Zur Situation des Trainerberufs in Deutschland

„Ich bin da inzwischen abgehärtet““
Der dienstälteste deutsche Bundestrainer Detlef Uibel zur prekären Lage eines ganzen Berufsstandes.
Für Bundestrainer Detlef Uibel schloss sich Ende Oktober im französischen Roubaix mit vier WM-Titeln für die deutschen Bahnrad-Sprinterinnen ein Kreis. Vor 40 Jahren selbst WM-Dritter im Sprint auf dem Bahn-Oval, absolvierte der heute 62-Jährige nach dem Karriere-Ende ein Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig und baute danach in seiner ersten Station als Trainer just eine Frauen-Gruppe in Cottbus auf. Nach der Wende avancierte der gebürtige Gubener zum Junioren-Bundestrainer, seit Oktober 1996 verantwortet Uibel beim BDR als Cheftrainer den gesamten Bereich Kurzzeit und ist aktuell der dienstälteste Bundestrainer im bundesdeutschen Spitzensport.

Für die Bundes-Trainerinnen und Trainer in den olympischen Sportarten ist es hierzulande völlig normal, dass sie jeweils nach Olympischen Spielen zuhause sitzen und bangen müssen, ob ihr Anstellungsverhältnis verlängert wird oder nicht. Wie geht es Ihnen als Bundestrainer der Bahnrad-Sprinter nach den Tokio-Tagen?

Uibel: Normalerweise müsste ich mich jetzt vorsorglich beim Arbeitsamt melden, weil mein derzeit gültiger Vertrag nur bis zum Jahresende datiert und ein neuer noch nicht unterschrieben ist. Normalerweise gelten diese Arbeitsverträge immer für einen olympischen Zyklus, also für vier Jahre. Wegen der Pandemie bedingten Verschiebung der Spiele von Tokio wurde mein Kontrakt zwischenzeitlich um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert. Wie es anschließend weitergeht, weiß ich zwar heute noch nicht definitiv, bin aber guter Dinge und inzwischen auch etwas abgehärtet, obwohl man mit fortschreitendem Alter bei so seiner elementaren Frage zunehmend sensibler wird.

Was, wenn es mit der Verlängerung diesmal nicht wie gewohnt klappt?

Uibel: Klar ist inzwischen, dass mein Bundestrainer-Vertrag in der bisherigen Form über das Jahresende hinaus nicht fortgeführt wird, ich dem Bund Deutscher Radfahrer aber erhalten bleiben soll. Wir sind noch im Gespräch darüber, wie die Veränderungen meiner Tätigkeit ab 2022 im Detail aussehen werden.

Die Praxis der Anschluss-Verträge scheint eines der Grundübel des Trainerberufs zu sein?

Uibel: Der olympische Sport lebt nun mal fast ausschließlich von öffentlichen Zuwendungen und für die Verbände entscheiden sich alle vier Jahre bei Olympia, wie viel Fördergeld im nächsten Zyklus zur Verfügung steht. Damit müssen sie wirtschaften und haben unter diesen Umständen gar keine Chance, längerfristige Verträge abzuschließen. Kein Verband weiß heute, wie sein Etat nach den Spielen 2024 in Paris aussieht. In der Konsequenz gibt´s nur zeitlich eng begrenzte Vertragslaufzeiten. Das ist sehr unbefriedigend und ungenügend und sollte dringend geändert werden. Leider haben die Trainer keine Lobby bzw. ist unsere Lobby viel zu klein, Gehör zu finden und energisch auf unsere unbefriedigende Situation aufmerksam zu machen. Von der Politik erwarte ich mir ein weit größeres Bekenntnis zum Leistungssport und besonders zum olympischen Spitzensport. Das ist für mich gesellschaftspolitisch die Basis, auch für unsere berufliche Zukunft und die nötigen Verbesserungen für den Trainerberuf. In den Medien kommen die Trainerinnen und Trainer in den olympischen Sportarten bestenfalls alle vier Jahre vor, wenn überhaupt – und alle vier Jahre muss ich Journalisten aufs Neue erklären, wie Bahnradsport funktioniert. Als ich nach der Wende vom Bund Deutscher Radfahrer übernommen wurde und ab 1990 als Bundestrainer für den Sprint-Nachwuchs verantwortlich war, ist es mit meinen Verträgen allerdings noch viel schlimmer gewesen.

