Gastbeitrag
75 Jahre Deutscher Sportbund
Michael Krüger
Vor 75 Jahren wurde der Deutsche Sportbund (DSB) gegründet, der Dachverband aller Vereine und Verbände des Sports in Deutschland – und zwar auf „freiwilliger Grundlage“, wie bei der Gründungsveranstaltung am 10. Dezember 1950 in Hannover betont wurde (Deutscher Sportbund, 1968, 1989/1990; Krüger, 2009). Der heutige Dachverband mit Namen Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) ging aus dem 2006 erfolgten Zusammenschluss des DSB mit dem NOK für Deutschland hervor, das bereits 1949, gegründet worden war. Um das Jahr 1950, als die Bundesrepublik Deutschland als Staat gegründet wurde, erfolgten zahlreiche weitere Neu- und/oder Wiedergründungen von Vereinen und Verbänden von Turnen und Sport, die auf zum Teil lange Traditionen zurückblicken konnten. Auch der Deutsche Turner-Bund, der älteste und nach dem Deutschen Fußball-Bund zweitgrößte Sportfachverband in Deutschland, könnte in diesem Jahr sein 75jähriges Jubiläum feiern.
Es scheint jedoch so zu sein, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund nicht in der Lage sieht, dieses 75jährige Jubiläen historisch-kritisch zu würdigen. Der DOSB hat es ebenfalls versäumt, im vergangenen Jahr 2024 an die Gründung des NOK für Deutschland noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland als Staat zu erinnern, sei es aus Kalkül oder Ignoranz (NOK für Deutschland, 1999). In jedem Fall handelt es sich um einen Fall von Entsorgung der eigenen Geschichte durch die Dachorganisation des deutschen Sports, in deren Vereinen rund ein Drittel der Bevölkerung organisiert sind.
Das „Gedächtnis des Sports“, das von dem Grünen-Politiker Michael Vesper nach seinem Amtsantritt als Vorstand es DOSB im Verband eingerichtet wurde, reicht zumindest keine 75 Jahre zurück. Es diente ihm vielmehr dazu, die Erinnerung an die Gründerzeit von DSB und NOK zu löschen. Die Preise, die der DSB in Erinnerung an wichtige Persönlichkeiten und deren Rolle bei der Gründung des DSB gestiftet hatte, wurden „entpersonalisiert“ – die Carl-Diem-Plakette wurde zum Wissenschaftspreis, die Fritz-Wildung-Plakette zum Fairplay-Preis, und die Ludwig-Wolker-Plakette zum Ethik-Preis umbenannt. Auf der aktuellen Webseite des DOSB erinnert nichts an diese Personen, die stellvertretend für die Leistung dieser Gründergeneration steht, die drei unterschiedliche Traditionen der deutschen Turn- und Sportbewegung in einem Dachverband auf freiwilliger Grundlage zusammengeführt zu haben, den bürgerlichen Sport, für den Carl Diem (1882-1962) steht, den sozialdemokratischen Arbeitersport mit Fritz Wildung (1872-1954), und Prälat Ludwig Wolker (1887-1955) für den christlich-konfessionellen Sport. Diem stand außerdem für die Verbindung des Sports mit Wissenschaft, Forschung und Kultur.
