Essay

Missbrauchter und ekelerregender Fußballsport, oder: Wie eine Show zum Skandal wird

Helmut Digel

Der Spiegel: „Üble Zurschaustellung politischer Speichelleckerei“; Fokus online: „Am Tiefpunkt angekommen“; FAZ: „Auslosung des WM-Turniers als Karneval des Fremdschämens“; The Mirror: „Ein widerwärtiges Theaterstück“; The Guardian: „Es war ungefähr so spannend wie das Lesen eines Wörterbuches, oder das Verfolgen der Wahlergebnisse aus Nordkorea“.

 Was war passiert?

Am 5. Dezember fand in der US Hauptstadt Washington DC. die Auslosung zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2026 statt, die in den Ländern Kanada, Mexiko und USA ausgetragen wird. Beginn der Veranstaltung im „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ war um12:00 Uhr Ortszeit, um 18:00 Uhr deutscher Zeit. Ausgelost wurden dabei zwölf Gruppen mit jeweils vier Nationen, die dann im nächsten Jahr in Vorrundenspielen, die Qualifikanten für die weiteren Runden des bevorstehenden WM-Turniers ausspielen sollen.

Moderiert wurde die als „Show“ angekündigte Veranstaltung von dem deutschen „Modell“ Heidi Klum und den US-amerikanischen Schauspielern Kevin Harde und Dani Ramirez. Die Lose aus den mehrfach manipulierten Lostöpfen wurden von vier Legenden des amerikanischen Profisports – Tom Brady (Football), Wayne Gretzky, (Eishockey), Shaquille, O’Neal (Basketball), und Aaron Judge (Baseball) gezogen. Mit dieser Auswahl wollte die FIFA die Sportkultur der Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko ehren. Der sportliche Teil der Zeremonie wurde von einem Ex Fußballprofi namens Rio Ferdinand moderiert.

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Essay

„Es ist nicht zu spät“ – die Werte unserer demokratischen Gesellschaft müssen verteidigt werden

Vorbemerkungen

Seit Beginn der Herausgabe des Portals „sport-nachgedacht.de“ war dessen Konzeption auf das immer komplexer werdende gesellschaftliche Teilsysteme „Sport“ ausgerichtet. In vielen Essays, Beiträgen und Gastbeiträgen spielten dabei politische Fragen eine zentrale Rolle. Der Sport als politisches Phänomen mit seiner eigenen Sportpolitik und mit seiner Beziehung und Abgängigkeit bzw. Unabhängigkeit zur allgemeinen Politik und zu weiteren Politikfeldern wie der Wirtschaft oder des Fernsehens waren dabei Anlass zur kritischen Analyse und zu konstruktiven Empfehlungen.

Mit dem Denkanstoß vom 7.10.2025 „Bevor es zu spät ist – für Verständigung, gegen Aufrüstung – für Verzicht, gegen zügelloses, kapitalistisches Wachstum“, wurde angesichts der europa- und weltpolitischen Krisensituation, in der wir uns nicht nur in Deutschland befinden, die Konzeption des Portals bewusst geändert und erweitert. Es sollen nun ergänzend zu den Publikationen, die sich auf den Sport beziehen, auch Beiträge im Portal „sport-nachgedacht.de“ erscheinen, die über das System des Sports hinausgehen und in denen beabsichtigt wird, einen Beitrag zum Erhalt und zum Schutz unserer Demokratie zu leisten. Auch Gastbeiträge hierzu sind willkommen. H.D.

