Beitrag zur Sportentwicklung

Fußball- WM in Qatar – Lehrstunden für Deutschland

Eine besondere WM

In diesen vorweihnachtlichen Wochen findet  eine sehr ungewöhnliche Fußballweltmeisterschaft statt: Es nehmen an ihr mehr Mannschaften als jemals zuvor teil. Sie nimmt  mehr Zeit in Anspruch als man ihr aus der Sicht anderer Sportarten, aber auch aus gesellschaftspolitischer Sicht zubilligen könnte. Sie findet zum ersten Mal im Dezember statt. Diesmal ist das Weltereignis zu Gast  in Qatar, in einem Land, das ganz gewiss nicht auf eine lange Fußballtradition verweisen kann. Das Turnier verläuft nahezu reibungslos. Gastgeber¹ Qatar hat für diese WM die modernsten Fußballstadien bereitgestellt. Die Gäste wohnen in modernsten Hotels. Es ist Winter in Qatar, doch die Gäste aus aller Welt können sich an schönen Sonnentagen mit angenehmen sommerlichen Temperaturen erfreuen. Für das „Spiel mit dem runden Ball“ ist das Wetter geradezu ideal. Die Wege von Stadion zu Stadion und von den Hotels zu den Stadien sind kurz. Entgegen vieler Erwartungen werden fast alle Spiele von Zuschauern aus allen Ländern der Welt sehr gut besucht. Die Sicherheit aller Gäste ist in einem der sichersten Länder der Welt bestens gewährleistet. Bis auf eine kleine Ausnahme ist für alles gesorgt: Der Bierausschank und Alkoholkonsum, der bei Fußballweltmeisterschaften sonst üblich war, musste erheblich eingeschränkt werden. Für die Bürgerinnen und Bürger des Emirats Qatar sind gemäß ihrer islamischen Kultur und der darauf beruhenden Gesetze Alkoholgelage in der Öffentlichkeit verboten und die Gäste aus aller Welt haben sich diesem Verbot zu fügen. Die große Mehrheit der Bevölkerung Katars sind Moslems. Für sie sind die Monate November und Dezember ganz normale Monate in ihrem Jahreskalender.

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Gastbeitrag

„Fernsehsport“- ärgerliche Anlässe?

Von Andreas Müller

Der als freier Journalist arbeitende Andreas Müller hat sich schon seit längerer Zeit mit Fragen zur Entwicklung des eigenen Berufsstandes auseinandergesetzt. Dabei sind auch die folgenden drei Kommentare zur Entwicklung des „Fernsehsports“ entstanden. Ihr Erst-Abdruck erfolgte in der „Jungen Welt“. Die in diesen Kommentaren vorgetragene Kritik erscheint mir diskussionswürdig zu sein und sie soll deshalb den Lesern von „sport-nachgedacht.de“ nicht vorenthalten werden.H.D.

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Beitrag zur Sportentwicklung

Kultur des Wettbewerbs im Sport – Teil 2

6. Internationalisierung des sportlichen Wettbewerbs – Sport wird zum universellen Kulturmuster

Aus heutiger Sicht betrachtet, ist der moderne Sport zu einem universellen Kulturmuster geworden (vgl. Bausinger, 2006). Diese Annahme vertreten auch die Repräsentanten des Weltsports. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die Merkmale einer kulturellen Relativität gerade auch im modernen Sport nur unzureichend beachtet werden. Auch wird übersehen, dass der moderne Sport keineswegs in gleicher Weise in den verschiedenen Gesellschaften dieser Welt Anerkennung finden konnte und er nach wie vor unter dem Aspekt der jeweiligen Sozialisationsbedingungen erhebliche Unterschiede aufweist.

