Helmut Digel
„Athletica Vaticana“ (lateinisch; englisch “Vatican Athletics“) ist der erste offizielle Sportverein des Vatikanstaates. Gegründet im Januar 2019 versteht sich der Verein nicht primär als leistungs- und wettkampforientierte Gemeinschaft, sondern als spirituelles und soziales Projekt unter dem Patronat des Päpstlichen Kulturrates bzw. des heutigen „Dikasterium für Kultur und Bildung“. Aus einer 2017 entstandenen Laufgruppe „Athletica Vaticana“, die zunächst am „Marathon für den Frieden“ in Rom teilnahm, entwickelte sich Anfang 2019 der formelle Verein. Der Verein ist in die „Sport und Kultur“-Abteilung des „Päpstlichen Kulturrates“ (heute „Dikasterium für Kultur und Bildung“) eingebettet und wird von diesem ideell und organisatorisch begleitet.
Der offizielle Geschäftssitz ist in der Vatikanstadt (Via del Pellegrino); seit 2023 gibt es zusätzlich das „Vatican House of Sport“ im Palazzo San Calisto in Rom-Trastevere als operativen Sitz.
Athletica Vaticana verwendet eine Darstellung des Wappens der Vatikanstadt als Symbol, das aus zwei Schlüsseln und einer päpstlichen Tiara besteht. Die Sportbekleidung der Mannschaft ist blau, gelb und weiß; die beiden letztgenannten Farben finden sich auch in der Flagge der Vatikanstadt. Offizieller Ausrüster der Mannschaft ist das italienische Unternehmen Errea.
Der Verein verfügt über keine eigenen Sportstätten. Deshalb kooperiert er mit einem römischen Verein, dessen Anlagen er mitbenutzen darf. Weitere Kooperationen bestehen zu FIDAL, dem italienischen Leichtathletikverband, und zum italienischen Nationalen Olympischen Komitee CONI.
Mitgliederstruktur und Selbstverständnis
Anfangs hatte der Verein 60 Mitglieder. Mittlerweile ist er auf ca. 200 angewachsen. Die Mitglieder sind überwiegend Angestellte des Vatikans und Bürger[1] von Vatikanstadt, darunter Ordensleute, Kleriker, „Schweizergardisten“, Museumsmitarbeiter, Bibliothekspersonal und Hausangestellte. Auch „ad honorem Mitglieder“ (z.B. Migranten) wurden aufgenommen. Das Alter der Mitglieder reicht von einem 19-jährigen „Schweizergardisten“ bis zu einer 62-jährigen Bibliotheksangestellten.
Der Verein betont eine generationenübergreifende Teilhabe. Die Mission des Vereins ist darauf ausgerichtet, dass der Sport als Raum für Begegnung, Freundschaft, Solidarität und christliches Zeugnis dient. „Athletica Vaticana“ soll „Botschafter des Papstes und des Evangeliums in der Welt des Sports“ sein.
Sportarten und internationale Anbindung
Ursprünglich als Leichtathletikverein konzipiert, hat sich Athletica Vaticana zu einem Mehrsparten-Sportverein entwickelt: Die Leichtathletik-Abteilung ist an den italienischen Leichtathletik-Verband (FIDAL) angebunden und kann über ein Abkommen mit dem Italienischen Olympischen Komitee (CONI) an italienischen und internationalen Leichtathletik-Wettkämpfen teilnehmen. Die Sportarten Radsport und Taekwondo wurden in die jeweiligen Weltverbände (UCI, World Taekwondo) aufgenommen; „Athletica Vaticana“ fungiert dabei als Dachorganisation für diese Aktivitäten, ist somit als Institution ein Verein und ein Verband zugleich.
Neben diesen Sportarten verfügt „Athletica Vaticana“ auch über ein Padel- Tennisangebot.
Der Vatikan hat auch mehrere Fußballmannschaften und eine eigene Vatikanische Fußball-Liga, (das Campionato Vaticano) mit mehreren Betriebsmannschaften. Dazu gehören Teams wie das Team des Apostolischen Archivs (Archivio), die Schweizergarde (Guardia Svizzera) oder die Mannschaft der Vatikanischen Museen. Der Vatikan besitzt eine inoffizielle Männer-Nationalmannschaft sowie seit einigen Jahren auch eine Frauenmannschaft. Die Spielerbestehen aus Angestellten des Vatikans, „Schweizergardisten“, Museumswächtern und auch aus Familienangehörigen.