Helmut Digel

Es ist heute viel von einer deutschen Wertegemeinschaft die Rede, die unsere Demokratie auszuzeichnen hat und auf die sich unsere Bürgerinnen und Bürger einzulassen haben, wenn sie in dieser Wertegemeinschaft leben möchten. Diese Aussage wird immer wieder auch an Migranten[1] gerichtet, wenn diese sich Deutschland als jenes Land ausgesucht haben, in dem sie in Zukunft gerne leben möchten. Bei öffentlichen Werte Diskussionen werfen sich politische Kontrahenten häufig vor, einen falschen Werte Begriff zu haben, und reklamieren jeweils für sich – und exklusiv – die richtige Auslegung. Man tut dabei so, als ob Werte etwas wären, was es schon immer gibt und die lediglich befolgt werden müssen. Doch Werte sind nichts, was es einfach so gibt. Werte sind nichts, wovon es nur eine einzige richtige Auslegung gibt. Werte wurden und werden von Menschen für Menschen definiert und beschreiben im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen und des Zeitgeschehens Überzeugungen und Prinzipien, die angeben, was eine Person oder eine Gruppe als wünschenswert, angemessen und gut erachtet. Über Werte muss deshalb immer wieder von neuem nachgedacht werden, und sie müssen in Bezug auf ihre intendierte Bedeutung und Funktion immer wieder überprüft werden.

Das Wertefundament unserer Gesellschaft

Es ist interessant, wenn wir einen Blick auf jene Werte richten, durch die sich die deutsche Wertegemeinschaft auszeichnen soll. Für ein demokratisches Gemeinwesen wie Deutschland sind die relevanten Werte in unserer Verfassung und in den Landesverfassungen niedergelegt.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland werden als zentrale Werte insbesondere die „Menschenwürde“, die „Freiheit“ und die „Gleichheit“ ausgewiesen. Die „Würde des Menschen“ steht im Artikel 1 an erster Stelle und gilt als „unantastbar“. Der Staat ist verpflichtet, sie zu achten und zu schützen. Sie bildet die Grundlage aller weiteren Grundrechte und stellt einen übergeordneten, nicht verhandelbaren Wert dar. Weiterlesen

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Gastbeitrag

Anarchie in Großbritannien

Gastbeitrag

Den Sport auf der Suche nach Wachstum aufpeppen

ED WARNER

  1. OKTOBER 2025

 Ich bin gerne bereit, auf der Suche nach Innovationen im Sport in jeden Kaninchenbau oder auf jede Landstraße zu gehen. Als ich neulich von einem Trail-Rennen zurückfuhr, kam ich an einem kleinen Schild vorbei, das an einem grasbewachsenen Rand im tiefsten Sussex versteckt war. „Punk Padel“ schien eher zu flüstern als zu schreien, als wäre er sich bewusst, dass er sich außerhalb seines üblichen Milieus befand. Es stellte sich heraus, dass ich zu einem der Veranstaltungsorte eines Unternehmens geleitet wurde, das „Scheunen“ an wunderschönen Orten nutzt, um ein geheimes Padel-Paradies zu schaffen“.

Wischen Sie über die Oberfläche der Punk Padel-Website und Sie werden feststellen, dass die Plätze unbemannt sind. Ihre Lichter schalten sich automatisch ein und aus, um den Beginn und das Ende einer „Sitzung“ zu markieren, in der Sie aufgefordert werden, zu „Lachen/Weinen/Schreien – es spielt keine Rolle…“ Dieser, so heißt es, sei „kein normaler Sportverein“.

Ein Zeichen dafür, dass wir uns dem Höhepunkt des Padels nähern, oder ein Beweis für die Fähigkeit des Sports, innovativ zu sein, um weiter zu wachsen? So oder so, wenn es funktioniert, ist es eine großartige Idee. Und wie weit entfernt muss ein Dachverband, der versucht, Padel eine Struktur zu geben, denjenigen erscheinen, die in einer Hofscheune spielen? Im Falle Großbritanniens ist das die Lawn Tennis Association – obwohl ihre Padel-Rolle in der „Schlägerspielwelt“ etwas umstritten ist.

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Essay

BELOHNUNGSSYSTEME DES SPORTS

Helmut Digel

Sport ist mehr als reiner Wettbewerb; er ist ein komplexes soziales und kulturelles System, das Verhaltensweisen formt, Motivation erzeugt und Identität prägt. Im Kern dieses Systems stehen Belohnungen — materielle, symbolische, persönliche, soziale — die das Verhalten von Athleten[1], Trainern, Vereinen und Institutionen steuern. Belohnungen wirken auf mehreren Ebenen und beeinflussen sowohl kurzfristige Entscheidungen als auch langfristige Karrierewege.