Der Sport ist in seiner Entwicklung vorrangig ein bürgerliches, großstädtisches Phänomen. Dies lässt sich auch heute noch in Entwicklungs- und Schwellenländern beobachten. Sport wird vorrangig durch städtische Eliten getragen, meist sind sie Angehörige des Wirtschafts- und Bildungsbürgertums, aber auch die Angestellten sind dabei zu beachten, die mittels des Sports am bürgerlichen Leben teilhaben. Die von Nielsen vorgelegten Befunde zur Entwicklung des Verhältnisses der Großstadt zum Sport zwischen 1870 bis 1930 gelten auch heute noch. Es ist vorrangig die Mittelschicht, die auf eine gesundheitsbewusste Lebensweise und auf die Geselligkeit im Verein ausgerichtet ist (vgl. Nielsen, 2002). Weiterlesen

Beitrag zur Sportentwicklung

Deutschland – ein Land der Selbstgerechtigkeit und Doppelmoral Beobachtungen zur Fussball-WM in Katar

Ein Drehbuch gleicht dem anderen. Man lässt einen prominenten Sportstar, der mittlerweile seine Karriere beendet hat (Neureuther / Hitzelsperger) ein Opfer besuchen, ein Opfer, das persönlich schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten hat oder von davon betroffenen Familienmitgliedern berichtet und dies alles natürlich auch zu Recht beklagt.  Die Regisseure dieser Fernsehsendungen (Golüke und Grantner), deren Format als „Dokumentation“ bezeichnet wird, lassen dann mehrere Interviewpartner zu Wort kommen, die ihre vorgefasste Meinung und ihre Vorurteile über das bevorstehende Sportereignis (Olympische Winterspiele in Peking/Fußball Weltmeisterschaft in Katar) bestätigen. Als Alibi lässt man auch sog. Stakeholder zu Wort kommen, die für das anstehende Event angeblich oder tatsächlich verantwortlich sind. Die ausgewählten Sportstars werden als selbstbewusste gesellschaftskritische Zeitgenossen inszeniert und ihre Gespräche mit Opfern, mit Menschenrechtsexperten, mit Politikern, mit wissenschaftlichen Experten und verantwortlichen Sportfunktionären werden so in Szene gesetzt, dass der Zuschauer im Grunde glauben muss, dass diese besonderen Persönlichkeiten des Sports diese Dokumentation aus eigenem Antrieb und mit einem von Ihnen selbst geschriebenen Drehbuch zu verantworten haben. Neben sendereigenem Filmmaterial bedient man sich vor allem ausgewählter Film-Dokumente aus dem Archiv, die allerdings meistens nicht als aktuell zu bezeichnen sind. Das fertig gestellte „Machwerk“ wird eine Woche vor dem anstehenden internationalen Event mit lautem Getöse angekündigt und ausgestrahlt und die Verantwortlichen – wie hier bei der ARD – loben sich gegenseitig, dass sie einmal mehr ihrer Informations- und Aufklärungspflicht in vorbildlicher Weise nachgekommen sind.

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Gastbeitrag

Subsidiäre Partnerschaft zwischen Staat und Sport

Am 6.12.1975 feierte der Deutsche Sportbund sein 25-jähriges Jubiläum in der Frankfurter Paulskirche. Aus diesem Anlass sprach der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt in seiner Laudatio, die der subsidiären Partnerschaft zwischen Staat und Sport gewidmet war, über die wichtigsten Herausforderungen des Sports und einer verantwortungsvollen Sportpolitik, wie sie sich in den achtziger Jahren gestellt hatten. Meines Erachtens sind seine Ausführungen auch heute noch von höchster Relevanz und sie sollen deshalb im Sinne eines sporthistorischen Dokuments als Gastbeitrag für „sport-nachgedacht.de“ aktualisiert werden. Es ist beabsichtigt, auch weitere nach wie vor wichtige sporthistorische Dokumente in dieser Form erneut zu veröffentlichen.

H.D.

