Akzeptieren wir das Jahr 1860 – als damals in England die ersten Wetten auf Sport-Wettkämpfe abgeschlossen wurden – als das Geburtsjahr des Sports, dann hat der moderne Sport im Jahr 2025 sein 165. Lebensjahr erreicht. Damals veranlasste der Adel Angehörige unterer Schichten, sich mit Kollegen bei Wettkämpfen gegen eine geringe Bezahlung zu vergleichen, um die gesellschaftliche Oberschicht und den Adel zu erfreuen und deren Wettleidenschaft zu befriedigen. Auch heute wird die Wettleidenschaft von Wettsüchtigen in der ganzen Welt mit Wetten auf Sportergebnisse befriedigt und im Sport selbst geht es vor allem um sehr viel Geld. In diesem Jahr befindet sich der Sport in einer kommerziellen Blüte wie nie zuvor. Längst hat er globale Dimensionen angenommen. Der Sport ist ein gesellschaftliches Teilsystem, in dem auch heute noch sehr viele Adlige eine wichtige Rolle einnehmen. Doch wird er nunmehr immer häufiger von Milliardären und Millionären aus allen gesellschaftlichen Bereichen dominiert, die erkannt haben, welch große Geschäfte sich mit Sport machen lassen. Die Politik ist dabei ebenso beteiligt wie die Wirtschaft und die Industrie. Die Athletinnen und Athleten sind die ökonomischen Profiteure – wenn sie denn sportlich erfolgreich sind. Aber auch viele weitere gesellschaftliche Gruppen – angefangen von den Funktionären über die sog. Manager bis hin zu den Massenmedien und verschiedener Sparten der Unterhaltungsindustrie – bereichern sich heute immer erfolgreicher am Sport.
Auffällig ist, dass die gesellschaftlichen Bereiche der Hochkultur und der Künste heute vom Sport entfernter sind denn je. Es hat wohl bis heute noch nie eine Zeit gegeben, in der sich der Sport so wenig um ein Verhältnis zur Kunst, zur Literatur, zur Musik, zur Wissenschaft und zur Architektur bemüht hat, wie dies in diesen Tagen der Fall ist.
Dabei muss man es als einen Glücksfall bezeichnen, dass es immer wieder bildende Künstler¹ gibt, die den Sport mit ihren künstlerischen Ideen bereichern. Es sind Maler ebenso wie Bildhauer und Grafiker, die immer wieder von neuem eine Ästhetik des Sports hervorbringen, von der man sich wünscht, dass sie sich in der realen Welt des Sports widerspiegelt und von den Athletinnen und Athleten als Vorbild betrachtet werden und zur Nachahmung beim eigenen Handeln anregen. Es waren die herausragendsten Künstler der verschiedenen Kunstepochen in den vergangenen 100 Jahren, die in ihrem Schaffen auch wichtige Werke dem Sport gewidmet bzw. Motive des Sports bearbeitet haben.
- Max Liebermann, ein deutscher Maler, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als erster in Deutschland intensiv Sportmotive wie Reiten, Tennis und Polo darstellte. Seine Werke zeigen den Sport als Facette des modernen Lebens und des Großbürgertums seiner Zeit.

- Robert Delaunay, ein französischer Künstler, bekannt für seine dynamischen und farbenfrohen Darstellungen von Sport, insbesondere in Werken, die von der Leichtathletik und Rugby inspiriert sind. Seine Serie „Coureurs“ (Läufer) aus den 1920er Jahren ist ein Beispiel für die künstlerische Umsetzung von Sportenergie und Bewegung.

- Henri Rousseau, der in seinem Gemälde „Les joueurs de football“ (Die Fußballspieler) die aufblühende Sportart Fußball mit einem naiven und fantasievollen Stil darstellt.

- Natalja Gontscharowa, eine russische Avantgarde-Künstlerin, die in ihren Werken, wie etwa dem „Radfahrer“, Bewegung und Stadtleben im Kontext des Sports künstlerisch darstellt.

- LeRoy Neiman, bekannt für seine farbenfrohen und dynamischen Darstellungen von Sportereignissen, einschließlich der Olympischen Spiele.