Erstens fungieren materielle Belohnungen als Anreizsysteme. Die offensichtlichste Form sind materielle Belohnungen wie Geldpreise, Sponsoringverträge, Prämien oder Sachleistungen. Im Profisport spielen sie eine entscheidende Rolle, da sie nicht nur Anreiz bieten, sondern auch den Lebensunterhalt der Athleten sichern. Besonders in globalisierten Sportarten wie Fußball, Tennis oder E-Gaming sind hohe Preisgelder ein zentraler Motor für Wettbewerb und Leistungssteigerung. Gleichzeitig bergen sie die Gefahr, dass finanzielle Interessen das Ideal des Sports als kulturelle Praxis überlagern oder gar verdrängen. Antrittsgelder, Preisgelder, Sponsoringverträge, Stipendien und Leistungsprämien schaffen eine direkte wirtschaftliche Motivation. Sie belohnen Spitzenleistungen, erreichte Ranglistenpositionen und die Erfüllung bestimmter Normen.

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Essay

75 Jahre Deutscher Sportbund (DSB): Würdigung von Persönlichkeiten, die den DSB geprägt haben (Teil II: Von Dieter Graf von Landsberg Velen bis Norbert Wolf)

Detlef Kuhlmann

 Mit Dieter Graf von Landsberg-Velen beginnt Teil II der (zweiteiligen) Serie mit Porträts von Persönlichkeiten, die den DSB geprägt haben. Teil I mit Porträts von Willi Daume bis Klaus Heinemann ist online zu finden unter: www.sport-nachgedacht.de

 Dieter Graf von Landsberg-Velen

Maximilian Dietrich Graf von Landsberg-Velen und Gemen (kurz: Dieter Graf Landsberg-Velen) wurde im Jahre 1974 zum Vize-Präsidenten des DSB gewählt, nachdem er bereits ein Jahr zuvor in das Präsidium des damaligen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gewählt worden war. Dem DSB-Präsidium gehörte er bis einschließlich der ersten Legislaturperiode nach der Wiedervereinigung bis zum Jahre 1994 an. Danach wurde er zum Ehrenmitglied des DSB ernannt. Parallel gehörte Dieter Graf Landsberg-Velen weiterhin dem NOK bis 2001 an, wo er 1993 zum Vize-Präsidenten berufen wurde. Hier leitete er u.a. die Kommission für Rechts- und Satzungsfragen.

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Gastbeitrag

75 Jahre Deutscher Sportbund (DSB): Würdigung von Persönlichkeiten, die den DSB geprägt haben

Detlef Kuhlmann

(Teil I: Von Willi Daume bis Klaus Heinemann)

Am Sonntag, dem 10. Dezember 1950, wurde der Deutsche Sportbund (DSB) im Hodlersaal des Neuen Rathauses von Hannover gegründet. Mit der Gründung des DSB wurde der Zusammenschluss der Sportbewegung in der Bundesrepublik Deutschland einschließlich (West-) Berlin auf nationaler Ebene hergestellt. Die Gründung des DSB war insofern die erstmalige Vollendung einer Einheit im deutschen Sport, als damit die Interessen des Spitzen- und des Breitensports auf der einen Seite und die Interessen des bürgerlichen, des Arbeitersports und des konfessionellen Sports auf der anderen Seite verbandlich vereint werden konnten. Die Gründung des DSB ist somit bald 75 Jahre her.

Aus diesem Anlass werden hier einige jener Persönlichkeiten in kurzen Porträts gewürdigt, die in der Gründer- und in der Folgezeit den DSB bis zu seiner Auflösung bzw. Neugründung als Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) im Jahre 2006 gestalterisch als ehren- oder hauptamtliche Persönlichkeiten geprägt haben. Dabei handelt es sich nur um eine kleine Auswahl derjenigen Frauen und Männer, die über Jahre und Jahrzehnte dem DSB gedient und auf ihre Weise an der Entwicklung des organisierten Sports in Deutschland bedeutsam mitgewirkt haben. Damit soll in das breite Spektrum der Wirkungskreise dieser Persönlichkeiten des Sports verdeutlicht werden.

