Zur Geschichte des Internationalen Sports gehört schon seit längerer Zeit ein ausgeprägter Größenwahn, der dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass bei jedem neuen Sportereignis dem Zuschauer von den Massenmedien erklärt wird, dass er bei dem größten, wichtigsten und einmaligsten Ereignis des Sports dabei sein darf. Noch im Jahr 2022 wurde die Fußball-WM von Katar als die bislang größte Fußball-WM dargestellt. Sie hatte nach Meinung der Befürworter in Größe, Symbolkraft, Kosten und Folgewirkungen Maßstäbe gesetzt. Dabei gab es wie bei allen früheren Fußball-Weltmeisterschaften Gewinner und Verlierer. Die ökonomische Bilanz hätte schon immer mit dem ökologischen Schaden beglichen werden können und es war notwendig, dass man die Akteure benennt, die materiell bei diesen Großereignis die größten Gewinne erzielt haben.
Betrachten wir zunächst unter diesen Gesichtspunkt die WM in Katar, so könnte die Gewinner-Verlierer-Bilanz etwa folgendermaßen aussehen: Weiterlesen →
Eigentlich ist es keine schlechte Sache, wenn man in einer Bananenrepublik leben darf. Ecuador, die Philippinen, Costa Rica, Kolumbien und Guatemala zeichnen sich durch eine wunderbare Natur aus. Ihnen ist es vergönnt, ihre Bananen nach Europa zu exportieren. Bei meinen Besuchen dieser Länder habe ich manch schönen Ort gefunden, an dem ich durchaus auch meinen Lebensabend gerne verbringen würde. Wenn man jedoch in Deutschland das Wort von der „Bananenrepublik“ in den Mund nimmt, so meint man dabei meist Länder, deren Entwicklung von einer unsäglichen Bürokratie gehemmt wird und wo viel geredet wird, es aber nie oder nur selten zu den notwendigen Veränderungen und Reformen kommt. Immer häufiger wird nun dieser negativ besetzte Begriff auch auf Deutschland selbst bezogen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn gute Ideen über Jahre nicht beachtet oder nur langsam oder gar nicht umgesetzt wurden. Das Projekt, über das im Folgenden zu sprechen ist, entspricht genau diesen Merkmalen und kann ganz offensichtlich Deutschland als „Bananenrepublik“ bestens repräsentieren.
Wo finde ich, wann, von wem aufgezeigt, welches Sportangebot in Deutschland?
Die Idee, die hinter dem Projekt steht, ist eigentlich ganz einfach. Im Jahr 1990 stellte ich mir die Frage, was geschieht, wenn in einer modernen, führenden Industriegesellschaft, wie es Deutschland damals noch war, und in der die berufliche Mobilität ihrer Bürger[1] ein entscheidender Motor für eine positive Entwicklung dieser Gesellschaft war, eine junge Familie ihren Wohnort wechselt, weil Vater und Mutter sich beruflich verbessern konnten? Wie kann sich diese Familie – wenn sie den Wunsch hat – schnell und unbürokratisch an ihrem neuen Wohnort über Sport- und Bewegungsangebote für sich und ihre Kinder informieren, die sie am früheren Wohnort kennengelernt und ausgeübt haben, und jetzt gerne weiter betreiben möchten? Weiterlesen →
„Welt“-Kolumnist Peter Gauweiler fühlt sich wohl in der Rolle des juristischen Lehrmeisters. Deshalb ist er überzeugt, dass er uns aufklären muss, dass nicht der FIFA-Präsident und auch nicht Donald Trump bei der WM 2026 über die Aufhebung einer Sperre nach einer roten Karte entschieden hat, sondern dass dies alles juristisch einwandfrei nach den Regeln der FIFA erfolgt ist („Die Welt“,10.7.2026[1]). Dort gibt es die Disziplinarorgane, die unter bestimmten Voraussetzungen den Vollzug einer Sperre aussetzen oder abändern können. Es waren also nicht der FIFA-Präsident oder Herr Trump, die die fragwürdige Entscheidung getroffen haben, sondern es ist eine FIFA-Kommission, deren Mitglieder satzungsgemäß unabhängig zu sein haben. Nach Auffassung von Herrn Gauweiler war und ist somit der massenmediale „Shitstorm“, den dieser Platzverweis hervorgerufen hat, völlig fehl am Platz.