Ommo Grupe (1930-2015), den man auch als „Nestor der Sportwissenschaft“ (Krüger 2023) bezeichnet hat und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums zur Verleihung der Carl-Diem-Plakette war, kommentierte diese Entscheidung des neuen DOSB-Präsidiums in seiner letzten Ansprache in dieser Funktion im Jahr 2006 wie folgt:
„Mit dieser Entscheidung ist jedoch notgedrungen verbunden, dass die Erinnerung an wesentliche Persönlichkeiten in der deutschen Turn- und Sportgeschichte aus dem Bewusstsein der Dachorganisation des deutschen Sports verschwindet. Das ist deshalb keine Marginalie, weil der DOSB nicht nur die sportlichen Motive und Interessen eines Drittels der Bevölkerung repräsentiert, die in Vereinen und Verbänden organisiert sind, sondern auch des Sports als Institution insgesamt. Dabei geht es auch nicht um die Personen, deren Vermächtnis verschwiegen wird, sondern um die mit ihnen verbundenen Ideen, Konzepte, Leistungen einschließlich ihrer Fehlleistungen und Irrtümer, die ja zugleich das Denken, Handeln und Fühlen der früher und bis heute Sport treibenden Menschen in Deutschland repräsentieren. Sich nicht an seine ‚Ahnen‘ erinnern zu wollen, ist eine Form von Hybris, die sich als Hindernis auf einem erfolgreichen Weg in die Zukunft erweisen kann. Da es dem DOSB und den heute Verantwortung tragenden Funktionären vor allem aber um eine gute und erfolgreiche Zukunft des Sports geht, sollten sie mit Verständnis und Respekt mit denen umgehen und sich an sie erinnern, auf deren Schulter sie stehen.“ (Grupe 2012, S. 174)
Diese Mahnungen des vielleicht wichtigsten Sporttheoretikers der Bundesrepublik Deutschland verhallten ohne Resonanz. Deutsche Sportgeschichte wurde entsorgt und einer neuen, neoliberalen DOSB-Ideologie vermeintlichen Fortschritts geopfert.
Zur Vorgeschichte der heutigen Sportvereine und -verbände
Der älteste Dachverband des Sports war die Deutsche Turnerschaft (DT), die 1860 in Coburg ein großes „allgemeines Turn- und Jugendfest“ feierte und 1868 in Weimar förmlich mit der Verabschiedung einer Satzung gegründet werden konnte. In ihr wurde festgehalten, dass die DT und ihre Vereine politisch neutrale Organisationen seien, und dass in den Vereinen kein „Wehrturnen“ betrieben würde. Dem widersprach nicht, dass die DT „im Dienste des Vaterlandes und der deutschen Volkskraft“ „mit Herz und Hand fürs Vaterland“ eintreten wollte, wie der Titel der Festschrift zum 80. Geburtstag für den langjährigen Sprecher und Vorsitzenden der DT, den Leipziger Arzt Dr. Ferdinand Götz, lautete (Goetz, 1906).
Die DT war die dominierende Organisation für Leibesübungen im Deutschen Kaiserreich von 1870 bis zu seinem Ende nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Revolution. Neben der DT hatten sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weitere Turn- und Sportverbände gegründet: Die Schwimmer schon 1886 im Deutschen Schwimmverband (DSV), die Leichtathleten in der, wie sie sich nannten, Deutschen Sportbehörde für Athletik (DSBfA) (1898), die Fußballer im Deutschen Fußball-Bund (DFB) (1900), deren Vereine inzwischen mehr acht Millionen Mitgliedern eine Heimat bieten, und viele weitere.
Sie alle wollten ihren Sport betreiben, fühlten sich und ihre Interessen jedoch von der Deutschen Turnerschaft nicht angemessen vertreten; insbesondere wollten sie an Olympischen Spielen teilnehmen und möglichst im internationalen olympischen Wettkampf erfolgreich sein. Die Fußballer wollten regelmäßig Turniere und nationale Meisterschaften austragen. Ähnlich dachten und handelten die Leichtathleten, Schwimmer, Tennisspieler, Reiter, Fechter, Ringer, Boxer u.v.a.m. (Diem, 1923).
