Helmut Digel
Am 13. September 1930 wandte sich Pierre de Coubertin an den Völkerbund in Genf, um seine „Charta zur Reform des Sports“ vorzustellen und zu erläutern. Unterstützt wurde er dabei vom griechischen Direktor für Leibeserziehung des griechischen Kultusministeriums Joannis Chryssafis.
Coubertin bezeichnete diesen Tag als einen entscheidenden Moment in der Geschichte des Sports. Um die Charta auf der ganzen Welt zu verbreiten, wurden Sonderausgaben in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch veröffentlicht. Außerdem wurde sie auch in Posterform publiziert, so unter anderem bei der Berner Bundesausstellung 1930. Herausgeber der Charta ist das „Bureau International de Pädagogie Sportive, Lausanne“.
„La Chart de la Reform Sportive“ hatte folgenden deutschen Wortlaut:
Die Vorwürfe gegen den Sport unserer Zeit haben drei Ursachen:
Körperliche Überanstrengung.
Nichtachtung des Geistigen.
Überhandnehmen von Geschäftsgeist und Gewinnsucht.
Die Tatsache dieser Missstände lässt sich nicht leugnen. Die Sportsleute sind jedoch dafür nicht verantwortlich zu machen, die Schuldigen sind vielmehr die Eltern, Lehrer, die amtlichen Behörden, die Leiter der Verbände und die Presse.
Die gegebenen Gesundungsmaßnahmen sind:
Genaue Festlegung des Unterschiedes zwischen Leibesübungen und sportlicher Erziehung einerseits und sportlicher Erziehung und Wettbewerb andererseits.
Schaffung einer Sportabzeichen-Prüfung nach schwedischen Muster, nach Schwierigkeitsgraden, Alter und Geschlecht gestaffelt.
Durchführung von Internationalen Meisterschaften nur alle zwei Jahre, im 2. und 4. Jahr jeder Olympiade.
Verbot aller von Vergnügungsstätten und Hotels veranstalteten Wettbewerben, sowie solcher anlässlich von Ausstellungen und öffentlichen Festen.
Verbot aller Weltspiele, die eine überflüssige Wiederholung der Olympischen Spiele darstellen und solcher, die Rassen–, politischen oder konfessionellen Charakter tragen.
Verbot aller Boxkämpfe um Geldpreise.
Einführung gleichartiger Geräteübungen bei den einzelnen Sportarten.
Möglichst Einigung der so genannten „Turnvereine“ und „Sportvereine“.
Festlegung des Unterschiedes zwischen Turn- und Sportlehrer und Berufssportler. Dabei kann der erste für alle Sportarten, die er nicht lehrt, als Amateur gelten.
Einführung einer schriftlichen Eidesabgabe und der Aufführung aller Verdienstmöglichkeiten.
Verbot für die Zulassung von Frauen bei allen Wettkämpfen, an denen Männer teilnehmen.
Verzicht der Stadtverwaltungen auf den Bau großer Stadien, die lediglich sportlichen Vorführungen dienen, und anstelle dieser, Errichtung von Gebäuden nach dem Plan der altgriechischen Gymnasien auf moderner Grundlage.
Verbot von öffentlichen Wettbewerben für Jugendliche, die noch nicht 16 Jahre erreicht haben.
Gründung von Schüler – Sportverbänden, unter deren Flagge allein die Schüler und Gymnasiasten an Wettkämpfen teilnehmen dürfen.
Herabsetzung der Altersgrenze für den Eintritt in die Pfadfinderbewegung.
Entwicklung des Sportarztwesens, das sich mehr mit den Gesunden als mit den Kranken beschäftigt und der Prüfung des Einzelnen auf seine psychischen Eigentümlichkeiten hin größere Beachtung schenkt.
Mit allen Mitteln Förderung der Leibesübungen für Erwachsene. Im Gegensatz zu den Jugendlichen, bei denen in dieser Hinsicht mehr Einhalt zu bieten ist.
Ergänzung der Pfadfinderausbildung durch Einführung von Vorträgen über Astronomie, allgemeine Geschichte und Geographie.
Hebung des Sportpressewesens durch Einbeziehung von Berichten über ausländische Politik und Weltereignisse.
