Liebe Freundinnen und Freunde der Leichtathletik,
Ich möchte dem Vorstand Leistungssport, seinen Trainern und Trainerinnen und vor allem unseren Athletinnen und Athleten der DLV-Nationalmannschaft ganz herzlich zu ihrem großen Erfolg und vor allem zu ihrem vorbildlichen Auftreten bei den Leichtathletik Europameisterschaften in Birmingham gratulieren. Als jemand, der viele Leichtathletik Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele vor Ort erlebt hat und dem es angesichts seines Alters und seiner etwas angeschlagenen Gesundheit nunmehr nur noch vorbehalten ist, die Leichtathletik im Fernsehen zu verfolgen, für den waren die sechs Tage von Birmingham, trotz tropischer Temperaturen, ein ganz besonderes Sommererlebnis.
Ganz gleich, ob ich die Europameisterschaft bei Eurosport, bei ARD/ZDF oder beim ORF verfolgt habe, von allen Kommentatoren wurden die besonderen Leistungen unserer Mannschaft mit großem Nachdruck gewürdigt. Manche von ihnen wissen, dass mir die internationale und nationale Entwicklung der Leichtathletik schon seit längerer Zeit Sorge bereitet. Das Nachwuchsproblem ist nahezu ungelöst und das Interesse an der Leichtathletik hat leider in den letzten Jahrzehnten kaum noch ein Wachstum zu verzeichnen. Halb volle Ringe hat es nicht nur in Birmingham gegeben. Sie sind vielmehr schon seit längerer Zeit mit Ausnahme von den Olympischen Spielen üblich geworden. Insbesondere ist der Stellenwert, den die Leichtathletik im Curriculum des öffentlichen Schulwesens hat, mehr als besorgniserregend. Umso mehr darf man hoffen, dass die Bilder, wie sie in diesen Tagen von Birmingham nach Deutschland gesendet wurden, Motivation und Anregung für die Nachwuchsarbeit sein können. Darauf möchte ich mit Ihnen gemeinsam hoffen.
Für jemand, der sich nahezu sein ganzes Leben auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive mit Fragen der nationalen und internationalen Entwicklung des Hochleistungssports beschäftigt hat, war es in den letzten Tagen naheliegend, dass ich mir die Frage gestellt habe, was wohl die Gründe sind, dass eine Leichtathletik Nation wie Italien in jüngster Zeit außergewöhnlich erfolgreich sein kann, die noch zu meiner Zeit als ich Verantwortung für die deutsche Leichtathletik übernommen hatte, große Mühe hatte, einen Final-Platz beim Europacup der Leichtathleten zu erreichen. Aber auch die Frage nach den Gründen des deutschen Erfolges hat mich bewegt.
Bei meiner Suche nach Antworten konnte ich einige interessante Sachverhalte eruieren, die möglicherweise auch für die Freunde der Leichtathletik von Interesse sein könnten. Bei meiner Antwortsuche haben mir ehemalige Kontakte und meine langjährige Erfahrung geholfen, aber auch KI konnte mir interessante Antworten zu meinen differenzierten Fragen geben und dabei mir auch die Quellen benennen, auf die sich die Antwort des KI-Programms bezieht.
Im Anhang möchte ich deshalb Ihnen diese kleine Expertise zukommen lassen. Vielleicht ist sie eine Hilfe, damit die Verantwortlichen der deutschen Leichtathletik ihren bereits begonnen erfolgreichen Weg bis zu den sehr viel größeren Herausforderungen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen fortsetzen können. Gewiss sind die Erfolge von Birmingham aus seiner internationalen Perspektive zu relativieren, und gewiss gab es auch einige Disziplinen in Birmingham, bei denen die europäische Leichtathletik den Anschluss an die Weltspitze beinahe bereits verloren hat. Doch der eingeschlagene Weg des DLV unter der Führung seines Vorstands Leistungssport scheint mir erfolgversprechend zu sein und hierfür möchte ich den Verantwortlichen im DLV alles Gute wünschen.
Helmut Digel
I.
Gibt es Gründe, warum die italienische Leichtathletik heute sehr viel erfolgreicher ist als in der Vergangenheit?
Die wichtigsten Gründe
- Bessere Förderung des Hochleistungssystems
Die FIDAL[1] und das italienische Sportsystem haben die Mittel für den Spitzensport erhöht. FIDAL-Präsident Stefano Mei nannte für die Jahre vor 2025 rund 12 Millionen Euro jährlich von Sport e Salute, davon zunächst 5,1 Millionen für den Hochleistungsbereich; der entsprechende Betrag wurde auf 8,5 Millionen erhöht. Das Geld fließt nicht nur direkt an Athleten[2], sondern in Trainingslager, medizinische Betreuung, Prävention, Sportwissenschaft und die Qualifizierung von Trainern.
Wichtig ist dabei weniger die absolute Summe als die gezieltere Verwendung. Italien versucht, die gesamte Leistungskette zu stärken: Talentsichtung, Vereinsförderung, Trainerarbeit, Trainingszentren und Betreuung während der Karriere.
