Helmut Digel
Zwischenstaatliche Konflikte weisen ein Nachkriegshoch auf
Die Welt ist in diesen Tagen von kriegerischen Auseinandersetzungen gezeichnet, wie es in der Menschheitsgeschichte selten zuvor der Fall war. Nahezu auf jedem Kontinent sind durch Kriegswaffen getötete junge Menschen zu beklagen, die ihre Leben für eine angeblich wichtige nationale Sache opfern müssen. In Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sterben auf beiden Seiten Tag für Tag nun bereits über mehr als vier Jahre junge Menschen, die ein besseres Leben verdient hätten. Im Sudan bringen sich Angehörige unterschiedlicher Stämme seit über einem Jahrzehnt in barbarischer Weise gegenseitig um. Die USA führen einen Krieg gemeinsam mit Israel gegen den Iran. Zwischen Pakistan und Afghanistan gibt es wiederkehrende Gefechte. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas in Gaza dauert an. In Myanmar gibt es einen bewaffneten Widerstand gegen das Militärregime. In Syrien kommt es nach dem Sturz von Assad im Dezember 2024 weiterhin zu Kämpfen zwischen neuen Regierungskreisen und den Resten von Isis („IS“). Damit ist die Zahl zwischenstaatlicher Kriege seit 1946 auf einem Nachkriegshoch mit mindestens acht dokumentierten zwischenstaatlichen Konflikten.
Ist der Friede zwischen Menschen, das friedliche Zusammenleben von Menschen, das solidarische Miteinander mehr als eine bloße religiöse Metapher, wie sie im Islam, im Juden- und Christentum, im Buddhismus und in allen weiteren Religionen vorkommt, so stellt sich die Frage, welche Friedensbemühungen angesichts dieser fürchterlichen Weltlage es auf dieser Erde gibt und welche Rolle dabei die gewählten oder selbsternannten politischen Repräsentanten[1] der jeweiligen nationalen Gesellschaften spielen.
Das Nachkriegshoch zwischenstaatlicher Kriege hängt auf das engste mit ökonomischen Interessen zusammen. Es ist die Rüstungsindustrie, die die Kriege erst möglich machen. Nie zuvor hat die Waffenindustrie und ihre Lobby einen derart großen Einfluss auf die Weltpolitik erreichen können, wie es in diesen Tagen der Fall ist. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein israelischer Rüstungskonzern in Deutschland ein von der Schließung bedrohtes VW Werk übernimmt, um dort mit ihrer Waffenproduktion weitere kriegerische Auseinandersetzung anzuheizen.
Gab es in der Vergangenheit noch mehrere Politiker, die sich durch Abrüstungs-Bemühungen auszeichneten, so sind wir heute mit einer Spirale der Aufrüstung konfrontiert, die ihresgleichen sucht. Menschen, die sich um den Frieden bemühen, werden als „naive Pazifisten“ diskreditiert. Eine Lobby zu Gunsten des Friedens ist in der offiziellen staatlichen Politik nirgendwo auf der Welt zu erkennen. Am Beispiel des Angriffskriegs von Putin gegen die Ukraine muss man vielmehr erkennen, dass die Welt in zwei Lager gespalten ist. Die eine Hälfte unterstützt diesen Krieg und ermöglicht Putin einen völkerrechtswidrigen Krieg zu führen und folgt dabei dessen haltloser Begründung und Rechtfertigung. Die andere Seite lässt junge Menschen aus der Ukraine einen Stellvertreterkrieg austragen, unterstützt diesen Krieg mit Geld und Waffen, zeigt aber nirgendwo ernsthafte diplomatische Bemühungen, damit der Krieg zu einem Ende kommt. Ein Mediator, der die Kriegsparteien zusammenführt und einen Weg ermöglicht, um über einen Waffenstillstand zu einem dringenden notwendigen Friedensvertrag zu kommen, ist ebenfalls nicht in Sicht. Selbst Papst Franziskus, der sich wie kein anderer glaubwürdig um den Frieden auf unserer Welt bemüht hat, ist an diesem Auftrag gescheitert. Sein Nachfolger wird bei seinen Friedensbemühungen in ähnlicher Weise boykottiert, wie dies bei Franziskus der Fall war. Mediatoren aus dem Bereich der Wirtschaft sind ebenso eine Fehlanzeige wie aus den Bereichen der Wissenschaft, der Kunst und der Kultur. Für all jene, für die Frieden nicht nur ein bloßes Bekenntnis ist, sondern eine dringend anzustrebender „Zustand“, der möglichst schnell zwischen den Kriegsparteien eintreten sollte, ist angesichts einer derartigen politischen Situation die Gefahr der Resignation nahe liegend.
