleichsweise hohen Anteil kommerzieller und medialer Einnahmen sowie den deutschen Preis- und Mitgliederstrukturen zusammen.

AC Mailand liegt beim Umsatz deutlich hinter den vier anderen Vereinen. Deloitte weist für 2023/24 rund 397,6 Mio. Euro aus, davon 86,6 Mio. Euro Spieltagseinnahmen, 160,9 Mio. Euro aus Übertragungsrechten und 150,1 Mio. Euro aus kommerziellen Einnahmen. Der Verein konnte seinen Umsatz inzwischen deutlich steigern. Für 2024/25 meldete AC Mailand einen Rekordumsatz von 494,5 Mio. Euro; die Sponsoring- und sonstigen kommerziellen Einnahmen beliefen sich zusammen auf 152,3 Mio. Euro. Die hohe Bedeutung der Spieltagseinnahmen ist für AC Mailand auffällig. Der Verein profitiert von seiner großen historischen Marke und einer starken Stadionnachfrage, erzielt aber bei Medienrechten und Sponsoring deutlich weniger als Real Madrid, PSG, Manchester United oder Bayern. Die Stadionfrage ist für die weitere Entwicklung besonders wichtig. Ein eigenes modernes Stadion könnte Spieltags-, Hospitality- und Veranstaltungsumsätze deutlich erhöhen. Solange AC Mailand im San Siro spielt, bleiben die kommerziellen Möglichkeiten im Spieltagsbereich begrenzt beziehungsweise infrastrukturell geteilt.

Rechtsform und Eigentümerverhältnisse

FC Bayern München: Profifußball in einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft; Stammverein als e. V. ; FC Bayern München e. V. hält 75% der FC Bayern München AG; Adidas, Audi und Allianz halten jeweils 8,33%, zusammen somit 25%.

Real Madrid: Mitgliederverein, kein privat kontrollierter Klub. Die Mitglieder, die sog. „socios“, wählen die Vereinsorgane; der Klub gehört nicht einem einzelnen Investor.

Manchester United: Aktiengesellschaft, Manchester United plc, börsennotiert; Kontrolle durch die Glazer-Familie und den Anteilserwerb von Ineos beziehungsweise Sir Jim Ratcliffe; Aktien sind am Markt handelbar.

Paris Saint-Germain: Französische Kapitalgesellschaft im Konzernverbund; Kontrolle durch Qatar Sports Investments; QSI bezeichnet PSG als langfristige Beteiligung und hält die Kontrolle.

AC Mailand: Italienische Kapitalgesellschaft im Eigentum eines Investmentunternehmens; RedBird Capital Partners kontrolliert den Klub; Yankee Global Enterprises ist beteiligt.

Bayern und Real Madrid repräsentieren damit zwei unterschiedliche Formen der Mitglieder- beziehungsweise der Vereinskontrolle: Bayern über die 75-prozentige Beteiligung des e. V. an der AG, Real Madrid über die fortbestehende Mitgliederstruktur. Manchester United, PSG und AC Mailand sind dagegen stärker eigentümer- beziehungsweise investorenorientiert.

TV und Übertragungsrechte

Die TV-Einnahmen hängen stark vom jeweiligen Ligamodell und von der Champions-League-Teilnahme ab.

Manchester United profitiert grundsätzlich vom weltweit wertvollen Premier-League-Rechtepaket; die individuelle Einnahme hängt jedoch auch von Tabellenplatz, Spielen und Europapokalteilnahme ab.

Real Madrid profitiert von der internationalen Attraktivität der „La Liga“ und von hohen Champions-League-Einnahmen.

PSG dominiert den französischen Fußball sportlich und kommerziell, doch der nationale TV-Markt ist kleiner als der englische, spanische oder deutsche.

FC Bayern erzielt hohe nationale und internationale Medienerlöse, ist aber stärker in ein kollektiv vermarktetes Ligamodell eingebunden.

AC Mailand ist stärker vom nationalen TV-Markt und der eigenen sportlichen Qualifikation abhängig; die Medienerlöse liegen klar unter denen der vier anderen Vergleichsklubs.

