Liebe Freundinnen und Freunde der Leichtathletik,
Ich möchte dem Vorstand Leistungssport, seinen Trainern und Trainerinnen und vor allem unseren Athletinnen und Athleten der DLV-Nationalmannschaft ganz herzlich zu ihrem großen Erfolg und vor allem zu ihrem vorbildlichen Auftreten bei den Leichtathletik Europameisterschaften in Birmingham gratulieren. Als jemand, der viele Leichtathletik Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele vor Ort erlebt hat und dem es angesichts seines Alters und seiner etwas angeschlagenen Gesundheit nunmehr nur noch vorbehalten ist, die Leichtathletik im Fernsehen zu verfolgen, für den waren die sechs Tage von Birmingham, trotz tropischer Temperaturen, ein ganz besonderes Sommererlebnis.
Ganz gleich, ob ich die Europameisterschaft bei Eurosport, bei ARD/ZDF oder beim ORF verfolgt habe, von allen Kommentatoren wurden die besonderen Leistungen unserer Mannschaft mit großem Nachdruck gewürdigt. Manche von ihnen wissen, dass mir die internationale und nationale Entwicklung der Leichtathletik schon seit längerer Zeit Sorge bereitet. Das Nachwuchsproblem ist nahezu ungelöst und das Interesse an der Leichtathletik hat leider in den letzten Jahrzehnten kaum noch ein Wachstum zu verzeichnen. Halb volle Ringe hat es nicht nur in Birmingham gegeben. Sie sind vielmehr schon seit längerer Zeit mit Ausnahme von den Olympischen Spielen üblich geworden. Insbesondere ist der Stellenwert, den die Leichtathletik im Curriculum des öffentlichen Schulwesens hat, mehr als besorgniserregend. Umso mehr darf man hoffen, dass die Bilder, wie sie in diesen Tagen von Birmingham nach Deutschland gesendet wurden, Motivation und Anregung für die Nachwuchsarbeit sein können. Darauf möchte ich mit Ihnen gemeinsam hoffen.
Für jemand, der sich nahezu sein ganzes Leben auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive mit Fragen der nationalen und internationalen Entwicklung des Hochleistungssports beschäftigt hat, war es in den letzten Tagen naheliegend, dass ich mir die Frage gestellt habe, was wohl die Gründe sind, dass eine Leichtathletik Nation wie Italien in jüngster Zeit außergewöhnlich erfolgreich sein kann, die noch zu meiner Zeit als ich Verantwortung für die deutsche Leichtathletik übernommen hatte, große Mühe hatte, einen Final-Platz beim Europacup der Leichtathleten zu erreichen. Aber auch die Frage nach den Gründen des deutschen Erfolges hat mich bewegt.
Bei meiner Suche nach Antworten konnte ich einige interessante Sachverhalte eruieren, die möglicherweise auch für die Freunde der Leichtathletik von Interesse sein könnten. Bei meiner Antwortsuche haben mir ehemalige Kontakte und meine langjährige Erfahrung geholfen, aber auch KI konnte mir interessante Antworten zu meinen differenzierten Fragen geben und dabei mir auch die Quellen benennen, auf die sich die Antwort des KI-Programms bezieht.
Im Anhang möchte ich deshalb Ihnen diese kleine Expertise zukommen lassen. Vielleicht ist sie eine Hilfe, damit die Verantwortlichen der deutschen Leichtathletik ihren bereits begonnen erfolgreichen Weg bis zu den sehr viel größeren Herausforderungen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen fortsetzen können. Gewiss sind die Erfolge von Birmingham aus seiner internationalen Perspektive zu relativieren, und gewiss gab es auch einige Disziplinen in Birmingham, bei denen die europäische Leichtathletik den Anschluss an die Weltspitze beinahe bereits verloren hat. Doch der eingeschlagene Weg des DLV unter der Führung seines Vorstands Leistungssport scheint mir erfolgversprechend zu sein und hierfür möchte ich den Verantwortlichen im DLV alles Gute wünschen.
Helmut Digel
I.
Gibt es Gründe, warum die italienische Leichtathletik heute sehr viel erfolgreicher ist als in der Vergangenheit?
Die wichtigsten Gründe
- Bessere Förderung des Hochleistungssystems
Die FIDAL[1] und das italienische Sportsystem haben die Mittel für den Spitzensport erhöht. FIDAL-Präsident Stefano Mei nannte für die Jahre vor 2025 rund 12 Millionen Euro jährlich von Sport e Salute, davon zunächst 5,1 Millionen für den Hochleistungsbereich; der entsprechende Betrag wurde auf 8,5 Millionen erhöht. Das Geld fließt nicht nur direkt an Athleten[2], sondern in Trainingslager, medizinische Betreuung, Prävention, Sportwissenschaft und die Qualifizierung von Trainern.
Wichtig ist dabei weniger die absolute Summe als die gezieltere Verwendung. Italien versucht, die gesamte Leistungskette zu stärken: Talentsichtung, Vereinsförderung, Trainerarbeit, Trainingszentren und Betreuung während der Karriere. Weiterlesen →