Frieden ist nicht in Sicht
„Sport-nachgedacht.de“ hat seit mehr als zehn Jahren im Bereich der Sportpolitik nach Wegen gesucht, wie der Sport das Zusammenleben zwischen Menschen verbessern kann. Immer wieder von neuem wurde dabei der Olympische Sport ins Spiel gebracht. Dieser wurde von seiner Theorie und seiner grundlegenden Philosophie als eine Friedensbewegung definiert. Als solche wäre sie gerade in Zeiten zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen dringender denn je. Leider hat sich allerdings die Hoffnung in Bezug auf die Olympischen Spiele und deren Repräsentanten als nicht tragfähig erwiesen. Seit dem jüngsten Führungswechsel im IOC sind die Hoffnungen auf ein besonderes Engagement der Olympischen Bewegung zu Gunsten eines Weltfriedens drastisch gesunken.
Auch der Schreiber dieser Zeilen neigte und neigt in dieser Situation zur Resignation. Seine zahlreichen Interventionen waren nahezu ohne jegliche Resonanz und die Olympische Anerkennung, die er für seine Beiträge zum Olympismus erhalten hat, sind angesichts dieser Situation bedeutungslos.
Niederlagen im Sport sind jedoch kein Grund, das eigene Engagement mit seinen eigenen Zielen aufzugeben. Sie waren und sie sollten auch in Zukunft eher Ansporn für ein noch intensiveres Engagement bedeuten. Dies hat in diesen Tagen dazu geführt, dass ich bei meiner Suche nach Modellen der Friedensstiftung in der Welt des Sports auf einen überraschenden „Fund“ gestoßen bin , der – so meine ich – beachtenswert ist. Mit diesem „Fund“ kann man m. E. zumindest den gefährlichen politischen Programmen entgegentreten, in denen Rassismus das dominante Merkmal ist, in denen der Fremde nicht willkommen geheißen, sondern ausgeschlossen wird, und in denen das schlimmste Wort der aktuellen Politik, das Wort „Remigration“, auf der politischen „To-do-Liste“ steht
Internationaler Fußball – eine Chance für den Frieden?
Mein „Fund“ handelt vom Profi-Fußball. Das kann angesichts der globalen „Fußballwelt der Infantinos“ mit all ihren Milliardären und Millionären nur überraschen. Doch trotz dieser fragwürdigen und geldgierigen Welt des Fußballsports kann uns ausgerechnet der internationale Profi-Fußball ein Modell bieten, das anstelle des Nationalismus und Patriotismus Universalismus und Internationalismus setzt und das im täglichen Zusammenleben von jungen Menschen ein Beispiel gibt, wie man kosmopolitisch bei unterschiedlicher Herkunft gemeinsame Ziele erreichen kann und wie der Sport auf diese Weise Begegnungen, Freundschaft und vielleicht auch ein klein wenig Frieden stiften kann.
