Historische Dokumente I
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Günther Gaus im Gespräch mit Willi Daume
Wenige Tage vor der Entsendung der deutschen Olympia Mannschaft zu den Olympischen Spielen in Tokio 1964
Günter Gaus (* 23. November 1929 in Braunschweig; † 14. Mai 2004 in Hamburg-Altona) war ein deutscher Journalist, Publizist, Diplomat und Politiker. Seine Fernsehreihe „Zur Person“, die 1963 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde und über mehrere Jahrzehnte das Fernsehprogramm der ARD bereicherte, gehört zu den herausragenden journalistischen Leistungen in der Bundesrepublik Deutschland.
Willi Daume (* 24. Mai 1913 in Hückeswagen, Kreis Lennep, Rheinprovinz; † 20. Mai 1996 in München) war Unternehmer, Sportler und Sportfunktionär. Daume war von 1950 bis 1970 Präsident des Deutschen Sportbundes sowie von 1961 bis 1992 Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK). Er war von 1956-1991 Mitglied des IOC und unter anderem auch dessen Vizepräsident. Er war und ist noch immer ohne Zweifel der bedeutendste Sportfunktionär der Bundesrepublik Deutschland
Gaus: Herr Daume, als Präsident des Deutschen Sportbunds, des Nationalen Olympischen Komitees, sind Sie der oberste ehrenamtliche Funktionär des Sports in der Bundesrepublik. Betreiben Sie auch noch aktiv Sport oder sind sie nur noch Offizieller?
Daume: Ich spiele gern und wenn ich kann viel Tennis, besonders gern mit guten Partnern und ich spiele auch noch etwas Golf.
G.: Golf und Tennis das sind zwei ziemlich noble Sportarten, was mich zu einer Frage bringt. Ihr Sportbund bemüht sich sehr darum, den so genannten „Zweiten Sportweg“ zu popularisieren, worunter man Sport nicht als Leistungssport betrieben, sondern für ältere Leute der Gesundheit halber und des Vergnügens halber versteht. Ist es nicht so, dass oberhalb einer bestimmten Altersgrenze nur gesellschaftlich exklusive Sportarten mit Snob-Appeal ernsthaft betrieben werden und im Massensport die Leute zwar gern zuschauen, aber in Wirklichkeit nicht mehr selbst aktiv sind?
D.: Das ist ein wichtiges Problem. Auch ein staatspolitisch wichtiges Problem. Es ist ganz sicher nicht immer so. Nehmen wir den deutschen Turnerbund, der ja dafür bekannt ist, dass gerade auch die ältere Generation dort ihre Geselligkeit, körperliche Bewegung, Gesundheit findet. Es gibt aber auch eine Reihe von anderen Sportarten, nicht nur von feudalen Sportarten, wo mehr und mehr die Notwendigkeit erkannt wird, dass die älteren Leute, ihre Gesundheit pflegen eben durch körperliche Bewegung. Das zu intensivieren war der Sinn des so genannten Zweiten Weges und es sollten auch die Kreise dabei erfasst oder besser gesagt gewonnen werden, die gesellungsunwillig sind, die sich also nicht unbedingt von vorneherein mal einem Verein anschließen wollen, die auch die bisherigen Übungsformen nicht lieben, die also nicht in Männer oder in Frauenabteilungen zusammen sein wollen, sondern die Möglichkeiten angeboten haben wollen, wo die ganze Familie beispielsweise sich betätigt. Diesem Problem gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und die Erfolge in der zurückliegenden Zeit sind eigentlich ermutigend.
G.: Wünschen Sie sich sozusagen ein Volk von Sportlern?
D.: Ja, lieber ein Volk von Sportlern als ein Volk von Weltmeistern. Ich wünsche mir dund glaube das sollte ein allgemeines öffentliches Anliegen sein, dass zum Ausgleich der Stilllegung des menschlichen Körpers durch die moderne Zivilisation, durch Verkehr und Entwicklungen dieser Art mehr und mehr die Notwendigkeit erkannt wird, dass man seinen Körper in Form halten muss, dass man ihn in einem gewissen Ausmaß bewegen und damit einer naturgemäßen Lebensweise wieder näher kommen muss.
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