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In eigener Sache

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In eigener Sache

Ergänzende Anmerkungen zum Beitrag „Gesetz zur Förderung des Spitzensports – Ein weiterer Schritt in Richtung „Staatssport“ von Helmut Digel

Ich kann dem Beitrag von Helmut Digel uneingeschränkt zustimmen und befürchte ebenso die Aufgabe der Autonomie des Sports zu Gunsten eines von der Politik gesteuerten Staatssports.

Verwunderlich erscheint aus meiner Sicht, dass sich der neue Gesetzesentwurf nur unwesentlich vom alten unterscheidet. Dies erscheint umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die CDU als führende Oppositionspartei der letzten Legislaturperiode mit ihren damaligen Einwänden die Verabschiedung des „alten“ Gesetzentwurf verhindert hat und nun diesen mit nur leichten Veränderungen bei nahezu gleichem Wortlaut in ihrer jetzigen Regierungsverantwortung verabschieden möchte.

Im Mittelpunkt steht dabei die neu zu schaffende Sportagentur-Agentur. Besonders hervorheben ist dabei Paragraph 7 „Sportwissenschaftliche Forschung“ des „neuen“ Gesetzentwurfs:

  • Projekte im Bereich der sportwissenschaftlichen Forschung und Entwicklung können gefördert werden. Hierzu sind insbesondere Forschungsbedarfe auf dem Gebiet des Spitzensports zu ermitteln, Forschungsvorhaben zu initiieren und zu koordinieren sowie die Forschungsprojekte mit ihren Ergebnissen zu bewerten.
  • Wissenschaftliche Unterstützungs- und Beratungsleistungen für den Spitzensport der Träger von Einrichtungen des Stützpunktsystems und der Sportwissenschaft können

                                  gefördert werden.

sowie Paragraph 14 „Zuständigkeiten und Stiftungszweck der Spitzensport-Agentur“

  • Sportwissenschaftliche Förderung nach § 7 Absatz 3.

Im Anhang wird auf Seite 35 zum § 7 Absatz 1 jedoch aufgeführt:

„Die Vorschrift regelt die Förderung im Bereich sportwissenschaftlicher Forschung und Entwicklung. Für den Bereich der Förderung sportwissenschaftlicher Forschung und Entwicklung ist das Bundesinstitut für Sportwissenschaft bereits seit mehreren Jahrzehnten verantwortlich.  Es stellt in der Förderung von sportwissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten die wissenschaftlichen Standards sicher. Dies gilt beispielsweise für die unabhängigen wissenschaftlichen Begutachtungen der Projekte vor einer Förderung. Neben der Begutachtung und Förderung gehören zu einem vollumfänglichen Projektmanagement die Ermittlung von Forschungsbedarfen, die Initiierung der Projekte und deren Koordination, die Begleitung bis zum Abschluss des Projektes, deren Bewertung sowie die Unterstützung im Transfer der Projektergebnisse zum Portfolio“.

Als erstes stellt sich hier die Frage nach der Zuständigkeit. Widersprechen sich § 7 und die Ausführungen zur Sportwissenschaftlichen Förderung im Anhang nicht gravierend und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Wer ist ab Inkrafttreten des Gesetzes für die Initiierung und Förderung wissenschaftlicher Projekte letztendlich federführend und verantwortlich. Ist es die Spitzensport Agentur oder ist es das Bundesinstitut für Sportwissenschaft? Wie kommt man zu der Annahme, dass die beiden Mitglieder des Vorstands der Spitzensport Agentur über die ausreichende Kompetenz verfügen, um über die Forschungsqualität sportwissenschaftliche Projekte zu entscheiden? Hier erscheint der Gesetzesentwurf zumindest nicht eindeutig Position zu beziehen. Von Interesse ist sicherlich dabei auch die zukünftige Positionierung des Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Wird es zukünftig zu einer reinen administrativen Verwaltungseinrichtung, welche lediglich die von der Spitzensportagentur initiierten Projekte administrativ bearbeitet oder bewahrt es seine wissenschaftliche Unabhängigkeit. Hier wäre eine klarere Positionierung des Gesetzes zur Förderung des Spitzensports wünschenswert.