Ob diese Disziplinarkommission der FIFA jemals nach dem Spiel getagt hat, wie sie sich zusammensetzt und mit welcher Begründung sie die Sperre ausgesetzt hat, wurde und wird von Herrn Gauweiler allerdings nicht erwähnt – und auch nicht überprüft. Dass die fragwürdige Entscheidung der Disziplinarkommission (wenn es sie tatsächlich gibt)) nur durch den Anruf des US-Präsidenten bei Herrn Infantino erst ermöglicht wurde und damit von diesen beiden Herren ursächlich „verschuldet“ wurde, wird von Herrn Gauweiler großzügig übersehen.
Für ihn steht fest, dass diese Fußballweltmeisterschaft ein voller Erfolg war und noch immer ist, und dass dieser Erfolg, „dem viel gehassten, genialen Schweizer Bürger Infantino“ zu verdanken ist: Weiterlesen →
Förderprogramme des Bundes im Bereich des Sports und der Kultur
Ausarbeitung WD 10 – 3000 – 048/08
Abschluss der Arbeit: 26. Juni 2008 Fachbereich WD 10: Kultur, Medien und Sport
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Mit dem Begriff „Multifunktionsversagen“ wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben beim Tod der Siebenkämpferin Birgit Dressel konfrontiert. In der Medizin spricht man von einem „Multiorganversagen“, wenn mehrere lebenswichtige Organe wie Lunge, Nieren, Leber oder Herz gleichzeitig ausfallen. Die häufigste Ursache ist eine schwere Infektion oder ein schweres Trauma; es erfordert immer eine sofortige intensivmedizinische Behandlung. Bei Birgit Dressel kam diese Behandlung angesichts eines außergewöhnlichen Medikamentenmissbrauchs (Doping) jedoch zu spät.
Übertragen wir den Begriff des Multiorganversagens auf unsere Gesellschaft und auf das Teilsystem Sport dieser Gesellschaft, so scheinen sich diese in einer ähnlich lebensbedrohlichen Situation zu befinden und eine „intensivmedizinische Behandlung“ scheint mehr als angebracht zu sein, wenn man die derzeitigen Probleme in unserer Gesellschaft und die des Teilsystems „Sport“ lösen möchte. Hinzu kommt, dass die wichtigen Teilsysteme unserer Gesellschaft – das politische System, das Militär, die Wirtschaft, die Bildung, die Wissenschaft und die Massenmedien – einen erheblichen Reformbedarf aufweisen und sich in der Gefahr befinden, ihre internationale Konkurrenzfähigkeit zu verlieren
Multifunktionsversagen in unserer Gesellschaft
Von einem gesellschaftlichen „Multifunktionsversagen“ in Deutschland kann man für das vergangene Jahrzehnt deshalb sprechen, weil mehrere Grundfunktionen unserer Gesellschaft zugleich unter Druck standen und noch immer stehen. Zu nennen sind u.a.: Soziale Absicherung, Vertrauen in Institutionen, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Fähigkeit des Staates, zentrale Konflikte überzeugend zu bearbeiten. Bereits für 2025 deuten statistische Erhebungen über Armut und Genderungleichheit, über das sinkende Vertrauen in die Bundesregierung sowie über wachsende soziale Spaltungen auf eine solche Mehrfachkrise hin. Weiterlesen →
Wenn eine Person des öffentlichen Lebens, die bewirkt hat, dass die Universität Hamburg den Exzellenztitel erringen konnte, Befürwortern und Gegnern der Olympischen Spiele in Hamburg bescheinigt, an der eigentlichen Sache vorbei argumentiert zu haben, hat das Gewicht. Dieter Lenzen, ehemaliger Präsident der FU Berlin und der Universität Hamburg gibt zu Protokoll, dass der Gedanke der Völkerverständigung in der ökonomisch bestimmten Auseinandersetzung vor dem Referendum nicht angemessen gewürdigt wurde. Er schlägt vor, die Bedeutung des Wortes ‚Verstand‘ ernst zu nehmen und zu intellektuellen Alternativspielen in Hamburg einzuladen. Hier habe Hamburg viel zu bieten, wie z.B. das Harbour-Literaturfestival, wissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte, das Kulturleben in Theatern, Museen, Opern, Galerien. Gesucht seien die besten Ideen für unsere Zukunft.