Um zu verstehen, was der Sport auf diese Weise in diesen Tagen leistet, muss man einige Jahrzehnte zurückgehen und den Fußball von damals mit dem Fußball von heute vergleichen. Als gutes Beispiel kann dabei für mich eine Bundesligamannschaft aus meiner früheren Heimat behilflich sein
VfB Stuttgart – früher
Der VfB Stuttgart wurde am 25. Juni 1950 im Berliner Olympiastadion mit einem 2:1 Sieg gegen die Offenbacher Kickers zum ersten Mal deutscher Meister. Trainer war Georg „Schorsch“ Wurzer, die Elf bestand fast ausschließlich aus Spielern aus der Region Stuttgart. Im Endspiel stand die Stammelf mit Otto „Gummi“ Schmid als Torhüter. Er war auch der Kapitän der Mannschaft. Die Abwehr bildeten Erich Retter und Richard Steimle. Die Läuferreihe wurde geprägt von Ernst Otterbach, Josef Ledl und Karl Barufka; im Mittelfeld spielten Erwin Läpple und der legendäre Robert Schlienz. Im Angriff waren es Walter Bühler, Otto Baitinger und Rolf Blessing, die Stuttgart repräsentierten. Barufka, Retter, Baitinger und Blessing prägten den Verein noch viele Jahre und gewann später weitere Titel unter anderem 1952 erneut die Deutsche Meisterschaft; 1954 und 1958 gewinnen Sie den DFB-Pokal.
1997 – 39 Jahre später-gewann der VfB Stuttgart mit einem 2:0 Sieg gegen Energie Cottbus zum dritten Mal den DFB-Pokal. Trainer der Mannschaft war Joachim Löw. Die beiden Tore erzielte Giovane Elber. Im Tor stand Franz Wohlfahrt, in der Abwehr spielten Thomas Berthold, Frank Verlaat und Thorsten Legat. Im Mittelfeld waren Matthias Hagner, Thomas Schneider, Marco Haber, Zvonimir Soldo aufgestellt. Das Offensive Mittelfeld war besetzt mit Gerhard Poschner, Krassimir Balakow und im Angriff waren die wichtigsten Spieler Giovane Elber, Danny Schwarz, Freddy Bobic und Radosław Gilewicz
Wieviel Spieler mit Migrationshintergrund gehörten damals dem Kader des VfB Stuttgart an?
Im Unterschied zu 1950 können wir erkennen, dass der VfB Stuttgart 1997 mit einem bereits international besetzten Kader angetreten ist. Von den Spielern, die im Pokalwettbewerb für den VfB zum Einsatz kamen, hatten – im heutigen Sinne – mindestens sieben einen klaren Migrationshintergrund. Hinzu kamen weitere ausländische Profis wie, Kristijan Dorđević (Serbien), Sébastien Fournier (Schweiz), Krisztián Lisztes (Ungarn), Marijo Marić (Kroatien), Sreto Ristić (Serbien), Helgi Sigurðsson (Island), die aber nicht alle im Pokalspiel zum Einsatz kamen.
VfB Stuttgart – heute
Am 24. Mai 2025 gewann der VfB Stuttgart zum vierten Mal den DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion mit einem 4:2 Sieg gegen Arminia Bielefeld. Trainer war Sebastian Hoeneß. Die Tore für den VfB erzielten Nick Woltemade, Enzo Millot und Denis Undav.
Die im Finale eingesetzte Startelf lautete:
Tor: Alexander Nübel
Abwehr: Josha Vagnoman, Luca Jaquez, Jeff Chabot (76. Finn Jeltsch), Maximilian Mittelstädt
Mittelfeld: Atakan Karazor (Kapitän), Angelo Stiller (86. Nikolas Nartey)
Offensive: Enzo Millot (68. Ermedin Demirović), Deniz Undav, Chris Führich (68. Ramon Hendriks)
Sturm: Nick Woltemade
Einwechslungen: Finn Jeltsch (76.), Nikolas Nartey (86.), Ermedin Demirović (68.), Ramon Hendriks (68.).
In der Finalmannschaft von insgesamt 15 Spielern standen mit Ausnahme von Alexander Nübel nur Spieler aus dem Ausland beziehungsweise mit einem Migrationshintergrund.