- Leistungsfähigere Trainer- und Betreuungsstrukturen
Ein zentraler Wandel scheint in der engeren Zusammenarbeit der Trainer zu liegen. Italienische Verantwortliche betonen, dass sich Fachleute aus unterschiedlichen Regionen und Disziplinen stärker austauschen und weniger in isolierten „Schulen“ arbeiten. Dadurch werden Trainingswissen, Diagnostik und Erfahrungen zwischen Sprint, Sprung, Wurf, Gehen und Lauf besser übertragen.
Auch die Förderung der Vereine wurde stärker an Leistung gekoppelt: FIDAL belohnt inzwischen eine größere Zahl von Vereinen nach einer Leistungsrangliste. Das schafft Anreize nicht nur für einzelne Stars, sondern für eine breitere Basis.
- Ein außergewöhnlich starker Athletenjahrgang
Der Erfolg lässt sich nicht allein institutionell erklären. Italien hatte seit Tokio eine ungewöhnliche Konzentration herausragender Athleten:
Marcell Jacobs: 100-Meter-Olympiasieger 2021.
Gianmarco Tamberi: Hochsprung-Olympiasieger 2021.
Massimo Stano und Antonella Palmisano: Olympiasieger im Gehen.
Nadia Battocletti: Silbermedaille über 10.000 Meter in Paris.
Mattia Furlani: Bronze im Weitsprung in Paris.
Solche individuellen Talente können die internationale Medaillenbilanz kurzfristig stark verändern. Gerade Tokio war deshalb nicht einfach das Ergebnis einer allgemeinen italienischen Überlegenheit, sondern auch einer sehr erfolgreichen Konstellation mehrerer Athleten zur selben Zeit.
- Die Staffeln als Beispiel für systematische Detailarbeit
Der Olympiasieg der 4 × 100 Meter Staffel in Tokio war kein bloßes Zufallsprodukt. Der italienische Staffel-Trainer Filippo Di Mulo analysiert die Staffelübergaben seit Jahren mit einer umfangreichen Datenbank und standardisierten Kennzahlen. Die Mannschaft trainiert regelmäßig in gemeinsamen Lehrgängen, unter anderem in Formia und in mehreren militärischen Trainingszentren.
Das ist sportpolitisch interessant: Italien war nicht unbedingt die Nation mit den schnellsten Einzelathleten. Es konnte aber durch Übergabetechnik, Rollenverteilung, gemeinsame Vorbereitung und taktische Präzision einen Teil des Geschwindigkeitsnachteils kompensieren.
- Breitere Nachwuchsbasis
Die Zahl der registrierten Leichtathleten stieg laut italienischen Berichten bis Ende 2024 auf rund 243.000. Einen zusätzlichen Schub gab es während der Covid-19-Pandemie, weil Leichtathletik zu den wenigen Sportarten gehörte, die vergleichsweise leicht im Freien betrieben werden konnten.
Die Erfolge von Tokio erzeugten anschließend einen deutlichen Vorbild- und Nachahmungseffekt: Jacobs, Tamberi, Stano, Palmisano und die 4 × 100-Meter-Staffel wurden zu Identifikationsfiguren. Das kann die Rekrutierung und Motivation junger Athleten verbessern. Ob daraus dauerhaft mehr internationale Spitzenathleten entstehen, wird sich aber erst über mehrere Olympiazyklen zeigen.
- Erfolgreiche Nutzung militärischer und staatlicher Strukturen
Italien verfügt traditionell über Sportgruppen von Militär, Polizei und anderen staatlichen Organisationen. Diese bieten Athleten häufig eine berufliche Absicherung, regelmäßige Trainingsmöglichkeiten und Zugang zu Infrastruktur. Für eine Sportart wie Leichtathletik, in der viele Athleten außerhalb der absoluten Weltspitze wirtschaftlich kaum abgesichert sind, ist das ein erheblicher Wettbewerbsvorteil.
Das System reduziert das Risiko, dass Talente ihre Karriere wegen finanzieller oder beruflicher Unsicherheit abbrechen müssen.
Der Eindruck eines plötzlichen Aufstiegs entsteht auch durch den Vergleich mit einer schwächeren Phase. Bei den Olympischen Spielen 2016 blieb Italien in der Leichtathletik ohne Medaille; fünf Jahre später gewann es in Tokio fünf Goldmedaillen.
Dabei hatte Italien auch früher bedeutende Leichtathletiktraditionen, etwa durch Pietro Mennea, Alberto Cova, Sara Simeoni, Gelindo Bordin oder Stefano Baldini. Es handelt sich daher weniger um eine völlige Neuerfindung als um eine Reaktivierung vorhandener Traditionen, verbunden mit besserer Organisation und einer außergewöhnlichen Generation.
Die plausibelste Erklärung ist eine Kombination aus:
- höherer und gezielterer Finanzierung,
- besserer Trainerkooperation und sportwissenschaftlicher Betreuung,
- leistungsorientierter Vereinsförderung,
- staatlichen beziehungsweise militärischen Strukturen,
- wachsender Nachwuchsbeteiligung,
- einer außergewöhnlich starken Generation,
- sehr spezifischer Detailarbeit, besonders im Staffelbereich.