Es sei gestattet, den Lenzen-Beitrag um einen Aspekt zu ergänzen: Um die Frage nach der kulturellen Qualität der Olympischen Spiele selbst. Sie werden ‚Spiele‘ genannt, Spiel ist eine Kulturleistung, sind die Olympischen Spiele eine kulturell relevante Veranstaltung? Spätestens seit Johan Huizinga, dem Holländischen Philosophen des ‘Homo Ludens‘ (deutscher Untertitel des weltweit wirksamen Buches: ‚Vom Ursprung der Kultur im Spiel‘), ist bekannt, dass das soziale und kulturelle Leben sich in vielfältigen Formen des Erkundens, Experimentierens, kämpferischen Vergleichens entwickelt hat. In offenen, gestaltbaren Spielen entfalten sich kulturelle Strukturen. Dieser Prozess ist immer aktuell. Die heute in vielfacher Hinsicht nötige gesellschaftliche Transformation braucht das Spielelement, den Gemeinsinn, der insbesondere auch dem Sport zugeschrieben wird. Huizinga beklagte, dass der Sport die Spielsphäre deutlichverlassen habe. Für den Breitensport kann man dieser Einschätzung wohl nur sehr eingeschränkt folgen, aber wie sieht es aus mit den Olympischen ‚Spielen‘? Weiterlesen →
Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender weisen in ihrer Sportberichterstattung erhebliche Unterschiede auf.
Rechteerwerb und Verteilung
Der Erwerb und die Verteilung teurer Übertragungsrechte variieren zwischen den Sendern sehr stark. Lokale Marktbedingungen (Konkurrenz durch Pay-TV) und gesetzliche Regelungen haben dabei einen unterschiedlichen Einfluss.
ARD und ZDF teilen sich in Deutschland oft die Rechte für Großereignisse (z. B. Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele) und verhandeln diese gemeinsam. Sie konkurrieren dabei mit Pay-TV-Anbietern[1] und privaten Free-TV-Sendern.
In Österreich und der Schweiz spielen die öffentliche-rechtlichen Sender (ORF bzw. SRF) eine zentralere Rolle im nationalen Rechteerwerb, wobei jedoch auch hier in jüngster Zeit die Konkurrenz durch private Anbieter zunimmt (z.B. ServusTV, Sky in Österreich; Blue Sport und My Sports in der Schweiz). Beispielsweise hat die SRG seit 2022 keine Rechte mehr an der Nationalen Eishockey-Liga. Damit hat der SRF alle Live- Übertragungsrechte im Schweizer Eishockey für die nächsten zehn Jahre verloren. Die „Liga“ vergab das Rechte-Paket für Liveübertragungen einschließlich Wiederverwertungsrechten für die Jahre 2027 bis 2035 an den Telecom-Anbieter Sunrise. Live wird das nationale Eishockey auf dem eigenen Bezahlsender My Sports ausgestrahlt. Gleichzeitig werden ausgewählte Inhalte an private Nicht-Bezahl-Sender wie Blick-TV, 3+ oder TV24. Die SRG hat weiterhin die Rechte an der Eishockey Nationalmannschaft sowie am internationalen Eishockey in Davos, dem „Spengler-Cup“.