Liest man heute – 95 Jahre später – die Reformvorschläge von Pierre de Coubertin, so könnte man ihn als einen „Visionär“ bezeichnen, der damals bereits alle Probleme erkannt hatte, die auch heute noch das moderne Sportsystem, den Internationalen Sport und den Sport im Allgemeinen gefährden und infrage stellen. Die „körperliche Überanstrengung“ ist im gesamten Hochleistungssport zu beobachten, das „Intellektuelle“ und das „Geistige“ hat eine immer geringer werdende Bedeutung und das Überhandnehmen von „Geschäftsgeist“ und „Gewinnsucht“ zeigt sich bei allen „Stakeholdern“ des internationalen Hochleistungssports: Athleten[1], Trainer, Manager, Veranstalter, Funktionäre etc. sind gleichermaßen davon betroffen.
- September 2025 -„Ein historischer Tag für den eSport in Deutschland“. Das von der Bundesregierung verabschiedete, noch vom Parlament zu bestätigende „Steuer änderungsgesetz 2025“ ebnet dem eSport den Weg in gemeinnützige Vereinsstrukturen. Mehr als sieben Jahre hat es nunmehr nach der ersten Ankündigung der damaligen Bundesregierung gedauert, die steuerlichen Begünstigungen des Gemeinnützigkeitsrechts auch auf den eSport auszuweiten und so die Implementierung von eSportangeboten in gemeinnützigen Vereinen zu ermöglichen. Was die Videospiel- und eSport-Verbände wie ESBD als großen Sieg für sich wahrnehmen, bedeutet dieser Beschluss für die anderen, die sieben Jahre bemüht waren, diese Entscheidung der Bundesregierung zu verhindern, eine große Niederlage. Dies gilt auch für „sport-nachgedacht.de“, dessen Herausgeber mit mehreren Essays bemüht war diese Entscheidung zu verhindern.
Die Diktion der „Sieger“ gleicht dabei aufs Wort jener Diktion, wie sie bislang der gemeinnützige Sport stets für sich in Ansprucg genommen hat. ESBD Präsident Christopher Flato:
„Diese Entscheidung schafft die Grundlage, dass eSport-Vereine in ganz Deutschland die gleichen Chancen haben wie traditionelle Sportvereine. Sie können besser fördern, ausbilden und integrative Arbeit leisten. Gleichermaßen erhalten Sportvereine nun endlich die rechtliche Sicherheit, um nachhaltige Angebote im eSport zu schaffen. Davon profitieren nicht nur unsere Athletinnen und Athleten, sondern auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die über den eSport Gemeinschaft, Wertevermittlung und Teilnahme erleben. Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen politischen Entscheidungsträgern, die diesen wichtigen Schritt ermöglicht haben und blicken gespannt auf die endgültige Umsetzung durch den Bundestag“.
eSport ist demnach „nachhaltig“, vermittelt „positive Werte“, die unsere Gesellschaft dringend braucht, und ermöglicht „Gemeinschaftserlebnisse“. Im eSport werden Kinder und Jugendliche gefördert, ausgebildet und es wird integrative Arbeit geleistet.
Kein pädagogisches Schlagwort einer angeblich modernen Sportpädagogik wird bei dieser Argumentation vergessen. Es gelingt damit auf eindrucksvolle Weise, den gefährlichen ideologischen Charakter der heute propagierten E-Sport Philosophie zu verdecken: Doch dieser liegt nach wie vor in der „Bewegungslosigkeit“ zu der Kinder und Jugendliche durch den eSport angeleitet werden und in der „Gewaltverherrlichung“ und „Gwaltverharmlosung“, die in vielen E-Sportaktivitäten angetroffen werden können.
Allein aus diesem Grund müsste die Bundesregierung mit einem entschiedenen Protest von Pierre de Coubertin rechnen, würde dieser heute noch leben. Ein eSportverbot insbesondere bei Olympischen Spielen hätte ganz gewiss seine Forderungsliste angeführt. Nicht nur für ihn ist eSport ein von Menschen inszenierter „Auswuchs“ einer Konsum- und Wachstumsideologie, auf die nicht erst seit heute die Menschheit schon längst selbstkritisch und freiwillig hätte verzichten müssen. eSport wäre für ihn die Ausgeburt eines pädagogischen Unsinns. Ganz gewiss darf für diesen Unsinn einer zügellosen Freizeitgesellschaft das pädagogisch bedeutsame Wort „Sport“ nicht angewendet werden.