Da es im Vatikan keinen Fußballplatz nach FIFA-Normen gibt und die Spieler keine vatikanische Staatsbürgerschaft im fußballrechtlichen Sinne haben, ist der Verband „Federazione Vaticanese Giuoco Calcio“ kein Mitglied der FIFA oder UEFA. Länderspiele finden nur auf inoffizieller oder freundschaftlicher Basis statt.
Im Vatican-Staat gibt es eine eigene Liga. Athletica Vaticana plant noch eine weitere Ausweitung des Sportartenspektrums
Infrastruktur: „Vatican House of Sport“
Im September 2023 wurde das „Vatican House of Sport“ im Palazzo San Calisto (Trastevere) gesegnet und eröffnet. Es dient als operativer Sitz und Begegnungsort für die Mitglieder, um Sport als „Gelegenheit für Begegnung, Sozialität, Dialog, Freundschaft und Brüderlichkeit“ zu leben. Der offizielle Verwaltungssitz bleibt in der Vatikanstadt.
Herkunft der Mitglieder von „Athletica Vaticana“ und sportliche Erfolge
Die Mitglieder von „Athletica Vaticana“ kommen aus mehr als 20 europäischen Nationen ergänzt durch gezielt eingebundene Migranten aus Westafrika (Gambia, Senegal). Sie spiegeln die internationale Struktur der vatikanischen Belegschaft wider.
Die Mitglieder von „Athletica Vaticana“ haben seit der Gründung 2019 einige beachtliche sportliche Erfolge erzielt, insbesondere in der Leichtathletik, beim Radsport und bei „Mehrsport-Veranstaltungen“ für Kleinstaaten.
- Nur vier Tage nach der Gründung gewann der sizilianische Priester Don Vincenzo Puccio im Januar 2019 beim „Maratona di Messina“ die Silbermedaille in 2:31:53 Stunden – der erste offizielle Erfolg von „Athletica Vaticana“.
- Die Läuferin Sara Carnicelli (Tochter eines Vatikan-Angestellten) startete bei den Mittelmeerspielen 2022 in Oran/Algerien im Halbmarathon und wurde Neunte. Dies war das erste offizielle Antreten des Vatikans bei einem internationalen sportlichen Großereignis.
- Der australisch-niederländische Radrennfahrer Rien Schuurhuis nahm 2022 am Straßenrennen der UCI-Straßen-Weltmeisterschaften teil und war damit der erste vatikanische Athlet, der bei einer internationalen Rad-Meisterschaft in die offizielle Wertung einging. Er startete auch 2023 und 2024 bei den Straßen-WM.
Bei den Europameisterschaften der kleinen Staaten errang der Vatikan mehrere Medaillen:
- Sara Carnicelli gewann 2022 in Marsa (Malta) über 5000 m zunächst eine inoffizielle Bronzemedaille (damals noch als „Ehrenmedaille“ gewertet).
- Der Hürdensprinter Giuseppe Zapparata holte 2024 in Gibraltar über 110 m Hürden die offizielle Bronzemedaille. Das fünfköpfige vatikanische Team gewann somit eine Medaille bei diesen Spielen.
Bei den Mittelmeerspielen 2026 in Taranto trat der Vatikan in mehreren Disziplinen an (Padel, Fechten, Radsport), konnte jedoch keine Medaille gewinnen. Die Mannschaft betonte danach, dass für sie nicht der Sieg, sondern die friedensstiftende Botschaft des Sports im Vordergrund stehe. Deshalb nehmen Mitglieder des Vereins regelmäßig an Volksläufen, Radrennen und kleineren Meisterschaften teil; einige trainieren mehrmals wöchentlich neben Beruf und religiösem Leben.
„Athletica Vaticana“ versteht sich weniger als leistungsorientierte Nationalmannschaft des kleinsten Staates der Welt, denn als symbolisches Projekt: Sport soll Brücken bauen und eine „Prophetie des Friedens“ sein. Die Teilnahme bei Olympischen Spiele wird zwar als langfristiges „Fernziel“ genannt, steht aber nicht im Vordergrund der Vereins- und Verbandspolitik.
Historischer Kontext: Sport im Vatikan
Die Gründung von „Athletica Vaticana“ steht in einer längeren vatikanischen Sporttradition: Unter Pius X. (1903–1914) fanden 1905–1908 interne Sport-Wettkämpfe in den „Vatikanischen Gärten“ statt, an denen auch Menschen mit Behinderung teilnahmen.
Pius XI. (Pontifikat von 1922 bis 1939) war selbst aktiver Bergsteiger und förderte den Sport.