Die Champions League wirkt bei allen fünf Vereinen als zusätzlicher Umsatzverstärker. Sie liefert nicht nur Prämien und TV-Geld, sondern erhöht auch die internationale Sichtbarkeit und damit die Verhandlungsposition gegenüber Sponsoren.

Sponsoring und kommerzielle Einnahmen

Real Madrid: Größtes globales Marken- und Merchandisingpotenzial; neue Partnerschaften und Stadionkommerzialisierung.

Paris SG: Sehr starke internationale Marke, Eigentümerunterstützung und globale Lifestyle-Vermarktung.

Manchester United: Besonders starke weltweite Sponsoring-, Merchandising- und Lizenzplattform.

FC Bayern München: Stabile deutsche und internationale Partnerschaften, starke Sponsorenbasis und hohe Merchandisingerlöse.

AC Mailand: Historisch starke Marke, aber geringere globale Kommerzialisierung und deutlich kleinerer Umsatzumfang.

Die kommerziellen Einnahmen sind bei den fünf Vereinen inzwischen der wichtigste oder zweitwichtigste Umsatzbereich. Bei den führenden Klubs entstehen sie nicht nur durch Trikotsponsor, sondern auch durch regionale Partner, digitale Inhalte, Merchandising, Lizenzen, Tourneen, Hospitality und markenbezogene Veranstaltungen. In der Deloitte Money League waren kommerzielle Einnahmen 2023/24 mit 4,9 Milliarden Euro insgesamt die größte Erlösquelle der führenden 20 Klubs.

Ticketverkauf und Spieltag

Beim Ticketverkauf und bei den Spieltagerlösen bestehen große Unterschiede:

Real Madrid: Mit rund 247,6 Mio. Euro Spitzenreiter; das renovierte Bernabéu erhöht Kapazität, Hospitality und Eventerlöse.

Paris SG: Rund 170 Mio. Euro in der Größenordnung; hohe Auslastung und Premiumangebote im „Parc des Princes“.

AC Mailand: Rund 86,6 Mio. Euro bei Deloitte; hoher Anteil am Gesamtumsatz, aber deutlich geringeres absolutes Niveau.

FC Bayern München: Rund 131 Mio. Euro in der Deloitte-Auswertung; starke Auslastung, aber geringerer Umsatzanteil als bei Real Madrid.

Manchester United: In der UEFA- beziehungsweise Deloitte-Saisonrechnung etwa 150 Mio. Euro; im Geschäftsjahr 2024/25 160,3 Mio. Pfund (≈ 188.544 Mio. €).

Die Einnahmen aus Tickets sind nicht mit dem reinen Verkauf von Eintrittskarten gleichzusetzen. In der Kategorie „Matchday“ befinden sich häufig auch Dauerkarten, Hospitality, Logen, Catering, Stadionführungen, Museum, Fanartikel am Spieltag und weitere stadionbezogene Einnahmen.

Gesamteinordnung

Die fünf Vereine verkörpern fünf unterschiedliche Geschäftsmodelle:

Real Madrid: Mitgliederverein mit globaler Marke und außergewöhnlich hoher Stadionkommerzialisierung.

FC Bayern München: Vereinskontrollierte AG mit stabiler Sponsorenbasis und hoher sportlicher Kontinuität.

Manchester United: Börsenorientierte Eigentümerstruktur mit besonders starkem globalem Sponsoring- und Merchandisinggeschäft.

Paris Saint-Germain: Eigentümergeführter globaler Klub mit hoher kommerzieller und finanzieller Unterstützung.

AC Mailand: Investorenkontrollierter Traditionsklub mit wachsendem Umsatz, aber noch deutlichem Abstand zu Europas Umsatzelite.