Man sollte den Erfolg aber nicht überbewerten. Die fünf Goldmedaillen von Tokio waren ein historischer Ausreißer, während Paris 2024 zeigte, dass Italien zwar weiterhin konkurrenzfähig ist, aber nicht jede Disziplin dauerhaft „beherrscht“. Der nachhaltigste Indikator ist deshalb nicht die einzelne olympische Medaillenbilanz, sondern die Entwicklung der Nachwuchs- und Teamergebnisse: Die Europameisterschaften 2024 und 2026 und die starken italienischen U20-Leistungen sprechen dafür, dass hinter dem Boom tatsächlich ein struktureller Wandel steht.
Welche Rolle spielt Stefano Mei bei der Reform der FIDAL?
Stefano Mei spielt bei der Reform der FIDAL eine zentrale politische und organisatorische Führungsrolle. Er ist nicht allein für den sportlichen Erfolg verantwortlich, hat aber seit seinem Amtsantritt am 31. Januar 2021 die Prioritäten, Finanzströme und Arbeitsweise des Verbandes deutlich verändert. 2024 wurde er mit 72,47 Prozent der Stimmen bis 2028 wiedergewählt.
- Strategischer Richtungswechsel
Mei trat mit dem Programm „Orizzonte Atletica 2021–2028“ an. Es zielte auf eine modernere, stärker managementorientierte FIDAL:
- mehr Nähe zu Vereinen und Regionalstrukturen;
- klarere Leistungs- und Förderkriterien;
- bessere Vermarktung von Meetings und Veranstaltungen;
- stärkere Einbindung von Sponsoren;
- langfristige Förderung von Athleten, Trainern und Nachwuchs;
- eine dynamischere und transparentere Governance.
Seine Reform ist somit nicht nur eine sportliche, sondern auch eine institutionelle Neuordnung. Die FIDAL sollte weniger zentralistisch und bürokratisch, sondern stärker daten-, leistungs- und serviceorientiert arbeiten.
- Umschichtung zugunsten des Hochleistungssports
Meis wichtigste konkrete Maßnahme war die Priorisierung der sportlichen Aktivität. Nach eigener Darstellung verschob er bereits in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit zwei Millionen Euro aus weniger wichtigen Budgetpositionen in die Athleten- und Trainerarbeit. Für die olympische Vorbereitung stiegen die Ausgaben laut FIDAL von etwa 4,5 Millionen Euro im Jahr 2021 auf mehr als 8 Millionen Euro.
Finanziert werden unter anderem:
- rund 70 Spitzenathleten und Athleten in Sonderprojekten;
- deren persönliche Trainer;
- Trainingslager und medizinische Versorgung;
- Prämien für internationale Großereignisse;
- funktionelle Rehabilitation nach Verletzungen;
- wissenschaftliche Datenerhebung und Leistungsdiagnostik.
Mei versteht die Athleten ausdrücklich als das „Kerngeschäft“ der FIDAL. Dazu dienen auch mobile Fachkräfte, die Athleten im Training besuchen und deren Bedingungen vor Ort analysieren.
- Professionalisierung der Vereinsförderung
Ein Kern der Reform ist die stärkere Belohnung leistungsfähiger Vereine. Die FIDAL entwickelte eine Rangliste der 150 führenden Clubs, in der quantitative und qualitative Kriterien berücksichtigt werden. Zusätzlich sollen weitere Vereine über Projekte gefördert werden.
Damit wird die Förderung nicht nur auf die Nationalmannschaft konzentriert. Mei versucht, eine Leistungspyramide vom Verein bis zur Nationalmannschaftaufzubauen:
- bessere Bedingungen für Nachwuchsvereine;
- Unterstützung von Vereinen, die Athleten an Militärsportgruppen abgeben;
- Förderung von Trainern;
- Belohnung nach nachweisbarer sportlicher und organisatorischer Leistung;
- stärkere Verzahnung von regionaler Arbeit und Nationalmannschaft.
Das ist sportpolitisch bedeutsam, weil die italienische Leichtathletik traditionell stark von Vereinen und staatlichen Sportgruppen getragen wird.
- Wandel der Verbandskultur
Mei versucht, die FIDAL stärker als Dienstleistungsorganisation zu positionieren. Er betont die Zusammenarbeit mit Vereinen, Trainern und Athleten und bezeichnet sich selbst als „Brückenbauer“. In seiner Bilanz erklärte er, die FIDAL habe Gesellschaften in Arbeitsgruppen einbezogen, sich stärker für die Regionen geöffnet und die Interessen der Regionen berücksichtigt.
Symbolisch dafür steht, dass Mei persönlich Kontakt zu den Vereinspräsidenten hält. Nach eigener Aussage ruft er die knapp 3.000 Vereinspräsidenten zu deren Geburtstag an. Das ist zwar keine Strukturreform im engeren Sinne, zeigt aber seinen Führungsstil: persönliche Kommunikation, Präsenz und politische Einbindung der Basis.
