Missbrauchter und ekelerregender Fußballsport, oder: Wie eine Show zum Skandal wird

Helmut Digel

Der Spiegel: „Üble Zurschaustellung politischer Speichelleckerei“; Fokus online: „Am Tiefpunkt angekommen“; FAZ: „Auslosung des WM-Turniers als Karneval des Fremdschämens“; The Mirror: „Ein widerwärtiges Theaterstück“; The Guardian: „Es war ungefähr so spannend wie das Lesen eines Wörterbuches, oder das Verfolgen der Wahlergebnisse aus Nordkorea“.

 Was war passiert?

Am 5. Dezember fand in der US Hauptstadt Washington DC. die Auslosung zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2026 statt, die in den Ländern Kanada, Mexiko und USA ausgetragen wird. Beginn der Veranstaltung im „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ war um12:00 Uhr Ortszeit, um 18:00 Uhr deutscher Zeit. Ausgelost wurden dabei zwölf Gruppen mit jeweils vier Nationen, die dann im nächsten Jahr in Vorrundenspielen, die Qualifikanten für die weiteren Runden des bevorstehenden WM-Turniers ausspielen sollen.

Moderiert wurde die als „Show“ angekündigte Veranstaltung von dem deutschen „Modell“ Heidi Klum und den US-amerikanischen Schauspielern Kevin Harde und Dani Ramirez. Die Lose aus den mehrfach manipulierten Lostöpfen wurden von vier Legenden des amerikanischen Profisports – Tom Brady (Football), Wayne Gretzky, (Eishockey), Shaquille, O’Neal (Basketball), und Aaron Judge (Baseball) gezogen. Mit dieser Auswahl wollte die FIFA die Sportkultur der Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko ehren. Der sportliche Teil der Zeremonie wurde von einem Ex Fußballprofi namens Rio Ferdinand moderiert.

Wie es mittlerweile für jedes größere Sport Event üblich geworden ist, wurde auch diese Show mit einem Staraufgebot angereichert. Im Kennedy Center waren es der italienische Tenor Andrea Bocelli und der Pop Künstler Robbie Williams, begleitet von Nicole Scherzinger. Den Abschluss der Show bildete die Gruppe „Village People“, die dem weltweiten Publikum mit ihrem Hit „YMCA“ möglicherweise schon bekannt gewesen sind. Der „besondere Gast“ der Show war – wie nicht anders zu erwarten – US Präsident Donald Trump.

Ebenfalls – wie mittlerweile üblich – wurde die Show mit einer Laser-Inszenierung und dramatischer Fanfahren-Musik eingeleitet. Auf dem übergroßen Videoscreen wurden alle teilnehmenden Nationen in all ihren Sprachen   willkommen geheißen.

Mit dramatischer Show Musik wurde dann die Auslosung eingeleitet. Die Namen der zukünftigen Spielorte werden eingeblendet, und sämtliche FIFA- Sponsoren sind mit ihren Logos präsent.

Dann ist es endlich so weit. Mit erneuten Fanfarentönen und Lichtspielen wird ein kurzes Video eingespielt, in dem das amerikanische Parlament, Washington und viel Prominenz gezeigt wurden, die später noch einmal eine Rolle spielen sollten. Mit dramatischer Ansagerstimme wird nunmehr die eigentliche Eröffnung angekündigt:

Der italienische Tenor Andrea Bocelli singt nun eine Arie aus Turandot. Trump und Infantino werden als aufmerksame Zuhörer eingeblendet. Bocelli wird von acht Streichern und einem großen Chor begleitet. Im Hintergrund dominiert der ständig sich um sich selbst drehende überlebensgroße goldene Weltcup der FIFA die gesamte Bühne. Danach treten mit Musik und Applaus Heidi Klum und Kevin Harde auf die Bühne, um durch ein Event zu führen, das zweieinhalb Stunden andauern sollte und das wohl an Langweiligkeit kaum übertroffen werden kann. Allein das Glitzerkleid in Gold der Dame auf der Bühne und im Gegensatz dazu das schwarze Outfit eines ständig herumhampelnden Kevin Hard ließen einiges von dem vermuten, was danach auf die Zuschauer zukommen würde.

Der vulgäre Charakter dieser Show und das eigentlich Abstoßende, den diese Show hoffentlich bei vielen Betrachtern hervorgerufen hat, begann jedoch erst so richtig mit dem Aufruf des Sprechers, mit dem er Infantino bat, die Bühne zu betreten, um damit einer der unerträglichsten Selbstinszenierungen eines arroganten und größenwahnsinnigen Narzissten den Weg zu bereiten, die ich bislang in der Welt des Sports betrachten konnte.

