
Jede Unterschrift ist wichtig ! HD

Jede Unterschrift ist wichtig ! HD
Am 11. Mai 2017 erschien zum ersten Mal in meinem Magazin „sport-quergedacht.de“ ein Essay mit dem Titel „Fragwürdiger Sportjournalismus“. Seitdem sind zehn Jahre vergangen und zwischenzeitlich habe ich den Namen meines Magazins geändert. Es heißt nun seit mehreren Jahren „sport-nachgedacht.de“. In den vergangenen zehn Jahren sind 90 wissenschaftliche Beiträge, 344 Essays und 97 Gastbeiträge erschienen. In einer Galerie, „Kunst und Sport“ können mehr als 3800 Exponate betrachtet und von manchem hoffentlich auch bewundert werden. Es können auch Videos und Audios gesehen und gehört werden. Der Beginn zu einer wünschenswerten „Deutschen Enzyklopädie des Sports“ wurde gemacht und in jüngster Zeit wurde eine Sammlung historisch bedeutender sportpolitischer Texte begonnen.
Das Interesse an dem Magazin ist von 7.717 Aufrufen im Jahr 2017 auf durchschnittlich 70.000 Aufrufe pro Jahr angestiegen. Im Jahr 2021 meldete es die Rekordzahl von 90.000 Besuchern. Allein im Monat Januar 2021 wurde das Magazin von 10.654 Interessenten besucht. “google.com“ verwies 182.785-mal auf das Magazin und die KI-Programme „chatgpt.com“ und „Perplexity“ zitierten das Magazin 908- bzw. 719-mal.
Dem Magazin wurden in den vergangenen Jahren immer häufiger Kaufangebote unterbreitet, und es wurden an den Herausgeber auch immer häufiger Werbeinteressen herangetragen, die jedoch aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt wurden. Das Magazin wurde und wird ehrenamtlich geführt. Sämtliche Gastautoren[1] haben ihre Beiträge dem Magazin honorarfrei überlassen und auch mehrere Künstler und Fotografen haben die Galerie mit ihren Werken bereichert und dabei auf ein Honorar verzichtet. Allen Künstlern und Gastautoren muss deshalb an dieser Stelle ganz herzlich gedankt werden. Ohne sie hätte das Magazin nicht jenen Stellenwert erreichen können, den es zumindest aus der Sicht des Herausgebers heute aufweist. Die Frage, ob das zehnjährige Bestehen des Magazins „sport-nachgedacht.de“ als Erfolg bezeichnet werden kann, ist schwer zu beantworten.
Leserbriefe und Anfragen sind beim Herausgeber zahlreich eingegangen. Sie waren auf einzelne Beiträge ausgerichtet und sie waren ausnahmslos von einer gewissen Dankbarkeit geprägt. Die Absender kamen meist aus Schüler- und Lehrerkreisen deutscher Gymnasien. Studierende und Dozenten der Institute für Sportwissenschaft an deutschen Universitäten gehören ebenfalls zum Leserkreis. Eher selten kommen die Leser aus Kreisen deutscher Sportfunktionäre und Sportjournalisten.
Über die Altersstruktur der Leserschaft kann man nur Vermutungen anstellen. Die jüngeren Leser kommen vorwiegend aus dem Kreis der Schülerinnen und Schüler, die sich insbesondere im Rahmen des Grundkurs – und Leistungsfaches „Sport“ in der gymnasialen Oberstufe, aber auch des „gesellschaftswissenschaftlichen Arbeitsfeldes“ mit einschlägigen Sportthemen befassen. Die älteren Leser machen wohl ebenfalls einen erheblichen Anteil der Leserschaft aus. Es handelt sich dabei meist um ehemalige Sportjournalisten, Sportwissenschaftler und Sportfunktionäre, die sich mittlerweile im Ruhestand befinden. Eine Partei des deutschen Bundestages, die Partei „Die Linke“, hat sich gegenüber dem Magazin sehr interessiert gezeigt und sich auch mehrfach für einzelne Beiträge des Magazins bedankt. Das Magazin wurde auch regelmäßig in einigen Presseverteilern erwähnt, wodurch der vom DOSB[2] – warum auch immer – ausgeübte „Boykott“ meines Magazins zumindest teilweise kompensiert werden konnte. Als überraschend muss man es möglicherweise bezeichnen, dass auch der Verband deutscher Sportjournalisten in den vergangenen zehn Jahren das Magazin „sport- nachgedacht.de“ weder erwähnt noch besprochen hat. Angesichts der fragwürdigen Führung dieses Verbandes ist dies jedoch für Medienexperten keine Überraschung. „sport-nachgedacht.de“ hat somit das gleiche Schicksal aufzuweisen, wie dies auch für das Magazin „Sportspitze(n)“ von Bianca Schreiber-Rietig gilt. In beiden Magazinen kommt eine meist fundiert begründete Kritik an der aktuellen Sportentwicklung zum Tragen. Diese Kritik scheint einigen Damen und Herren, die in jüngster Zeit in Führungspositionen des DOSB gekommen sind bzw. jenen Journalistinnen und Journalisten, die eine Stellvertreterrolle für den Deutschen Sportjournalismus eingenommen haben, nicht zu gefallen und wurde und wird wohl eher als störend empfunden.