Beim Gesamtumsatz führt Real Madrid mit großem Abstand. PSG und Manchester United erzielen besonders hohe kommerzielle Einnahmen, FC Bayern verfügt über die stabilste vereinsgebundene Eigentums- und Sponsorenstruktur, während AC Mailand vor allem bei Infrastruktur, Medienerlösen und internationaler Kommerzialisierung Aufholpotenzial besitzt. Die Umsatzdaten zeigen zugleich, dass sportlicher Erfolg, Eigentümerstruktur und wirtschaftliche Stärke eng miteinander verbunden sind, aber nicht dasselbe bedeuten.

Fazit

Der Arbeitsmarkt „Profifußball“ spiegelt die ökonomische Realität Europas wider: Die Premier League agiert als kapitalstarker Inserent mit riesigen Personalstrukturen, während Ligen wie die Ligue 1 als fundamentale Talentlieferanten fungieren. Real Madrid demonstriert innerhalb dieses Gefüges, wie sportlicher Spitzenanspruch mit hoher organisatorischer und finanzieller Effizienz bei überschaubarer administrativer Belegschaft realisiert werden kann. Die Arbeitsstrukturen der Top-Vereine entwickeln sich dabei – getrieben von Effizienzbemühungen – weg von patriarchalischen Einzelentscheidungen hin zu hochgradig spezialisierten, datengestützten Performance-Zentren.

Letzte Bearbeitung: 16.10.2026

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen –

männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint

die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form

steht.

[2] „Federazione Italiana Giuoco Calcio“ – Italienischer Fußballverband

[3] KI: „Eine datenbasierte Strategie im Sport, bei der Teams mit geringem Budget durch genaue statistische

Analysen unterschätzte und günstige Spieler verpflichten, um gegen finanzstarke Konkurrenten zu

gewinnen.“

[4] Verhältnis von Spielergehältern zu den Gesamteinnahmen eines Vereins.

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Gastbeitrag

Good Vibrations

Gastbeitrag

Vibes in allen Stilrichtungen, von StoneX bis Hove, über Ally Pally und die New Den. Keine Vibraphone erforderlich

ED WARNER

Perri Shakes-Drayton war dabei. Luke Littler hält sich vielleicht deshalb fern. Fans von Millwall und West Ham erzeugen es organisch. Der durchschnittliche County-Cricket-Fan bei den Spielen am Ende dieser Saison bekommt davon vielleicht gar nichts mit. Wir reden hier vom Vibe, oder den Vibes. Ohne ihn oder sie, scheint es, ist der moderne Sport nichts – zumindest für die Gen Z und die Vermarkter, die es auf die digitalen Geldbörsen dieser jungen Konsumenten abgesehen haben.

„Hör zu, ich freue mich einfach darauf, dass alles losgeht. Und ich bin nur wegen der Vibes und der Energie hier.“

Shakes-Drayton war Teil des Teams, das den Broadcast-Stream für ATHLOS LDN26 moderierte, den neuesten Stopp dessen, was beworben wird als „ein globaler Leichtathletik-Zirkel, in dem Sport und Kultur kollidieren“. Die 37-jährige ehemalige Hürdenläuferin war zu ihrer Zeit im britischen Leichtathletikteam das lebhafteste Energiebündel und wirkte, obwohl sie selbst ein Millennial ist, wie die perfekte Vibe-Kuratorin für das anvisierte Gen-Z-Publikum von ATHLOS.

Das Publikum, das auf der der einzigen Tribüne im bescheidenen StoneX Stadium im Norden Londons gegenüberliegenden Seite vor der riesigen Bühne saß, schien sich bis in ältere Generationen zu erstrecken. Doch das Zielpublikum von ATHLOS für seine sieben reinen Frauen-Leichtathletik-Events und die 42 angetretenen Wettkämpferinnen waren nicht diejenigen, die Tickets kauften, genau wie Strictly nicht für diejenigen konzipiert ist, die eingeladen werden, den Studiohintergrund für die wöchentliche Unterhaltungsshow der BBC zu bilden, die am nächsten Abend ausgestrahlt wurde. Weiterlesen →