Unter Papst Franziskus (Pontifikat von 2013 bis 2025) erhielt der Sport eine neue pastorale und soziale Dimension; die Gründung des Vereins „Athletica Vaticana“ ist Ausdruck dieses Ansatzes:
The Holy See
ADDRESS OF HIS HOLINESS POPE FRANCIS
TO THE MEMBERS OF THE „ATHLETICA VATICANA“ SPORTS ASSOCIATION
Clementine Hall
Saturday, 13 January 2024
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Your Eminence, Your Excellency,
Dear friends of Athletica Vaticana,
Good morning and welcome, also with your families! It is good to be with families, with children too.
I greet Cardinal José Tolentino de Mendonça, prefect of the Dicastery for Culture and Education, who, with the Apostolic Constitution Praedicate Evangelium, I have asked to take care of the dialogue with sports enthusiasts so that they too “may know and feel recognized by the Church as people at the service of a sincere search for the true, the good and the beautiful” (154). I express my joy at the presence of Athletica Vaticana on the streets, the tracks and playing fields, and for your Christian witness in the great world of sport, which today represents the most widespread cultural expression, provided that the amateur dimension that safeguards sport is always maintained.
My grateful greeting also goes to the international and Italian sporting authorities who, with their presence, bear witness to the liveliness of the dialogue and collaboration with the Holy See. It is significant that this meeting of ours takes place in the first days of 2024, which is the Olympic and Paralympic year. Thinking back to the value of the “Olympic truce”, my hope is that, in the particularly dark historical moment we are living, sport can build bridges, break down barriers, and foster peaceful relations.
Papst Franziskus spielte bei „Athletica Vaticana“ eine prägende, jedoch keine exekutiv-administrative Rolle: Er war ideeller Stifter und Schutzherr des Projekts, formulierte dessen spirituelles Profil und nutzte den Verband als Instrument seiner „Sportpastoral“[2].
Die Gründung von „Athletica Vaticana“ im Januar 2019 erfolgte „mit dem Segen von Papst Franziskus“ und war ganz in seinem Sinne; Franziskus galt als „großer Freund des Sports“. Zum Präsidenten wurde bei der Gründung Bischof Melchor Sánchez de Toca Almeda ernannt. Franziskus’ Rolle war die des geistigen Auftraggebers.
Theologisches und pastorales Profil
Franziskus prägte das Selbstverständnis von „Athletica Vaticana“ durch wiederkehrende Leitbegriffe:
– Sport als „Schule des Lebens“:
In seiner Ansprache an Athletica Vaticana (13. Januar 2024) betonte er Werte wie Loyalität, Opferbereitschaft, Teamgeist, Askese und Erlösung; der Sport solle als „Lebensweg“ verstanden werden.
– Amateurismus als „Saft“ des Sports:
Franziskus insistierte auf dem amateurhaften Charakter, der den Sport vor Kommerzialisierung schütze und seinen Gemeinschaftscharakter bewahre.
– Brüderlichkeit und Inklusion:
Der Verein bzw. der Verband soll „konkrete Nähe zu den Schwächsten“ leben – mit Menschen mit Behinderung, Gefangenen, Migranten, armen Familien. Franziskus sah in dem Sportverband explizit einen „Botschafter des Papstes“, der Zeugnis „auf der Straße“ zu bekunden hat: In einer Botschaft zu den Mittelmeerspielen (Algerien) nannte er „Athletica Vaticana“ eine Organisation, die „auf den Straßen und mitten unter den Menschen ein konkretes Zeugnis für das solidarische Gesicht des Sports ablegt, indem sie junge Migranten und Menschen mit Behinderungen aufnimmt“.
Der Verband wurde von ihm als einzigartiges „Sportdiplomatenkorps“ verstanden, das Begegnung, Dialog und Geschwisterlichkeit über kulturelle und soziale Grenzen hinweg fördert.
„Athletica Vaticana“-Projekte im Geist von Franziskus
Unter dem Dach von „Athletica Vaticana“ wurden Initiativen realisiert, die den Franziskus’ Enzykliken „Laudato si’“ und „Fratelli tutti“ entsprechen:
- „We Run Together“: Ein Sportevent mit Olympiasiegern und Jugendlichen mit Down-Syndrom/Autismus, an dem auch Migranten, Flüchtlinge, Häftlinge und Opfer von Menschenhandel teilnehmen. Franziskus dankte 2020 ausdrücklich für diese Förderung von Brüderlichkeit und Inklusion.
- „Vatican House of Sport“ (2023): Das neue Sporthaus im Palazzo San Calisto soll Franziskus’ „inklusive und solidarische Vision des Sports“ wirksam gestalten und als Ort der Begegnung im Geist der Brüderlichkeit dienen.