Doch die Computerspielindustrie verwendet wohl bedacht und an ihren wirtschaftlichen Interessen orientiert das Label „Sport“ für Formen des virtuellen Spielens, gerade weil deren „Spiele“ für Kinder und Jugendliche in vieler Hinsicht sehr gefährlich sein können. Doch die Verwendung des Begriffes „Sport“ hat bereits und wird auch zukünftig für das Sportverständnis in unserer Gesellschaft gravierende Folgen haben, insbesondere für Kinder und Jugendliche.
Ein Arzt, der dem Gelöbnis des Hippokrates folgt, müsste erst noch gefunden werden, der einem Jugendlichen, der unter Adipositas und an mangelhaft ausgebildeten motorischen Grundfertigkeiten leidet, mit einem eSport Rezept dieser Krankheit therapeutisch entgegentritt. Jeder verantwortungsvolle Arzt hingegen empfiehlt den Eltern und dem Jugendlichen, dass dieser sich in der freien Natur aktiv bewegen soll und dringend seine Verweilzeiten vor seiner Spielkonsole zu reduzieren hat. Wirklicher Fußball in einem wirklichen Sportverein wäre somit angesagt und nicht ein E-Fußballspiel auf einer Spielkonsole. Jede andere Variante des bereits heute existierenden aktiven Spiel-, Sport- und Bewegungsrepertoires könnte gleichermaßen empfohlen werden.
Von den Befürwortern des neuen Gesetzes wird begrüßt, dass nun den gemeinnützigen E-Sportvereinen und der Implementierung einer eSport Abteilung in den bereits bestehenden Sportvereinen nichts mehr im Wege stehen wird und dass damit neue Potenziale vor allem für die Bindung und Gewinnung junger Mitglieder und Ehrenamtlicher zur Erschließung völlig neuer Sponsorenmärkte entstehen werden. Bereits heute gibt es nach Schätzungen des ESBD in Deutschland mehr als 4 Millionen E-Sport-affine Menschen. Die steigende Zahl eigenständiger E-Sportvereine in Deutschland verdeutlicht diesen Trend. Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) spricht von mehr als 10 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern im Jahr, die eSport-Ereignisse besuchen.
Wehrte sich der DOSB zunächst mit großer Entschiedenheit gegen die Anerkennung von E-Sportvereinen und verweigerte diesen eine Mitgliedschaft, sieht mittlerweile der DOSB Chancen für die Angebots- und Mitgliederentwicklung in seinen Breitensportvereinen. eGaming sieht er nun als Teil einer modernen Jugend- und Alltagskultur. Der DOSB – opportunistisch und „anpassungsfähig“, wie er nun schon immer war – unterstützt die Entwicklung von Qualifizierungen und von pädagogischen Konzepten für den Umgang mit eGaming in Vereinen.
Der Aufwand für die Einrichtung einer eSportabteilung ist für Vereine relativ gering. Man benötigt „Büroräumlichkeiten“. Ein Trainingsraum für PC- Spiele sowie ein räumlich getrennter Trainingsraum für Konsolenspiele sollten in jedem Fall zur Grundausstattung gehören. Ein Streaming Studio mit Mikrofonen, Kameratechnik und Green Screen, Lagerräume und gegebenenfalls eine Küche ergänzen die Raumplanung eines typischen eSport-Zentrums. Ergonomische Stühle an den einzelnen Trainingsplätzen sollten Standard sein, und den Spielern sollte man „Ausgleichssport“ ermöglichen. Man muss sich entscheiden, welche Plattformen genutzt werden sollen (PC, PlayStation, Xbox) und man muss sich der Frage stellen, wie die Spiele ins Internet übertragen werden. Wichtig ist für das Training, die Wettkämpfe und für die Streaming Angebote, dass man über eine entsprechende leistungsstarke Internetverbindung verfügt, um die nötigen Download- und Upload- Geschwindigkeiten zu erreichen.