- Jean-Michel Folon, der mehrere offizielle Plakate für die Olympischen Spiele seit 1984 gestaltete.

- David Hockney, der eines der offiziellen Poster für die Olympischen Spiele 1972 in München schuf.

- Künstler wie Willy Jaeckel, Renée Sintenis und Rudolf Großmann beschäftigten sich insbesondere mit Boxerdarstellungen und urbanem Massensport nach dem Ersten Weltkrieg.
- Auch zeitgenössische Künstler wie Jonny Ambrose interpretieren Themen des Rennsports künstlerisch.
- Der britische Künstler Roald Bradstock, bekannt als „olympischer Picasso“, bringt Athleten zum Malen und verbindet somit Sport und Kunst innovativ.
Neben Liebermann muss auch eine ganze Reihe weiterer deutscher Maler erwähnt werden, die in ihrem Werk ebenfalls Sportmotive dargestellt haben, und dabei international Beachtung finden konnten.
In den 1920er-Jahren begannen jüngere deutsche Maler verstärkt populäre Sportarten wie Fußball und Boxen als Motive zu wählen. Beispiele für diese Entwicklung sind Werke von Künstlern wie Georges Grosz, Renée Sintenis und Rudolf Großmann, die den sportlichen Körpereinsatz etwa beim Boxen bildlich festhielten

Max Schmeling, dargestellt von George Grosz
Diese Künstler zeigen, dass Sport seit dem späten 19. Jahrhundert bis heute ein bedeutendes Feld künstlerischer Auseinandersetzung ist, das von Impressionismus über Avantgarde bis zu moderner und zeitgenössischer Kunst reicht. Sportmotive sind in der internationalen Kunst präsent und werden künstlerisch in vielfältiger Weise umgesetzt.
Auch mehrere nationale und internationale Bildhauer haben Skulpturen zum Thema Sport geschaffen. National sind unter anderem folgende Künstler hervorzuheben:
- Wolfgang Schaper (Berlin), der in den 1920er Jahren mit der modernen Darstellung eines Diskuswerfers und eines Leichtathleten (Otto Peltzer) bekannt wurde. Seine Skulpturen stehen in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam. Schapers „Diskuswerfer“ zeigt die Spannung und Bewegung des Athleten in einer modernen Form und gilt als international bekannt.

- Peter Franke aus dem Kreis Lörrach schuf 1988 die „Dynamischen Säulen“, eine Stahlplastik, die das Thema Sport in abstrakter Form der Bewegung darstellt.
- Eine Gruppe von fünf Bildhauern, nämlich Eberhard Bachmann (Berlin), Wilhelm Landgraf(Dresden), Rudolf Oelzner (Leipzig) und Werner Stötzer (Berlin) realisierte 1956 im Rahmen eines Wettbewerbs für Sportfest-Skulpturen in Leipzig verschiedene Sportlerfiguren wie Schwimmerinnen, Ballspieler, Diskuswerfer und eine Siegerehrung.
International bekannt ist auch die Statue von Michael Jordan in Chicago (USA), eine 12 Meter hohe Bronzeskulptur von Omri Amrani und Julie Rotblat-Amrani, die den Basketballstar bei einem „Dunking“ zeigt.

Eine Reihe weiterer Bronzeskulpturen, die verschiedene Sportarten und Figuren ehren, wurden weltweit von erfahrenen Künstlern geschaffen, wobei es zahlreiche Werke von Fußballern, Baseballspielern und anderen Sportlern gibt.
Der Frankfurter Künstler und Bildhauer Achim Ripperger entwarf 2025 die „Goldene Sportpyramide“, die jährlich Sportpersönlichkeiten als Trophäe überreicht wird. Das Werk symbolisiert spielerisch verschiedene Phasen sportlicher Karrieren.

Zudem gibt es vielfältige historische Bezüge zu antiken Sportskulpturen, wie die berühmte Bronzestatue „sitzender Boxer“ aus Rom, die seit 1885 als Kunstwerk mit sportlichem Thema gilt.

