Gastbeitrag

Die Kraft der KI, sportliche Integrität zu gewährleisten. Außerdem die ICC und die McKinsey-Falle

 

Gastbeitrag

 

Vom Licht geblendet

Die Kraft der KI, sportliche Integrität zu gewährleisten. Außerdem die ICC und die McKinsey-Falle

ED WARNER
26. FEB

Ich habe keine Ahnung, ob Zoe Atkins ‚Amplitude‘ in Milano/Cortina 2026 statt Bronze in der Freeski-Halfpipe eine andere Medaille verdient hätte. Alles, was ich weiß, ist, dass sie nicht bei allen drei Durchläufen ausgefallen ist, was ihre Chancen zerstört hätte. Alles andere muss ich den Augen und Erfahrungen der Juroren überlassen. Das ist die unangenehme Wahrheit im Kern so vieler olympischer Disziplinen: Wenn man nicht sein Leben lang in deren Formalitäten vertieft war, vertraut man im Grunde einer kleinen Gruppe von Experten, die einem mit einer nachgereichten Bewertung sagen, was man gerade gesehen hat.

Ich sage das als relativ später Konvertit zum von Kampfrichtern bewerteten Sport. Jahrelang habe ich ihn zurückgewiesen, überzeugt davon, dass er zu subjektiv, zu undurchsichtig, zu anfällig für Vorurteile sei. Dann sah ich 2004 in Athen die atemberaubenden Fähigkeiten der Turnerinnen aus nächster Nähe und unterzog mich einer Damascen-Umwandlung. Das Fernsehen kann der Geschwindigkeit, der Größe, der Präzision und der Muskulatur, die für die Darbietung der Turnerinnen erforderlich sind, einfach nicht gerecht werden.

Plötzlich fühlte sich die Idee, die Leistungen dieser Athleten auf eine Zahl zu reduzieren, weniger wie eine bürokratische Übung und mehr wie ein notwendiger Akt der Übersetzung an. Doch trotzdem frustrieren die Launen des Urteilens. Wie kann etwas so Außergewöhnliches auf eine Weise „vertont“ werden, die so offen für Inkonsistenz wirkt? Wie können einfach bedeutungsvolle Vergleiche gezogen werden? Weiterlesen

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In eigener Sache

Aufruf zum Boykott der MAGA-Welt von Donald Trump durch die westlichen Demokratien und zum Boykott der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft

Helmut Digel

Ein alleiniger Boykott der Fußball WM 2026 ist sinnlos und würde mehr Schaden als Nutzen hervorrufen

Dass in diesen Tagen einmal mehr Politiker des Europäischen Parlaments und des Deutschen Bundestages versuchen, den Sport zu einem Boykott einer sportlichen Großveranstaltung zu nötigen, ist in jeder Hinsicht ein Skandal. Der Aufruf von Politikern der EU und des Deutschen Bundestages zeichnet sich nicht nur durch historische und politische Inkompetenz aus. Er ist einmal mehr ein unerträglicher Ausdruck politischer Arroganz bei gleichzeitiger Unwissenheit.

Die im Grundgesetz garantierte Autonomie und politische Unabhängigkeit und Neutralität des organisierten Sports verbietet jede Fremdbestimmung und Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Sportorganisationen durch die Politik. Es kommt einer Anmaßung und Heuchelei gleich, wenn  Politiker angesichts ihres eigenen Politikversagens Bei der Lösung weltweiter Konflikte sich des Sports und seiner Athletinnen und Athleten bedienen wollen, um von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken.

Warum ein alleiniger Boykott der Fußballweltmeisterschaft, die in den Ländern USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, durch die beteiligten Nationalmannschaften, durch die FIFA, durch die Zuschauer und durch die Massenmedien nicht sinnvoll und nicht realistisch ist und auch nicht zu erwarten ist, wurde hinlänglich in den vergangenen Wochen und Monaten diskutiert. Der Autor hat mehrfach in „sport- nachgedacht.de“ seine Ablehnung von einseitigen Boykottinitiativen gegenüber Olympischen Spielen dargelegt. In der „historischen Dokumentation 2“ im selben Magazin kann man noch einmal die guten Gründe nachlesen, die die beiden wichtigsten deutschen Olympier Willi Daume und Thomas Bach bei der Mitgliederversammlung des National Olympischen Komitees für Deutschland im Jahr 1980 gegen einen sportpolitischen Boykott der olympischen Spiele in Moskau dargelegt haben.