Dabei ist heute angesichts der aktuell äußerst kritischen Sportentwicklung und angesichts vieler ungelöster Zukunftsfragen eine kritische Begleitung der deutschen und internationalen Sportpolitik und Sportentwicklung als ein „Einwurf von der Seitenlinie“ – so sollte man meinen – eher begrüßt als ignoriert werden. Dazu wäre dann allerdings auch ein gewisses Maß an Selbstreflexion erforderlich!
Als 2017 „sport-quergedacht.de“, heute „sport-nachgedacht.de“, zum ersten Mal erschienen ist, hat sich der Herausgeber kein zeitliches Ziel gesetzt. Nachdem das Magazin sich nun im zehnten Erscheinungsjahr befindet, wäre ein 25. Jubiläum möglicherweise wünschenswert. Doch leider wird es dazu nicht kommen. Der Herausgeber befindet sich nunmehr im 83. Lebensjahr und seine gesundheitlichen Probleme legen es ihm nahe, seine Herausgebertätigkeit in der bisherigen Form nicht mehr weiterzuführen. Schon in den zurückliegenden zehn Jahren war ich auf die selbstlose Hilfe meines ehemaligen Tübinger Mitarbeiters Roman Knee angewiesen, der für den technischen Teil des Auftritts unseres Magazins im Internet verantwortlich war. Ohne seine Hilfe hätte es dieses Magazin nicht gegeben. Nach dem Ausscheiden von Roman waren es meine Söhne, die mich als digitalen Laien in vielerlei Hinsicht angeleitet und in schwierigen Situationen das Magazin ebenfalls betreut haben.
Ganz besonders wichtig war die Lektoren Tätigkeit von Klaus Paul, der nicht nur manchen Beitrag und manchen Essay mit seinen Ergänzungen, Korrekturen und Einwendungen ganz wesentlich verbessert hat. Er war für mich vor allem auch dank seiner exponierten beruflichen Vergangenheit im Kultusministerium des Landes Hessen eine wichtige Hilfe, um die komplexen (sport-) politischen Zusammenhänge zwischen Bund, Ländern und Kommunen in Deutschland besser zu verstehen. Durch unsere Zusammenarbeit ist mittlerweile eine sehr freundschaftliche Beziehung entstanden, die ich nicht missen möchte.
Allen hier genannten Personen habe ich ganz herzlich zu danken.
Das Magazin wird nun nicht eingestellt. Es ist auch weiterhin offen für Gastbeiträge, sofern sie sich als relevant und sprachlich geeignet erweisen. Auch der Herausgeber wird sich, solange er dazu in der Lage ist, auch zukünftig mit kritischen Essays zu Wort melden. Ein regelmäßiges wöchentliches Erscheinen, wie es in den vergangenen zehn Jahren der Fall war, darf nun allerdings nicht mehr erwartet werden. Wann immer ein neuer Beitrag erscheinen wird, werden wir bemüht sein, alle Interessenten auf die Neuerscheinung hinzuweisen.
Nun bleibt mir nur noch Dank zu sagen gegenüber allen Leserinnen und Lesern, die zehn Jahre lang „sport- nachgedacht.de“ ihre Treue erwiesen haben.