Die Befürchtung, dass sich das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hin zu einer reinen Verwaltungseinrichtung entwickelt, erscheint dabei nicht unberechtigt.

Dieser Eindruck verhärtet sich zunehmend, wenn man die Besetzung der Direktorenposition des Bundesinstituts für Sportwissenschaft in den letzten beiden Jahrzehnten mit von Belangen des Spitzensports unkundigen, sach- und fachfremden Personen betrachtet. Es ergibt sich hier der Eindruck, dass diese Position immer mehr von den jeweils regierenden Parteien zu einer „Versorgungsstelle“ von „Parteibuch-Beamten“ missbraucht wird. Zu wünschen wäre für die Zukunft eine Besetzung dieser Stelle durch eine führungsstarke und fachkompetente Persönlichkeit mit herausragender sportwissenschaftlicher Expertise. Hierzu müsste das Gesetz eindeutiger und unmissverständlicher Position beziehen.

Generell ergeben sich aus dem Gesetzesentwurf folgende Fragen.

  • Wer ist zukünftig für die Initiierung und Förderung sportwissenschaftlicher Projekte im Spitzensport zuständig?
  • Wie sieht die zukünftige Positionierung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft im Bezug zur geplanten Spitzensport-Agentur aus und was sind dabei seine konkreten Aufgaben und Verantwortlichkeiten?
  • Wer hat zukünftig die Dienstaufsicht über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft und welche Weisungsbefugnisse ergeben sich daraus?
  • Wird zukünftig auch die „sportwissenschaftliche Landschaft“ im Spitzensport durch den staatslastigen Stiftungsrat der Sportagentur festgelegt und kontrolliert? Besteht dadurch zukünftig die Gefahr einer staatlich und politisch gesteuerten Sportwissenschaft?

Auf den Punkt bringt es Dr. Karsten Wildberger (Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung) in einem Interview mit Felix Heck, Franziska Reich und Leon Werner:

„Mein Ordnungsprinzip ist die soziale Marktwirtschaft, und ich glaube an die kreative Kraft der Menschen. Der Staat schafft den Rahmen, darin können sich die Bürger frei entfalten. Mittlerweile ist das Pendel ein wenig zu sehr in Richtung Staat ausgeschlagen

(Wir reden uns kleiner, als wir sind; FOCUS 45 2025, S.39-41)

Auffallend und geradezu erschreckend ist die Passivität und Ignoranz der derzeit für die deutsche Sportwissenschaft verantwortlichen nationalen Organisationen. Die Diskussionen über ein Spitzensportfördergesetz laufen nunmehr bereits über mehrere Jahre, ohne dass eine erkennbare Wortmeldung zu Fragen dieses Gesetzes von diesen Organisationen vorliegt. Vertretungen wie die DVS (Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft), die DGSP (Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention), die GOTS (Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin) und die ASP (Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland), die alle für sich in Anspruch nehmen, relevante Organisationen der deutschen Sportwissenschaft und Forschung im Bereich des Spitzensports zu sein, zeichnen sich bezüglich des aktuellen Entwurfes zur Förderung des Spitzensports in gleicher Weise weiterhin durch gemeinsames Schweigen aus.