Boykottmaßnahmen können sinnvoll sein

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Themenzuordnung: Allgemein

Essay

Wer darf an Olympischen Spielen teilnehmen?

Helmut Digel

Die Antwort auf diese Frage ist einfach, naheliegend und nachvollziehbar, sie bedarf jedoch einer gewissen Konsequenz im Denken und Handeln.

In den deutschen Medien, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in der FAZ, der SZ, im Berliner Tagesspiegel und in allen übrigen deutschen Tageszeitungen wurde und wird der Ausschluss aller russischen und weißrussischen Athleten[1] von Olympischen Spielen und internationalen Sportereignissen gefordert und unterstützt. Unterstützt werden diese Forderungen von Politikern im deutschen Bundestag über alle Parteigrenzen hinweg. Begründet werden diese Forderungen mit dem terroristischen Angriffskrieg Russlands, den Putin gegenüber der Ukraine führt, bei dem es um das Überleben eines Landes geht, dem sein Selbstbestimmungs-Anspruch nicht nur von den Vereinten Nationen und von den höchsten Gerichtshöfen zugestanden wird, sondern von jedem Demokraten glaubwürdig verteidigt werden muss.

In dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine gibt es täglich auf beiden Seiten unschuldige junge Menschen, die als Soldaten ihr Leben lassen müssen, wobei sich die

Anteilnahme an den sehr viel höheren Opferzahlen junger russischer Soldaten in diesem irrsinnigen Krieg in der Bevölkerung Westeuropas in Grenzen hält.

Allzu oft geraten dabei aber auch die vielen zivilen Opfer, die es auch in Russland zu beklagen gibt, aus dem Blick. Weiterlesen

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Essay

Historische Dokumente 3

Thomas Bach

„Sport und Politik aus Athletensicht“

 

Rede beim XVIII. GAISF Kongress & Generalversammlung, Monaco, 17.-19. Oktober 1984

Zunächst möchte ich Ihnen für Ihre Einladung zur Teilnahme an Ihrer Diskussion danken. Ich bin gebeten worden, einige Gedanken zur Beziehung zwischen Sport und Politik vorzutragen.

Athleten aus der ganzen Welt teilen mittlerweile die Erfahrung einer direkten Einmischung der Politik in den Sport und vor allem in die Olympische Bewegung.

Niemand wird jemals diese schrecklichen Stunden des Terrorismus in München 1972 vergessen. Viele von uns sind nach wie vor voll des Mitgefühls für jene unglücklichen Athleten aus Afrika, die 1976 – mit der Ankunft im Olympischen Dorf – dachten, sie hätten endlich das Ziel aller ihrer Bemühungen und Wünsche erreicht, dann aber keine Olympischen Athleten werden durften.

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In eigener Sache

Historische Dokumente 2

„Boykott“ der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und Tallinn – Teil II

 

Teil I siehe „sportnachgedacht.de“:

Historische Dokumente 2 „Boykott“ der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und Tallinn – Teil I

Durch den Mehrheitsbeschluss der Mitglieder des Deutschen Bundestags verschärft sich für die Mitglieder des NOK der Entscheidungsdruck erheblich. Bereits auf der Sitzung des Präsidiums des NOK am 26. Januar konnte kein einheitliches Votum erreicht werden. Man hatte durch die im Rahmen der Pressekonferenz übergebene „Erklärung“ bereits verdeutlicht, dass die „… zu gegebener Zeit zu beschließende Empfehlung des Präsidiums an die Mitgliederversammlung des NOK (wird) auch die politische Verantwortung bei dieser Entscheidung zu berücksichtigen habe(n)“. Diese Entscheidung stand nun vor dem Hintergrund, dass bis zum 24. Mai eine endgültige Entscheidung über die Annahme oder Absage der Einladung zu den Spielen in Moskau und Tallinn gegenüber dem IOC getroffen werden musste, zusätzlich auch unter Zeitdruck.