Inwiefern?

Uibel: In der Zeit gab es für mich zunächst nur Zweijahres-Verträge. Erst ab 1996, als ich Bundestrainer für den Elite-Bereich geworden bin, pegelte sich die Laufzeit auf vier Jahre ein. Diese bis heute gültige Praxis ist ungenügend und unbefriedigend und bringt vor allem für junge Leute Null Motivation, sich auf den Trainerberuf einzulassen. Allein die kurze Laufzeit erklärt, weshalb sich beispielsweise von den Athleten kaum jemand bereit erklärt, nach der Karriere als Trainer zu arbeiten. Das erklärt, weshalb in den olympischen Sportarten die Trainersituation eine der größten Baustellen ist. Wenn meine Generation demnächst in Rente geht, wird sich das Problem garantiert noch weiter verschärfen. Die jungen Leute werden gegen dieses System der Anschluss-Verträge vielleicht ganz anders aufbegehren als wir Älteren. Für mich ist diese Warterei auf die Vertragsverlängerung ein gewohnter Dauerzustand, neunmal hat es ja schon funktioniert. Ich bin da inzwischen abgehärtet.

Das heißt, Sie warten jetzt im Alter von 62 Jahren auf Ihren insgesamt zehnten Arbeits-Vertrag vom BDR: Hat Ihnen die Silbermedaille Ihrer Team-Sprinterinnen in Tokio die Weiterbeschäftigung bis zu den nächsten Sommerspielen 2024 in Paris gerettet?

Uibel: Olympische Medaillen sind zwar immer das erste und schwerwiegendste Argument für einen Trainer, aber nicht das einzige. Nur eine Medaille aus Tokio mitzubringen, ist sicher nicht das gewesen, was wir wollten. Es wäre trotzdem falsch, nur darauf zu achten und darüber die anderen Top-Platzierungen auf den Plätzen 4, 5 oder 6 zu übersehen. Hinzu kommt, dass wir mit Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich zwei sehr junge Fahrerinnen in der absoluten Weltspitze haben, die dies gerade bei den Bahnrad-WM in Roubaix mit vier Titel eindrucksvoll zeigten. Sie sind erst 24 bzw. 21 Jahre alt sind, außerdem sind da noch die 23-jährige Pauline Grabosch und ein paar Juniorinnen, die das Potential für die absolute Weltklasse mitbringen. Bei den Männern ist die Perspektive etwas problemtaischer. Alles in allem wüsste ich keinen Grund, warum mein Vertrag nicht verlängert werden sollte, auch wenn die Ergebnisse in Tokio nicht ganz dem entsprachen, was ich mir selbst vorgestellt habe und was der Verband dort erwartet hat. Wir haben trotz dünner Personaldecke reichlich Potential und sportliche Perspektiven für 2024 und darüber hinaus.

Ralf Holtmeyer, Ihr Kollege von den Ruderern, bezeichnete den Trainerberuf schon vor acht Jahren als „Vabanquespiel“ ohne mittel- oder gar längerfristige berufliche Sicherheiten, mit relativ schlechter Bezahlung, unregelmäßigen Arbeitszeiten, hoher Verantwortung und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung.