Schon im Kaiserreich und noch ausgeprägter zurzeit der Weimarer Republik (1919-1933) kam es aus politischen und ideologischen Gründen zur Spaltung der Gesellschaft, die eine „Klassengesellschaft“ geworden war, wie Karl Marx sie benannte. Die in den Fabriken, Industrie- und Handwerksbetrieben arbeitenden Menschen, die Proletarier, wie sie im marxistischen Jargon genannt wurden, entwickelten eine eigene, proletarische Kultur, die politisch den sozialistischen Parteien nahestand. Sie organisierten sich auch in Turn- und Sportvereinen. Arbeiterturnvereine hatten sich schon 1893 zu einem eigenen Turnverband zusammengeschlossen, dem Arbeiter Turnerbund (ATB), nachdem das Sozialistengesetz von Reichskanzler Bismarck aufgehoben worden war. Zahlreiche Arbeiter, die bis dahin in den Vereinen der Deutschen Turnerschaft organisiert waren, traten ihm bei. 1919, nach der Revolution, nannte sich der Verband in „Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege“ um. Im Arbeitersport sollte es keine Differenz von Turnen, Leibesübungen, Spiel und Sport geben, sondern alle Mitglieder in den Vereinen und Verbänden von Arbeiterturnen und Arbeitersport sollten sich dem Ethos der Solidarität der Proletarier sowie einer gesunden, sportlichen Lebensführung verpflichtet fühlen und nicht, wie es die Deutsche Turnerschaft propagierte, dem „Vaterland“ (Krüger, 2020b).
Die Zeit der Weimarer Republik von 1919 bis zum Beginn des nationalsozialistischen Dritten Reichs war eine Blütezeit der Leibesübungen und des Sports. Der Verein auf der Grundlage eines modernen Vereinsrechts bildete den fruchtbaren Boden, auf dem diese besondere Turn- und Sportkultur der Amateure in freiwilligen Organisationen, getragen von bürgerschaftlichem, ehrenamtlichem Engagement gedeihen konnte. Daneben blühte in den wachsenden Großstädten allerdings auch der private und kommerzielle Sport, der Profisport, etwa das Profiboxen, der Radrennsport, der Tennissport oder auch der Profifußball. Die Profis durften jedoch nicht an Olympischen Spielen teilnehmen, wie die Zulassungsregeln des Internationalen Olympischen Komitees dies vorschrieben.
Turnen und Sport wurden zur Massenbewegung. Die Mitgliederzahlen der Vereine und Verbände kannten nur eine Richtung: Wachstum. In den Städten und Gemeinden wurden Turnhallen und Sportplätze gebaut, in den großen Städten wie Berlin, Köln und Frankfurt Stadionanlagen, die zum Teil bis heute bestehen und genutzt werden. Schwimm- Fluss- und Seebäder boten den Besucherinnen und Besuchern im Sommer Möglichkeiten zur Erholung an der frischen Luft und in den – noch einigermaßen sauberen – Gewässern. Gewaltige Turn- und Sportfeste wurden gefeiert, zum Teil mit mehreren Hundertausenden Teilnehmern und Besuchern, das letzte, noch von der Deutschen Turnerschaft organisierte, fand 1933 in Stuttgart statt (Krüger, 1989). Danach lieferte sie ihr Vorsitzender, der „Turnerjugendführer“ Edmund Neuendorff, dem „Reichssportführer“ und SA-Mann von Tschammer und Osten aus.
Nachdem in der Weimarer Reichsverfassung Frauen das Wahlrecht bekommen hatten, nahm das Sportengagement von Mädchen und Frauen kontinuierlich zu. Was sich schon in der Kaiserzeit angekündigt hatte, wurde jetzt immer selbstverständlicher. Ein Symbol für den Durchbruch des Frauensports war der sensationelle Rekord der aus Deutschland stammenden Gertrude (Trudy) Ederle, die 1926 den Ärmelkanal (52 km) im eiskalten Wasser in 14 Stunden und 31 Minuten durchschwamm – bis dahin schneller (um ganze zwei Stunden!) als jeder Mann. Sie gilt außerdem als Erfinderin des „Bikini“, allerdings nicht aus modischen Gründen, sondern aus sportlich-funktionalen. Den neuen „Schwimmzweiteiler“ entwarf sie selbst extra für ihre spektakuläre und erfolgreiche Aktion (Kilg-Meyer, 2024).