Die Einladung zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des NOK durch den Präsidenten des NOK, Willi Daume, war im Wissen um die Befassung des Bundetages mit der Thematik, auf den 24. Mai festgelegt. Sie erfolgte als Einladung zu einer öffentlichen Veranstaltung, zu der auch Medienvertreter sowie Gäste geladen wurden. Fernsehzuschauer konnten ebenso wie Hörer des Rundfunks die Debatten live miterleben.

Nachfolgend sollen die bedeutsamen Beiträge des Präsidenten des NOK, Willi Daume, und des Präsidenten des DSB, Willi Weyer, ebenso wiedergegeben werden wie der Beitrag des damaligen „Aktivensprechers“, Thomas Bach, des späteren IOC-Präsidenten.[1]

Mitgliederversammlung des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland am 15. Mai 1980 in Düsseldorf;

 Ausführungen Willi Daume

Hier tagt ein freies, ein unpolitisches Komitee, um eine im Grunde

politische Entscheidung zu treffen. Blauäugig; was zu sein man uns

ja in politischen Leitartikeln so gern bescheinigt, wird man es uns

aber als Artigkeit anrechnen müssen, daß wir uns bis gestern auch einige

Male von hoher politischer Autorität “informieren“ ließen. Vielleicht

wäre weniger mehr gewesen, aber wir sind nun gut vorbereitet. Dies,

das ist sicher, sollte man rühmen. Weiterlesen

Themenzuordnung: Allgemein

In eigener Sache

Historische Dokumente 1

„Boykott“ der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und Tallinn – Teil I

Seit es den modernen Sport gibt, gibt es auch die Möglichkeit, durch den Boykott sportlicher Großveranstaltungen politische Ziele zu erreichen, d.h. ihn für sportfremde Zwecke zu benutzen. Das Thema wurde in „sport-nachgedacht.de“ in all den Jahren des Bestehens sehr häufig und vielfältig behandelt. Eine Antwort auf die Frage, ob Sportboykotte sinnvoll sind oder nicht, konnte dabei auf eindeutige Weise nicht gegeben werden, auch wenn der Herausgeber des Magazins sich mehrfach dagegen wehrte, dass der Sport von Politikern[1] für die Durchsetzung eigener politischer Ziele benutzt und damit missbraucht wurde. Diese „Verantwortungsverlagerung“ auf den Sport belegt nichts anderes als das eigene Scheitern im politischen Raum. Nun soll es der Sport richten! Dabei hat uns die Geschichte längst gelehrt, dass nahezu alle Boykotte wirkungslos geblieben sind. Die „Weltpolitik“ ging einfach darüber hinweg.

Dennoch gab und gibt es Situationen, in denen es auch für die Verantwortlichen des Sports und für mündige Athleten und Athletinnen geradezu eine Pflicht sein muss, eine geplante sportliche Großveranstaltung zu boykottieren, angesichts der Politik, die von dem Land ausgeht, in dem die Sport-Großveranstaltung stattfinden soll. Die Reihe der Sport-Großveranstaltungen, bei denen ein Boykott durch den Sport zur Diskussion stand, ist mittlerweile sehr lang: Montreal 1976, Moskau 1980, Los Angeles 1984, Peking 2008, und 2014 Winterspiele in Sotschi, denen wegen der homophoben Gesetzgebung im Land des Gastgebers diesmal lediglich viele Staatsoberhäupter fern blieben. Nunmehr also Boykott – Diskussionen um die Teilnahme an der Fußball – WM in diesem Jahr in den USA, die aber auch in den Gastgeberländern, Kanada und Mexiko ausgetragen wird.

In der neu begonnenen Reihe „Historische Dokumente“ in „sport-nachgedacht.de“ sollen in der zweiten Ausgabe Diskussionen, Reden und Beschlüsse vorgelegt werden, die schließlich zu dem Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und Tallinn geführt haben. Es ging bundesweit um die schwierige Frage, ob deutsche Sportlerinnen und Sportler nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan an den Olympischen Sommerspielen in Moskau und Tallinn teilnehmen oder sich auf Drängen der Politik, an dem von den USA initiierten Boykott anschließen sollten. Während in der Öffentlichkeit das Thema lediglich kontrovers diskutiert wurde, war das NOK für Deutschland gehalten, eine Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme zu treffen.

H.D.