Uibel: Das alles kann man nach wie vor unterschreiben, vor allem auch die fehlende Würdigung unserer Berufsgruppe. Ich teile den Eindruck, dass unser Beruf in der Gesellschaft nicht adäquat anerkannt ist, wenn man bedenkt, welche persönlichen und welche Entbehrungen auch für die Familie damit verbunden sind, welche Verantwortung bei der Zusammenarbeit mit den Athleten und welcher enorme Erfolgsdruck gerade bei Olympischen Spielen auf den Trainern lastet. In manchen Jahren vor Corona bin ich zirka 250 Tage im Jahr unterwegs gewesen, über acht Monate zu Wettkämpfen oder in Trainingslagern mehr oder weniger fernab von meinem Zuhause bei Cottbus. Noch schlimmer ergeht es in der Wahrnehmung ja den Heimtrainern, die komplett im Schatten stehen und deren Arbeit von der Öffentlichkeit praktisch überhaupt nicht wahrgenommen wird. Sie gehen in der Betrachtung völlig unter, obwohl es innerhalb der Szene mit der „Traineroffensive“ des Deutschen Olympischen Sportbundes kleine Ansätze für Verbesserungen gab. Beispielsweise seit den Winterspielen 2010 in Vancouver mit der finanziellen Beteiligung der Trainerinnen und Trainer an den Erfolgen ihrer Schützlinge. Für Medaillen gibt’s seitdem gestaffelte Prämien, die versteuert werden müssen und die nach einem bestimmten Schlüssel auf Bundestrainer, Heimtrainer, Mechaniker und andere Beteiligte verteilt werden.

Ein Fortschritt aus Sicht des Deutschen Olympischen Sportbundes sollte ebenfalls sein, dass seit 2006 die Auszeichnung „Trainer des Jahres“ vergeben wird, mit Bob-Trainer Raimund Bethge als erstem Titel-Träger. Sie selbst haben 2018 diese Auszeichnung erhalten, mit welchen Gefühlen?

Uibel: Klar freut man sich in diesem Moment und fühlt sich mit so einem Titel anerkannt und wertgeschätzt, auch im Kollegenkreis und weit über die eigene Sportart oder Disziplin hinaus. Doch genau genommen ist die Wirkung dieser Auszeichnung gering, sie ist letztendlich nicht mehr als eine gute gemeinte Geste, denn substantielle und dringend nötige Verbesserungen für den Trainerberuf und die Rahmenbedingungen, unter denen die Trainer arbeiten, sind mit dieser Auszeichnung leider nicht verbunden. Zum Beispiel rede ich mir schon seit den Sommerspielen von Peking 2008 den Mund fusselig, dass es zu einer stärkeren Konzentration kommen müsste. Andere führende Nationen machen es uns vor, die Briten, die Holländer, die Franzosen, Chinesen oder die Japaner setzen im Top-Bereich auf einen einzigen Stützpunkt, an dem sie alle Kräfte inklusive der Biomechaniker, Leistungsdiagnostiker und anderer Experten bündeln.

Es sollte nur noch ein einziges Bahnrad-Zentrum geben?

Uibel: Für mich wäre es okay, wenn wir zumindest dahin kämen, nur noch zwei unserer fünf Bundesstützpunkte in Chemnitz, Cottbus, Erfurt Kaiserslautern und Schwerin für die gezielte Entwicklung der Top-Leute zu nutzen und die anderen Stützpunkte für den Nachwuchsbereich. Mit diesem Projekt kämpfen wir seit Jahren gegen Windmühlen. Leider fehlt im deutschen Spitzensport zu solchen Reformen oft der Mut. Niemand ist bereit, unpopuläre Entscheidungen zu fällen. Hinzu kommt der Föderalismus mit seinen vielen regionalen Interessen, hinter dem man sich gut verstecken und Veränderungen blockieren kann. Mehr Konzentration würde meines Erachtens ebenfalls bedeuten, die Möglichkeiten für die „duale Karriere“ zu verbessern.

Wie das?

Uibel: Weil wir dann an den Standorten die Bedingungen für die Athleten optimieren können, die parallel zur sportlichen Entwicklung unbedingt einen Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz brauchen. Das ist in olympischen Sportarten wichtig, um vor allem den Übergang vom Junioren-Alter zu den Erwachsenen sicherzustellen. Leider müssen wir im deutschen Spitzensport gerade hier viel zu oft beklagen, dass erfolgreiche Sportler bis hin zu Junioren-Weltmeistern ihre Karriere leider zu oft vorzeitig beenden, weil es keine passgenauen Bedingungen für Spitzensportler gibt. Diese jungen Leute konzentrieren sich lieber auf ihre Ausbildung und das Berufliche und verabschieden sich vom Sport. Das ist doppelt bitter, weil damit künftige Medaillen-Kandidaten verloren gehen und den Trainern hoffungsvolle Talente, mit denen sie nicht mehr arbeiten können. Mehr Konzentration auf weniger Standorte für die Top-Athleten würden außerdem die suboptimalen Verhältnisse in der Trainer-Hierarchie etwas vereinfachen.