Themenzuordnung: Allgemein

Essay

Athletica Vaticana – Anmerkungen zu einem bedeutsamen Sportverband

Helmut Digel

„Athletica Vaticana“ (lateinisch; englisch “Vatican Athletics“) ist der erste offizielle Sportverein des Vatikanstaates. Gegründet im Januar 2019 versteht sich der Verein nicht primär als leistungs- und wettkampforientierte Gemeinschaft, sondern als spirituelles und soziales Projekt unter dem Patronat des Päpstlichen Kulturrates bzw. des heutigen „Dikasterium für Kultur und Bildung“. Aus einer 2017 entstandenen Laufgruppe „Athletica Vaticana“, die zunächst am „Marathon für den Frieden“ in Rom teilnahm, entwickelte sich Anfang 2019 der formelle Verein. Der Verein ist in die „Sport und Kultur“-Abteilung des „Päpstlichen Kulturrates“ (heute „Dikasterium für Kultur und Bildung“) eingebettet und wird von diesem ideell und organisatorisch begleitet.

Der offizielle Geschäftssitz ist in der Vatikanstadt (Via del Pellegrino); seit 2023 gibt es zusätzlich das „Vatican House of Sport“ im Palazzo San Calisto in Rom-Trastevere als operativen Sitz.

Athletica Vaticana verwendet eine Darstellung des Wappens der Vatikanstadt als Symbol, das aus zwei Schlüsseln und einer päpstlichen Tiara besteht. Die Sportbekleidung der Mannschaft ist blau, gelb und weiß; die beiden letztgenannten Farben finden sich auch in der Flagge der Vatikanstadt. Offizieller Ausrüster der Mannschaft ist das italienische Unternehmen Errea.

Der Verein verfügt über keine eigenen Sportstätten. Deshalb kooperiert er mit einem römischen Verein, dessen Anlagen er mitbenutzen darf. Weitere Kooperationen bestehen zu FIDAL, dem italienischen Leichtathletikverband, und zum italienischen Nationalen Olympischen Komitee CONI. Weiterlesen →

Themenzuordnung: Allgemein

Essay

Das DOSB-Evaluationsverfahren zur Bewertung der Olympischen Bewerbungen auf dem Prüfstand

Helmut Digel

Die im folgenden gestellten Fragen zum Evaluationsverfahren des DOSB wurden teilweise mithilfe des KI-Programms „Perplexity“ beantwortet

Was sind die wichtigsten Inhalte des Evaluationsberichts der DOSB-Kommission zur Bewertung der Olympischen Bewerbungen?

Der Evaluierungsbericht des DOSB kommt zu dem Ergebnis, dass alle drei Bewerbungen grundsätzlich geeignet seien, Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland erfolgreich auszurichten. München erhielt 87,03 Punkte, KölnRheinRuhr 85,02 Punkte und Berlin+ 74,64 Punkte; damit wurden München und KölnRheinRuhr als „sehr gut“, Berlin+ als „gut“ eingestuft.

Eine verbindliche Wahlempfehlung sprach die Kommission nicht aus. München und KölnRheinRuhr wurden trotz des knappen Punktvorsprungs Münchens als international praktisch gleichrangig bewertet; alle drei Konzepte bleiben für die DOSB-Mitgliederversammlung wählbar.

Die Evaluation bezog sich auf fünf Bereiche:

  1. Internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz
  2. Sportfachliche und operative Eignung
  3. Vision und Legacy
  4. Kosten und Finanzierung
  5. Infrastrukturelle Sonderprojekte

Nur die ersten beiden Bereiche wurden in Punkte umgerechnet. „Vision und Legacy“ sowie „Kosten und Finanzierung“ wurden lediglich auf ihre Erfüllung geprüft; infrastrukturelle Sonderprojekte waren nicht bewertungsrelevant.

Die Punktwerte wurden aus den bepunkteten Kategorien „Internationale Strahlkraft und nationale Akzeptanz“ sowie „Sportfachliche und operative Eignung“ gebildet. In der Bewertungsmatrix galten 80 bis 100 Punkte als „sehr gut“ und 60 bis 79 Punkte als „gut“. Weiterlesen →

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Essay

Ist der Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern?