„sport-nachgedacht.de“ kann also in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Doch von Feierlaune kann keine Rede sein. In der kurzen Zeit der vergangenen Jahre sind in der Welt des Sports neue „Königreiche“ entstanden und alte wurden von der Landkarte gelöscht. Aufstieg und Fall ereignen sich im Sport schneller denn je. Machtverschiebungen haben sich beschleunigt und die traditionellen finanziellen Grundlagen des Sports wurden durch schwer durchschaubare Finanzsysteme ersetzt. Anstelle von Millionären[1] wird nun von Milliardären des Sports gesprochen. Der Wandel und das Tempo des Wandels haben sich entgegen meinen eigenen Erwartungen ganz wesentlich beschleunigt. Russland wurde zuerst aus dem globalen Wettbewerb verbannt und wird nun wieder aus der Verbannung zurückgeholt. Lineare Übertragungssender wurden von Streamingdiensten nahezu weggefegt. Athleten und Athletinnen übernehmen immer öfter die Kontrolle über ihren Sport. Jede Sportart erkundet ihre Sättigungsgrenze. Ein gutes Beispiel hierfür ist der jüngste „FIFA-Private Equity Wirbel“ auf den, wie üblich, die Welt des Sports mit einer großen Heuchelei antwortet. Dabei wurde der professionelle Fußball schon längst von der Privatwirtschaft in Besitz genommen. Die großen amerikanischen Sportarten erweitern ihre Reichweite. Der Frauensport ist im Aufschwung und wurde zu einem bedeutsamen Wachstumsfaktor für den Weltsport, wenngleich er noch immer auf ein finanzielles „Pampern“ angewiesen ist.
Fast alle Entwicklungen können durch neue Technologie erklärt werden. Tatsächlich ist die Technologie der Förderer fast aller großen Trends im Sportuniversum.
Vor wenigen Jahren konzentrierte sich die Sportbranche auf den Aufstieg von Streamingdiensten. Nunmehr hat YouTube die Oberhand und selbst das obskurste „Sportevent“ ist über die Plattform auf dem Bildschirm ihrer Wahl verfügbar. Die Anzahl der Sportprodukte wurde ganz wesentlich erhöht und die Auswahl für die Konsumenten scheint grenzenlos zu sein. Gleichzeitig haben die Verbraucher immer häufiger das Gefühl, bei der Auswahl überfordert zu sein. Die Fragmentierung der Sportmedien bedroht den Sport, die Teams und die Athletinnen und Athleten, die sich meist nur noch als ein „Splitter“ unter unendlich vielen wiederfinden.
Gleichzeitig haben die sozialen Medien den Sportlern es ermöglicht, ihre Verbände beziehungsweise ihre Arbeitgeber zu umgehen und mit den Fans direkt in Kontakt zu treten, indem sie ihre Erzählungen und ihre ausgewählten öffentlichen Bilder an die Marketingstrategien ihrer Agenten anpassen. Das sportliche Establishment ist gegenüber einer derartigen Kommunikation nahezu wehrlos. Es strebt nach Kontrolle, aber es mangelt an Wendigkeit, und man hat Schwierigkeiten, mit der Prominenz der Sportstars zu konkurrieren. Die weltweit führenden Streamingdienste haben die Berühmtheit von Sportlern durch ihre Begeisterung für Doku Serien gesteigert. Das Ergebnis ist ein Anstieg des Werts für die wenigen wirklich prominenten Athleten. Sie haben damit die Möglichkeit, ein überdimensionales „Fan-Engagement“ zu erzeugen. Dies wiederum hat kollektive Handlungen in Sportarten zur Folge wie sie zuvor noch nie denkbar waren, auch wenn nur wenige ihrer Stars den kommerziellen Markt monopolisieren. Derzeit führen die besten Tennisspieler der Welt Aufrufe an, einen größeren Anteil der Übertragungserlöse als Preisgeld auszuschütten, im Bewusstsein, dass ihr eigener Erfolg von der Existenz der Konkurrenten abhängt.
Es gibt nun überall Kämpfe zwischen Influencern, die im System des Sports eine neue Rolle spielen. Berühmtheit, Bekanntheit und Anerkennung werden zur entscheidenden Ware in einer Welt der Monetarisierung von Klicks, womit die sportliche Leistungsfähigkeit bei weitem überschritten wird.
Was bedeutet es für die Olympischen Spiele, wenn junge Athletinnen und Athleten und auch deren Eltern die Unterschiede der Sportarten mit ihren potentiellen Erfolgen analysieren und ihre frühen Lebensentscheidungen unter dem Gesichtspunkt der maximalen Gewinnchancen treffen? Der 10 Millionen Preisgeldtopf bei den ersten World Athletics Ultimate Championships im September dieses Jahres sollte in diesem Licht betrachtet werden.