Infantino zeigt sich zunächst multilingual und begrüßt in allen denkbaren Sprachen die Gäste mit einem Willkommensgruß. Dann fährt er fort: “Welcom in the language of Football, which is the language of passion, which is the language of love, which is the language of happiness …You should know that the FIFA is the “Official Happiness Provider for Humanity” since over 100 Years. Right! Now before we start: I welcome and greed a very Special Guest that we have tonight, please give your applause for the President of the United States of America, Mister Donald “J”. Trump“.

Danach fuhr Infantino mit einer an Eigenlob kaum zu überbietenden Ansprache voller Superlative in Bezug auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft fort: „Greatest event ever, that humanity ever saw and will ever see“, „Sixteen wonderful cities“, „Seven million spectators in the Stadium“, „Six Billion people watching on Television“, „As much as one hundred Superbowls in one month“, „Tonight that is not only a move. We have the best presenters, the best artists, the best drawers, the best public. The-Kennedy-Center is sold out with two thousand spectators; one billion spectators are watching the draw“.

Als den besten „Präsenter“ sieht Infantino jedoch sich selbst, und so stachelt er das Publikum an, indem er die Amerikaner im Saal zu einem „USA, USA, USA“ Schrei nötigt. Danach müssen alle Kanadier „Kanada, Kanada, Kanada“ brüllen, und schließlich sind die Mexikaner an der Reihe, um „Mexiko, Mexiko, Mexiko“ zu rufen, nachdem Infantino mit „uno, dos, tres“ das Kommando dafür gab, und um am Ende „mui bien“ in den Saal zu rufen.

Dann begann der Hauptteil, der zur Mittagszeit in Washington, D.C. stattfindenden Schande. Infantino führte in die Friedensverleihung des „FIFA-Friedenspreises“ an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika „Hon. Donald Trump“ ein.

Infantino führte in seiner Laudatio zunächst aus, dass die Einführung des neuen, jährlich zu verleihenden FIFA-Friedenspreises, Personen auszeichnen soll, die sich durch „außergewöhnliche Taten für Frieden und Einheit der Welt“ hervorgetan haben, auch ohne direkten Bezug zum Fußball.

Seine zentralen Punkte zur Würdigung Trumps waren: „Das ist Ihr Preis“…Er ist eine Anerkennung für „außergewöhnliche und herausragende Handlungen zur Förderung von Frieden und Einheit auf der ganzen Welt.“ Für Infantino wird mit dem Preis die außergewöhnliche Friedensleistung des US-Präsidenten anerkannt, die er bei den Abkommen im Nahen Osten sowie bei Einigungen von Konflikten zwischen mehreren Ländern wie Thailand und Kambodscha, DR Kongo und Ruanda geleistet hat. Ganz im Sinne der von ihm intendierten Selbstdarstellung weist Infantino dabei darauf hin, dass er selbst überall dabei anwesend war und dabei vor Ort die Friedensleistungen des US-Präsidenten authentisch erleben konnte. Infantino betonte, wie wichtig es sei, dass die geehrte Person sich auch in Zukunft für den Weltfrieden einsetze, denn dieser sei der „einflussreichste Mann der Welt“.

Präsident Trump nahm die Auszeichnung in der für ihn mittlerweile typisch gewordenen, majestätischen Haltung entgegen und „grabschte“ sich die von einer jungen Dame auf einem Samtkissen hereingebrachte Medaille mit beiden Händen und hängte sie sich selbst um den Hals. In einer kurzen Antwort Rede bedankte er sich dann für die Auszeichnung. Seine wichtigsten Aussagen waren: „Das ist eine der größten Ehrungen meines Lebens.“ Er behauptete, „acht Kriege beendet“ und „Millionen und Abermillionen Menschen gerettet“ zu haben, und bezog sich auf zahlreiche Vereinbarungen, die angeblich durch seine Bemühungen zustande gekommen seien. In der ihm eigenen „Bescheidenheit“ – wie er wohl immer aufzutreten weiß – sagt er in einem Nebensatz, dass er Friedenspreise nicht benötigt, er wolle nur Menschenleben retten.