Von der ehemaligen Kritik des DOSB, dass eSport den Grundgedanken von Turnen, Spiel und Sport konterkarieren würde und deshalb nicht staatlicherseits als „gemeinnützig“ eingeordnet werden darf, ist heute ganz offensichtlich nichts mehr übrig geblieben. Wenn mächtige Lobbyisten im Hintergrund die Fäden ziehen, müssen in unserer Gesellschaft sämtliche Argumente gegen den eSports unter den Tisch gekehrt werden, auch wenn sie noch so gut begründet wurden. Mit dem neuen „Steueränderungsgesetz 2025“ sollen wohl Spiele, die die „rohe Gewalt tolerieren“ aus dem Gemeinnützigkeitsrecht ausgeklammert werden. Doch verlässt man sich hierbei auf die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) . Experten zufolge wird jedoch mit dem Verweis auf die USK-Beschränkung gleichzeitig Tür und Tor geöffnet für eSport-Titel wie „Counterstrike“ oder „Valorant“.
Betrachtet man das Spiele- Repertoire, das mittlerweile bei internationalen E-Sportwettkämpfen gespielt wird, so kann man schnell erkennen, dass bis heute in der Welt des E-Sports ein Ausschluss von gewaltverherrlichenden Spielen nirgendwo zu beobachten ist. Vielmehr vermehrt sich die in den E-Sportspielen stattfindende Gewaltverherrlichung weltweit in einem Tempo, wie sie noch vor Jahren undenkbar gewesen ist.
Fragt man eines der besten derzeit zur Verfügung stehenden KI-Programme „Perplexity“ welche Games derzeit bei internationalen eSportereignissen gespielt werden, so erhält man die folgende Antwort:
Bei internationalen E-Sports Meisterschaften 2025 stehen insbesondere beim Esports World Cup (EWC) zahlreiche Top-Spiele aus verschiedenen Genres im Fokus – von Shootern über MOBAs bis hin zu Sport- und Strategiespielen.
Haupttitel bei internationalen Turnieren 2025
Folgende Spiele sind bei den wichtigsten E-Sports-Weltmeisterschaften und internationalen Ligen 2025 vertreten:
- Counter-Strike 2 (CS2)
- VALORANT
- League of Legends
- Dota 2
- Apex Legends
- Honor of Kings
- Mobile Legends: Bang Bang (inkl. Women’s Invitational)
- PUBG und PUBG Mobile
- Free Fire
- Call of Duty: Black Ops 6 sowie Call of Duty: Warzone
- Overwatch 2
- Rainbow Six Siege
- Rocket League
- Street Fighter 6
- Tekken 8
- Fatal Fury: City of the Wolves
- Crossfire
- Teamfight Tactics
- EA Sports FC 25
- StarCraft II
- Schach (Chess)
- Rennsport (Simracing)
- Weitere Side Events und mobile Titel wie Naraka: Bladepoint ergänzen das Programm.
Genres und Plattformen
- Shooter: Counter-Strike 2, Valorant, Call of Duty, Overwatch 2, Rainbow Six Siege, Crossfire, Apex Legends, Free Fire, PUBG
- MOBA: League of Legends, Dota 2, Honor of Kings, Mobile Legends: Bang Bang
- Fighting Games: Street Fighter 6, Tekken 8, Fatal Fury
- Sportsimulation & Strategiespiele: EA Sports FC 25, Rocket League, Teamfight Tactics, StarCraft II, Schach, Rennsport
- Battle Royale: PUBG, PUBG Mobile, Free Fire, Warzone
- Weitere Events: Mobile Titel und Side-Events, darunter spezielle Women’s Invitationals und einmalige Turniere
Neue und entfallene Titel 2025
- Neu dabei: Call of Duty: Black Ops 6, Crossfire, Fatal Fury und Schach
- Nicht mehr im Programm: Call of Duty: Modern Warfare III, Fortnite
Diese Auswahl macht 2025 zu einem Jahr mit großer Vielfalt und hoher Internationalität im E-Sport – sowohl PC, Konsole als auch mobile Plattformen werden auf hohem Niveau ausgetragen.