Neben den Frauen und Mädchen fanden weitere Bevölkerungsgruppen zum Sport: an erster Stelle die Jugend, dann auch Ältere, Menschen aus verschiedenen Schichten, Arme und Reiche, Städter und nach und nach auch Bewohner ländlicher Regionen. Das Schulturnen und der Schulsport setzten sich durch, in allen Schularten und Schulformen, für Jungen und Mädchen. Um qualifizierten Turn- und Sportunterricht zu ermöglichen, verbesserten sich Ausbildung und Studium von Turn- und Sportlehrkräften. Sport konnte man seit 1920 an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen studieren – auch Mädchen konnten sich von Anfang an als Studentinnen einschreiben. Eine der ersten war Liselott Bail, die 1930 ihren Lehrer Carl Diem heiratete und in der Bundesrepublik die erste und bis heute einzige Rektorin der einzigen deutschen Sportuniversität wurde. Die DHfL war keine staatlich anerkannte, mit anderen Universitäten vergleichbare Universität. Sie war eine private Einrichtung des damaligen Dachverbandes des in Vereinen und Verbänden organisierten Sports, des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA), der ursprünglich Deutscher Reichsausschuss für die Olympischen Spiele (DRAFOS) hieß und noch während des Weltkrieges 1917 in „DRA“ umbenannt wurde. Der Zweck war klar. Sportler und auch einige Turner wollten an den internationalen Olympischen Spielen teilnehmen (Dinçkal, 2013; Krüger, 2020a, 2020c).
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Deutschen nicht zu den Olympischen Spielen eingeladen, weil die alliierten Siegermächte den Deutschen die Schuld am Ausbruch des Krieges und damit an den Millionen Opfern gaben, die der Krieg gefordert hatte. Der DRA arbeitete jedoch weiterhin an diesem Ziel der Teilnahme deutscher Athletinnen und Athleten an Olympischen Spielen und der Ausrichtung Olympischer Spiele in der Hauptstadt Berlin. 1936 sollte dies dann geschehen. Mit Ausnahme der Kommunisten und der Nationalsozialisten im Reichstag unterstützten die politischen Parteien der Mitte dieses Vorhaben. Die Olympischen Spiele 1936 waren eine Leistung der Weimarer Republik, wesentlich gestaltet von DRA-Präsident Theodor Lewald und Cheforganisator Carl Diem. Beide waren keine Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten haben sich die Spiele zu eigen und zunutze gemacht.
Gestützt auf die nationalsozialistische „Bewegung“ und Partei gelang es Adolf Hitler 1933, die politische Macht an sich zu reißen. Besonders bei den Turnern und Sportlern wurde das NS-Regime zunächst begrüßt, weil es die Förderung von Turnern und Sport versprach. Das Turnfest von 1933 in Stuttgart im Sommer 1933 bildete dabei ein Schlüsselereignis. Hitler selbst war auf dem Turnfest erschienen und hielt vor Hundertausenden von Turnerinnen und Turnern eine Rede, die die Masse begeisterte – auch als er nicht sprach und seine Rede für eine Gedenkminute an Friedrich Ludwig Jahn unterbrach (Krüger, 1989, 2024).
Aber es kam anders: Nach anfänglicher Begeisterung entpuppten sich alle Versprechen als Täuschung. Es ging dem NS-Regime nicht um Turnen und Sport, auch nicht um die Förderung der Gesundheit der Bevölkerung durch Turnen, Spiel und Sport, um die ganzheitliche Bildung und Erziehung von Körper und Geist, oder um eine wissenschaftlich begründete qualifizierte Sportforschung sowie Turn- und Sportlehrerausbildung auf hohem Niveau. Es ging allein um die körperlich-physische Vorbereitung der Bevölkerung auf den geplanten Krieg und die Umsetzung der von den NS-Ideologen propagierten Rassenpolitik. Das Ergebnis ist bekannt: Unendliches Leid mit Millionen von Opfern des Weltkriegs und des Holocaust.
Das ist – grob zusammengefasst – der Hintergrund, auf dem die Neu- und Wiedergründung von Turn- und Sportorganisationen nach dem Zweiten Weltkrieg und namentlich des Deutschen Sportbundes 1950 stattfand und historisch zu bewerten ist.