- Nutzung der Erfolge als Reformmotor
Mei hat den sportlichen Erfolg bewusst zum Ausgangspunkt weiterer Reformen gemacht. Seine Argumentation lautet sinngemäß: Erfolge erzeugen Aufmerksamkeit, Vorbilder bringen Kinder auf die Sportplätze, und eine wachsende Basis stabilisiert wiederum das Leistungssystem.
Die Resultate haben diese Strategie zunächst bestätigt:
- fünf Leichtathletik-Goldmedaillen in Tokio 2021;
- 17 olympische Finalisten in Paris 2024;
- 24 Medaillen und elf Goldmedaillen bei den Europameisterschaften in Rom 2024;
- 22 Medaillen in Birmingham 2026
- eine breitere Gruppe leistungsfähiger Athleten hinter den großen Stars.
Mei schreibt diese Entwicklung vor allem der stärkeren technischen Betreuung und den erhöhten Investitionen zu. Allerdings wäre es analytisch zu einseitig, den gesamten Aufschwung ihm zuzuschreiben: Athletentalente, Trainer, Vereine und die langfristige Arbeit vor 2021 waren ebenfalls entscheidend.
- Nachwuchs, Daten und Trainerbildung
Für die zweite Reformphase setzt Mei stärker auf Nachhaltigkeit. Seine Schwerpunkte sind:
- intensivere Arbeit in den Regionen;
- Forschung und Datensammlung;
- bessere Trainerausbildung;
- Unterstützung von U20- und U23-Athleten;
- Ausbau der Vereinsbasis;
- Ziel von 400.000 Mitgliedschaften;
- stärkere Förderung von Meetings nach dem Vorbild der „Golden Gala“.
Damit soll der Erfolg von Tokio nicht als einmaliger Generationseffekt verpuffen. Mei versucht, ein System zu schaffen, das auch nach dem Ende von Jacobs, Tamberi, Palmisano oder Stano leistungsfähig bleibt.
- Grenzen und Kontroversen
Meis Bilanz ist nicht unumstritten. Die Reform ist stark präsidentenzentriert und verbindet sportliche Erfolge eng mit seiner eigenen politischen Legitimation. 2025 gab es Kritik an der deutlichen Erhöhung seiner Vergütung; außerdem führten die Debatten um die Projekte „Pista2.0“, Verbandsfinanzen und eine Abhörwanze in der FIDAL-Zentrale zu Kontroversen. Mei weist Vorwürfe finanzieller Unordnung zurück und verweist auf positive Jahresabschlüsse sowie eine externe Prüfung durch Deloitte.
Zudem bestehen strukturelle Probleme fort:
- Mangel an modernen Leichtathletikanlagen;
- begrenzte internationale Meeting-Infrastruktur;
- Abhängigkeit von staatlichen Zuschüssen;
- schwierige Balance zwischen Eliteförderung und Breitensport;
- mögliche Überkonzentration auf kurzfristige Medaillenerfolge.
Die Reform ist daher noch nicht abgeschlossen. Ihre eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob Italien auch nach dem aktuellen Athletenjahrgang regelmäßig Finalisten und Medaillenkandidaten hervorbringt.
Mei ist am besten als strategischer Reformer, Ressourcenverteiler und politischer Integrator zu charakterisieren – nicht als technischer Cheftrainer der italienischen Leichtathletik. Seine besondere Leistung liegt darin, seit 2021
- die Finanzierung zugunsten des Hochleistungssports umzuschichten,
- die Trainer- und Athletenbetreuung auszubauen,
- die Vereinsförderung stärker zu systematisieren,
- die Regionen und Vereine politisch einzubinden,
- sportliche Erfolge zur gesellschaftlichen und finanziellen Mobilisierung zu nutzen.
Seine Rolle ähnelt damit eher der eines Verbandspräsidenten, der die institutionellen Voraussetzungen verbessert, als der eines einzelnen „Architekten der Medaillen“. Dass die Reform Wirkung entfaltet hat, ist angesichts der Ergebnisse plausibel; wie nachhaltig sie ist, wird sich erst über die Zyklen Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 zeigen.
II.
Gründe für den überraschenden Erfolg der deutschen Leichtathletik bei den Europameisterschaften 2026 in Birmingham.
Deutschland gewann 21 Medaillen – sechs Gold-, zehn Silber- und fünf Bronzemedaillen – und belegte damit Rang drei hinter Italien und Gastgeber Großbritannien. Es war das beste deutsche EM-Ergebnis seit 1998.
Mögliche Erklärungen:
Größere Leistungsbreite
Der wichtigste Faktor war die ungewöhnliche Breite der Erfolge. Deutschland war nicht nur in den traditionell starken Wurf- und Mehrkampfdisziplinen erfolgreich, sondern auch im Sprint, Mittel- und Langstreckenlauf sowie im Hindernislauf. Der DLV selbst verwies auf eine größere Breite, nachrückende junge Athletinnen und Athleten und die Weiterentwicklung etablierter Leistungsträger.[3]
Besonders deutlich wurde das bei den Hindernisläufen: Gesa Krause gewann Gold, Olivia Gürth Bronze; bei den Männern holte Frederik Ruppert Gold und Karl Bebendorf Bronze. Auch der deutsche Diskuswerfer Henrik Janssen gewann mit persönlicher Bestleistung Bronze – die erste deutsche EM-Medaille in dieser Disziplin seit 2014.