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Themenzuordnung: Allgemein

Essay

“Noch eine Goldmedaille mehr für Team D – Medaglia d’oro nel brontolare e nell ipocrisia”

Helmut Digel

Es waren schöne Spiele

Die Olympischen Winterspiele Milano /Cortina 2026 waren interessante Spiele und sie waren auch oft sehr schöne und gelungene Spiele. Die Olympischen Athletinnen und Athleten haben einmal mehr der Welt gezeigt, wie bei olympischen Wettkämpfen bedeutsame gesellschaftliche Werte zur Darstellung gebracht werden können. Und wie es möglich ist, dass junge Menschen aus vielen Nationen sich über einen Zeitraum von drei Wochen auf friedliche Weise begegnen können. Es wurde einmal mehr demonstriert, dass olympische Spiele keine bloße Aneinanderreihung von Weltmeisterschaften verschiedener Sportarten sind. Allein die Eröffnungsfeier und die Schlussfeier und die Olympischen Rituale – angefangen mit dem Fackellauf, beginnend in Griechenland und fortgesetzt durch ganz Italien, gefolgt vom Olympischen Feuer und dessen Entzündung und dem Olympischen Eid – haben auch in Milano Cortina 2026 diesen Unterschied deutlich hervorgebracht.

Besonders schön anzusehen waren die Gesten der Solidarität und Freundschaft von Athletinnen und Athleten, insbesondere in jenen Sportarten, die nur bei Olympischen Spielen ein öffentliches Interesse finden. Der Freudentaumel bei den Skibergsteigern, die zum ersten Mal bei Spielen dabei sein durften, war ebenso schön zu betrachten wie die von gegenseitiger Anerkennung geprägten Gesten der Snowboarder, Skicrosser und Skiakrobaten. Es gab auch vorbildliche Verlierer, die allen Grund gehabt hätten, enttäuscht zu sein, allen voran der alpine Skirennläufer Marco Odermatt aus der Schweiz. Die Gesten der Freude über den Sieg und den überraschenden Erfolg und der Ausdruck von Enttäuschung über den Misserfolg wurden immer wieder auf geradezu dramatische Weise vorgetragen. So z.B. auf der einen Seite von Daniela Maier bei ihrem überraschenden Sieg im Ski Cross Wettbewerb der Damen und auf der anderen Seite vom norwegischen Skirennläufer Mc Grath. Sie sind Ausdruck einer Dramatik, wie sie nur der olympische Hochleistungssport bieten kann. Weiterlesen

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Essay

Tim Hronek – der erfolgreichste Olympionike des Achentals

Helmut Digel

Ich wohne nun bereits seit zwölf Jahren in einem für mich einmaligen Naturparadies im Achental und dessen „Hauptstadt“ Unterwössen und bereits im ersten Jahr war es mir vergönnt, dass ich ihn treffen durfte: Tim Hronek, den erfolgreichsten Olympioniken des Achentals. Damals war er 19 Jahre alt und galt als eines der vielversprechendsten Talente des Deutschen Skiverbandes in der neu geschaffenen Olympischen Disziplin des Skicross. Zwei Jahre zuvor hatte der damalige Gymnasiast und Eliteschüler am Ski-Gymnasium Berchtesgaden seine alpine Rennläuferkarriere aufgegeben und sich auf ein Abenteuer eingelassen, das vor wenigen Tagen bei den 25. Olympischen Winterspielen Milano/ Cortina 2026 seinen absoluten Höhepunkt erreicht hat.