Was meinen Sie damit?

Uibel: Im Spitzensport gibt es Bundestrainer, Landestrainer, Trainer an den Olympiastützpunkten und sogenannte Lehrer-Trainer an den „Eliteschulen des Sports“, die alle unterschiedliche Anstellungsverhältnisse haben und unterschiedlichen Dienstherren verpflichtet sind. Daraus resultieren zum Teil sehr unübersichtliche Verhältnisse ohne klare Hierarchien. Diese verschiedenen Elemente bei den wichtigsten Personen neben den Athleten ergeben kein übersichtliches und klar strukturiertes Ganzes. In meinem relativ kleinen Bereich Bahnrad-Sprint ist das Problem im Vergleich zu größeren Sportarten und Disziplinen noch relativ überschaubar. An jedem unserer fünf Bundesstützpunkte arbeiten derzeit je ein hauptamtlicher Bundes- oder Olympiastützpunkt-Trainer, dazu kommen je ein Landestrainer und eventuell noch ein Lehrertrainer. Und dann sind noch die Sportlerinnen und Sportler mit ihren manchmal ganz eigenen Interessen. Es ist nicht leicht für einen Bundestrainer, ein solches Gefüge unter einen Hut zu bekommen.

Ralf Holtmeyer hat für diese Konstellation einmal das Wort von der „Sandwich-Rolle“ des Trainers geprägt.

Uibel:Das trifft es ziemlich genau, wobei in dieses Beziehungsgeflecht natürlich unbedingt auch der Verband mit seinen Interessen und Vorstellungen gehört. Athlet, Heimtrainer, Arbeitgeber – ein Bundestrainer muss sich praktisch jeden Tag nach allen Seiten verhalten, ständig auch Kompromisse schließen und diplomatisches Geschick beweisen. Ich will ja nicht der König sein und von oben herab alles diktieren, sondern kollegial und im Dialog arbeiten. Andererseits stehe ich zuallererst für die sportlichen Resultate ein. Das ist ein ständiges Spannungsfeld, wenn man berücksichtigt, wie überaus kompliziert und detailliert die Abläufe im Hochleistungssport inzwischen geworden sind. Die sportlichen Ziele und Maßstäbe, das individuelle Training und seine Steuerung und die gesamte Saisonplanung müssen gehändelt werden, dabei sollten Athleten und das gesamte Betreuer-Team möglichst auf einer Wellenlänge liegen. Hinzu kommt der Umstand, dass die Sportler allein wegen der zeitintensiven Zusammenarbeit in der Regel ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Heimtrainern haben und der Bundestrainer unter Umständen als Störfaktor betrachtet wird. Das alles gilt es auszuhalten und auszubalancieren, das alles gehört zum Trainerjob mit eng begrenztem Vierjahres-Vertrag.

Wie ist Ihnen zumute, wenn Sie bei internationalen Meisterschaften oder bei Olympia auf dem Oval ehemaligen Athleten wie Jan van Eijden oder René Wolff begegnen, die heute bei den Briten bzw. bei den Neuseeländern als Trainer unter Vertrag sind. Haben Sie schon mal an Abwanderung gedacht?