Dann lobte er seinen „Freund“, den FIFA-Präsidenten als einen, der „einen unglaublichen Job“ mache und dankte der FIFA für die Auszeichnung. Er stellte in Aussicht, dass die bevorstehende Weltmeisterschaft die größte Veranstaltung sein werde, die die Welt je gesehen habe, und wies auch auf die gute und enge Zusammenarbeit mit den Co-Gastgeberländern Mexiko und Kanada hin. Und wie es für den Geschäftsmann Trump sich ziemt, ist er begeistert von den Vorverkaufszahlen, die angeblich alle Erwartungen übertreffen.

Auf die viel zu langatmige Auslosung selbst, die nach einem weiteren Showauftritt erfolgte, soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Im Zeitalter von KI und den damit verbundenen digitalen Möglichkeiten, konnte die Auslosung allenfalls in ihrer Einfallslosigkeit überraschen. Für die anwesenden Nationaltrainer und Präsidenten der Fußballverbände war es sicher spannend, am Ende zu wissen, wer mit wem in welcher Gruppe nun spielen wird. Einige Länder waren eher zufrieden, andere konnten ihre Enttäuschung nicht verbergen. Typisch für die pompöse FIFA-Show war, dass die Spielorte für die einzelnen Spiele erst einen Tag später bei einer erneuten Liveübertragung bekannt gegeben wurden.

Der eigentliche Skandal dieser Veranstaltung muss jedoch bei den Verantwortlichen der FIFA verortet werden und hier vor allem beim Präsidenten selbst. Fußball kann durchaus ein sehr schönes Spiel sein, in welchem sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen unterschiedlicher Nationen begegnen, wo Spieler unterschiedlicher ethnischer Herkunft gemeinsam eine Mannschaft bilden. Der Fußballsport hat durchaus eine Friedensbotschaft zu übermitteln, die man jedoch nicht überbeanspruchen darf. Kriege werden dadurch nicht verhindert und Frieden kann ein Fußballspiel nicht hervorrufen, wenn die für die Kriege Verantwortlichen es nicht wollen.

Der Skandal von Washington ist darin zu sehen, dass die FIFA der Politik, und dabei noch einer äußerst fragwürdigen menschenverachtenden und rassistischen Politik eine Bühne bot, wie sie weder zuvor und hoffentlich nie mehr wieder der Sport der Politik geboten hat.

Es darf deshalb nicht überraschen, dass die Verleihung des erstmaligen FIFA- Friedenspreises an Donald Trump international überwiegend negative und kritische Resonanz, insbesondere in den Medien und den Menschenrechtsorganisationen, hervorgerufen hat. Die Kritik zielt dabei hauptsächlich auf Präsident Infantino und die Legitimität des Preises wird zu Recht infrage gestellt.

Es wird bemängelt, dass der Preis erst kurz vor der Verleihung ins Leben gerufen wurde, ohne transparente Kriterien, ohne ein klares Auswahlverfahren und ohne dass klar ist, wer ein Vorschlagsrecht hat. Zu Recht wird dieser Preis als ein „Freundschaftsdienst“ oder als ein Manöver von FIFA-Präsident Infantino angesehen, mit dem dieser seine enge Beziehung zum Hauptgastgeber der WM 2026 und speziell zu Donald Trump zur Schau stellen wollte. Für einen Teil der internationalen Presse ist diese „Infantino-Action“ ein weiterer Beleg für die zunehmende politische Inanspruchnahme und Vereinnahmung der FIFA unter Infantino, der bereits enge Beziehungen zu autoritären Staatsoberhäuptern, z.B. in Russland, Saudi-Arabien und Qatar zu pflegen weiß. Zahlreiche Medien bezeichnen die Veranstaltung als eine peinliche Farce, sie sei „kitschig“ und „protzig“ gewesen. Sie stellt einen weiteren Tiefpunkt in der Entwicklung der FIFA dar. Das Verhalten des Präsidenten gegenüber Trump wird als „erniedrigend“ bezeichnet.

Besonders hart fiel die Kritik von zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Beobachtern aus. Die „American Civil Liberties Union“ warnte, dass die FIFA riskiere, zu einer Bühne für Autoritarismus zu werden, indem sie Trump einen Preis verleihe, anstatt ihm die „Rote Karte“ zu zeigen. Human Rights Watch kritisiert das Fehlen eines transparenten Verfahrens und stellt die Eignung Trumps als Friedensstifter angesichts seiner Politik und seiner Rolle in internationalen Konflikten infrage. Ein ukrainischer Vertreter bezeichnete im Vorfeld die mögliche Auszeichnung Trumps als Affront gegenüber Hunderten von Ukrainern, die unter dem Angriffskrieg Russlands leiden. In US- amerikanischen Medien wird von Kommentatoren meist weniger kritisch darauf hingewiesen, dass der Preis als Gegenleistung für Trumps politische Unterstützung bei der Organisation und Durchführung des Turniers wahrgenommen wird. Die Auslosung selbst geriet demnach in den Hintergrund. Trump war der „unbestrittene Star der Auslosung“, wodurch der eigentliche Fußballanlass „überschattet“ wurde.