Unsere von den Leinwänden der Medien dominierte Welt hat einen Zustrom von Geld in die Sportbranche befördert, von dem ein Großteil zum „Verlorengehen“ verurteilt ist, wenn Investoren später keine noch größere „Narren“ finden wie sie bereits heute anzutreffen sind. Prominente, sowohl im Inneren als auch außerhalb des Sports, scheinen begierig darauf zu sein, dass ihr Name mit dem Glamour des Sports verbunden wird. Private Equity Akteure kämpfen darum, das „Maul“ der Gierigen zu füttern. Das neue Geld hat die Werte der Athleten noch weiter in die Höhe getrieben, sowohl ihre Gehälter als auch ihre Vermögenswerte. Die durchschnittlichen Preise für durchschnittliche Spieler sind im Berufsfußball unerbittlich gestiegen. Dies gilt auch für die Löhne, da die vertragliche Macht vom Verein auf den Spieler verlagert wurde.
„Neues Geld, junges Produkt, viel Hype“!
Neue Eventformate werden im Brainstorming erschlossen. Es geht um monetarisierbare Inhalte. Niemand ist dabei auf die Möglichkeit vorbereitet, dass weniger auf lange Sicht tatsächlich lukrativer und mehr sein könnte.
Sicher ist hingegen, dass das weitere Wachstum und die Fragmentierung die Kluft zwischen den „Habenden“ und den „Habenichtsen“ im Sport noch weiter vergrößern wird.
In diesen Tagen jährt sich Jesse Owens Gewinn der 100 m Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Berlin zum 90. Mal. Es war die erste von vier Medaillen. In dem Roman „Cool Machine“ von Colson Whitehead ist die zentrale Handlung der Diebstahl einer von Owens Medaillen aus dem „Walldorf Astoria“ im Jahr 1981, wo sie bei einer Auktion ausgestellt war. Dies ist zwar reine Fiktion, doch tatsächlich wurde eine der vier Goldmedaillen 2013 für 1,447 Millionen $ versteigert. Zu diesem Zeitpunkt war der Aufenthaltsort der anderen drei Medaillen unbekannt, obwohl im Jahr 2019 eine zweite Medaille für 615.000 $ versteigert wurde.
Nach Berlin 1936 lebte Jesse Owens zunächst erstaunlich prekär. Als Schwarzer musste er sich mit Gelegenheitsjobs, Laufwettbewerben gegen andere Sportler und sogar gegen Pferde, mit der Arbeit an einer Tankstelle und später mit einem kleinen Reinigungs- und PR-Geschäft „über Wasser“ halten. Sein berühmter Satz bringt seine damalige Situation auf den Punkt: „I had four gold medals, but you can’t eat four gold medals“. Owens hatte jedoch nicht, wie in dem Roman fiktiv angenommen wird, seine Medaillen verkauft. Er hatte vielmehr einem Freund eine seiner Goldmedaillen geschenkt, dessen Angehörige am Ende mehr als 1 Million damit verdient haben. Glücklicherweise konnte Jesse Owens später eine wichtige Rolle als Sportbotschafter übernehmen , und er hatte durchaus ein gutes Auskommen.
Whitehead schreibt in seinem Roman über die Leichtathletik-Ikone von 1936 sehr treffend: „Das Leben hebt dich an einem Tag hoch und am nächsten runter. Jesse Owens schlägt die verdammten Nazis auf ihrem eigenen Terrain, zeigt Hitler selbst die Nase und ein paar Jahre später verkauft er seine Medaillen, um seine Rechnungen zu bezahlen. Du kannst der schnellste Mann der Welt sein, aber du kannst dem weißen Mann nicht entkommen.“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Lediglich muss angemerkt werden, dass in der Welt des Sports mittlerweile der „weiße Mann“ alle Farben aufweisen kann, die die Zugehörigkeit von Menschen bestimmen und in diesen Tagen eine allumfassende Geldgier bis in die letzten Ecken des Weltsports vordringt.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.
Helmut Digel
Für interessierte Leserinnen und Leser finden sich im Anhang zu diesem Beitrag ausgewählte Statistiken zu „sport-nachgedacht.de“, aus denen deutlich wird, dass in den vergangenen zehn Jahren in dem Magazin ganz offensichtlich eine Vielzahl relevante Themen behandelt, wurde, die eine große Leserschaft erreichten.