Fragt man „Perplexity“ nach dem Umsatz, der mit E Sportmeisterschaften erreicht wird und nach dem dort aus gelobten Preisgeldern so erhält man die folgende Antwort:
Umsätze im E-Sport 2025
- Weltweiter Umsatz: ca. 4,35 Milliarden US-Dollar
- Deutschland: ca. 297 Millionen US-Dollar
- Der größte Umsatztreiber sind Sponsoring, Streaming-Rechte, Werbung, Merchandising und Event-Einnahmen.
Preisgelder internationaler Meisterschaften 2025
- Das Gesamtpreisgeld großer E-Sports Events wie z.B. beim Esports World Cup 2025 liegt allein bei etwa 60 Millionen US-Dollar.
- Bei “The International” im Spiel Dota 2 werden regelmäßig Preisgeldsummen im Bereich von bis zu 40 Millionen US-Dollar ausgeschüttet, 2025 dürfte ein ähnlicher Wert erwartet werden.
- Auch andere Titel wie League of Legends oder Counter-Strike bieten jeweils Preisgelder von mehreren Millionen US-Dollar bei ihren Top-Events.
Die Entwicklung zeigt: Umsatz und Preisgelder im E-Sport erreichen 2025 neue Rekordhöhen und festigen E-Sports als bedeutenden Wirtschaftsfaktor im internationalen Sport- und Entertainmentmarkt.
Da ich keines dieser Spiele selbst jemals gespielt habe und die Qualität dieser Spiele nicht beurteilen kann, habe ich diese Liste mehreren jungen Menschen vorgelegt, die selbst über Spielkonsolen verfügen und zumindest teilweise über das notwendige Wissen verfügen, um den Anteil an Gewaltszenen in diesen Spielen beurteilen zu können. Einer der Befragten war Softwareentwickler und mit vielen Spielen direkt vertraut. Das Urteil der Befragten war einstimmig; Die große Mehrheit der heute gespielten Spiele bei E- Sport- Meisterschaften zeichnet sich durch eine „Gewaltthematik“ aus.
Aus einer zynischen Perspektive betrachtet ist es deshalb geradezu folgerichtig, dass auch das Internationale Olympische Komitee „umgefallen“ ist und die von Pierre de Coubertin bereits 1896 verfasste Olympische Charta mittlerweile in ihr Gegenteil verkehrte. Erst jüngst hat das IOC entschieden, dass ab 2026 auch „Olympische eSpiele“ stattfinden werden. Wie kann es anders sein, als dass jenes Land, das vermehrt den internationalen Sport aufgekauft hat und das im E-Sports ein Geschäftsmodell sieht, mit dem weltweit viele Milliarden verdient werden können, der erste Gastgeber dieser Spiele sein wird: Saudi-Arabien!.
Der Siegeszug der Geldgier ist in der Welt des Sports ganz offensichtlich nicht aufzuhalten. Auch dann nicht, wenn Gesundheit und damit auch die Lebensqualität von von Kindern und Jugendlichen geopfert werden!
Für Pierre de Coubertin möchte ich mir wünschen, dass sein Grab groß genug ist, dass er sich auch heute noch von der fatalen Entscheidung seiner Nachfolger abwenden kann.
Seine Charta aus dem Jahr 1930 fordert einen „ganzheitlichen“ Sport, der nicht nur auf Leistung und Wettbewerb fokussiert ist, sondern körperliche, geistige und soziale Aspekte integriert. Sie erhebt explizit einen pädagogischen Anspruch, indem sie darauf zielt, ethische Werte, Fairness und das Prinzip des Friedens im Sport zu verankern. Damit nimmt sie zentrale Themen moderner sportpädagogischer Diskussionen vorweg und ist der wichtigste Beitrag Coubertins zur Sicherung der Olympischen Ideale über die reine Sportpraxis hinaus. Dieser Appell an die körperliche und moralische Integrität des olympischen Sports bleibt trotz aller Fehlentwicklungen im modernen Diskurs über die Olympischen Spiele aktuell.
Letzte Bearbeitung: 18. September 2025
Themenzuordnung: Olympismus, Sportentwicklung
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.