Somit haben sowohl deutschsprachige als auch internationale Bildhauer in unterschiedlichen Stilen und Epochen zahlreiche Skulpturen mit Sportthematik geschaffen, von realistischen Darstellungen bis zu abstrakten Formen der Bewegung.
Wohl noch etwas bekannter als die Werke der Bildhauer sind die architektonischen Leistungen von mehreren international bekannten Architekten, die weltweit renommierte Sportstätten entworfen haben.
- Das Schweizer Büro Herzog & de Meuron ist für das Olympiastadion in Peking („Vogelnest“), die „Allianz Arena“ in München und den „St. Jakob-Park“ in Basel berühmt. Für das Nationalstadion in Peking arbeiteten sie mit Ai Weiwei und weiteren Partnern zusammen.
- Das international bekannte Londoner Büro Zaha Hadid Architects entwarf u.a. das „Hangzhou International Sports Centre“ und weitere wichtige Sportarenen in China.
- Das deutsche Büro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) gilt als Marktführer im Stadionbau. Es hat global über 60 Stadien entworfen, darunter die Neugestaltung des „Olympiastadions“ in Berlin, die „Commerzbank Arena“ in Frankfurt, das „Nationalstadion“ in Warschau, mehrere Stadien in Brasilien (u.a. für die WM 2014), und zahlreiche weitere in China, Russland, Indien und Europa.
Zu erwähnen sind auch die japanischen Architekten Kenzo Tange (Das „Yoyogi National Gymnasium“ in Tokio gilt als Ikone der Architekturgeschichte) und Kisho Kurokawa (er entwarf das „Toyota Stadium“ in Japan). Ferner haben Tadao Ando und Kengo Kuma mehrere sehenswerte Sportstätten in Japan gebaut.