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Themenzuordnung: Allgemein

Essay

Der „Berlin Marathon“ – ein außergewöhnliches Sportereignis

Vor wenigen Tagen ist in Berlin eines der großartigen sportlichen Ereignisse des Jahres, das in Deutschland stattfindet, zu Ende gegangen. Der 48. BMW Berlin-Marathon 2022 war einmal mehr ein außergewöhnliches Ereignis und die Laufzeiten der Sieger und Siegerinnen werden und wurden nicht nur von den zahlreichen Zuschauern bewundert, die die Läuferinnen und Läufer angefeuert haben. Sie finden Jahr für Jahr auch in der Welt des internationalen Hochleistungssports höchste Anerkennung und Beachtung. Deshalb ist es angebracht, dieses besondere Ereignis noch etwas genauer zu beleuchten.

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Essay

Der Sportverein – Eine nicht nur private Erinnerung

Eine für mich wichtige Begegnung mit dem Sport war jener Tag, als mein erster Trainer mir ein schwarzes Spieltrikot – damals noch ohne Nummer – überreichte, damit ich wenige Minuten später in diesem Hemd mein erstes Spiel für „meinen Verein“ bestreite. Gerade elf Jahre alt war ich zu diesem Zeitpunkt, und der Sportverein bedeutete für mich lediglich Handball, eine Übungshalle, den Sportplatz und das gezielte Üben und Trainieren auf die samstäglichen Wettkämpfe und Turniere. Mein Handeln war dabei ausgerichtet an den Spielern unserer 1. Mannschaft und hier vor allem an einem Nationalspieler, dessen Erfolge ich in der Zeitung auf Schritt und Tritt verfolgte und der nicht nur mich als Vorbild bis hinein in unsere Trainingsabende begleitete. Seinen Laufstil und seine Wurftechnik versuchten wir ebenso zu imitieren wie seine Sportkleidung und sein äußeres Auftreten. Was hat meine erste Sporterinnerung mit dem Sportverein zu tun? Inwiefern ist diese Erinnerung typisch? Worin liegt ihr deutender Wert für die aktuelle Situation der deutschen Sportvereine? Weiterlesen

Essay

Demokratie im Sport hat ihren Preis

Soziologen¹, Politologen und Wirtschaftswissenschaftler loben den Verein als ideale intermediäre Instanz, die zwischen dem Individuum in seiner Privatheit und dem Staat mit dessen gewünschter Öffentlichkeit vermittelt. Die freiwillige Vereinigung mit dem Namen „Verein“ wird dabei als Einübungsinstanz für demokratische Tugenden gesehen. Das was eine Demokratie im positiven Sinne auszeichnet, kann im Verein gelernt und erfahren werden. Jugendsprecher, Mitgliedsversammlung, demokratische Wahlen, Delegierungsprinzipien von unten nach oben, Mandate auf Zeit, alles was eine gute Demokratie auszeichnet lässt sich in den Organisationen des Sports finden, die auf der Idee des Vereins gründen. Der Verein ist die Versammlungsidee für die Basis des Sports, für die mehr als 90.000 deutschen Turn- und Sportvereine, er ist das Organisationsmodell für die mittlere Ebene, für die Landessportbünde, für die Sportkreise und die Sportbezirke. Er beeinflusst aber auch die Strukturen der nationalen Fachverbände und des Deutschen Olympischen Sportbundes. Weiterlesen

Essay

Handeln im Sport – Überlegungen zu einem sportpädagogischen Leitkonzept

Handlungstheoretische Ansätze können heute innerhalb der Sportwissenschaft in gewisser Weise bereits auf eine Tradition verweisen. Die vorliegenden handlungsorientierten Ansätze kann man dabei in zwei Klassen einteilen. Es gibt zum einen jene Ansätze, die an einer bestimmten Handlungstheorie orientiert sind (an der kognitivistischen Handlungspsychologie, am symbolischen Interaktionismus, an der Soziolinguistik und an verschiedenen philosophischen anthropologischen Konzeptionen).
Zum anderen gibt es jene Ansätze, die mit einem expliziten Handlungsbegriff arbeiten. Ganzheitlich- psychologische, struktural – genetische und anthropologisch – funktionale Handlungsbegriffe können dabei unterschieden werden. Weiterlesen

Kunst aus unserer Galerie

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