Seit Beginn der ersten Wettkämpfe bei diesen Spielen mussten er und ich, und mit ihm vermutlich noch viele seiner Freunde im Achental, nicht zuletzt seine Familie, 18  Wettkampftage lang warten, bis es endlich so weit war, dass  sich der „Skicross“ –  eine der  faszinierendsten Olympischen Wintersportdisziplinen –  bei den sehr schönen und gelungenen Olympischen Winterspielen von Milano/ Cortina 2026 präsentieren durfte. Für Tim und vor allem für mich begann der Wettkampf mit einer „kleinen Katastrophe“. In der ersten Qualifikation, bei der es um die Positionierung in den folgenden Wettkämpfen ging, erreichte Tim lediglich den 24. Platz, was so viel bedeutete, dass er in seinem ersten Achtelfinallauf bereits mit den besten der Welt konfrontiert sein sollte. Doch entgegen meinen Befürchtungen hat für Tim diese erste „Niederlage“ keinerlei Bedeutung gehabt. In seinem Achtelfinallauf dominierte er seine Gegner und seine Qualifikation für das Viertelfinale war zu keiner Sekunde gefährdet. Nicht nur mein Pulsschlag schlug höher, als er auch das Viertelfinale souverän meisterte und sich damit für das Halbfinale qualifiziert hatte, was bei Olympischen Spielen eine herausragende Bedeutung hat. Bei Schneefall und Nebel trat Tim im zweiten Halbfinallauf gegen die Besten der Welt an. Würde er einen der ersten beiden Plätze erringen, so wäre ihm eine Medaille bei diesen für ihn einmaligen Olympischen Winterspielen nahezu sicher gewesen. Nach einem etwas schwachen Start suchte Tim  dank seiner großen Erfahrung eine ideale Ausgangsposition für einen Überholversuch und nutzte diesen zum richtigen Zeitpunkt. Sofort war klar, dass er die Sensation des Tages schaffen würde. Doch wenige 100 m vor dem Ziel geschah die Tragödie. Tim wurde von dem  Schweizer Skicrossstar Ryan Regez auf unfaire Weise abgedrängt und schafft es gerade noch, sich auf seinen Skiern zu halten und einen Sturz zu vermeiden. Doch der Angriff seines Gegners und das körperliche Duell mit ihm verlangsamte die Renngeschwindigkeit, die im Skicross bei 100 km/h liegt, was der an dritter Stelle liegende Japaner zu nutzen wusste und deshalb mit knappem Abstand Tim auf die dritte Stelle des Halbfinallaufes verwies. Für mich war klar, dass dieser Lauf wiederholt werden müsste, weil Tims „Niederlage“ nicht von ihm verschuldet wurde, sondern von einem seiner Konkurrenten und der Erfolg des Japaners zu Lasten von Tim zustande gekommen war. Leider sehen die Regeln der FIS eine solche Wiederholung nur bei ganz besonderen Fällen vor. Für mich lag ein ganz besonderer Fall vor und ich darf nicht nur für mich behaupten, dass Tim um eine Medaille bei Olympischen Spielen betrogen wurde. An die ökonomischen Verluste, die ihm durch diese Fehlentscheidung entstanden sind, sollte man erst gar nicht denken Weiterlesen

Themenzuordnung: Allgemein

Gastbeitrag

Wie hat sich Australien – besser bekannt für seine Strände als für Schneeberge – zu einem konsequenten Leistungsträger der Olympischen Winterspiele entwickelt?

Gastbeitrag

Kieran Pender

1936 schrieb Kenneth Kennedy Geschichte als Australiens erster Winterolympionike. Es war ein einsames Unternehmen; Kennedy war nicht nur der einzige Vertreter Australiens bei den deutschen Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen,  sondern als Eisschnellläufer startete er ohne jegliche Unterstützung, ohne technische Mitarbeiter und ohne australische olympische Offizielle.

Seit diesen ungünstigen Anfängen mussten fast sechs Jahrzehnte vergehen, bevor Australien seine erste olympische Wintermedaille gewann; Bronze in der 5000-Meter-Eislauf-Staffel der Männer (Steven Bradbury – später wurde er Australiens berühmtester Winter-Olympiasieger – war Mitglied des Teams). Nach einer langen Zeit der „Hungersnot“ erwartet die Australier jetzt alle vier Jahre ein „mehrgängiges Menü“  bei Olympischen Winterspielen – wenn nicht sogar ein „Medaillenfest“.

Australien hat bei allen Winterspielen seit dieser Bronzemedaille im Jahr 1994 Medaillen gewonnen. Nach dem Rekorderfolg in den Jahren 2002 und 2010 (jeweils zwei Goldmedaillen) und einem historischen Gesamterfolg im Jahr 2022 (insgesamt vier Medaillen) sind  die Spiele von  Milano/ Cortina 2026  mit bislang 6 Medaillen Australiens beste Olympische Winterspiele aller Zeiten. Einst ein Schwergewicht der Sommerspiele und  ein „kleiner Fisch“ bei Winterspielen, präsentiert sich die Nation jetzt weit über ihrem „Gewicht“ auf einem der vorderen Plätze der Medaillentabelle; die Australier liegen derzeit auf Platz 14, wobei die Spiele noch bis Sonntag laufen.