Papst Franziskus zeichnete sich durch eine besondere Sportaffinität aus. Er bekannte sich als Fußballfan des Clubs San Lorenzo und hat sich wiederholt als Freund aller Mannschaftssportarten gezeigt. Er nutzte Sportmetaphern, um Gemeinschaft und Solidarität zu beschreiben. Unter seinem Pontifikat gab es mehrere vom Vatikan unterstützte Sportinitiativen; so zum Beispiel „Sport at the Service of Humanity“ 2016.
Sein Nachfolger Papst Leo XIV. weist eine ähnlich enge Beziehung zum Sport auf. Am Sonntag vor den jüngst stattgefundenen Mittelmeerspielen (21. August bis 3. September 2026) rief er beim Angelus-Gebet dazu auf, die Spiele als „Prophezeiung des Friedens und der Geschwisterlichkeit“ zu verstehen. Leo XIV. mahnte zu einem Ende der Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland:
„Ich wünsche, dass dieses Sportereignis eine Prophezeiung des Friedens und der Geschwisterlichkeit zwischen den Völkern dieser Region und der ganzen Welt sein möge“.
„Athletica Vaticana“ war bei diesen Spielen bereits zum zweiten Mal vertreten. Die Teilnahme der Sportvereinigung des Heiligen Stuhls wurde durch die Nationalen Olympischen Komitees der 26 teilnehmenden Länder mit einem einstimmigen Beschluss ermöglicht. Für den vatikanischen Sportverband traten am 22. August im Männer-Doppel des Padel-Turniers Fabrizio Peloni und Tiziano Lucarelli an. Einen Tag später ging Daniele Fontana im Degenfechten an den Start. Am 24. August folgte der Radfahrer Emiliano Morbidelli. Die vier Sportler und ihre Begleiter wohnten im Athletendorf auch mit dem Ziel, Begegnung und Freundschaft über nationale und kulturelle Grenzen hinweg zu fördern.
Das Kreuz der Sportler
Eine besondere Rolle spielte dabei das sogenannte „Kreuz der Sportler“. Es wurde am Mittwochabend, 19. August, bei einer Messe in der Kathedrale von Tarent empfangen und blieb dort während der Dauer der Spiele. Der Gottesdienst wurde vom Erzbischof von Tarent, Ciro Miniero, zelebriert. Bischof Paul Tighe, Sekretär des vatikanischen Dikasteriums für Kultur und Bildung nahm ebenfalls an diesem Gottesdienst teil.
Das Kreuz begleitet internationale Sportereignisse bereits seit den Olympischen Spielen und den Paralympics von London 2012. Es besteht aus verschiedenen Hölzern aus unterschiedlichen Regionen der Welt und soll für die Verbindung von Menschen, Kulturen und Völkern stehen. Im Heiligen Jahr 2025 wurde es dem Verein/Verband „Athletica Vaticana“ anvertraut, der es im Auftrag des Dikasteriums für Kultur und Bildung auch künftig zu internationalen Sportveranstaltungen tragen wird.
Das Kreuz der Sportler für die Winterspiele in Mailand/Cortina
Papst Leo XIV. hatte das Kreuz im April bei einer persönlichen Begegnung mit italienischen Olympioniken und Paralympics-Teilnehmern gewürdigt. Es vereinige seit den Spielen von London 2012 „Gebete, Erwartungen und Hoffnungen, Ängste und Leiden“ der Menschen, die Sport treiben“, sagte der Papst bei dieser Gelegenheit. Vor allem aber solle es daran erinnern, gemeinsam das Beste zu geben.
Geistliche und gesellschaftliche Mission
Der Präsident von „Athletica Vaticana“, Giampaolo Mattei, sah die Teilnahme in Tarent ausdrücklich als geistliche und gesellschaftliche Mission. Die vatikanischen Sportler sollten die Worte Leos XIV. über den menschlichen Wert des Sports konkret leben – insbesondere im Austausch mit den rund 4.000 Teilnehmern aus 26 Ländern. Der Präfekt des Dikasteriums für Kultur und Bildung, Kardinal José Tolentino de Mendonça sah in der Teilnahme von „Athletica Vaticana“ einen Brückenbau zwischen den Völkern des Mittelmeerraums, um dazu beizutragen, „Beziehungen des Friedens und der Geschwisterlichkeit“ zu schaffen.