ESSAYS (344)
Gastbeiträge (97)
Kollektion Schäfer, 39
Kollektion Münch, 17
Kollektion Stroot, 92
Kollektion Baumann, 88
Kollektion Jean Manosque 24
Kollektion Christel Sané, 19
Kollektion Rudel 72
Sportgeräte, 90
Historisches, 262
Postkarten, 88
Sport-Sticker, 154
Sport-Plakate, 368
Sport-Werbung, 7
Kunstwettbewerb YOG, 12
Fotokunst, 1531
Malerei, 554
Wettkampfstätten, 184
Sport-Krawatten, 69
Athletendörfer, 27
Skulpturen, 189
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich, weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.
[2] Im Gegensatz zur Deutschen Sportjugend (dsj)
Helmut Digel
Die jeweilige Mitgliederversammlung von Olympischen und nicht-olympischen Sportfachverbänden ist gemäß § 32 BGB deren höchstes verbandspolitisches Entscheidungsgremium. Sie vereint in sich gewissermaßen die Befugnisse einer „Bundesregierung“, „eines Bundestages“ und eines „Bundesrates“ in einem einzigen sportpolitischen „Organ“, das i.d.R. jährlich als „Ordentliche Mitgliederversammlung“, auch „Jahreshauptversammlung“ (JHV) genannt, zusammentritt, um über die Geschicke und über die Entwicklung der olympischen und nicht-olympischen Sportarten zu entscheiden. Die Mitglieder können darüber hinaus gemäß § 36 BGB aber auch zu einer „Außerordentlichen Mitgliederversammlung“ einberufen werden, wenn wesentliche Entscheidungen anstehen, die nicht bis zur nächsten JHV vertagt werden können.
In diesen Tagen fand die Mitgliederversammlung jenes Verbandes statt, dem ich seit 1988 als Berater, dann ab 1993 als Präsident und später in meiner Eigenschaft als Repräsentant der deutschen Leichtathletik in den internationalen Sportorganisationen angehörte und ehrenamtlich mitgearbeitet habe, und dessen Ehrenpräsident ich noch in diesen Tagen bin. Zu meiner aktiven Zeit waren die Organe dieses Verbandes, die sich bei der Mitgliederversammlung zu versammeln hatten der „Präsident“, die Mitglieder des „Präsidiums“ des „Verbandsrats“ und der „ständigen Konferenzen“, „Kommissionen“ und verschiedener „Ausschüsse“.
Einem problematischen Modernisierungsdruck folgend haben mittlerweile viele Verbände ihre Führungsstruktur verändert und in Anlehnung an die Industrie und Wirtschaft sog. „Vorstandsmodelle“ eingeführt, ohne dabei allerdings zu berücksichtigen, dass Sportverbände organisatorisch und ökonomisch völlig andere „Organisationen“ darstellen als dies bei Wirtschaftsunternehmen und Industriebetrieben der Fall ist. Anstelle eines Präsidenten[1] und eines Präsidiums gibt es nun auch im Sport einen Aufsichtsrat und einen hauptamtlichen Vorstand. Weiterlesen
Helmut Digel.
Zur Geschichte des Internationalen Sports gehört schon seit längerer Zeit ein ausgeprägter Größenwahn, der dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass bei jedem neuen Sportereignis dem Zuschauer von den Massenmedien erklärt wird, dass er bei dem größten, wichtigsten und einmaligsten Ereignis des Sports dabei sein darf. Noch im Jahr 2022 wurde die Fußball-WM von Katar als die bislang größte Fußball-WM dargestellt. Sie hatte nach Meinung der Befürworter in Größe, Symbolkraft, Kosten und Folgewirkungen Maßstäbe gesetzt. Dabei gab es wie bei allen früheren Fußball-Weltmeisterschaften Gewinner und Verlierer. Die ökonomische Bilanz hätte schon immer mit dem ökologischen Schaden beglichen werden können und es war notwendig, dass man die Akteure benennt, die materiell bei diesen Großereignis die größten Gewinne erzielt haben.