Erfolgreicher Generationenmix
In Birmingham ergänzten sich erfahrene Leistungsträger und jüngere Athleten besonders gut. Leo Neugebauer gewann seinen ersten Europameistertitel im Zehnkampf, während der ebenfalls erfahrene Niklas Kaul Silber holte. Im Speerwurf siegte Julian Weber, während Nick Thumm mit persönlicher Bestleistung überraschend Silber gewann.
Dieser Generationenmix erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ausfälle einzelner Favoriten kompensiert werden können. Er erklärt auch, warum Deutschland nicht nur einzelne Spitzenleistungen, sondern zahlreiche Final- und Podiumsplatzierungen erreichte.
Erholung nach schwacher EM 2024
Der Erfolg wirkt auch deshalb so überraschend, weil Deutschland bei der EM 2024 in Rom lediglich elf Medaillen und nur eine Goldmedaille gewann. Birmingham stellte somit eine deutliche sportliche „Erholung“ dar; sogar das starke Ergebnis der Heim-EM 2022 in München mit 16 Medaillen wurde übertroffen.
Ein solcher Leistungssprung kann teilweise durch bessere Vorbereitung und Formsteuerung erklärt werden. Zugleich ist die Konkurrenzsituation bei Europameisterschaften nicht identisch mit jener bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen: Je nach Disziplin fehlen einzelne außereuropäische Spitzenathleten, wodurch sich zusätzliche Medaillenchancen ergeben können.
Fortschritte im Laufbereich
Ein besonders wichtiger struktureller Fortschritt zeigte sich im Laufbereich. Laut Sportschau fielen allein 2026 mehrere deutsche Rekorde; zugleich gewann Florian Bremm überraschend Silber über 5.000 Meter. Amanal Petros siegte im Marathon, und Owen Ansah gewann den 200-Meter-Titel in 19,95 Sekunden – Deutschlands erster EM-Sieg über diese Strecke seit 44 Jahren.
Das deutet auf eine breitere Entwicklung der Trainings- und Nachwuchsstrukturen hin, nicht bloß auf einzelne Zufallserfolge. Gerade die Kombination aus neuen Talenten, verbesserten persönlichen Bestleistungen und taktisch starken Rennen war für die Medaillenbilanz entscheidend.
Mehr Selbstvertrauen
Mehrere Beobachter betonten einen Mentalitätswandel. DLV-Leistungssportvorstand Jörg Bügner sprach von einem veränderten Selbstverständnis und größerem Selbstvertrauen des Teams. Auch Frank Busemann erklärte, deutsche Athleten hätten sich in der Vergangenheit häufig kleiner gemacht, als sie tatsächlich seien.
Dieses Selbstvertrauen zeigte sich in engen Finals und bei Außenseitern, die ihre Chance nutzten. Beispiele sind Janssens Diskuswurf, Bremms Silbermedaille und Ansahs Sieg über 200 Meter.
Günstige Wettkampfverläufe
Schließlich darf man den Faktor Wettkampfglück nicht unterschätzen. Medaillenentscheidungen hängen oft von Tagesform, Wind, taktischem Rennverlauf, Verletzungen und Fehlern der Konkurrenz ab. Ansah profitierte beispielsweise von einer starken Schlussphase im 200-Meter-Finale; Janssen übertraf mit seinem ersten starken Versuch seine eigene Erwartung deutlich.
Das erklärt den Erfolg allerdings nur teilweise. Die große Zahl deutscher Medaillen über unterschiedliche Disziplinengruppen spricht gegen eine reine Zufallsbilanz.
Einordnung
Der Erfolg war daher wahrscheinlich eine Kombination aus struktureller Verbesserung und günstiger Gelegenheit:
– breiterer und jüngerer Kader,
– bessere Entwicklung im Laufbereich,
– stabile Leistungen etablierter Athleten,
– wachsendes Selbstvertrauen,
– gute Form zum Saisonhöhepunkt,
– einzelne überraschende Spitzenleistungen,
– möglicherweise eine für Deutschland günstige europäische Konkurrenzsituation.
Birmingham ist deshalb eher als Hinweis auf eine positive Trendwende, denn als Beweis einer bereits dauerhaft führenden deutschen Leichtathletik zu verstehen. Zu warnen ist trotz der starken Bilanz vor Übermut. Die EM ist eher als mögliche „Blaupause“ für den weiteren Weg Richtung Olympia 2028 zu verstehen.
Welche Rolle spielte dabei der Verband?