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Themenzuordnung: Allgemein

Sportpolitische Dokumente

In der Geschichte des Sports gibt es wichtige Dokumente, die wiederholt gelesen werden sollten, weil sie wichtige Erkenntnisse für die Gegenwart und die Zukunft beinhalten. Mit dem Gespräch, das Günther Gaus mit Willi Daume führte, soll eine neue Reihe eröffnet werden, in der ausgewählte historische Dokumente publiziert werden. Hinweise hierzu aus dem Leserkreis sind willkommen. H. D.

Historische Dokumente I

Günther Gaus im Gespräch mit Willi Daume

Wenige Tage vor der Entsendung der deutschen Olympia Mannschaft zu den Olympischen Spielen in Tokio 1964

Günter Gaus (* 23. November 1929 in Braunschweig; † 14. Mai 2004 in Hamburg-Altona) war ein deutscher JournalistPublizistDiplomat und Politiker. Seine Fernsehreihe „Zur Person“, die 1963 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde und über mehrere Jahrzehnte das Fernsehprogramm der ARD bereicherte, gehört zu den herausragenden journalistischen Leistungen in der Bundesrepublik Deutschland.

 Willi Daume (* 24. Mai 1913 in HückeswagenKreis LennepRheinprovinz; † 20. Mai 1996 in München) war Unternehmer, Sportler und Sportfunktionär. Daume war von 1950 bis 1970 Präsident des Deutschen Sportbundes sowie von 1961 bis 1992 Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK). Er war von 1956-1991 Mitglied des IOC und unter anderem auch dessen Vizepräsident. Er war und ist noch immer ohne Zweifel der bedeutendste Sportfunktionär der Bundesrepublik Deutschland

Gaus: Herr Daume, als Präsident des Deutschen Sportbunds, des Nationalen Olympischen Komitees, sind Sie der oberste ehrenamtliche Funktionär des Sports in der Bundesrepublik. Betreiben Sie auch noch aktiv Sport oder sind sie nur noch Offizieller?

Daume: Ich spiele gern und wenn ich kann viel Tennis, besonders gern mit guten Partnern und ich spiele auch noch etwas Golf.

G.: Golf und Tennis das sind zwei ziemlich noble Sportarten, was mich zu einer Frage bringt. Ihr Sportbund bemüht sich sehr darum, den so genannten „Zweiten Sportweg“ zu popularisieren, worunter man Sport nicht als Leistungssport betrieben, sondern für ältere Leute der Gesundheit halber und des Vergnügens halber versteht. Ist es nicht so, dass oberhalb einer bestimmten Altersgrenze nur gesellschaftlich exklusive Sportarten mit Snob-Appeal ernsthaft betrieben werden und im Massensport die Leute zwar gern zuschauen, aber in Wirklichkeit nicht mehr selbst aktiv sind?

D.: Das ist ein wichtiges Problem. Auch ein staatspolitisch wichtiges Problem. Es ist ganz sicher nicht immer so. Nehmen wir den deutschen Turnerbund, der ja dafür bekannt ist, dass gerade auch die ältere Generation dort ihre Geselligkeit, körperliche Bewegung, Gesundheit findet. Es gibt aber auch eine Reihe von anderen Sportarten, nicht nur von feudalen Sportarten, wo mehr und mehr die Notwendigkeit erkannt wird, dass die älteren Leute, ihre Gesundheit pflegen eben durch körperliche Bewegung. Das zu intensivieren war der Sinn des so genannten Zweiten Weges und es sollten auch die Kreise dabei erfasst oder besser gesagt gewonnen werden, die gesellungsunwillig sind, die sich also nicht unbedingt von vorneherein mal einem Verein anschließen wollen, die auch die bisherigen Übungsformen nicht lieben, die also nicht in Männer oder in Frauenabteilungen zusammen sein wollen, sondern die Möglichkeiten angeboten haben wollen, wo die ganze Familie beispielsweise sich betätigt. Diesem Problem gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und die Erfolge in der zurückliegenden Zeit sind eigentlich ermutigend.

G.: Wünschen Sie sich sozusagen ein Volk von Sportlern?