Diese Architekturbüros und Architekten stehen für innovative und international anerkannte Sportstätten, die oft mit Designpreisen ausgezeichnet wurden und als Vorbilder für funktionale und gestalterische Qualität gelten.
Die Liste der Namen, die in einer „Hall of Fame“ jener Künstler, die sich auch mit Sport beschäftigt haben, zu nennen sind, ist mittlerweile lang geworden. Sie wird angeführt von Künstlern wie Liebermann, Hockney, Hundertwasser, Miró, umfasst Grafiker wie Otl Aicher und Anton Stankowski und Bildhauer wie Wolfgang Schaper. Nahezu jede Schule der Künste hat sich mit der Thematik „Sport“ beschäftigt. Das Bauhaus ist dabei ebenso zu erwähnen wie der Impressionismus und die Aktionskünste. Die besten Karikaturisten der Welt haben mit ihren gekonnten Federstrichen immer wieder von neuem dem Sport den Spiegel vorgehalten. Die besten Architekten der Welt haben mit ihren Ideen und in Verbindung mit einer außergewöhnlichen Ingenieurskunst überall in der Welt modernste Sportstätten geschaffen.
Zahlreiche international bekannte Schriftsteller und Dichter haben Motive des Sports in ihren Werken behandelt, darunter insbesondere Ernest Hemingway, Albert Camus, Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Norman Mailer, Hermann Hesse und Robert Musil.
Ernest Hemingway befasste sich zum Beispiel intensiv mit dem Boxen und dem Stierkampf, wobei der Sport als Symbol für existenzielle Kämpfe und den Umgang mit Angst und Tod dient. Hemingway selbst war ein leidenschaftlicher Boxfan und ließ diese Erfahrungen in sein Werk „Fiesta“ und Artikel wie „The Battler“ einfließen.
Albert Camus brachte seine Fußballleidenschaft in seine Literatur ein – seine Erfahrungen als Torwart prägten seine Sicht auf das Leben und den Umgang mit Verantwortung, wie in Essays und autobiografischer Prosa deutlich wird.
Norman Mailer widmete dem Boxen ganze Bücher, etwa „Der Kampf“ über den legendären Wettkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Dieser gilt als eines der bedeutendsten Werke zur Sportliteratur und verbindet sportliche Dramatik mit gesellschaftlicher Symbolik.
Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky behandelten ebenfalls das Motiv des Boxens als Parabel für soziale und politische Kämpfe und den fairen Wettstreit. Es finden sich dazu zahlreiche Gedichte und Essays über die Sportkultur ihrer Zeit.
Die Autorin Marieluise Fleißer und die Autoren Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Hans von Wedderkop, Georg Kaiser, Arnolt Bronnen, Erich Kästner, Fritz Kortner, Ernst Toller, Bernard von Brentano, Alfred Döblin, Hermann Hesse, Joseph Roth, Herbert Ihering, Robert Musil setzten sich in der Weimarer Republik vielfach mit dem Sportbetrieb auseinander und integrierten ihn in ihre literarischen Werke. Sie verarbeiteten Motive wie Fußball, Tennis und Vereinsleben in Romanen und Erzählungen. John von Düffel (Schwimmen), Illja Trojanow („Meine Olympiade“) und Wolf Wondratschek („Im Dickicht der Fäuste“ zum Boxen) liefern weitere moderne literarische Reflexionen über Sport als Symbol für Lebenswege und gesellschaftliche Herausforderungen. Siegfried Lenz („Der Läufer“, „Brot und Spiele“) thematisiert den Langstreckenlauf. Thomas Mann schrieb Essays und Reden zum Sport als kulturellem Phänomen, das gesellschaftlich verbindend wirkt.
Klaus Mann und Rolf Hochhuth behandelten politische und soziale Dimensionen des Sports und dessen Rolle im gesellschaftlichen Kontext.