Dr. Peter Stehle (ehemaliger Mitarbeiter des BISp)

Stand 01.11.2025

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Beitrag zur Sportentwicklung

Gesetz zur Förderung des Spitzensports – Ein weiterer Schritt in Richtung „Staatssport“

Helmut Digel

FAZ:

 

Spiegel-online:

  • „Eine Spitzensportagentur soll das deutsche Medaillenproblem lösen“:

https://www.spiegel.de/sport/olympia/olympische-spiele-spitzensportagentur-soll-deutschlands-medaillenproblem-loesen-a-3c52aec0-b977-40eb-a752-1cb514c9a76c

ZDF (Video):

o  „Alleingang der Bundesregierung – Sportfördergesetz: DOSB fürchtet Machtverlust“

https://www.zdfheute.de/sport/sport-dosb-sportfoerdergesetz-bundesregierung-100.html

Tagesspiegel:

  • „Verteilung der Sport-Millionen:Neues Sportfördergesetz: Weniger Einfluss für Sportverbände“

https://www.tagesspiegel.de/sport/verteilung-der-sport-millionen-neues-sportfordergesetz-weniger-einfluss-fur-sportverbande-14643764.html

 

Sport 1.de:

 

  • Wirbel um neuen Gesetzentwurf“

https://www.sport1.de/news/mehr-sport/2025/10/nachster-anlauf-zum-sportfordergesetz-dosb-reagiert-verstimmt

 

 

Athleten Deutschland e.V.:

 

  • „Entwurf zum Sportfördergesetz eröffnet Chancen, bleibt aber hinter Erwartungen zurück“

https://athleten-deutschland.org/entwurf-zum-sportfoerdergesetz-eroeffnet-chancen-bleibt-aber-hinter-erwartungen-zurueck/

So und so ähnlich lauteten die Schlagzeilen über einen Entwurf zu einem „Sportfördergesetz“, den die neue Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei einer exklusiven Einladung am 14.10. 2025 im Bundeskanzleramt in Berlin ausgewählten Medienvertretern vorgestellt hat. In den Berichten über diese Veranstaltung und über das neue Gesetz lassen sich – von der Ministerin autorisierte – Zitate finden, die sie den geladenen Journalisten auf dem Weg in ihre Redaktionen mitgegeben hat. Einen Link auf den vollen Wortlaut des neuen Gesetzesentwurfs lässt sich in dieser Berichterstattung nicht finden. Gleiches gilt für die Homepage des Bundeskanzleramtes und der dort angesiedelten neuen Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. Ganz offensichtlich war es die Absicht der neuen Ministerin, ausgewählte Pressevertreter noch vor den eigentlich von einem neuen Gesetz betroffenen Institutionen und Personen des organisierten Sports, insbesondere des DOSB, vorab zu informieren.

Wer sich die Mühe macht und bereit ist, den vollen Wortlaut des nunmehr veröffentlichten 57-seitigen Referentenentwurfs zu einem neuen Sportgesetz ganz zu lesen, der kann sich über diese – alle Regeln des Fair Play verstoßende – Vorgehensweise kaum wundern. Mit diesem Entwurf beschreitet die neue Bundesregierung einen neuen sportpolitischen Weg, bei dem mit Hilfe eines ideologischen Propagandainstruments namens „Unabhängigkeit“ ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung des Sports vollzogen wird, der mit der Einrichtung eines Sportministeriums unter dem Beifall der Sportorganisationen bereits vor ein paar Monaten vollzogen wurde. Weiterlesen

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Kunst aus unserer Galerie

Beitrag zur Sportentwicklung

Zum Zusammenhang zwischen Sport, Religion, gesellschaftlicher Kultur und ethnischer Herkunft

Helmut Digel

 

Zum Zusammenhang zwischen Sport, Religion, gesellschaftlicher Kultur und ethnischer Herkunft

Der Zusammenhang zwischen Sport, Religion, Ethnie und Kultur ist vielschichtig und in mancher Hinsicht auch faszinierend. Im Folgenden sollen ausgewählte Aspekte dieser Beziehung und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuum beleuchtet werden.