Helmut Digel

Einleitung

Das „Grundgesetz“ ist am 23. Mai 1949 verkündet und mit Ablauf dieses Tages in Kraft getreten; im Jahr 2026 ist es also 77 Jahre alt. Seit der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 gilt es als gesamtdeutsche „Verfassung“. In den seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vergangenen sieben Jahrzehnten haben der DSB und später der DOSB mit ihren verantwortlichen Funktionären immer wieder von neuem die Aufnahme des Sports als Staatsziel im Grundgesetz gefordert. Die Forderung wurde teilweise auch von den Bundestagsparteien der SPD, FDP und der Linken und sogar von einer Justizministerin unterstützt. Doch hat die CDU als  Regierungspartei diese Aufnahme immer wieder abgelehnt. So hatte zum Beispiel die SPD- Justizministerin Brigitte Zypries den Vorstoß ihrer Partei damit begründet, dass  eine Verankerung als Staatsziel die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft besser veranschaulichen würde und bei einer Rechtsgüterabwägung der Sport höher bewertet werden könne als dies heute der Fall ist. Der damals für Sport zuständige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hielt dagegen: „Ich halte es für falsch, Sport als Staatsziel ins Grundgesetz zu schreiben. Eine Verfassung ist nichts in das man höhere Ziele verankert, sondern Grundrechte für Bürgerinnen und Bürger. Ob Nachbarn einen Sportplatz verhindern können oder nicht, ist eine Sache des Gesetzgebers, nicht der Verfassung.“ Er bezieht sich dabei auf einen damals aktuellen Konflikt zwischen städtischen Bewohnern, die mit einem Lärmschutzgutachten gegen einen Bolzplatz für Kinder und Jugendliche Einspruch erhoben hatten. Mittlerweile wurde die Forderung nach Aufnahme in das Grundgesetz geradezu gebetsmühlenhaft immer wieder von neuem erhoben, doch der Bundestag hat mit ähnlicher Stetigkeit diese Forderungen mehrheitlich immer wieder abgewiesen. Weiterlesen →

Themenzuordnung: Allgemein

Gastbeitrag

Ein Versuch, den verrückten Transfermarkt der englischen Premier League zu verstehen

Gastbeitrag

ED WARNER

SEP 03, 2026

„Verkauft Armstrong nicht, Harrison Armstrong. Ich glaube einfach nicht, dass ihr das versteht. Wenn ihr Armstrong, Harrison Armstrong verkauft, werdet ihr einen Aufstand erleben.“ Everton-Fans am Samstag in Bournemouth

„Nach allem, was ich in den letzten Jahren durchgemacht habe, habe ich beschlossen, dass NIE WIEDER jemand über meine Zukunft entscheiden wird… Ich bin geblieben und habe mein Leben gegeben. Also hoffe ich, dass sie meine Situation mit demselben Respekt behandeln, den ich immer für die Spurs hatte… Versucht einfach nicht, für mich zu entscheiden.“ Richarlison postet auf Instagram

Das Fußball-Transferfenster schloss am Dienstagabend. Mehr als 3 Milliarden Pfund wurden von den Vereinen der Premier League den zweiten Sommer in Folge ausgegeben. Letztendlich hat Everton seinen Eigengewächs-Mittelfeldspieler Harrison Armstrong nicht verkauft, nachdem Nottingham Forest Berichten zufolge 40 Millionen Pfund für den 19-Jährigen geboten hatte. Und Richarlison, ehemals Everton, befindet sich immer noch im Tottenham Stadium, obwohl es wahrscheinlich eines weiteren Instagram-Posts bedarf, um festzustellen, ob er froh ist, dort zu sein und nicht an einem Ort, an dem er nicht sein wollte, oder ob er lieber woanders wäre.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber dieses Transferfenster hat mich völlig schwindelig gemacht. Zugegeben, ich war durch Cricket abgelenkt und bin erst spät auf die Party der Transferbeobachter gestoßen. Aber selbst der passionierteste Fußballfan, der in der kurzen Zeit zwischen Weltmeisterschaft und Premier League nichts anderes zu tun hat, muss Schwierigkeiten gehabt haben, den Überblick zu behalten. Oder Sinn in den erstaunlich hohen Summen zu sehen, die ausgegeben wurden, und den Geschichten, die dahinterstecken. Ganz zu schweigen von den Squad Cost Rules, die in dieser Saison die Profit and Sustainability Rules ersetzen, und den strengeren finanziellen Auflagen der UEFA für die Vereine, die in Europa antreten. Weiterlesen →