Grundlagen des Neu- und Wiederaufbaus des Sports in der Bundesrepublik Deutschland
Bei den Feierlichkeiten zur Erinnerung an das Kriegsende vor 80 Jahren wurde immer wieder betont, dass die „bedingungslose Kapitulation“ des Hitlerregimes nicht nur eine Niederlage, sondern vor allem die Befreiung nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt von einem mörderischen Regime bedeutete. Ohne die USA und ohne die geballte militärische Kraft der Alliierten wäre es nicht möglich gewesen, ein demokratisches Gemeinwesen in Deutschland neu aufzubauen. Und ohne die Entschiedenheit der westlichen Alliierten im Umgang mit der Siegermacht Sowjetunion wäre auch nicht möglich gewesen, dem Expansionsdrang des kommunistischen Diktators Stalin Einhalt zu gebieten. Dieser hatte bekanntlich gesagt, dass das eigene System soweit reiche wie die eigenen Armeen.
Und so kam es dann auch. In der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) und dann in der DDR wurde das sowjetische System installiert. Für den Sport bedeutete dies, dass der Sport nicht nur Teil dieses Systems wurde, sondern dass er von der Staats- und Parteiführung verordnet, organisiert und politisch genutzt wurde.
Anders in Westdeutschland (Deutscher Sportbund, 1989/1990). Dort wollten die Westmächte ein politisches und gesellschaftliches System etablieren, das den westlichen Vorstellungen und Werten von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entsprach, so wie es in der amerikanischen Verfassung vorgesehen war, wie es aber auch in der Charta der nach dem Krieg gegründeten Vereinten Nationen etwa in den grundlegenden Menschenrechten garantiert werden sollte. Die Westmächte waren sich mit den Führern der Sowjetunion zunächst in den wesentlichen Punkt einig, dass Deutschland vom Nationalsozialismus befreit und entmilitarisiert werden sollte. Die Befreiung vom Nationalsozialismus bedeutete auch eine Umerziehung der Bevölkerung zur Demokratie. Die Westmächte meinten damit eine demokratische Gesellschaft, die sich „von unten“, frei und selbstbestimmt nach den in der Charta der Vereinten Nationen formulierten Werten und Grundsätzen organisiert. Die Sowjetunion unter Führung des Diktators Stalin meinte damit ein Modell des „demokratischen Zentralismus“, wie es in der Verfassung der DDR hieß, in der die sozialistische Einheitspartei SED den Weg vorgab, den Staat, Gesellschaft und auch Sport zu gehen hatten (Erbach, 1979).
Für den Sport in Westdeutschland und dann in der Bundesrepublik bedeutete dies, dass seine Organisationen von unten, von den Vereinen her neu aufgebaut werden mussten. Dabei wurde zunächst sehr darauf geachtet, dass sich nicht wieder nationalsozialistische Strukturen und Personengruppen bilden konnten. Diese „Entnazifizierung“ war jedoch nur bedingt erfolgreich, zumindest was ehemalige Akteure des NS-Sports betraf. Berühmt ist ein Zitat des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Mit dem Argument, dass man kein dreckiges Wasser ausschütte, wenn man kein reines habe, rechtfertigte er die Tatsache, dass in seiner Regierung und eigentlich in allen Bereichen von Staat, Kultur und Gesellschaft nach wie vor ehemalige NS-Funktionäre und sogar NS-Verbrecher tätig waren. In seinem direkten Umfeld handelte es sich um seinen Staatssekretär Hans Globke, einen prominenten NS-Juristen (Braun et al., 2025). Im Bereich des Sports und des 1950 gegründeten Deutschen Sportbunds wären analog der erste Präsident des Deutschen Sportbunds, Willi Daume (1913-1996) zu nennen, der NSDAP-Mitglied war, und sich auf seinen Generalsekretär Guido von Mengden stützte, ehemals NS-Sportfunktionär und -ideologe, der als Pressesprecher des Reichssportführers tätig war und als Chefredakteur des „NS-Sports“, des offiziellen Organs des Nationalsozialistischen (NSRL), die nationalsozialistische „Weltanschauung“ verbreitete. Ähnlich im NOK für Deutschland. 1951 wurde der letzte Reichssportführer, Karl Ritter von Halt (1891-1964), dessen Präsident und blieb dies bis 1961 (Nationales Olympisches Komitee für Deutschland, 1999).