Der DLV als „Verband“ spielte eine ermöglichende und koordinierende Rolle, war aber nicht der alleinige „Verursacher“ des Erfolgs. Die 21 Medaillen in Birmingham – sechs Gold-, zehn Silber- und fünf Bronzemedaillen – beruhten unmittelbar auf den Leistungen der Athletinnen und Athleten sowie ihrer Nationaltrainer und Heimtrainer. Der Verband schuf dafür vor allem organisatorische, finanzielle, sportfachliche und mentale Rahmenbedingungen. In Birmingham war mit mehr als 150 Athletinnen und Athleten und mehr als 100 Verbands- und Heimtrainern das größte deutsche Team bei einer EM am Start.
Kader- und Leistungssteuerung
Der DLV stellte die deutsche Mannschaft zusammen, koordinierte die Vorbereitung und verantwortete den Einsatz des Bundestrainer- und Betreuungsteams. Im Mai 2026 traf sich die Leitungsrunde des olympischen Leistungssports, um die Saisonplanung und die anstehenden internationalen Höhepunkte gemeinsam vorzubereiten.
Seine wichtigste strategische Leistung bestand offenbar darin, nicht nur auf wenige Medaillenkandidaten zu setzen, sondern einen breiteren Kader zu entwickeln. DLV-Leistungssportvorstand Jörg Bügner beschrieb genau diese Entwicklung: Junge Athletinnen und Athleten rückten nach, während etablierte Leistungsträger sich weiterentwickelten.
Trainer- und Nachwuchsarbeit
Der DLV wirkt über Bundestrainer, Stützpunkte, Kaderstrukturen und die Zusammenarbeit mit Landesverbänden sowie Heimtrainern auf die langfristige Leistungsentwicklung ein. Der Erfolg in Birmingham in sehr unterschiedlichen Disziplinen – von Sprint und Marathon bis zu Mehrkampf, Wurf und Hindernislauf – spricht dafür, dass diese Strukturen bei mehreren Athletengruppen funktionierten.
Allerdings ist nicht angebracht, die Medaillen ausschließlich dem Verband zuzuschreiben. Viele entscheidende Trainings- und Entwicklungsleistungen finden im Verein, in privaten Teams, am Bundesstützpunkt und bei privaten oder persönlichen Trainern statt; der DLV kann diese Arbeit vor allem bündeln, finanzieren, beraten und international sichtbar machen.
Team- und Betreuungskultur
Der Verband trug auch zur Herstellung eines geschlossenen Mannschaftsauftritts bei. Bügner hob eine „hervorragende Stimmung“, eine geschlossene Teamleistung und ein verändertes Selbstverständnis hervor; Beobachter registrierten zudem ein deutlich größeres Selbstvertrauen der deutschen Athleten.
Das ist nicht bloß ein symbolischer Faktor. Bei Europameisterschaften mit dichtem Zeitplan können medizinische Betreuung, physiotherapeutische Versorgung, Reisen, Akkreditierung, Wettkampfplanung und der Austausch innerhalb des Teams die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Athleten ihre Leistung im entscheidenden Moment abrufen können.
Interessenvertretung und Rahmenbedingungen
Der DLV engagierte sich zudem für bessere Förderbedingungen. Er setzte sich etwa erfolgreich dafür ein, dass Olympiamedaillengewinner künftig automatisch für die folgenden zwei Jahre den Status eines Olympiakaders erhalten können. Das betrifft zwar nicht unmittelbar alle Birmingham-Starter, zeigt aber die verbandspolitische Funktion des DLV bei der Absicherung von Leistungskarrieren.
Damit wirkt der Verband nicht nur am Wettkampfort, sondern auch auf die Rahmenbedingungen ein: Kaderkriterien, Förderlogik, Trainerstrukturen und die politische Vertretung der Leichtathletik gegenüber dem DOSB – und künftig wohl gegenüber der auf der Grundlage des neue geschaffenen „Sportfördergesetzes“ einzurichtenden „Spitzensport-Agentur“.
Grenzen des Verbandseinflusses
Der DLV sollte den Erfolg von Birmingham jedoch nicht überinterpretieren. Der Verband selbst räumte ein, dass deutsche Athletinnen und Athleten in einigen Disziplinen weiterhin weit von der Weltspitze entfernt seien. Birmingham war deshalb eher ein Beleg für eine verbesserte Breite und bessere Tagesform als für eine vollständig gelöste Strukturkrise. Von stabilen Strukturen an der Basis, d.h. in den Vereinen, LGs und Abteilungen und vor allem im öffentlichen Schulwesen kann im Zusammenhang mit der deutschen Leichtathletik nach wie vor nicht gesprochen werden.
Wie wird die deutsche Leichtathletik finanziert?
Der sportliche Erfolg der deutschen Leichtathletik wird durch einen Finanzierungsmix aus staatlicher Förderung, Verbands- und Sponsorengeldern sowie individueller Athletenförderung ermöglicht. Die wichtigste direkte Quelle für den DLV-Leistungssport ist die Bundesförderung; für 2026 sind für den DLV rund 9,78 Millionen Euro vorgesehen.