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Beitrag zur Sportentwicklung

Keiner kennt Weisenseel

GASTBEITRAG

Harald Müller

Vielleicht geht es nur mir so, aber seit dem Ende meiner beruflichen Tätigkeit blicke ich zurück und frage mich, ob ich eigentlich als Leichtathlet etwas in der deutschen Leichtathletik bewirkt habe.

Auslöser für diese Gedanken war eine kurze E-Mail, die ich während der diesjährigen Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham von einem langjährigen Freund erhielt: „Grüße aus dem Sommerurlaub. Keiner kennt hier Karlheinz Weisenseel. Heute 200-m-Finale!“

Diese Nachricht hat mich aufgewühlt. Wenn bereits 2026 kaum noch jemand Karlheinz Weisenseel kennt, einen Athleten, der mich als Kind über viele Jahre beeindruckt hat, was bleibt dann eigentlich von dem, was wir geleistet und bewirkt haben?

Es ist das Thema der „Biographie“ oder, vielleicht treffender, der „Lebensgeschichte“, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Je mehr Menschen es gibt, desto mehr unterschiedliche Lebensgeschichten gibt es. Mehr Menschen bedeuten also mehr individuelle Lebensläufe, mehr Interaktionen und mehr soziale Wirkungen. Doch von wie vielen Lebensgeschichten sprechen wir hier eigentlich?

Der Unterschied zwischen Lebensgeschichten und Biographien besteht darin, dass eine Biographie in der Regel voraussetzt, dass das Leben einer Person als biographisch relevant oder interessant bewertet und anschließend dokumentiert und veröffentlicht wird. Eine Lebensgeschichte hingegen kann grundsätzlich von jeder Person erzählt werden, unabhängig davon, ob sie als biographisch relevant angesehen wird.

Und zusätzlich drängte sich der Begriff der „Lebensleistung“ auf, besonders wenn ich mich an die unzähligen begeisterten Leichtathleten erinnere, denen ich auf der ganzen Welt begegnet bin und deren Beitrag zur Leichtathletik weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Ich meine damit keine (Ex-)Weltmeister oder (Ex-)Weltrekordler, sondern die „gewöhnlichen“ Athleten, Trainer, Kampfrichter und Funktionäre.

Langhamer hat analysiert, was gemeint ist, wenn Historiker von „gewöhnlichen“ Menschen sprechen. Interessant ist ihre These, dass „gewöhnlich“ keine objektive Eigenschaft ist. Was als gewöhnlich oder außergewöhnlich bewertet wird, hängt ab von der Zeit, der Gesellschaft und der Perspektive desjenigen der bewertet und basiert auf den über diesen Menschen zur Verfügung stehenden Dokumentation (Langhamer 2018, S.185f ) Weiterlesen →

Themenzuordnung: Allgemein

Beitrag zur Sportentwicklung

Das IOC benötigt eine neue Theorie des modernen Olympismus – das IOC benötigt eine neue olympische Idee