Was in den Verbänden an der Spitze geschah, war ein Spiegel der Entwicklung in den Vereinen. Auch dort ging es offenbar nicht ohne die alten Nazis. Um ein Beispiel zu nennen: Der sozialdemokratische Politiker und einer der Väter des Grundgesetzes, der Jurist Carlo Schmid (1896-1979), der als Leiter des Staatssekretariats für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns sich auch um die Neuorganisation des Sports zu kümmern hatte, schrieb in seinen Erinnerungen, dass dabei nicht auf die vielen Sportleiter, Trainer und Turnlehrer verzichtet werden konnte, die in der Hitlerjugend und im NS-Sport tätig waren.
Neue Menschen gab es nicht von heute auf morgen. Aber es war möglich, neue Strukturen aufzubauen, in denen das alte Denken, nationalsozialistische Ideologie und Militarismus überwunden werden konnten. Auch dafür stand Carlo Schmid (Schmid, 1979). „Die Welt der Leibesübungen musste in das Konzept unserer Bildungsvorstellungen einbezogen werden“, schrieb er in seinen „Erinnerungen“ (S. 235). Bei einer Besprechung mit den Vertretern der in der Neu- oder Wiedergründung befindlichen Turn- und Sportvereine war ihm ein Punkt besonders wichtig: „Abkehr von der schlechten Tradition, die Leibesübungen als eine Art von Erziehung zu seelischer und körperlicher Militärtauglichkeit zu betrachten.“ (ebenda).
Dieses Konzept eines Sports, der frei und demokratisch aufgebaut ist und keine militärischen Zwecke verfolgt, war mehrheitsfähig. Selbst die Turner, die in ihrer Geschichte häufig die Wehrhaftigkeit als Erziehungsziel betont hatten, identifizierten sich mit der neuen Idee des Sports, der frei und bürgerschaftlich, demokratisch aufgebaut und frei von militärischem Denken und Handeln sein sollte. Auf diesen allgemeinen Nenner konnten sich alle ehemaligen Turner einigen, die zurzeit der Weimarer Republik in unterschiedliche sportliche und ideologische Lager gespalten waren und von denen viele im Dritten Reich Hitler bei seiner Rede in Stuttgart 1933 zugejubelt hatten.
An der Spitze des schließlich am 2. September 1950 in Tübingen gegründeten Deutschen Turner-Bundes stand der von den Nazis verfolgte, sozialdemokratische Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Walter Kolb (1902-1956) (Krüger, 2011). Er betonte ebenso wie der Schirmherr des deutschen Sports, der liberale und zurzeit der Weimarer Republik rechtskonservative Theodor Heuss (1884-1963), die Tradition der bürgerlichen Revolution von 1848, in der die Turnbewegung stand und in der die deutsche Demokratie ihre Wurzeln hat. Die Turn- und Sportbewegung ist Teil davon. „Es hat keinen proletarisch-marxistischen Klimmzug und keinen bürgerlich-kapitalistischen Handstand gegeben“, sagte Heuss bei seiner Ansprache 1950 in der Paulskirche zu den Turnern und erhielt dafür – nach Protokoll – „lebhaften Beifall“.