Bundesmittel
Die Bundesregierung finanziert den DLV auf Grundlage von Jahres- und Strukturplänen, die neben weiteren „Leistungsdaten“ in die POTAS-Analyse („Potenzialanalysesystem“) eingehen. Die Mittel dienen insbesondere der Finanzierung von:
– Bundestrainerinnen und Bundestrainern sowie weiterem Leistungssportpersonal,
– Trainingslagern und Lehrgängen,
– Wettkampf- und Reisekosten,
– sportwissenschaftlicher, medizinischer und physiotherapeutischer Betreuung,
– Kader- und Nachwuchsprogrammen,
– Organisationskosten bedeutender Sportveranstaltungen.
Für 2025 waren beim DLV rund 9,94 Millionen Euro als Bundeszuwendung veranschlagt; für 2026 weist die Haushaltsübersicht rund 9,78 Millionen Euro aus. In den Jahren 2022 bis 2024 lag die DLV-Förderung des Bundes im Durchschnitt bei knapp 11 Millionen Euro jährlich.
Athletenförderung
Ein Teil der Unterstützung erreicht die Athletinnen und Athleten nicht als direkte DLV-Zahlung, sondern über Beschäftigungs- und Fördermodelle. Dazu zählen vor allem:
– Bundeswehr,
– Bundespolizei,
– Zoll,
– Landespolizeien,
– Deutsche Sporthilfe,
– Olympiastützpunkte und Länder.
Diese Modelle ermöglichen es, Hochleistungssport mit einer beruflichen Absicherung zu verbinden. Für viele Athleten ist das entscheidend, weil sie dadurch Einkommen, soziale Sicherung, Trainingsfreistellung und eine berufliche Perspektive erhalten.
Sponsoring und Vermarktung
Weitere Mittel stammen aus Sponsoring, Partnerschaften, Medien- und Vermarktungsaktivitäten. Diese Einnahmen können etwa für Teamkleidung, Trainings- und Wettkampfausrüstung, Veranstaltungen, Kommunikation oder zusätzliche Serviceangebote verwendet werden.
Die öffentlich zugänglichen Quellen weisen jedoch nicht für jedes Jahr eine vollständig aufgeschlüsselte DLV-Einnahmenstruktur aus. Deshalb lässt sich nicht seriös sagen, welchen exakten Anteil Sponsoring 2026 am Birmingham-Erfolg hatte.
Mitgliedsbeiträge und Verbandsmittel
Der DLV verfügt außerdem über Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen seiner Landesverbände und weiterer Mitgliedsorganisationen. Hinzu kommen Einnahmen aus Veranstaltungen, Dienstleistungen, Lizenzen und sonstigen Verbandsaktivitäten.
Diese Mittel sind im Vergleich zur Bundesförderung eher gering, tragen aber zur Finanzierung des laufenden Verbandsbetriebs und damit indirekt auch zur Leistungssportorganisation bei.
Lotterien und Sportförderung
Im deutschen Sportsystem fließen zudem erhebliche Mittel aus Lotterien und Sportwetten in den gemeinnützigen Sport. Diese Gelder werden nicht einfach vollständig an den DLV überwiesen, sondern über unterschiedliche Förderwege verteilt, etwa an Sportorganisationen, Länder, Kommunen und Projekte.
Für die Leichtathletik ist deshalb auch die Infrastrukturfinanzierung relevant: Trainingsstätten, Olympiastützpunkte, Sportwissenschaft, medizinische Betreuung und kommunale Sportanlagen werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln getragen, ohne im DLV-Haushalt als unmittelbare Medaillenfinanzierung zu erscheinen.
Finanzierung und Erfolg
Der Zusammenhang zwischen Geld und Medaillen ist allerdings nicht mechanisch. Die Bundesmittel finanzieren vor allem die Voraussetzungen des Erfolgs – Trainer, Planung, Betreuung, Reisen und Trainingsmöglichkeiten der Bundeskader-Athleten. Die konkrete Leistung in Birmingham entstand ganz wesentlich auch durch die Arbeit der Vereine, Landesverbände, Heimtrainer, Stützpunkte und vorrangig durch den Trainingsfleiß der Athletinnen und Athleten selbst.
Zudem stand die DLV-Förderung zuletzt unter Effizienzdruck: Nach schwächeren Ergebnissen bei früheren Großereignissen wurden Kürzungen diskutiert beziehungsweise umgesetzt, und der Verband musste Trainings- und Wettkampfplanungen teilweise anpassen. Der Erfolg von Birmingham ist daher weniger das Ergebnis eines einfachen „Mehr an Geld“ als einer offenbar wirksameren Nutzung und Bündelung vorhandener Ressourcen.
Wie wird die italienische Leichtathletik finanziert?
Der italienische Erfolg wird vor allem durch ein staatlich getragenes, aber stark eigenfinanziertes Mischmodell ermöglicht. Zuständig ist die Federazione Italiana di Atletica Leggera (FIDAL); ihre wichtigsten Quellen sind Mittel von CONI[3] beziehungsweise „Sport e Salute“[4], Sponsoring und eigene Einnahmen aus Veranstaltungen, Mitgliedschaften und Dienstleistungen.