Uibel: Nach den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro war international ein wahres Trainer-Karussell im Schwung gekommen. Trotz einiger Anfragen vor einigen Jahren war ein Wechsel für mich keine Option. Ich fühle mich hier auf dem Land bei Cottbus wohl. Ich bin hier sesshaft und verwurzelt so wie ich auch nach inzwischen über drei Jahrzehnten mit dem deutschen Bahnradsport verwurzelt bin. Außerdem ist es sehr motivierend, mit Kader-Athleten zu arbeiten, die in Paris und darüber hinaus tatsächlich etwas reißen und um die Medaillen fahren können. Das sind sportliche Perspektiven, wie man sie sich als Trainer wünscht. Zudem haben wir jetzt den Glücksfall, dass mit Maximilian Levy nach seinem Karriere-Ende als erfolgreicher Sprinter eine Persönlichkeit in den Trainerstab wechselt und für Jörg Winkler den Junioren-Bereich übernehmen wird. Oft genug ist es ja so, dass Athleten sich zum Beispiel für ein Lehramts-Studium entscheiden und der Beruf als Sportlehrer weitaus attraktiver für sie ist als der des Trainers. Umso erfreulicher die Entscheidung von „Max“. Sein Fachwissen und die theoretischen Kenntnisse muss er in einem Fernstudium noch erweitern und vertiefen. Doch die praktischen Erfahrungen und das Feeling für die Wettkampf-Situation bringt er als Rennfahrer schon mit und diese wichtigen Voraussetzungen für einen Trainer kann man nicht aus Büchern lernen.

Wie ist es Ihnen gelungen, unter diesen Rahmenbedingungen so lange in diesem Beruf durchzuhalten?

Uibel: In der Anfangsphase hatte ich viel Glück durch den Umstand, dass im westdeutschen Bahnradsport der Sprintbereich gegenüber den Verfolgern bis zur Wende eher vernachlässigt und kaum gefördert wurde. Nach meinen Sportstudium in Leipzig und der Tatsache, dass der Frauen-Bahnradsport ab 1988 olympisch wurde, konnte ich in der DDR eine Frauen-Gruppe im Sprint-Bereich aufbauen und mir damit praktisch die Vorlage für die anschließende Arbeit als Junioren-Bundestrainer geben. Zusammen mit meinen damaligen Kollegen im Elite-Bereich Jörg-Uwe Krünägel, konnte ich mich im Sprintbereich regelrecht „austoben“ und unser ostdeutsches know-how einbringen, Strukturen und Konzepte entwickeln und praktisch in Alleinregie im Sprintbereich etwas aufbauen, das erfolgversprechend war und dem Verband seitdem reichlich Medaillen eingetragen hat. In meiner Zet als verantwortlicher Bundestrainer haben meine Athleten 14 Medaillen bei Olympischen Spielen und 92 bei Weltmeisterschaften gewonnen.

Was wäre ein Trainer ohne Athleten. Gibt es genügend Bahnrad-Talente für Ihren potentiellen Nachfolger?

Uibel: Da sind wir als Sprinter-Fraktion deutlich im Nachteil gegenüber der Ausdauer-Sparte. Dort sind Straßen-Profis mit Abstechern aufs Bahn-Oval oder Bahn-Spezialisten, die sich in Straßen-Teams weiterentwickeln, die Regel. Die Sprinter auf der Bahn dagegen sind viel zu spezialisiert und brauchen völlig andere Trainingsmethoden. Beide Sparten haben aber dasselbe Interesse, dass Kinder und Jugendliche früh aufs Rad steigen und sich für den Radsport begeistern. Deswegen braucht es viele Ehrenamtler und Übungsleiter, die sich schon den Kleinsten annehmen und für ihr Engagement mit entsprechenden Anreizen belohnt werden sollten. Falls wir keine Freiwilligen mehr haben, sieht es vielleicht bald überall so aus wie hier in der Lausitz, wo von der früheren Radsport-Hochburg nur noch wenig zu sehen ist, Rennen finden, auch wegen der Pandemie, reihenweise nicht mehr statt und ganze Radsport-Vereine sind verschwunden. So eine Entwicklung wird für den Spitzensport irgendwann Konsequenzen haben.

Interview: Andreas Müller

(Der Text erschien am 30. Oktober als Wochenend-Gespräch in der Beilage der Tageszeitung „Junge Welt“)