Es lässt sich an dieser Stelle sagen, dass die internationale Resonanz weit überwiegend negativ und kritisch war und die Verleihung weniger als eine Ehrung Trumps, sondern vielmehr als ein weiterer Reputationsverlust und Reputationsschaden der FIFA wahrgenommen wurde.

Für den kritischen Beobachter dieser Show stellt sich nun jedoch die Frage, ob dies von den Verantwortlichen des Weltfußballs, von den Stakeholdern, die ihren ökonomischen Nutzen aus diesem schönen Sportspiel ziehen, in gleicher Weise beurteilt wird und was sie öffentlich zu diesem Skandal zum Ausdruck gebracht haben.

Mittlerweile ist es glücklicherweise naheliegend und erwartbar, dass zu dieser „Alten Männer Show“ von Washington – es waren fast ausschließlich Männer und meist sehr alte Fußballfunktionäre anwesend – die erste kritische Stimme aus den Reihen des Fußballsports von einer Frau stammt, die in Skandinavien zu Hause ist.

Die Präsidentin des norwegischen Fußballverbands, Lise Klaveness, äußerte sich nach der Verleihung, sie könne die Preisvergabe „nicht ganz ernst nehmen“, da es keine objektiven Kriterien, kein Jury-Verfahren und keine klare Legitimation gebe.  Auch die mir bislang einzig bekannte kritische Trainerstimme kam aus Skandinavien. Der norwegische Nationaltrainer Ståle Solbakken bezeichnete das Ganze als „surrealistische Unterhaltung“ bzw. als „seltsame Show“ (“surrealistisk underholdning / a strange spectacle”).

Aus der Sicht von Deutschland ist von Interesse, wie der Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Julian Nagelsmann und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes Neuendorf, die Show gegenüber der Presse kommentiert haben. Julian Nagelsmann äußerte sich gemäß der SZ zurückhaltend optimistisch: Der Preis solle nicht nur Show sein — er sehe darin einen „Anreiz für Frieden“, und Trump sei „der einflussreichste Mann der Welt“, daher müsse der Preis mit echten Friedensbemühungen verbunden sein.  Das heißt: Nagelsmann gibt der Vergabe zumindest eine Chance — aber mit einer Erwartung, dass echte Taten folgen. Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, sagte er, dass er   erwarte, dass mit einem solchen Preis ein ernst gemeinter Anreiz verbunden sei: „Für mich ist es wichtig, dass mit so einem Preis … immer auch ein Anreiz für Frieden auf der Welt einsetzt.“ Er betonte dabei, dass Trump als einflussreiche Persönlichkeit „viel für den Frieden“ tun könne — und dass der Preis nicht nur Symbol, sondern Verpflichtung sein sollte.

Von DFB-Präsident Bernd Neuendorf gibt es mehrere Zitate zum fragwürdigen Ereignis. Neuendorf verteidigte die Preisvergabe und sagte gegenüber „Bild“ sinngemäß, dass die USA und Trump eine entscheidende Rolle beim Abschluss des Friedensabkommens im Nahen Osten gespielt hätten – und daher die Auszeichnung „anerkennenswert“ sei.  Er verwies darauf, dass viele aus deutscher Sicht froh gewesen seien, dass der Konflikt im Nahen Osten beendet wurde, und dass diese Entwicklung ohne den Einsatz der USA und Trumps kaum möglich gewesen sei.  Bernd Neuendorf verteidigte somit die Preisvergabe. Er sagte laut Bild: „Wir waren alle gemeinsam froh, als der Konflikt im Nahen Osten beendet wurde … das wäre wahrscheinlich ohne die USA und ohne den Einsatz des Präsidenten nicht möglich gewesen. Insofern ist das anerkennenswert, was da passiert ist.“ Und er fuhr fort:

„Also wir sind hier nicht in Europa, wir sind in den USA. … Das kennen wir vom Super Bowl und anderen Sportereignissen. Also mich hat das überhaupt nicht überrascht.“
Damit gibt Neuendorf zu verstehen, dass er Show-Elemente genauso wie die Ehrung selbst nicht problematisch findet- sowohl kulturell (USA vs. Europa) als auch politisch (im Sinne einer Wertschätzung von Trumps Rolle bei internationalen Friedensbemühungen).  Demnach sieht der DFB unter Neuendorfs Führung keinen Anlass zur Kritik gegenüber der Preisvergabe und der mit der WM-Auslosung verbundenen Show. Die bisher bekannten Aussagen zeigen, dass der DFB — vertreten durch Neuendorf — die Preisvergabe offenbar als legitime Anerkennung von globalen Friedensbemühungen sieht und weniger als politische Kampagne.

Weitere Stimmen aus dem DFB-Umfeld oder von Spielern fehlen bislang. Und es existiert keine erkennbare offizielle DFB-Richtlinie, wie der Verband grundsätzlich zu politischen Ehrungen steht.

Die Überschrift zu diesem Essay wurde bewusst gewählt: „Missbrauchter und ekelerregender Fußballsport“, denn für den Fußballsport ist nicht nur Infantino verantwortlich. Verantwortlich sind diejenigen, die ihn gewählt haben, sein Council, in dem auch ein deutscher DFB- Präsident Sitz und Stimme hat und sich großzügig dafür entlohnen lässt. Verantwortlich sind auch die Präsidenten aller übrigen FIFA-Mitgliedsverbände, verantwortlich sind die Gewerkschaften der Profifußballer ebenso wie die Trainer und Manager der Profispieler und Profimannschaften und nicht zuletzt auch die Profifußballer selbst. Sind sie zur Übernahme ihrer Verantwortung bereit, so haben sie diesem ekelerregenden, größenwahnsinnigen und machtbesessenen FIFA-Präsidenten die „rote Karte“ zu zeigen, in dem sie zumindest dessen Rücktritt fordern. Infantino muss durch eine Abwahl aus dem für den Weltfußball so wichtigen Präsidentenposten entfernt werden. Von DFB-Präsident Neuendorf muss zumindest erwartet werden, dass der DFB von seinem Antragsrecht Gebrauch macht und beim nächsten FIFA- Kongress die Abwahl von Infantino beantragt. Doch darauf werden wir vermutlich vergeblich warten.

Doch nicht nur die Verantwortlichen des Fußballsports sind für den „Infantino/Trump Skandal“ verantwortlich. Auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender – nicht nur von Deutschland –  müssen sich fragen lassen, warum sie eine derartige Veranstaltung auf Kosten ihrer Steuerzahler teilweise in voller Länge live übertragen und es dabei lediglich zu Alibi-Distanzierungen kommt. Eine Übertragung eines der Länderspiele der gleichzeitig stattfindenden Frauen-Handballweltmeisterschaft wäre weit mehr als ein geeigneter Ersatz gewesen.

So wie es Aufgabe aller Demokraten in den USA ist, den Psychopathen und Narzissten Trump mit allen möglichen und erlaubten Verfassungs-Mitteln über ein Amtsenthebungsverfahren zu entmachten, damit auch die Vereinigten Staaten in der weiteren Zukunft als größte Demokratie der Welt ihre Schutzfunktionen in Kooperation mit allen übrigen Demokratien dieser Erde wieder ausüben kann. Dazu muss allerdings auch gehören, dass die politisch Verantwortlichen in den europäischen Demokratien sich jeglicher Zusammenarbeit mit Trump verweigern. Es müssen heuchlerische und devote Handlungen beim politisch notwendigen Zusammenwirken mit den USA unterlassen werden und die westlichen Demokratien müssen sich auch deutlich an die Seite jener amerikanischen Bürgerinnen und Bürger stellen, die sich dort für den Erhalt der Demokratie einsetzen.

„Es sind die Fußballfans weltweit, die hilflos zusehen müssen, wie die Seele des Sports gegen ein Spektakel eingetauscht wird“, schrieb der englische „Mirror“.

Auch die Verantwortlichen des DFB, vor allem dessen Präsident, müssen daran erinnert werden, wem sie ihren finanziellen Reichtum und ihre imperiale Rolle im Verhältnis zu allen übrigen Sportarten zu verdanken haben und wem sie als Verband verpflichtet sind, der mehr als 6 Millionen Mitglieder aufweist.

Letzte Bearbeitung: 9. 12. 2025