
In der Zeit zwischen dem ersten Advent und dem Feiertag der Heiligen drei Könige ist es in der abendländischen Kultur schon seit langer Zeit üblich, sich rhetorischen Ritualen hinzugeben und sich gegenseitig in semantischen Interpretationen eines bedeutsamen Wortes und Phänomens, dem gewichtigen Begriff des „Friedens“ zu überbieten. Auf den Kanzeln der christlichen Kirchen wird bei jeder Predigt die Friedensbotschaft verkündet. Bei den vielen Jahresansprachen von Politikern¹ ist die Friedensmetapher eine zwingende Notwendigkeit, um deren populistischen Interessen zu entsprechen. Wenn der Bundespräsident, Bundeskanzler oder die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Bundesländer zum Jahresende zu „ihrem Volk“ sprechen sind ihre rhetorischen „Künste“ zwar meist etwas bescheiden, doch das Wort des „Friedens“ führen sie immer mehrfach im Munde. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat die Friedensthematik ihren saisonalen Höhepunkt im Fernsehjahr. Nachrichtensendungen werden dadurch ebenso geprägt wie das gesamte Unterhaltungsprogramm und die sich Jahr für Jahr wiederholenden musikalischen „Ohrwürmer“ und die immer wieder erneut vorgeführten Spielfilme, in denen jeweils ein friedliches „Happy End“ gefeiert wird, die jedoch ganz gewiss nicht originell und zeitgemäß sind.