Gesunde Zähne: Voraussetzung für Leistung im Training und Wettkampf

Gastbeitrag

 Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

90 Prozent der deutschen Bevölkerung sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nun fordert der CDU-Wirtschaftsrat zur Senkung der Sozialausgaben die Streichung der Zahnbehandlung aus der GKV.

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bei Zahnbehandlungen vor allem eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Grundversorgung. Alles, was darüber hinausgeht (ästhetisch, besonders komfortabel oder hochwertig), muss in der Regel privat bezahlt werden:

Leistungen, welche die GKV übernimmt

  1. Vorsorge
  • Zahnärztliche Kontrolluntersuchung: 2× pro Jahr
  • Zahnsteinentfernung: 1× pro Jahr
  • Früherkennungsuntersuchungen für Kinder
  • Fissuren-Versiegelung bei Kindern und Jugendlichen (Backenzähne)
  1. Zahnbehandlung
  • Kariesbehandlung mit Standardfüllungen
  • Wurzelbehandlung, wenn der Zahn erhaltungswürdig ist
  • Parodontitis-Behandlung (Zahnbetterkrankungen)

  1. Zahnersatz (Festzuschuss)

Die GKV zahlt einen festen Zuschuss, unabhängig davon, welche Lösung man wählt:

  • Kronen
  • Brücken
  • Teil- oder Vollprothesen

Bonusheft:

  • 5 Jahre lückenlos → +10 % Zuschuss
  • 10 Jahre lückenlos → +15 % Zuschuss

Härtefallregelung:

  • Bei geringem Einkommen übernimmt die GKV bis zu 100 % der Regelversorgung

Leistungen, die privat bezahlt werden müssen

  1. Hochwertige Füllungen
  • Kunststofffüllungen im Seitenzahnbereich
  • Keramik- oder Goldfüllungen
  1. Zahnersatz über die Regelversorgung hinaus
  • Vollkeramik- oder Zirkonkronen
  • Implantate (inkl. OP und Implantat)
    • Die GKV zahlt nur den Zuschuss für den Zahnersatz, nicht für das Implantat selbst
  • Hochwertige Prothesentechnik
  1. Ästhetische Leistungen
  • Zahnaufhellung (Bleaching)
  • Veneers
  • Zahnschmuck
  1. Prophylaxe und Komfort
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR)
    (manche Kassen erstatten sie freiwillig teilweise)
  • Aufwendige Wurzelkanalbehandlungen (z. B. mit OP-Mikroskop)
  • Funktionsanalysen (z. B. bei Kiefergelenksproblemen)

Wichtig zu wissen

  • Vor größeren Behandlungen erhält man einen Heil- und Kostenplan.
  • Zahnzusatzversicherungen können viele Eigenanteile deutlich reduzieren.
  • Leistungen können je nach Krankenkasse leicht variieren (Satzungsleistungen).

Fazit: Zahnarztleistungen sind in der GKV zuzahlungsfrei, sofern sie nicht über die als nötig anerkannte Versorgung hinausgehen. Vieles bezahlen die Patienten aber heute bereits aus eigener Tasche.

Studienlage:

Es wurde vielfach nachgewiesen, dass Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfälle, Darmerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen durch Erkrankungen im Mund- Kiefer-Bereich verstärkt werden. Dies ist häufig Folge anhaltender chronischer Entzündungen (z.B. durch Parodontitis). Eine gute Mundhygiene, re- gelmäßige Kontrolluntersuchung und Prophylaxe beim Zahnarzt sind auf alle Fälle zu empfehlen. Gerade für Sportler sind gesunde Zähne Voraussetzung für Leistung im Training und Wettkampf

Kritik an der Empfehlung des CDU-Wirtschaftsrats zur Streichung der Zahnbehandlung aus der GKV:

Zahnärztliche Prophylaxe und Behandlung hat nichts mit Lifestyle zu tun, sondern ist wie aus der Studienlage ersichtlich wichtig für die Allgemeingesundheit. Zahnbehandlungen aus dem Leistungskatalog der GKV zu streichen widerspricht dem Grundprinzip der solidarischen Gesundheitsversorgung, ist medizinisch falsch und ökonomisch kurzsichtig gedacht. Diese Maßnahme würde einer Zwei-Klassen-Medizin weiter Vorschub leisten und langfristig zu erheblichen Folgekosten im Gesundheitssystem führen. Gesunde Zähne sind die Voraussetzung für eine gute allgemeine Gesundheit.

Was brauchen wir wirklich?  

Die stete Abfolge von Kostendämpfungsgesetzen im Gesundheitswesen hat keinen nachhaltigen Erfolg gebracht. Dabei haben die Leistungserbringer im Gesundheitswesen durch Budgetierung und Fallpauschalen einen erheblichen Beitrag geleistet. Auch die neuerlichen Diskussionen um Praxis- und Kontaktgebühren oder Zusatzbeiträge werden nicht zum Ziel führen. Wir müssen an die Krankheitslast! Weltweit gehören wir zu den Ländern mit den höchsten Krankenständen.

Der Public Health Index (PHI) wurde 2025 erstmals gemeinsam vom AOK-Bundesverband und dem Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) initiiert. Der Index vergleicht den Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsmaßnahmen in 18 Ländern aus Nord- und Zentraleuropa. Er berücksichtigt vier zentrale Handlungsfelder: Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung. Deutschland belegt im PHI-Rang 17 von 18 untersuchten Ländern — also vorletzter Platz.

Deutschland hat zwar die höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf aller untersuchten Länder, liegt aber in der Lebenserwartung mit 78,9 Jahren für Männer und 83,5 Jahren für Frauen (2024) unter dem EU-Durchschnitt. Dies liegt nicht an der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems, sondern in erster Linie an mangelnder Prävention.

Die Weichen müssen endlich von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin gestellt werden. Die Steuern auf Nikotin und Alkohol müssen erhöht bzw. bei Zucker eingeführt werden. Im Bildungssystem (Schule!) brauchen wir mehr Gesundheits-Aufklärung. Die somatische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss durch Stärkung der Gesundheitskompetenz gefördert werden (z.B. durch ein Schulfach „Gesundheit“).  Nur 11 Prozent der Mädchen und 21 Prozent der Jungen bewegen sich ausreichend. Die Quote der Kinder, die nicht schwimmen können, hat sich von zehn Prozent im Zeitraum zwischen 2010 und 2017 bis 2022 verdoppelt! Schulsport ist wichtig für die physische und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Die Gründe für die unzureichende Gesundheitsprävention in unserem Land liegen vor allem im mangelnden politischen Willen, starken Lobbyeinfluss und einer zu geringen Nutzung wissenschaftlicher Evidenz. Für eine erfolgreiche Präventionspolitik braucht es ein parteiübergreifendes Bekenntnis für eine umfassende Präventionspolitik entlang der WHO-Empfehlungen.

Letzte Bearbeitung: 10.4.2026