Die Sportmotive reichen dabei von Heldentum, Leidenschaft und Solidarität bis zu Vergänglichkeit und Ruhmsucht, und werden oft als Parabel für den existenziellen Kampf des Individuums – etwa in Langstreckenläufen oder Boxkämpfen – verwendet. Sport erscheint so als Spiegel gesellschaftlicher Werte und menschlicher Grenzerfahrungen. Zusammengefasst haben viele namhafte Literaten aus verschiedenen Genres und Epochen den Sport thematisiert oder waren selbst sportlich aktiv, was sich oft in ihren Werken widerspiegelt.
Maler, Grafiker, Bildhauer, Architekten, Literaten, haben somit dem Sport sehr umfassend ihre Ehre erwiesen. In gewisser Weise haben sie auch im Vergleich zur aktuellen Realität des Hochleistungssports mit all dessen Exzessen und Verfehlungen ein ästhetisches Gegenbild geschaffen, das man heute nicht hoch genug würdigen kann. Doch der Sport, so scheint es immer offensichtlicher zu sein, ist sich dieser besonderen Anerkennung nicht bewusst und nimmt diese Ehrerweisung auch kaum zur Kenntnis. Nur ganz selten ist der Sport, der heute reicher ist denn je, auch ein Förderer der Künste. Von der milliardenteuren „Sahnetorte“ des modernen Sports kommen nach deren Verzehr den Künsten allenfalls die vom Tisch gefallenen Brosamen zu.
Dies war glücklicherweise nicht immer so. Ja, es gab einstmals Zeiten, da haben sich die Verantwortlichen des Sports geradezu engagiert bemüht, damit es zu einer engen Beziehung zwischen den wichtigsten Trägern der Kultur, den Künsten, der Literatur, der Musik, der Architektur und Wissenschaft und dem Sport kommt.
Zuerst muss in diesem Zusammenhang Pierre de Coubertin erwähnt werden, der bereits in seiner Philosophie des modernen Olympismus den Olympischen Sport im Zusammenspiel mit den verschiedenen Disziplinen der Kunst erörterte und den Olympischen Sport gemeinsam mit den Künsten, der Literatur, der Wissenschaft und der Architektur als einen besonderen Ausdruck der abendländischen Hochkultur betrachtete. Bei den Olympischen Spielen sollte es seiner Auffassung nach zu einer Begegnung der besten Athleten mit den besten Künstlern kommen, und so war es für ihn naheliegend, auch olympische Wettbewerbe für verschiedene Disziplinen der Kunst anzubieten und in diesen auch Gold-, Silber- und Bronzemedaillen auszuloben.
Ab 1912 fanden deshalb folgerichtig Kunstwettbewerbe bei den Olympischen Spielen statt und sie wurden in den Disziplinen Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei ausgetragen. Die eingereichten Werke mussten einen Bezug zum Sport haben und es wurden Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben.
Die Wettbewerbe fanden zuletzt 1948 statt und wurden 1954 endgültig abgeschafft. Ab diesem Zeitpunkt wurden sie durch kulturelle Veranstaltungen ohne Medaillen ersetzt. Der Hauptgrund für die Abschaffung lag darin, dass die meisten Künstler als Profis galten, während bei Olympischen Spielen der Amateurstatus gefordert war. Innerhalb der fünf Hauptkategorien gab es teilweise Unterteilungen, zum Beispiel:
- In der Architektur: allgemeine Architektur und Städtebau (ab 1928).
- In der Literatur: anfangs nur eine Kategorie, später Unterteilung in dramatische, epische und lyrische Werke.
- In der Musik: etwa Gesangs-, Instrumental- und Orchesterkompositionen.
- In der Malerei: Malerei, Zeichnung, Grafik.
- In der Bildhauerei: Statuetten, Reliefs und Medaillons.
Andere Kunstdisziplinen wie Tanz, Film, Fotografie oder Theater wurden vorgeschlagen, aber nie offiziell Teil des Wettbewerbs.
Bei den Olympischen Kunstwettbewerben waren einige Künstler besonders erfolgreich, darunter vor allem der luxemburgische Maler Jean Jacoby, der als der erfolgreichste olympische Künstler gilt. Er gewann 1924 die Goldmedaille mit dem Werk „Étude de Sport“ und 1928 erneut Gold für die Kohlezeichnung „Rugby“ in der Kategorie Zeichnungen und Aquarelle. Insgesamt prägte Jacoby eine moderne Ikonografie des Sports und erhielt mehrere Medaillen vor allem in der Malerei.