75 Jahre DSB sind ein Grund zum Feiern und zum Nachdenken
Dass es 1950 gelungen ist, eine Dachorganisation des in Vereinen und Verbänden organisierten Sports „auf freiwilliger Grundlage“ zu schaffen, ist eine historische Leistung, die es zu würdigen gilt. Viele sind damals über ihren eigenen Schatten gesprungen: Die Arbeiterturner und -sportler, die darauf verzichteten, ihre alten, proletarischen Organisationen neu zu gründen und darauf vertrauten, dass ihre traditionellen Werte der Solidarität und sozialen Gemeinschaft in den Turn- und Sportvereinen in diesem Dachverband DSB eine Zukunft haben. Sie standen hinter diesem Verband, obwohl viele von ihnen von den Nationalsozialisten eingesperrt, verfolgt und ermordet worden waren. Die Turner mussten ebenfalls „dicke Kröten“ schlucken. Eine war der Verzicht auf den Begriff „Turnen“ im Namen des Dachverbands DSB. Darin lag ein großer Unterschied zum Dachverband von Turnen und Sport in der DDR, dem erst 1957 gegründeten Deutschen Turn- und Sportbund der DDR. Körperkultur und Sport in der DDR bekannten sich im Namen zu den Traditionen der deutschen Turnbewegung.
Über ihren Schatten sind auch die konfessionellen Turn- und Sportorganisationen wie die christlichen und jüdischen Turn- und Sportvereine, die im Nationalsozialismus verboten und verfolgt worden waren. Nun schlossen sie sich dem DSB an. Makkabi Deutschland, der jüdische Sportverband in Deutschland, gründete sich 1965 als nationaler Dachverband wieder und trat dem DSB als Anschlussorganisation bei, ebenso wie andere konfessionelle und sonstige Sportorganisationen wie beispielsweise der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) oder die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG).
Die Geschichte des DSB ist eine Erfolgsgeschichte, weil es gelungen ist, Gräben zu überwinden und die Menschen in den Turn- und Sportvereinen für den Aufbau einer demokratischen, liberalen und offenen Sportkultur zu gewinnen. Dies gilt bis heute: Der organisierte Sport versteht sich als eine Kraft, die für gesellschaftliche, soziale und kulturelle Vielfalt und Integration steht. Turn- und Sportvereine spielen eine zentrale Rolle bei der Integration von Migranten, beim Miteinander von Jung und Alt, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht. Schließlich hat sich der DSB von Anfang an und nachdrücklich 1966 in der „Charta des deutschen Sports“ zur Förderung der Sporterziehung und von Bildung und Wissenschaft auf dem Gebiet des Sports bekannt (Deutscher Sportbund, 1968). Der Begriff „Charta“ wurde in Anlehnung an andere große Organisationen gewählt, die sich bemühten, die ethischen Grundlagen ihres Handelns in einer Art Verfassung festzuschreiben. An erster Stelle ist als Vorbild die Charta der Vereinten Nationen zu nennen, aber auch die Olympische Charta, das Grundgesetz des internationalen olympischen Sports.
Dieser Verpflichtung der Förderung von Bildung und Wissenschaft auf dem Gebiet des Sports und des Schulsports ist der DSB in vielfältiger Weise gerecht geworden. Ohne die Unterstützung und Lobbyarbeit des DSB hätte sich der staatlich verantwortete Schulsport nicht so positiv entwickeln können, wie es in der Bundesrepublik tatsächlich geschehen ist. Ohne die Lobby des freien Sports hätte es auch an deutschen Universitäten das wissenschaftliche Fach „Sportwissenschaft“ nicht gegeben. Das gesellschaftliche Phänomen Sport, wie in den 1970er Jahren gesagt wurde, wurde zu einem wissenschaftswürdigen und -relevanten Thema, nicht zuletzt durch das Engagement des DSB als Dachorganisation des Sports. Ohne ihn, ohne das NOK für Deutschland, ohne Willi Daume, ohne München und ohne seinen SPD-Oberbürgermeister Hans Jochen Vogel hätte es keine Olympischen Spiele 1972 in München gegeben, keinen olympischen Wissenschaftskongress und auch kein Bundesinstitut für Sportwissenschaft, das staatliche Unterstützung bei der wissenschaftlichen Erforschung des Leistungssports bot. Der DSB war der Meinungsführer des Sports in Westdeutschland. Er hatte das Monopol auf die Definition und den Sinn des Sports. Der große Kongress „Menschen im Sport 2000“, der 1987 im Kongresszentrum von Westberlin abgehalten wurde, gibt Zeugnis von dieser dominierenden Rolle des in Vereinen und Verbänden organisierten freien, bürgerschaftlichen Sports in der Bundesrepublik und seiner Dachorganisation (Gieseler et al., 1988; Heinemann, 1986).