Dem Kader des VfB Stuttgart gehörten damals folgende ausländische Spieler und/oder Spieler mit Migrationshintergrund an:
Ameen Al-Dakhil, Abwehr, Belgien
Anrie Chase, Abwehr, Japan
Ramon Hendriks, Abwehr, Niederlande
Luca Jaquez, Abwehr, Schweiz
Leonidas Stergiou, Abwehr, Schweiz
Dan-Axel Zagadou, Abwehr. Frankreich
Atakan Karazor, Mittelfeld, Türkei
Enzo Millot, Mittelfeld, Frankreich
Nikolas Nartey, Mittelfeld Dänemark
Christopher Olivier, Mittelfeld, Österreich
Jacob Bruun Larsen, Sturm, Dänemark
Eliot Bujupi, Sturm, Kosovo
Ermedin Demirović, Sturm, Bosnien-Herzegowina
Wahid Faghir, Sturm, Dänemark
Fabian Rieder, Mittelfeld/Sturm, Schweiz
Mohamed Sankoh, Sturm, Niederlande
El Bilal Touré, Sturm, Mali.
Mehrere im Kader geführte Spieler haben nach öffentlich verfügbaren biografischen Angaben einen Migrationshintergrund (in Deutschland geboren, familiäre Wurzeln im Ausland). Dazu zählen insbesondere:
Deniz Undav – deutsche Nationalität; türkische Familienvorläufe.
Chris Führich – deutsche Nationalität; polnische Wurzeln.
Nick Woltemade – deutsche Nationalität; väterlicherseits gambische Wurzeln.
Jamie Leweling – deutsche Nationalität; mütterlicherseits vietnamesische, väterlicherseits deutsche Wurzeln.
Justin Diehl – deutsche Nationalität; italienische Wurzeln.
Thomas Kastanaras – deutsche Nationalität; griechische Wurzeln.
Angelo Stiller – deutsche Nationalität; italienische Wurzeln.
Yannik Keitel – deutsche Nationalität; familiäre Wurzeln (u. a. italienisch).
Josha Vagnoman – deutsche Nationalität; ivorische Wurzeln.
Maximilian Mittelstädt – deutsche Nationalität; familiäre Wurzeln (u. a. polnisch).
Somit bestand fast die gesamte Finalelf des VfB im Jahr 2025 aus Spielern mit einer Migrationsgeschichte und der Kader des VfB präsentierte sich uns als eine multikulturelle Gesellschaft, die aus insgesamt 13 Nationen stammt.
Der Profikader des VfB Stuttgart in der Saison 2026/2027 ist so international zusammengesetzt wie jener im Jahr 2025. Die Spieler kommen aus insgesamt 15 verschiedenen Nationen. Die größte Gruppe bilden deutsche Spieler mit 16 von insgesamt 30 Profispielern. Weitere Nationen sind unter anderem die Schweiz, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Marokko, die Türkei, Dänemark, Serbien, Spanien, Portugal, Bosnien und Herzegowina, Ecuador, Algerien und die Slowakei. Die internationale Zusammensetzung des Kaders bringt unterschiedliche Spielkulturen, Erfahrungen und sportliche Fähigkeiten in die Mannschaft ein. Die Arbeit mit einem derart international geprägten Kader setzt auch eine tägliche Bereitschaft zum interkulturellen lernen voraus, was allen Beteiligten ganz offensichtlich sehr gut gelingt.
Damit zeichnet der VfB ein Bild, das mittlerweile typisch für den modernen Profifußball ist.
Nahezu dasselbe Bild zeigt sich uns, wenn wir den FC Bayern München, Borussia Dortmund und noch drei weitere Champions League Mannschaften betrachten
FC Bayern München
Dem Profikader des FC Bayern für die Saison 2026/27, der 26 Spieler umfasst, gehören Spieler aus 12 verschiedenen Ländern an:
Aus Deutschland kommen die Spieler Manuel Neuer, Jonathan Tah, Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Serge Gnabry und Tom Bischof. Aus Frankreich stammen Dayot Upamecano, Michael Olise, aus Südkorea Minjae Kim, aus Kanada Alphonso Davies, aus Japan Hiroki Ito, aus Kroatien Josip Stanišić, aus Österreich Konrad Laimer, aus England Harry Kane, aus Kolumbien Luis Díaz, aus Marokko Ismael Saibari. Nathaniel Braun besitzt auch eine US- Staatsangehörigkeit.