Helmut Digel

Die modernen Olympischen Spiele haben ein antikes Vorbild und dank der Ideen und philosophischen Gedanken von Pierre de Coubertin haben Sie sich zu einem weltumfassenden Sportereignis entwickelt, das alle vier Jahre stattfindet. Im Gegensatz zu allen übrigen Sportereignissen und internationalen Wettkämpfen haben die modernen Olympischen Spiele ein „Wertefundament“ aufzuweisen, das in vieler Hinsicht beachtenswert ist. Die nun bereits über mehr als 100 Jahre fortgeschriebene Olympische Charta bildet, ähnlich wie die zehn Gebote, ein handlungsleitendes, ethisch moralisches Steuerungsinstrument, das die Olympischen Spiele heute und in der Zukunft tragen soll. Die ohne Zweifel wichtigsten Werte die in der Olympischen Charta niedergelegt sind, sind das „Fair Play Prinzip“, das „Olympique Truce Prinzip“, das „Gebot der Exzellenz“, das „Solidaritätsprinzip“, das „Gebot der politischen Neutralität“, das „Leistungsprinzip“, das „Gebot der Aufrichtigkeit“ und eine Verpflichtung gegenüber den „Prinzipien der Wahrheit und Gerechtigkeit“.
Betrachten wir die aktuelle Realität der Olympischen Spiele, so wie sie sich uns zum Beispiel in Paris 2024 oder in Milano Cortina 2026 dargestellt haben, so müssen wir erkennen, dass manches dieser Wertemuster gar nicht oder nur am Rande beachtet wurde und dass sich die modernen Olympischen Spiele immer mehr in eine Richtung entwickeln, die im Gegensatz zu ihrem Wertefundament steht. Dieser Prozess wird sich vermutlich in der weiteren Zukunft noch verschärfen.

Im Folgenden wird die These vertreten, dass die aktuelle fragwürdige Entwicklung der Olympischen Spiele ursächlich mit den Defiziten jener Theorie des modernen Olympismus zusammenhängt, wie sie von Pierre de Coubertin in der Zeit der späten 1880er Jahren bis etwa 1910, mit einer späteren philosophischen Ausformulierung 1935 erarbeitet wurde. Weiterlesen →

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Beitrag zur Sportentwicklung

Deutschsprachige Sportkulturen – Deutschland, Österreich und Schweiz Teil 2

Helmut Digel, Andreas Weber

unter Mitarbeit von Albrecht Hummel

Link zu Teil 1:

 https://sport-nachgedacht.de/wiss_beitrag/deutschsprachige-sportkulturen-deutschland-oesterreich-und-schweiz-teil-1/#more-8826

Sportberichterstattung

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender weisen in ihrer Sportberichterstattung erhebliche Unterschiede auf.

Rechteerwerb und Verteilung

Der Erwerb und die Verteilung teurer Übertragungsrechte variieren zwischen den Sendern sehr stark. Lokale Marktbedingungen (Konkurrenz durch Pay-TV) und gesetzliche Regelungen haben dabei einen unterschiedlichen Einfluss.

ARD und ZDF teilen sich in Deutschland oft die Rechte für Großereignisse (z. B. Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele) und verhandeln diese gemeinsam. Sie konkurrieren dabei mit Pay-TV-Anbietern[1] und privaten Free-TV-Sendern.

In Österreich und der Schweiz spielen die öffentliche-rechtlichen Sender (ORF bzw. SRF) eine zentralere Rolle im nationalen Rechteerwerb, wobei jedoch auch hier in jüngster Zeit die Konkurrenz durch private Anbieter zunimmt (z.B. ServusTV, Sky in Österreich; Blue Sport und My Sports in der Schweiz). Beispielsweise hat die SRG seit 2022 keine Rechte mehr an der Nationalen Eishockey-Liga. Damit hat der SRF alle Live- Übertragungsrechte im Schweizer Eishockey für die nächsten zehn Jahre verloren. Die „Liga“ vergab das Rechte-Paket für Liveübertragungen einschließlich Wiederverwertungsrechten für die Jahre 2027 bis 2035 an den Telecom-Anbieter Sunrise. Live wird das nationale Eishockey auf dem eigenen Bezahlsender My Sports ausgestrahlt. Gleichzeitig werden ausgewählte Inhalte an private Nicht-Bezahl-Sender wie Blick-TV, 3+ oder TV24. Die SRG hat weiterhin die Rechte an der Eishockey Nationalmannschaft sowie am internationalen Eishockey in Davos, dem „Spengler-Cup“.

Programmschemata und Formate

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