Betrachten wir zunächst unter diesen Gesichtspunkt die WM in Katar, so könnte die Gewinner-Verlierer-Bilanz etwa folgendermaßen aussehen: Weiterlesen
Historische Dokumente 10
Fördermaßnahmen des Bundes im Bereich des Sports und der Kultur
Förderprogramme des Bundes im Bereich des Sports und der Kultur
Ausarbeitung WD 10 – 3000 – 048/08
Abschluss der Arbeit: 26. Juni 2008 Fachbereich WD 10: Kultur, Medien und Sport
Ausarbeitungen und andere Informationsangebote der Wissenschaftlichen Dienste geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Die Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste sind dazu bestimmt, Mitglieder des Deutschen Bundestages bei der Wahrnehmung des Mandats zu unterstützen. Der Deutsche Bundestag behält sich die Rechte der Veröffentlichung und Verbreitung vor. Beides bedarf der Zustimmung der Leitung der Abteilung W.
Inhalt
Gastbeitrag
Gert Eichler
Wenn eine Person des öffentlichen Lebens, die bewirkt hat, dass die Universität Hamburg den Exzellenztitel erringen konnte, Befürwortern und Gegnern der Olympischen Spiele in Hamburg bescheinigt, an der eigentlichen Sache vorbei argumentiert zu haben, hat das Gewicht. Dieter Lenzen, ehemaliger Präsident der FU Berlin und der Universität Hamburg gibt zu Protokoll, dass der Gedanke der Völkerverständigung in der ökonomisch bestimmten Auseinandersetzung vor dem Referendum nicht angemessen gewürdigt wurde. Er schlägt vor, die Bedeutung des Wortes ‚Verstand‘ ernst zu nehmen und zu intellektuellen Alternativspielen in Hamburg einzuladen. Hier habe Hamburg viel zu bieten, wie z.B. das Harbour-Literaturfestival, wissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte, das Kulturleben in Theatern, Museen, Opern, Galerien. Gesucht seien die besten Ideen für unsere Zukunft.
Es sei gestattet, den Lenzen-Beitrag um einen Aspekt zu ergänzen: Um die Frage nach der kulturellen Qualität der Olympischen Spiele selbst. Sie werden ‚Spiele‘ genannt, Spiel ist eine Kulturleistung, sind die Olympischen Spiele eine kulturell relevante Veranstaltung? Spätestens seit Johan Huizinga, dem Holländischen Philosophen des ‘Homo Ludens‘ (deutscher Untertitel des weltweit wirksamen Buches: ‚Vom Ursprung der Kultur im Spiel‘), ist bekannt, dass das soziale und kulturelle Leben sich in vielfältigen Formen des Erkundens, Experimentierens, kämpferischen Vergleichens entwickelt hat. In offenen, gestaltbaren Spielen entfalten sich kulturelle Strukturen. Dieser Prozess ist immer aktuell. Die heute in vielfacher Hinsicht nötige gesellschaftliche Transformation braucht das Spielelement, den Gemeinsinn, der insbesondere auch dem Sport zugeschrieben wird. Huizinga beklagte, dass der Sport die Spielsphäre deutlichverlassen habe. Für den Breitensport kann man dieser Einschätzung wohl nur sehr eingeschränkt folgen, aber wie sieht es aus mit den Olympischen ‚Spielen‘? Weiterlesen
Helmut Digel, Andreas Weber
unter Mitarbeit von Albrecht Hummel
Link zu Teil 1:
https://sport-nachgedacht.de/wiss_beitrag/deutschsprachige-sportkulturen-deutschland-oesterreich-und-schweiz-teil-1/#more-8826
Rechteerwerb und Verteilung
ARD und ZDF teilen sich in Deutschland oft die Rechte für Großereignisse (z. B. Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele) und verhandeln diese gemeinsam. Sie konkurrieren dabei mit Pay-TV-Anbietern[1] und privaten Free-TV-Sendern.
In Österreich und der Schweiz spielen die öffentliche-rechtlichen Sender (ORF bzw. SRF) eine zentralere Rolle im nationalen Rechteerwerb, wobei jedoch auch hier in jüngster Zeit die Konkurrenz durch private Anbieter zunimmt (z.B. ServusTV, Sky in Österreich; Blue Sport und My Sports in der Schweiz). Beispielsweise hat die SRG seit 2022 keine Rechte mehr an der Nationalen Eishockey-Liga. Damit hat der SRF alle Live- Übertragungsrechte im Schweizer Eishockey für die nächsten zehn Jahre verloren. Die „Liga“ vergab das Rechte-Paket für Liveübertragungen einschließlich Wiederverwertungsrechten für die Jahre 2027 bis 2035 an den Telecom-Anbieter Sunrise. Live wird das nationale Eishockey auf dem eigenen Bezahlsender My Sports ausgestrahlt. Gleichzeitig werden ausgewählte Inhalte an private Nicht-Bezahl-Sender wie Blick-TV, 3+ oder TV24. Die SRG hat weiterhin die Rechte an der Eishockey Nationalmannschaft sowie am internationalen Eishockey in Davos, dem „Spengler-Cup“.