Der FC Bayern hat damit einen sehr internationalen Profikader. Besonders stark vertreten ist Deutschland, daneben kommen Spieler aus Europa, Nordamerika, Asien und Südamerika. Die Nationalität ist dabei nicht immer identisch mit dem Geburtsort: Josip Stanišić wurde beispielsweise in München geboren, besitzt aber laut FC Bayern die kroatische Nationalität. Michael Olise wurde in London geboren und wird vom FC Bayern als französisch geführt.
FC Barcelona
Dem Kader des FC Barcelona gehören derzeit 29 Spieler an. Sie kommen aus 13 verschiedene Nationen. Nach dem letzten Transfer Termin wurden die folgenden Spieler bestätigt:
Jean Garcia Spanien; Wojciech Szczęsny Polen; Dominik Livaković Kroatien; Eder Aller Spanien; João Cancelo Portugal; Alejandro Balde Spanien; Pau Cubarsí Spanien; Ronald Araújo Uruguay; Andreas Christensen Dänemark; Jules Koundé Frankreich; Eric García Spanien; Gerard Martín Spanien; Iñigo Martínez Spanien; Rodrigo Hernández Spanien, Frenkie de Jong Niederlande; Pedri Spanien; Gavi Spanien; Fermín López Spanien; Marc Bernal Spanien; Dani Olmo Spanien; Fermin Espart Spanien; Gabriel Jesus Brasilien; Lamine Yamal Spanien; Raphinha Brasilien; Karim Adeyemi Deutschland; Anthony Gordon England; Roony Bardghji Schweden; Jesse Bisiwu Belgien; Hamza Abdelkarim Marokko.
FC Liverpool
Der aktuelle Liverpool-Kader für die Saison 2026/27 ist sehr international. Er umfasst 30 Spieler. Nach aktuellen Kaderdaten kommen die Profis aus 18 verschiedenen Nationen:
Torhüter: Alisson Becker Brasilien; Giorgi Mamardashvili Georgien; Freddie Woodman England; Vítezslav Jaroš Tschechien; Harvey Davies England
Abwehrspieler: Joe Gomez England; Virgil van Dijk Niederlande; Jérémy Jacquet Frankreich; Miloš Kerkez Ungarn; Conor Bradley Nordirland; Giovanni Leoni Italien; Konstantinos Tsimikas Griechenland; Jeremie Frimpong Niederlande; Ronald Araújo Uruguay; Luke Chambers England; Isaac Mabaya England
Mittelfeldspieler: Wataru Endō Japan, Florian Wirtz Deutschland; Dominik Szoboszlai Ungarn; Alexis Mac Allister Argentinien; Ryan Gravenberch Niederlande; Trey Nyoni England; James McConnell England
Angreifer: Alexander Isak Schweden; Federico Chiesa Italien, Cody Gakpo Niederlande; Hugo Ekitiké Frankreich; Víctor Muñoz Spanien; Bradley Barcola Frankreich; Lewis Koumas Wales; Rio Ngumoha England
Lucca Brughmans wurde zwar von Liverpool verpflichtet, bleibt laut Verein jedoch während der gesamten Saison 2026/27 auf Leihbasis bzw. weiterhin bei KRC Genk und gehört daher nicht zum unmittelbar verfügbaren Liverpool-Kader.
Der FC Liverpool hat damit Spieler aus Europa, Südamerika und Asien im Kader.