D.: Ja, lieber ein Volk von Sportlern als ein Volk von Weltmeistern. Ich wünsche mir dund glaube das sollte ein allgemeines öffentliches Anliegen sein, dass zum Ausgleich der Stilllegung des menschlichen Körpers durch die moderne Zivilisation, durch Verkehr und Entwicklungen dieser Art mehr und mehr die Notwendigkeit erkannt wird, dass man seinen Körper in Form halten muss, dass man ihn in einem gewissen Ausmaß bewegen und damit einer naturgemäßen Lebensweise wieder näher kommen muss.

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Themenzuordnung: Allgemein

Beitrag zur Sportentwicklung

Deutschsprachige Sportkulturen – Deutschland, Österreich und Schweiz Teil 2

Helmut Digel, Andreas Weber

unter Mitarbeit von Albrecht Hummel

Link zu Teil 1:

 https://sport-nachgedacht.de/wiss_beitrag/deutschsprachige-sportkulturen-deutschland-oesterreich-und-schweiz-teil-1/#more-8826

Sportberichterstattung

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender weisen in ihrer Sportberichterstattung erhebliche Unterschiede auf.

Rechteerwerb und Verteilung

Der Erwerb und die Verteilung teurer Übertragungsrechte variieren zwischen den Sendern sehr stark. Lokale Marktbedingungen (Konkurrenz durch Pay-TV) und gesetzliche Regelungen haben dabei einen unterschiedlichen Einfluss.

ARD und ZDF teilen sich in Deutschland oft die Rechte für Großereignisse (z. B. Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele) und verhandeln diese gemeinsam. Sie konkurrieren dabei mit Pay-TV-Anbietern[1] und privaten Free-TV-Sendern.

In Österreich und der Schweiz spielen die öffentliche-rechtlichen Sender (ORF bzw. SRF) eine zentralere Rolle im nationalen Rechteerwerb, wobei jedoch auch hier in jüngster Zeit die Konkurrenz durch private Anbieter zunimmt (z.B. ServusTV, Sky in Österreich; Blue Sport und My Sports in der Schweiz). Beispielsweise hat die SRG seit 2022 keine Rechte mehr an der Nationalen Eishockey-Liga. Damit hat der SRF alle Live- Übertragungsrechte im Schweizer Eishockey für die nächsten zehn Jahre verloren. Die „Liga“ vergab das Rechte-Paket für Liveübertragungen einschließlich Wiederverwertungsrechten für die Jahre 2027 bis 2035 an den Telecom-Anbieter Sunrise. Live wird das nationale Eishockey auf dem eigenen Bezahlsender My Sports ausgestrahlt. Gleichzeitig werden ausgewählte Inhalte an private Nicht-Bezahl-Sender wie Blick-TV, 3+ oder TV24. Die SRG hat weiterhin die Rechte an der Eishockey Nationalmannschaft sowie am internationalen Eishockey in Davos, dem „Spengler-Cup“.

Programmschemata und Formate

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Themenzuordnung: Allgemein

Beitrag zur Sportentwicklung

Deutschsprachige Sportkulturen – Deutschland, Österreich und Schweiz Teil 1:

Helmut Digel, Andreas Weber

unter Mitarbeit von Albrecht Hummel

Es gibt in Europa mit Deutschland, Österreich und Schweiz drei deutschsprachige Staaten. Betrachtet man als interessierter Zuschauer[1] die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dieser drei Staaten und hat man dabei deren Sportsendungen im Blick, so wird man sehr schnell zu der Vermutung kommen, dass es in jedem dieser Staaten eine eigenständige Sportkultur gibt. Wohl gibt es in der Präsentation des Sports viele Gemeinsamkeiten. Doch die Antwort auf die Frage welcher Sport, wie präsentiert wird, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Dies lässt sich zum Beispiel bei einer Liveübertragung eines Abfahrtslaufs im österreichischen Fernsehen im Vergleich zur Übertragung desselben Ereignisses durch die ARD oder das ZDF ebenso schnell erkennen, wie bei der Übertragung eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft im Vergleich zu einer Übertragung im schweizer Radio und Fernsehen (SRF), wenn die Nationalmannschaft der Schweiz spielt. Im Folgenden soll versucht werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei deutschsprachigen Sportkulturen etwas genauer zu betrachten.