Jean Jacoby „Rugby“
Ein weiterer erfolgreicher Künstler war der Schweizer Alex Diggelmann, der insgesamt drei Medaillen gewann, darunter 1936 eine Goldmedaille für das „Arosa I Placard“ sowie 1948 eine Silber- und Bronzemedaille in der Kategorie „Angewandte Kunst“ für Werbeplakate.
Im Bereich Bildhauerei gewann der Amerikaner Walter Winans eine Goldmedaille 1912 mit seiner Plastik „Ein amerikanischer Traber“. Bemerkenswert ist, dass Winans sowohl im Kunst- als auch in einem Sportwettbewerb Medaillen errang: – er gewann Medaillen im Sportschießen.
Auch in den 1930er Jahren waren deutsche Künstler sehr erfolgreich: So gewann Architekt Werner March 1936 Gold für den Entwurf des „Reichssportfeldes“, und Bildhauer Arno Breker erhielt eine Silbermedaille für seine Statue „Der Zehnkämpfer“.

Insgesamt sammelten deutsche Künstler bei den Kunstwettbewerben 13 Medaillen, was einen Rekord darstellte.
Prominente Juroren wie die Schriftstellerin Selma Lagerlöf und der Komponist Igor Strawinsky übten ihre Jury-Funktion bei den Wettbewerben aus, waren jedoch bekannter als die meisten teilnehmenden Künstler.
Zusammenfassend zeichnet sich Jean Jacoby als der bekannteste und erfolgreichste Künstler der Olympischen Kunstwettbewerbe mit bedeutenden Beiträgen in der Malerei aus, während weitere Künstler in den anderen Disziplinen ebenfalls Medaillen gewannen, jedoch meist weniger international bekannt wurden.
Die zweite Person, die ich in diesem Zusammenhang erwähnen möchte, ist Willy Daume, der erste Präsident des DSB und des Deutschen Nationalen Olympischen Komitees. Er ist jene Persönlichkeit, dem die Olympischen Spiel 1972 zu verdanken sind, bei denen wie bei kaum einer anderen Ausgabe dieser Spiele, die von Pierre de Coubertin begründete „Philosophie des modernen Olympismus“ in allen ihren besonderen Merkmalen gelebt und vorgetragen wurde. Das Münchner Olympiastadion wurde dank des Architekten-Teams von Günther Behnisch und dank der außergewöhnlichen Ingenieurleistungen, die hinter der Zeltdachkonstruktion gestanden haben, zu einem der bedeutsamsten Architekturobjekte der Moderne. Otl Aicher hat mit seinen kreativen grafischen Ideen das Design dieser Spiele geprägt. Seine Piktogramme gehören auch 50 Jahre später noch immer zu den eindrucksvollsten, die es in der Welt der Piktogramme gibt. Der olympische Kongress, der aus Anlass der Spiele in München stattgefunden hat, wurde seitdem mehrfach nachgeahmt. Doch niemals wurde ein vergleichbar gelungener internationaler Wissenschaftskongress aus Anlass von Olympischen Spielen angeboten. Sein Erfolg ist auf das engste mit Ommo Grupe, dem damaligen Mentor der deutschen Sportwissenschaft verbunden. Mit all diesen Bausteinen wurden die Münchner Spiele zu einem der außergewöhnlichsten kulturellen Ereignis Deutschlands. Zu all dem hat Daume nicht nur alle initiierenden Anregungen gegeben, sondern auch die notwendigen organisatorischen und finanziellen Entscheidungen ermöglicht. Willy Daume dachte dabei nicht nur an die großen Künstler der Welt, sondern er förderte auch viele Nachwuchskünstler, wo immer es ihm möglich war. So wurden unter seiner Führung aber auch in Kooperation mit dem DSB- Präsidenten Willy Weyer über viele Jahre ein schöner Brauch gepflegt. Bei der jährlichen Mitgliederversammlung des DSB beziehungsweise des NOK wurden den Delegierten sog. „künstlerische Jahresgaben“ mit auf den Nachhauseweg gegeben.

Es handelte sich dabei meist um Werke von Künstlern, die oft am Anfang ihrer Karriere standen und die doch sehr schnell sich mit ihren Kunstwerken einen großen Namen teilweise über Deutschland hinaus machen konnten. Wenn es ehemalige Athleten waren, die den Weg in die Künste gefunden hatten, so konnten sie der Unterstützung von Willy Daume sicher sein. Dies gilt für den ehemaligen Zehnkämpfer und Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Montreal Eberhard Stroot in gleicher Weise wie für andere Athleten, die den Weg in die in die Kunst gefunden haben.

Die heute zu beobachtende Beziehung zwischen dem Sport und den Künsten muss in vieler Hinsicht als irritierend empfunden werden. In der Welt des Sports spricht man, ohne die Semantik der verwendeten Begriffe zu erfassen, vom Kunstturnen, vom Eiskunstlauf, von Ball- Künstlern und von der Fechtkunst. Bei Dressurübertragungen wird die Reitkunst und bei der Bewunderung der Athletinnen in der Rhythmischen Sportgymnastik wird deren Tanzkunst hervorgehoben.
Als angebliche Aufwertung des Sports fordern seit Jahren einige Sport Funktionäre, dass der Sport neben der Kultur in das Grundgesetz aufgenommen werden soll. Dass der Sport nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur, sondern seit seinen ersten Anfängen immer auch ein wichtiger Bestandteil aller Hochkulturen dieser Welt gewesen und auch heute noch ist, wird dabei von den Verantwortlichen des Sports systematisch übersehen. Die Frage, ob Sport Kunst ist, kann durchaus mit Ja beantwortet werden. Die künstlerischen Darstellungen, die dem Sport durch Maler, Bildhauer, Karikaturisten, Grafiker, Literaten und Architekten geschenkt wurden, machen deutlich, wie dringend notwendig ein umfassender Lernprozess auf Seiten der heute Verantwortlichen des Sports geworden ist. Es ist ganz offensichtlich, dass der deutsche Sport Führungspersönlichkeiten von einer Qualität eines Willy Daume oder eines Willy Weyer benötigt, damit er in der Tradition von Pierre de Coubertin die Beziehung zwischen den Künsten und dem Sport mit neuer Qualität und zukunftweisend bereichern kann.
Letzte Bearbeitung: 14.8.2025
¹ Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.