Es gibt in Europa mit Deutschland, Österreich und Schweiz drei deutschsprachige Staaten. Betrachtet man als interessierter Zuschauer[1] die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dieser drei Staaten und hat man dabei deren Sportsendungen im Blick, so wird man sehr schnell zu der Vermutung kommen, dass es in jedem dieser Staaten eine eigenständige Sportkultur gibt. Wohl gibt es in der Präsentation des Sports viele Gemeinsamkeiten. Doch die Antwort auf die Frage welcher Sport, wie präsentiert wird, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Dies lässt sich zum Beispiel bei einer Liveübertragung eines Abfahrtslaufs im österreichischen Fernsehen im Vergleich zur Übertragung desselben Ereignisses durch die ARD oder das ZDF ebenso schnell erkennen, wie bei der Übertragung eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft im Vergleich zu einer Übertragung im schweizer Radio und Fernsehen (SRF), wenn die Nationalmannschaft der Schweiz spielt. Im Folgenden soll versucht werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei deutschsprachigen Sportkulturen etwas genauer zu betrachten.
Ein differenzierender Blick auf die drei europäischen Länder verweist dabei auf verschiedene historische Wurzeln des Sporttreibens im 19.Jahrhundert, auf länderspezifische Entwicklungspfade und zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungsbedingungen in diesen Ländern nach 1945. Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, die jahrzehntelange Existenz zweier deutscher Staaten (1949–1990) mit festen Blockbindungen (NATO und Warschauer Pakt), die zeitweilige Eingliederung von Österreich in das Staatsgebilde des nationalsozialistischen Großdeutschen Reiches (1938–1945), die auferlegte Verpflichtung zur dauerhaften Bündnisfreiheit Österreichs durch das dortige Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 und die über zweihundertjährige, kultivierte Neutralität der Schweiz haben politische, ökonomische und weltanschauliche Rahmenbedingungen geschaffen, die in den Sportkulturen dieser Länder ihre Spuren hinterlassen haben.
So und so ähnlich lauteten die Schlagzeilen über einen Entwurf zu einem „Sportfördergesetz“, den die neue Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei einer exklusiven Einladung am 14.10. 2025 im Bundeskanzleramt in Berlin ausgewählten Medienvertretern vorgestellt hat. In den Berichten über diese Veranstaltung und über das neue Gesetz lassen sich – von der Ministerin autorisierte – Zitate finden, die sie den geladenen Journalisten auf dem Weg in ihre Redaktionen mitgegeben hat. Einen Link auf den vollen Wortlaut des neuen Gesetzesentwurfs lässt sich in dieser Berichterstattung nicht finden. Gleiches gilt für die Homepage des Bundeskanzleramtes und der dort angesiedelten neuen Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. Ganz offensichtlich war es die Absicht der neuen Ministerin, ausgewählte Pressevertreter noch vor den eigentlich von einem neuen Gesetz betroffenen Institutionen und Personen des organisierten Sports, insbesondere des DOSB, vorab zu informieren.
Wer sich die Mühe macht und bereit ist, den vollen Wortlaut des nunmehr veröffentlichten 57-seitigen Referentenentwurfs zu einem neuen Sportgesetz ganz zu lesen, der kann sich über diese – alle Regeln des Fair Play verstoßende – Vorgehensweise kaum wundern. Mit diesem Entwurf beschreitet die neue Bundesregierung einen neuen sportpolitischen Weg, bei dem mit Hilfe eines ideologischen Propagandainstruments namens „Unabhängigkeit“ ein weiterer Schritt zur Verstaatlichung des Sports vollzogen wird, der mit der Einrichtung eines Sportministeriums unter dem Beifall der Sportorganisationen bereits vor ein paar Monaten vollzogen wurde. Weiterlesen →