Paris St. Germain
Die Spieler von Paris Saint-Germain kommen aus 12 verschiedenen Nationen. Für die Saison 2026/27 zeigt der aktuelle PSG-Kader von 24 Spielern eine sehr internationale Zusammensetzung:
Lucas Chevalier Frankreich; Matvey Safonov Russland; Louis Mouquet Frankreich; Achraf Hakimi Marokko, Lucas Beraldo Brasilien; Marquinhos Brasilien; Illia Zabarnyi ; Lucas Hernández Frankreich; Willian Pacho Ecuador; Nuno Mendes, Portugal; Lucas Digne Frankreich; Noham Kamara Frankreich; Vitinha Portugal; Fabián Ruiz Spanien; Jaoe Neves Portugal; Warren Zaïre-Emery Frankreich; Senny Mayulu Frankreich, Désiré Doué Frankreich; Ibrahim Mbaye Frankreich, Dro Fernández Spanien, Ousmane Dembélé Frankreich; Ferran Torres Spanien; Khvicha Kvaratskhelia Georgien; Mika Godts Belgien; Maghnes Akliouche Frankreich; Quentin Ndjantou Frankreich
Borussia Dortmund
Der BVB führt derzeit 31 Kader Spieler. Sie kommen aus 18 unterschiedliche Nationen.
Aus Deutschland kommen 10 Spieler:
Alexander Meyer Tor; Patrick Drewes Tor; Silas Ostrzinski Tor; Waldemar Anton Innenverteidigung; Nico Schlotterbeck Innenverteidigung; Emre Can Mittelfeld; Felix Nmecha Mittelfeld; Maximilian Beier Angriff; Mussa Kaba, Marwan-Omir Mirza.
21 Spieler weisen eine andere Staatsangehörigkeit auf.
Zu den ausländischen Spielern zählen:
Gregor Kobel (Schweiz), Ramy Bensebaini (Algerien), Julian Ryerson (Norwegen), Daniel Svensson (Schweden), Jobe Bellingham und Ethan Nwaneri (England), Marcel Sabitzer und Carney Chukwuemeka (Österreich), Joey Veerman (Niederlande), Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias (Griechenland), Serhou Guirassy (Guinea), Fábio Silva (Portugal), Joane Gadou (Frankreich), Kauã Prates (Brasilien) und Justin Lerma (Ecuador).
Von den 31 Spielern weisen mehr als 20 einen Migrationshintergrund auf.
Was der Profifußball zum Ausdruck bringt
Die deutsche Fußballbundesliga zeigt sich uns heute als eine multikulturelle Gesellschaft, in der Spieler aus der ganzen Welt einen entscheidenden Beitrag für das hohe Niveau erbringen, auf dem in Deutschland in dessen höchster Liga im Jahr 2026 Fußball gespielt wird. Sie sind mit einer der Gründe, warum der Fußball der Lieblingssport der Deutschen ist und Millionen von deutschen Fans sich Woche für Woche mit „ihrer“ Mannschaft und „ihren“ Spielern identifizieren.
Das Merkmal des Multikulturalismus kennzeichnet den internationalen Fußball weit über Deutschland hinaus. Die Premier League in Großbritannien ist ebenso multikulturell wie dies die ersten Ligen Spaniens, Frankreichs und Italiens sind. Ein besonders auffallendes Beispiel für eine kosmopolitische Ausrichtung des Weltfußballs bietet uns die höchste Liga in Saudi-Arabien.
In den besten Fußballmannschaften der Welt ist es ganz offensichtlich normal geworden, dass Tag für Tag Spieler aus aller Herren Länder gemeinsam trainieren, Wettkämpfe bestreiten, Siege feiern und auch Niederlagen gemeinsam verarbeiten. Multikulturell ist mittlerweile auch die internationale Trainergemeinschaft geworden. Was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen ist, ist heute möglich geworden. Eine englische Nationalmannschaft wird von einem deutschen Trainer trainiert. Der traditionsreiche FC Bayern München hat heute einen Belgier an seiner Spitze. FC Barcelona wird von einem deutschen Trainer trainiert. Saint-Germain, Paris, Arsenal London, Aston Villa und Manchester City werden von Spaniern trainiert.