Helmut Digel, Andreas Weber
unter Mitarbeit von Albrecht Hummel
Es gibt in Europa mit Deutschland, Österreich und Schweiz drei deutschsprachige Staaten. Betrachtet man als interessierter Zuschauer[1] die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dieser drei Staaten und hat man dabei deren Sportsendungen im Blick, so wird man sehr schnell zu der Vermutung kommen, dass es in jedem dieser Staaten eine eigenständige Sportkultur gibt. Wohl gibt es in der Präsentation des Sports viele Gemeinsamkeiten. Doch die Antwort auf die Frage welcher Sport, wie präsentiert wird, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Dies lässt sich zum Beispiel bei einer Liveübertragung eines Abfahrtslaufs im österreichischen Fernsehen im Vergleich zur Übertragung desselben Ereignisses durch die ARD oder das ZDF ebenso schnell erkennen, wie bei der Übertragung eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft im Vergleich zu einer Übertragung im schweizer Radio und Fernsehen (SRF), wenn die Nationalmannschaft der Schweiz spielt. Im Folgenden soll versucht werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei deutschsprachigen Sportkulturen etwas genauer zu betrachten.
Ein differenzierender Blick auf die drei europäischen Länder verweist dabei auf verschiedene historische Wurzeln des Sporttreibens im 19.Jahrhundert, auf länderspezifische Entwicklungspfade und zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungsbedingungen in diesen Ländern nach 1945. Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, die jahrzehntelange Existenz zweier deutscher Staaten (1949–1990) mit festen Blockbindungen (NATO und Warschauer Pakt), die zeitweilige Eingliederung von Österreich in das Staatsgebilde des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches (1938–1945), die auferlegte Verpflichtung zur dauerhaften Bündnisfreiheit Österreichs durch das dortige Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 und die über zweihundertjährige, kultivierte Neutralität der Schweiz haben politische, ökonomische und weltanschauliche Rahmenbedingungen geschaffen, die in den Sportkulturen dieser Länder ihre Spuren hinterlassen haben.
Helmut Digel
FAZ:
Spiegel-online:
ZDF (Video):
https://www.zdfheute.de/sport/sport-dosb-sportfoerdergesetz-bundesregierung-100.html
Tagesspiegel:
Sport 1.de:
Athleten Deutschland e.V.:
So und so ähnlich lauteten die Schlagzeilen über einen Entwurf zu einem „Sportfördergesetz“, den die neue Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei einer exklusiven Einladung am 14.10. 2025 im Bundeskanzleramt in Berlin ausgewählten Medienvertretern vorgestellt hat. In den Berichten über diese Veranstaltung und über das neue Gesetz lassen sich – von der Ministerin autorisierte – Zitate finden, die sie den geladenen Journalisten auf dem Weg in ihre Redaktionen mitgegeben hat. Einen Link auf den vollen Wortlaut des neuen Gesetzesentwurfs lässt sich in dieser Berichterstattung nicht finden. Gleiches gilt für die Homepage des Bundeskanzleramtes und der dort angesiedelten neuen Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. Ganz offensichtlich war es die Absicht der neuen Ministerin, ausgewählte Pressevertreter noch vor den eigentlich von einem neuen Gesetz betroffenen Institutionen und Personen des organisierten Sports, insbesondere des DOSB, vorab zu informieren.
Wer sich die Mühe macht und bereit ist, den vollen Wortlaut des nunmehr veröffentlichten 57-seitigen Referentenentwurfs zu einem neuen Sportgesetz ganz zu lesen, der kann sich über diese – alle Regeln des Fair Play verstoßende – Vorgehensweise kaum wundern. Mit diesem Entwurf beschreitet die neue Bundesregierung einen neuen sportpolitischen Weg, bei dem mit Hilfe eines ideologischen Propagandainstruments namens „Unabhängigkeit“ ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung des Sports vollzogen wird, der mit der Einrichtung eines Sportministeriums unter dem Beifall der Sportorganisationen bereits vor ein paar Monaten vollzogen wurde. Weiterlesen

