Der DFB zwischen Finanzinteressen und traditioneller Verbundenheit

Helmut Digel

Ist man begehrter Gast von Nike, so ist die Gastfreundschaft dieses Unternehmens besonders eindrucksvoll. Das Headquarter Beaverton ist ohne Zweifel ein Campus, der ganz besonderen Art. Alle Wünsche, die ein Hochleistungssportler¹ heute hat, werden einem dort erfüllt und darüber hinaus wird man von der modernsten Architektur, den schönen Freizeit- und Sportanlagen und einer sehr schönen Fauna und Flora beeindruckt. Die Namen großer amerikanischer Sporthelden wie Michael Johnson (Leichtathletik), Air Jordan und Le Bron James (Basketball) oder Tiger Woods (Golf) begleiten einem bei einem Rundgang durch den Campus und Laboreinrichtungen auf dem höchsten technischen Niveau. Sie zeugen von der technologischen Dynamik dieses Sportartikelherstellers. Das Ganze wird noch übertroffen durch die Ehrerbietung gegenüber dem Begründer dieses Unternehmens Phil Knight. Als „begehrter Gast“ von Nike darf man sich in einem ganz besonderen Gebäude selbst bedienen und sich mit der modernsten Sportbekleidung und allen dazugehörigen Utensilien für den Lauf-Outdoor-Golf- oder Tennissport ausstatten. Hat man dann noch seine Vertragsverhandlungen mit einem Dinner in einem drei Sterne -Restaurant gekrönt, bei dem man auch die besten Weine aus dem Oregon genießen konnte, so fliegt man beeindruckt mit mehreren Kilo Übergepäck wieder zurück nach Frankfurt in die DFB-Zentrale. So oder so ähnlich muss es wohl gewesen sein, als sich die Führung des DFB vom Ausrüster-Angebot des US Unternehmens Nike hat überzeugen lassen und seine nahezu 70-jährige Partnerschaft mit dem deutschen Ausrüster- Unternehmen Adidas als eine wehmütige Reminiszenz zurückließ. (Das „Gebaren“ von Nike ist dabei keineswegs außergewöhnlich. In vergleichbarer Weise behandeln alle übrigen internationalen Sportartikelhersteller ihre „begehrten“ Gäste, wenn es um die Akquisition eines neuen Partners geht. Auch Adidas ist im Besitz eines eindrucksvollen Campus in Herzogenaurach).

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