Bei Real Madrid und beim FC Liverpool hat ein Portugiese bzw. ein Holländer das Sagen. Bayern München, Paris Saint-Germain, Manchester United, Chelsea, Liverpool, Manchester City, Inter Mailand, Real Madrid, FC Barcelona und Borussia Dortmund gehören zu den zehn erfolgreichsten Fußballmannschaften aller Zeiten. Betrachten wir die derzeitigen Kader dieser zehn Mannschaften, so weisen deren Spieler 40 unterschiedliche Nationalitäten auf. Der Anteil von Ausländern in den jeweiligen Mannschaften übertrifft bei einigen den Anteil jener Spieler, die aus dem Land stammen, dem der Fußballklub angehört. Jeder dieser Clubs ist in gewisser Weise ein sog. „Multikulti Club“.
Meloni, Farage, Dobrindt, Merz, Söder, Von der Leyen, Le Pen etc.- Genug der Heuchelei!
Angesichts dieser Situation ist die weltweit anzutreffende Anti-Migrationspolitik geradezu eine Ausgeburt der Heuchelei. Die europäischen EU-Mitgliedsnationen feiern die Sieger ihrer besten Fußballklubs und ihrer Fußballnationalmannschaften, in denen mehrheitlich Migranten spielen. Gleichzeitig suchen sich europäischer Politiker jedoch in ihrer Anti-Migrationspolitik gegenseitig zu übertreffen. Wenn dann noch einige europäische Politiker „Re-Migration“ zum Programm erheben, ist der Gipfel politischer Dummheit erreicht.
Wäre dies schon bedenklich genug, so wären die Auswirkungen dieser menschenfeindlichen Politik für unser Land geradezu katastrophal und dramatisch, weil davon dann auch Bereiche wie das Gesundheitswesen, der Bereich der Bildung, das Hotel- und Gaststättengewerbe und wichtige weitere Dienstleistungstrukturen unserer Gesellschaft betroffen wären. Das deutsche Gesundheitswesen würde ohne Migranten zusammenbrechen, auch die meisten industriellen Arbeitsplätze wären von heute auf morgen gefährdet. Das Gaststättengewerbe und die Hotels sind in Europa heute ohne Migranten nicht mehr zu denken und nicht mehr zu betreiben. Von den „niedrigeren“ Dienstleistungen muss erst gar nicht gesprochen werden.
Die in der EU politisch verantwortlichen Personen und die deutsche Bundesregierung sprechen von einer Migrationsgefahr, die objektiv betrachtet weltweit nirgendwo besteht. Weltweit gibt es wohl circa 340 Millionen Menschen, die als Migranten, Geflüchtete oder Vertriebene gezählt werden. Dies sind weniger als 4 % der Weltbevölkerung. Die offiziellen Statistiken zur Migration in die EU und in die Bundesrepublik sind keineswegs besorgniserregend. Vielmehr sind sie mindestens seit zwei Jahren kontinuierlich rückläufig. Durch eine irreführende massenmediale Beeinflussung insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender wird in der deutschen Bevölkerung eine Angst vor einer „Migrationswelle“ erzeugt, die jeder empirischen Basis entbehrt. Die Infragestellung des Schengen-Abkommens und die völlig unnötigen Grenzkontrollen innerhalb der EU haben nicht nur ökonomisch eine verheerende Wirkung. Sie schaden auch weltweit dem Ansehen der europäischen Nationen. Der Migrationsdruck sinkt nicht durch Abschreckung. Die diesbezüglichen wissenschaftlichen Befunde sprechen hierzu eine eindeutige Sprache.
Dabei ist Deutschland auf Immigration so sehr angewiesen wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Wir steuern auf eine massive Überalterung zu. In den kommenden zehn Jahren geht allein die Hälfte des Personals des öffentlichen Dienstes in Rente, ganz zu schweigen vom drohenden Pflegenotstand und vom Fachkräfte-Bedarf am Arbeitsmarkt. Die Vorstellung eines ethnisch und kulturell homogenen deutschen Volkes ist nicht nur abstrus, sie ist vielmehr auch selbstzerstörerisch. Die Frage, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist oder nicht, ist längst geklärt. Heute muss es darum gehen, wie dieses Einwanderungsland Deutschland zu gestalten ist, wer mitreden darf, wer wen in dieser Gesellschaft repräsentiert und was alles Teil der Erinnerungskultur dieser Gesellschaft sein muss.