Auch der Erzbischof von Tarent, Ciro Miniero, verband mit den Spielen eine Friedensbotschaft. Das Mittelmeer, so sein Wunsch, solle wieder zu einem „Meer des Friedens“ werden. Gerade angesichts eines gefährlichen Hochs von kriegerischen Auseinandersetzungen und der von niemandem zu übersehenden weltweiten Klimakrise könne der Sport zeigen, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern und gesellschaftlichen Gruppen einander nicht als Gegner, sondern als Brüder und Schwestern begegnen könnten.
Die Teilnahme an den Mittelmeerspielen war für „Athletica Vaticana“ der zehnte internationale offizielle Sportauftritt.
Vatikanstadt – der Sonderfall der kleinen Staaten
Unter den vielen kleinen Staaten, die Mitglied in der UN sind und die auch eine Mitgliedschaft im International Komitee aufweisen, ist Vatikanstadt ein Sonderfall. Er kann bis heute weder die Bedingungen erfüllen, um mit einem Nationalen Olympischen Komitee vom IOC anerkannt zu werden, noch kann er Mitglied eines Olympischen Fachverbandes sein, wenn man nicht Ausnahmeregeln einführt, wie dies zum Beispiel die UCI und der Taekwondo Verband gemacht haben. „Athletica Vaticana“ ist unter sportrechtlichen Gesichtspunkten ein Mehr-Spartenverein, was nicht gleichzusetzen ist mit einem Sportverband. Für eine Mitgliedschaft im IOC müsste ein Sportverband des Vatikans mindestens fünf olympische Sportarten betreiben und bei diesen fünf Olympischen Sportarten müsste eine Anerkennung durch deren internationale Fachverbände vorliegen. „Athletica Vaticana“ hat sich bislang vergeblich um eine Mitgliedschaft bei Word Athletics bemüht. World Athletics hat dem Verlangen von Vatikan Athletica nicht entsprochen, es als Mitgliedsverband in die Gemeinschaft der Leichtathletiknationen aufzunehmen. Der Verein kann die Aufnahmekriterien gemäß der Satzung von Word Athletics nicht erfüllen.
Nicht nur für die Mitglieder von Athletica Vatikan stellt sich die Frage, warum das IOC und die Internationalen Sportfachverbände im Falle der Sportorganisation des Vatikans auf die Erfüllung der Regelungen in ihrer Charta bzw. in ihren Satzungen insistieren, die ganz offensichtlich von der kleinsten Sportorganisation der Welt niemals erfüllt werden können.
Die meisten sog. „Kleinen Staaten“ wie Tuvalu, Nauru oder die Marshallinseln weisen in vergleichbarer Weise wie „Athletica Vaticana“ nur wenige aktiv betriebene Sportarten auf und haben meist sehr kleine ehrenamtliche Strukturen. Die internationale Teilnahme bei Sportwettkämpfen erfolgt häufig nur über einzelne Athleten und nur sehr selten können sie vollständige Mannschaften stellen. Eine permanente Vollzeitstruktur wie in größeren Staaten ist für die Durchführung der einzelnen Sportarten dort nicht finanzierbar. Entsprechend konzentriert sich der aktive Sport auf wenige Sportarten. Finanziell werden diese kleinen Staaten meist durch Organisationen wie „Olympic Solidarity“ gefördert. Allein vor diesem Hintergrund darf man sich wünschen, dass „Athletica Vaticana“ wie die anderen kleinen Staaten mit einem eigenen Nationalen Olympischen Komitee zukünftig bei Olympischen Spielen mit einem Sonderstatus antreten dürfen und dass dies auch für die Teilnahme an Weltmeisterschaften gilt. Seine Sonderrolle könnte der Verband des Vatikans dadurch bekräftigen, dass er sich jährlich durch ein Event auszeichnet, das seinem Friedensauftrag besonders gut entspricht: Ein Kindersport-Festival unter dem Patronat von Papst Leo auf dem großen Platz vor dem Petersdom, zu dem Kinder aus aller Welt eingeladen werden, um sich eine Woche lang bei Spiel und Sport zu begegnen. Dies müsste doch wohl auch im Interesse des IOC und der Olympischen Fachverbände sein!
Letzte Bearbeitung: 14. 9. 2026
Themenzuordnung: Olympismus
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird gelegentlich auf „gendergerechte“ Sprachformen – männlich weiblich, divers – verzichtet. Bei allen Bezeichnungen, die personenbezogen sind, meint die gewählte Formulierung i.d.R. alle Geschlechter, auch wenn überwiegend die männliche Form steht.
[2] https://sein-bestes-geben.de/wp-content/uploads/2019/08/6.18-Die-Sportpastoral.pdf