Diese Monopolstellung ging jedoch verloren. Den DSB gibt es nicht mehr. Das NOK auch nicht. 1990/91 erfolgte der Beitritt der neu gegründeten Sportverbände aus Ostdeutschland. 2006 beschlossen die Führungsgremien von DSB und NOK für Deutschland die Zusammenlegung zu einem neuen Dachverband – Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB). Mit Hilfe des neuen Dachverbandes konnte zwar erreicht werden, dass der neoliberale Wirtschaftsjurist und ehemalige Fechter Thomas Bach zum ersten deutschen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wurde, zugleich setzte sich jedoch unter seiner und der Führung eines grünen Ideologen und ehemaligen Umweltministers von NRW der gesellschaftliche und kulturelle Bedeutungsverlust der Dachorganisation des in Vereinen und Verbänden organisierten Sports in Deutschland fort.
Die alten Geschichten von DSB und NOK wurden entsorgt, und mit ihnen die der Personen, die sie geschrieben haben. Das Erbe des DDR-Sports wurde in kürzester Zeit verbraucht. Aus der einst führenden Sportnation DDR entwickelte sich der Sport im vereinten Deutschland zu einem Sanierungsfall. Dass es so kommen konnte, hatte auch mit der Arroganz und Scheinheiligkeit westdeutscher (Sport-)Politiker, -funktionäre und Sportwissenschaftler zu tun. Anstatt dessen Potenziale zu sehen und zu nutzen, wickelten sie den DDR-Sport ab, indem sie ihn auf Stasi und Doping reduzierten. Anfang der Neunziger Jahre, so der Schriftsteller Dirk Oschmann (2023, S. 135), „waren die Siege ostdeutscher Sportler (…), etwa bei den Olympischen Spielen in Barcelona und Lillehammer 1992 und 1994 hochwillkommen für die deutsche Medaillen-Bilanz und das gesamtdeutsche Sportbewusstsein. Inzwischen sind die sportlichen Erfolge Deutschlands wieder auf das kümmerliche alte BRD-Niveau gesunken.“
Symbol für den Niedergang des Ansehens des deutschen Sports in der Welt sind die gescheiterten Olympiabewerbungen seit den 1990er Jahren. Schon der erste Versuch im vereinten Deutschland 1993 für die Ausrichtung der Spiele 2000 in Berlin endete im Desaster. Weitere folgten. Der DOSB war und ist offenbar nicht in der Lage, die Menschen im In- und Ausland für eine solche Bewerbung zu begeistern und Olympische Spiele wieder nach Deutschland zu holen. Es würde dabei nicht schaden, sich auch darauf zu besinnen, warum dies in der Vergangenheit gelungen ist.
Was der eingangs zitierte Ommo Grupe befürchtete, ist Wirklichkeit geworden: Hybris und Geschichtsvergessenheit wurden zum Hindernis auf dem Weg zu einer erfolgreichen Zukunft des DOSB.
Der Sport im Verein ist nach wie vor gefragt und beliebt, aber der Dachverband scheint entbehrlich geworden zu sein. Vielleicht ist all das ein Grund, warum sich Präsidium und Vorstand des DOSB nicht dazu entscheiden konnten, das 75jährige Jubiläum seiner Vorgängerorganisationen angemessen zu feiern und zu würdigen. Turnen und Sport wird es auch in Zukunft geben – auch wenn der DOSB die Jubiläen seiner Vorgängerorganisationen nicht feiert.
Literaturverzeichnis
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Schmid, C. (1979). Erinnerungen. Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Carlo Schmid: Bd. 3. Scherz.
Letzte Bearbeitung: 10.Juli 2025
Themenzuordnung: Sportorganisationen