Öffentliche Finanzierung
Die zentrale Säule bilden öffentliche Mittel des italienischen Sportsystems. In der FIDAL-Mehrjahresübersicht beliefen sich die Beiträge von CONI beziehungsweise „Sport e Salute“ 2023 auf rund 15,65 Millionen Euro; 2022 waren es rund 15,68 Millionen Euro.
Mit diesen Geldern werden u.a. finanziert:
– Nationaltrainer und technisches Personal,
– Trainingslager und internationale Wettkämpfe,
– medizinische und sportwissenschaftliche Betreuung,
– Nachwuchs- und Kaderprogramme,
– Unterstützung von Vereinen und Veranstaltern,
– nationale Meisterschaften und Verbandsverwaltung.
Für 2026 erhöhte FIDAL die Mittel für Vereine und Veranstalter auf rund 1,966 Millionen Euro, 26,7 Prozent mehr als 2025. Das stärkt die Basis, aus der Spitzenathleten hervorgehen.
Hohe Eigenfinanzierung
FIDAL plante für 2025 einen Produktionswert von rund 29,04 Millionen Euro und eine Eigenfinanzierungsquote von 49 Prozent. Das ist im internationalen Sportvergleich bemerkenswert: Fast die Hälfte des Haushalts soll somit aus nichtstaatlichen beziehungsweise verbandseigenen Einnahmen stammen.
Zu diesen Einnahmen zählen insbesondere:
– Sponsoring und Werbung,
– Start- und Teilnehmergebühren,
– Veranstaltungs- und Organisationserlöse,
– Mitgliedsbeiträge,
– Lizenzen und Dienstleistungen,
– Einnahmen aus nationalen und internationalen Veranstaltungen.
Sponsoring
Sponsoren bilden eine wichtige Ergänzung zur öffentlichen Finanzierung. Im FIDAL-Budget 2024 wurden unter anderem JOMA[5] mit 700.000 Euro, Frecciarossa[6] mit 350.000 Euro und IP mit 80.000 Euro als institutionelle Sponsoren genannt.
Sponsoring finanziert nicht nur Werbemaßnahmen, sondern kann auch Ausrüstung, Mannschaftsauftritte, Veranstaltungen, Reisekosten und die professionelle Vermarktung der Nationalmannschaft unterstützen.
CONI und „Sport e Salute“
Das italienische Modell ist institutionell komplexer als eine direkte staatliche Finanzierung der FIDAL. Staatliche Mittel fließen zunächst in das nationale Sportsystem und werden dann über CONI beziehungsweise „Sport e Salute“ und weitere Förderwege an die Fachverbände verteilt. Der CONI-Haushalt 2024 enthielt beispielsweise staatliche Mittel von insgesamt rund 65,4 Millionen Euro, darunter reguläre und zweckgebundene olympische Förderungen.
Für die Leichtathletik ist außerdem wichtig, dass Athletenförderung nicht ausschließlich über FIDAL läuft. CONI-Strukturen, Olympiastützpunkte, Sporthilfeprogramme und leistungsbezogene Prämien ergänzen die Verbandsfinanzierung.
Vereins- und Nachwuchssystem
Ein wesentlicher Unterschied zur bloßen Finanzierung einer Nationalmannschaft liegt in der Breitenstruktur. Italien verfügt über ein großes Vereins- und Wettkampfsystem, in dem die Talente entdeckt, trainiert und schrittweise an internationale Anforderungen herangeführt werden.
Die zusätzlichen FIDAL-Mittel für Vereine und Veranstalter sind deshalb sportpolitisch relevant: Sie finanzieren nicht unmittelbar eine einzelne Medaille, verbessern aber die Bedingungen für Trainer, Wettkämpfe, Talentförderung und Vereinsarbeit.
Vergleich mit Deutschland
Der italienische Erfolg in Birmingham ist daher nicht einfach das Resultat höherer Ausgaben. Entscheidend ist die Kombination aus:
– relativ umfangreicher öffentlicher Grundfinanzierung,
– fast hälftiger Eigenfinanzierung des Verbandes,
– leistungsfähigem Sponsoring,
– gezielter Vereins- und Veranstalterförderung,
– professioneller Kader- und Trainerarbeit,
– zusätzlicher Athletenförderung durch das nationale Sportsystem.
Die FIDAL kann dadurch stärker in technische Programme und die Vereinsbasis investieren. Dennoch bleibt der Zusammenhang zwischen Finanzmitteln und Medaillen indirekt: Der Erfolg entsteht erst, wenn Geld in gute Trainer, stabile Trainingsbedingungen, Nachwuchsentwicklung und eine professionelle Wettkampfvorbereitung übersetzt wird.
[1] La Federazione Italiana di Atletica Leggera (Italienischer Leichtathletikverband)
[2] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.
[3] Comitato Olimpico Nazionale Italiano (Italienisches Nationales Komitee)
[4] „Sport und Gesundheit“
[5] Spanischer Hersteller von Sportartikeln und Sportbekleidung
[6] Italienische Hochgeschwindigkeitszug („Roter Pfeil“)
Letzte Bearbeitung: 22. 8. 2026