Ein differenzierender Blick auf die drei europäischen Länder verweist dabei auf verschiedene historische Wurzeln des Sporttreibens im 19.Jahrhundert, auf länderspezifische Entwicklungspfade und zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungsbedingungen in diesen Ländern nach 1945. Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, die jahrzehntelange Existenz zweier deutscher Staaten (1949–1990) mit festen Blockbindungen (NATO und Warschauer Pakt), die zeitweilige Eingliederung von Österreich in das Staatsgebilde des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches (1938–1945), die auferlegte Verpflichtung zur dauerhaften Bündnisfreiheit Österreichs durch das dortige Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 und die über zweihundertjährige, kultivierte Neutralität der Schweiz haben politische, ökonomische und weltanschauliche Rahmenbedingungen geschaffen, die in den Sportkulturen dieser Länder ihre Spuren hinterlassen haben.

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Beitrag zur Sportentwicklung

Gesetz zur Förderung des Spitzensports – Ein weiterer Schritt in Richtung „Staatssport“

Helmut Digel

FAZ:

 

Spiegel-online:

  • „Eine Spitzensportagentur soll das deutsche Medaillenproblem lösen“:

https://www.spiegel.de/sport/olympia/olympische-spiele-spitzensportagentur-soll-deutschlands-medaillenproblem-loesen-a-3c52aec0-b977-40eb-a752-1cb514c9a76c

ZDF (Video):

o  „Alleingang der Bundesregierung – Sportfördergesetz: DOSB fürchtet Machtverlust“

https://www.zdfheute.de/sport/sport-dosb-sportfoerdergesetz-bundesregierung-100.html

Tagesspiegel:

  • „Verteilung der Sport-Millionen:Neues Sportfördergesetz: Weniger Einfluss für Sportverbände“

https://www.tagesspiegel.de/sport/verteilung-der-sport-millionen-neues-sportfordergesetz-weniger-einfluss-fur-sportverbande-14643764.html

 

Sport 1.de:

 

  • Wirbel um neuen Gesetzentwurf“

https://www.sport1.de/news/mehr-sport/2025/10/nachster-anlauf-zum-sportfordergesetz-dosb-reagiert-verstimmt

 

 

Athleten Deutschland e.V.:

 

  • „Entwurf zum Sportfördergesetz eröffnet Chancen, bleibt aber hinter Erwartungen zurück“

https://athleten-deutschland.org/entwurf-zum-sportfoerdergesetz-eroeffnet-chancen-bleibt-aber-hinter-erwartungen-zurueck/

So und so ähnlich lauteten die Schlagzeilen über einen Entwurf zu einem „Sportfördergesetz“, den die neue Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei einer exklusiven Einladung am 14.10. 2025 im Bundeskanzleramt in Berlin ausgewählten Medienvertretern vorgestellt hat. In den Berichten über diese Veranstaltung und über das neue Gesetz lassen sich – von der Ministerin autorisierte – Zitate finden, die sie den geladenen Journalisten auf dem Weg in ihre Redaktionen mitgegeben hat. Einen Link auf den vollen Wortlaut des neuen Gesetzesentwurfs lässt sich in dieser Berichterstattung nicht finden. Gleiches gilt für die Homepage des Bundeskanzleramtes und der dort angesiedelten neuen Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. Ganz offensichtlich war es die Absicht der neuen Ministerin, ausgewählte Pressevertreter noch vor den eigentlich von einem neuen Gesetz betroffenen Institutionen und Personen des organisierten Sports, insbesondere des DOSB, vorab zu informieren.

Wer sich die Mühe macht und bereit ist, den vollen Wortlaut des nunmehr veröffentlichten 57-seitigen Referentenentwurfs zu einem neuen Sportgesetz ganz zu lesen, der kann sich über diese – alle Regeln des Fair Play verstoßende – Vorgehensweise kaum wundern. Mit diesem Entwurf beschreitet die neue Bundesregierung einen neuen sportpolitischen Weg, bei dem mit Hilfe eines ideologischen Propagandainstruments namens „Unabhängigkeit“ ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung des Sports vollzogen wird, der mit der Einrichtung eines Sportministeriums unter dem Beifall der Sportorganisationen bereits vor ein paar Monaten vollzogen wurde. Weiterlesen

Themenzuordnung: Allgemein

Kunst aus unserer Galerie