Sport und Religion

Sport ist in der modernen Erlebniskultur einer der emotional am stärksten besetzten Lebensbereiche. Er verspricht Aktiven wie Zuschauern[1] Lebensvollzüge höchster Intensität. Dabei trägt der Sport nicht selten Attribute des Religiösen an sich. In den Erlebnisvollzügen breiter Massen sind die Stadien zu „Kathedralen“ und die Sieger zu „Heiligen“ geworden. Sport besitzt als Phänomen der Neuzeit eine gesellschaftlich wie individuell überaus bedeutsame Prägekraft. Er stellt Erfahrungsräume zur Verfügung, die das Lebensgefühl von Menschen prägen können und er kommuniziert orientierende Gewissheiten. Das Phänomen Sport ist damit in demselben Funktionsbereich der Gesellschaft wirksam wie Religionen und Weltanschauungen und bedarf deshalb einer Einordnung in bestehende Wertesysteme und kulturelle Deutungszusammenhänge.Es gibt Struktur- und Funktionsparallelen zwischen religiösen und sportlichen Ritualen. Beide beinhalten oft kollektive Symbole, Gesänge und ritualisierte Handlungen.

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Beitrag zur Sportentwicklung

Sportjournalismus in Deutschland – mittelmäßig und selbstgerecht

 Helmut Digel

Im deutschen Sportjournalismus lässt sich derzeit ein Problem beobachten, das für dieses Berufsfeld wohl schon immer gegolten hat, das jedoch in diesen Tagen deutlicher denn je zum Ausdruck kommt. Er zeichnet sich durch eine ausgeprägte Mittelmäßigkeit aus, die auch durch die wenigen herausragenden Sportjournalisten[1], die es auch heute noch gibt, kaum verdeckt werden kann. Ich bin dankbar, dass ich in meinem Berufsleben und während meiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Sportfunktionär Sportjournalisten begegnet bin, die sich durch die für diesen Beruf notwendige berufliche Neugierde und das wichtige Wissensbedürfnis ebenso ausgezeichnet haben wie durch ihre überdurchschnittlich gute Bildung, ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber jenen über die sie berichtet und geschrieben haben und durch eine ethisch begründete Berufsauffassung. Namen wie Rudi Michel, Hajo Friedrich, Harry Valerien, Volker Kottkamp, Friedrich Bohnenkamp, Hans Reinhard Scheu, Günther Wölbert, Werner Rabe fallen mir dabei aus dem Bereich der TV-Medien ein. Aus dem Bereich der Presse erinnere ich mich an die Namen von Journalisten wie Hans Blickensdörfer, Steffen Hafner, Michael Gernandt, Hans-Joachim Waldbröl, Hans Saile, Wolfgang Uhrig, Bruno Bienzle, Oskar Beck, Willy Ph. Knecht. Gewiss müsste noch eine ganze Reihe von DDR-Sportjournalisten erwähnt werden, allen voran Jochen Mayer und Volker Kluge, von denen ich noch bis heute sehr viel über die Geschichte des DDR-Sports und über den modernen Olympismus lernen darf. Sie alle können bei mir eine positive Erinnerung wachrufen. Wurde man von ihnen zu einem Gespräch oder zu einem Interview eingeladen, konnte man erkennen, dass sie sich sorgfältig vorbereitet hatten, dass sie sich des Gegenstands sicher sind, über den sie schreiben und berichten wollen und dass sie sich auch an die Vertraulichkeitsregeln halten werden, die zwischen dem schreibenden und berichtenden Journalisten und der betroffenen Person vereinbart wurden. Ihr Beruf war ihre „Profession“ und ihre „Leidenschaft“. Sie wussten Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden und sie waren bemüht, die komplexe Struktur des modernen Sports zwischen Privatheit und Staat, zwischen Freiwilligkeit und Auftrag, zwischen Ehrenamt und Beruf, zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit zu unterscheiden. Sie haben meist auch begriffen, dass die „Politik im und durch den Sport“, verantwortet durch freiwillige Vereinigungen ein ganz anderes Politikphänomen ist als die staatliche Politik, die Politik der Parteien und der staatlichen Parlamente. Sie wussten das Gebot der Autonomie des Sports gegenüber dem Staat zu würdigen und die für Sportorganisationen dringend gebotene parteipolitische Neutralität gebührend einzuordnen.

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