Helmut Digel
Zwischenstaatliche Konflikte weisen ein Nachkriegshoch auf
Die Welt ist in diesen Tagen von kriegerischen Auseinandersetzungen gezeichnet, wie es in der Menschheitsgeschichte selten zuvor der Fall war. Nahezu auf jedem Kontinent sind durch Kriegswaffen getötete junge Menschen zu beklagen, die ihre Leben für eine angeblich wichtige nationale Sache opfern müssen. In Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sterben auf beiden Seiten Tag für Tag nun bereits über mehr als vier Jahre junge Menschen, die ein besseres Leben verdient hätten. Im Sudan bringen sich Angehörige unterschiedlicher Stämme seit über einem Jahrzehnt in barbarischer Weise gegenseitig um. Die USA führen einen Krieg gemeinsam mit Israel gegen den Iran. Zwischen Pakistan und Afghanistan gibt es wiederkehrende Gefechte. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas in Gaza dauert an. In Myanmar gibt es einen bewaffneten Widerstand gegen das Militärregime. In Syrien kommt es nach dem Sturz von Assad im Dezember 2024 weiterhin zu Kämpfen zwischen neuen Regierungskreisen und den Resten von Isis („IS“). Damit ist die Zahl zwischenstaatlicher Kriege seit 1946 auf einem Nachkriegshoch mit mindestens acht dokumentierten zwischenstaatlichen Konflikten.
Ist der Friede zwischen Menschen, das friedliche Zusammenleben von Menschen, das solidarische Miteinander mehr als eine bloße religiöse Metapher, wie sie im Islam, im Juden- und Christentum, im Buddhismus und in allen weiteren Religionen vorkommt, so stellt sich die Frage, welche Friedensbemühungen angesichts dieser fürchterlichen Weltlage es auf dieser Erde gibt und welche Rolle dabei die gewählten oder selbsternannten politischen Repräsentanten[1] der jeweiligen nationalen Gesellschaften spielen.
Das Nachkriegshoch zwischenstaatlicher Kriege hängt auf das engste mit ökonomischen Interessen zusammen. Es ist die Rüstungsindustrie, die die Kriege erst möglich machen. Nie zuvor hat die Waffenindustrie und ihre Lobby einen derart großen Einfluss auf die Weltpolitik erreichen können, wie es in diesen Tagen der Fall ist. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein israelischer Rüstungskonzern in Deutschland ein von der Schließung bedrohtes VW Werk übernimmt, um dort mit ihrer Waffenproduktion weitere kriegerische Auseinandersetzung anzuheizen. Weiterlesen