Der internationale Fußball zeigt uns, dass wir längst in einer multikulturellen Gesellschaft und Weltordnung angelangt sind, in der Zusammenarbeit das Gebot der Stunde ist. Gewiss hat der weltweit sich ereignete Prozess der Globalisierung auch einige Probleme aufzuweisen. Doch wer den Rückgang der Armut und die Wohlstandsentwicklung auf der Welt in den letzten Jahrzehnten beobachtet hat, der wird sehr schnell erkennen, dass es für die Globalisierung und für eine fortschreitende, internationale Zusammenarbeit keine Alternative gibt. Ein Rückfall in eine nationale „Lagerbildung“ gefährdet all das, was in den vergangenen Jahrzehnten durch eine fortschreitende Internationalisierung erreicht wurde.
Der Profifußball kann dabei durchaus stolz sein, dass er sich heute als ein Aushängeschild des Internationalismus und des Universalismus präsentieren kann.
Die multikulturelle Gesellschaft des Weltfußballs, wie sie bei den Profimannschaften vor allem in Europa angetroffen werden kann, zeichnet sich durch Weltoffenheit, durch Wertschätzung eines Menschen dank seiner Leistung, und nicht wegen seiner ethnischen oder religiösen Herkunft aus. Jeder ist willkommen, wenn er bereit ist, sich dem Leistungsprinzip zu „stellen“. Die Besten sollen dabei gewinnen.
Damit ist der Profifußball durchaus ein Repräsentant einer friedlichen Welt, wie man sie sich auch für die Welt außerhalb des Fußballs wünschen möchte.
Mein „Fund“ hat jedoch eine besondere Schwäche. Die von mir aufgezeigte multikulturelle Gesellschaft des Weltfußballs ist sich bis heute ihrer Möglichkeiten nicht bewusst, die sie als Mediator in einer von Kriegen gekennzeichneten Welt haben könnte. Dabei gibt es durchaus erfolgreiche Trainer der Champions League, die sich der besonderen Rolle des Sports auch in Bezug auf den Weltfrieden bewusst sind. Vermutlich gibt es auch den einen oder anderen Präsidenten eines international erfolgreichen Fußballklubs, der diese Zusammenhänge erkennt und sich wünschen würde, dass der Weltfußball eine aktive Rolle in der aktuellen und zukünftigen Friedenspolitik spielen könnte. Immerhin wird Paris Saint-Germain von Nasser Al Kalafi aus Katar geführt. Manchester City hat Al Mubarak von den Vereinigten Arabischen Emiraten an seiner Spitze und Arsenal und Liverpool haben US- Vorstände. Der Welt-Fußball bietet hierfür bereits eine ganze Reihe von organisatorischen Strukturen, auf denen eine Friedensinitiativen zur Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, zwischen USA und dem Iran oder zwischen Israel und den Palästinensern aufgebaut werden könnten. Damit die hier beschriebenen Zusammenhänge nicht als eine visionäre Utopie belächelt werden, wäre es allerdings erforderlich, dass sich vor allem die Verantwortlichen der Champions League, der UEFA und der FIFA und der erfolgreichsten Nationalmannschaften ihrer kommunikativen und integrativen Bedeutung bewusstwerden. Sie müssten sich selbst – auch im Schulterschluss mit dem IOC und weiteren Internationalen Sportverbänden – als geeignete Friedensmediatoren für die brennenden Konflikte erkennen und die Friedenspolitik des Sports an vorderster Stelle ihrer Tagesordnungen bearbeiten. Deutscherseits könnte dies für Herren wie Watzke, Neuendorf, Hoeneß, Hainer, Minzlaff, Klopp etc. eine ihrer vornehmsten Aufgaben sein, die sie sich zumindest bei ihrer Arbeit für den Fußball noch vornehmen könnten.
Letzte Bearbeitung: 11. September 2026
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.